wohl ſein muß, ſo kann ich mir beinahe vorſtellen, daß ich eine Kugel ſehe, die mich an ihre Farbe erinnert. Auch habe ich eine ſchwache Erinnerung von der Weiße des Schnee's und von der Farbe unſerer Gebirge.“
„War es ein unglücklicher Zufall, der Sie der Seh— kraft beraubte?“ 5 g a
„Ja, ein Zufall, der der geringſte meiner Unglücks⸗ fälle war. Ich war kaum etwas uͤber zwei Jahre alt, als eine Schneelawine von den Höhen von La Flegere herunterrollte und unſere kleine Wohnung erdruͤckte. Mein Vater, der in dieſen Gebirgen Führer war, hatte den Abend in der Priorei zugebracht; Sie können ſich ſeine Verzweiflung denken, als er ſeine Familie von der furcht⸗ baren Lawine verſchlungen fand. Mit Hülfe ſeiner Ka⸗ meraden gelang es ihm, eine Höhlung in den Schnee zu machen, und ſo war er im Stande, in unſer Häuschen einzudringen, deſſen Dach noch von den ſchwachen Stützen getragen wurde. Das Erſte, worauf ſeine Augen fielen, war meine Wiege, er brachte ſie ſchnell in Sicherheit, denn die Gefahr wuchs mit jedem Augenblick; das Ar— beiten der Grabenden bewirkte, daß neue Maſſen von Eis losbrachen und diente nur dazu, die Verſchüttung unſerer zerbrechlichen Wohnung zu beeilen; mein Vater drang weiter vor, um meine Mutter, die in Ohnmacht lag, zu retten, man ſah ihn nachher, bei'm Lichte der außerhalb brennenden Fackeln, noch einen Augenblick, ſie in ſeinen Armen tragend, dann— ſtürzte Alles zuſammen: ich war eine Waiſe, und am nächſten Tage entdeckte man, daß mein Augenlicht zerſtoͤrt war.“ 375
„Armes Kind! ſo allein wurden Sie in der Welt zurückgelaſſen, ganz allein?“
„In unſerem Thale iſt ein Unglücklicher nie ver⸗ laſſen; alle die braven Bewohner von Chamouny verei⸗ nigten ihre Bemühungen, um mein Elend zu erleichtern; Balmat gab mir Obdach, Simon Coutet Nahrung, Gabriel Payot Kleidung; und eine gute Wittwe, die ihre Kinder verloren hatte, uͤbernahm meine Wartung. Sie übt noch immer Mutterpflicht gegen mich und leitet mich jeden Tag im Sommer zu dieſer Stelle.)
„Und ſind das alle Freunde, die Sie haben?“
„Ich habe noch mehr gehabt;“ ſagte der junge Mann, indem er ſeinen Finger geheimnißvoll an die Lippen legte,„aber ſie ſind fort.“
„Werden ſie nie wiederkehren?“
„Ich glaube faſt, nicht, dem Anſchein nach; doch vor einigen Tagen bildete ich mir ein, daß Puck zurück⸗— kehren würde, daß er ſich nur verirrt habe, aber zwiſchen unſern Gletſchern verirrt ſich keiner ungeſtraft. Ich werde ihn wohl nie wieder an meiner Seite fühlen, nie wieder ihn bellen hören bei der Ankunft von Reiſenden;“ hier weinte er bitterlich.
„Wie iſt Ihr Name?,
Eulaliens Platz, und ſeit ihrer Abreiſe
„Gervais. 5 f
„Hören Sie, Gervais, Sie müſſen mir noch von den Freunden erzählen, die Sie verloren haben,“ ſagte ich, und machte Anſtalt, mich an ſeine Seite zu ſetzen;
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Forme 1 h 5 Btw g.
aber er ſprang haſtig auf und nahm den freien Platz in Beſitz. ehud!
„Nicht hier, nicht hier, Herr,“ rief er,„dieß iſt
eingenommen.“ „Eulalie?“ erwiderte ich, und ſetzte mich auf den Platz, von dem er aufgeſtanden war,„erzählen Sie mir von Eulalie und von Ihnen ſelbſt; Ihre Geſchichte in— tereſſirt mich.“ 8 Gervais fuhr fort:„Ich ſagte Ihnen ſchon, daß mein Leben nicht des Glückes beraubt war, denn der Him⸗ mel gewahrt Denen, die im Unglück ſind, gnädig dadurch Erſatz, daß er guten Leuten Mitleid mit dem Elend der— ſelben einflößt. Ich lebte in glücklicher Unkunde der ganzen Größe meines Verluſtes. Doch plötzlich kam ein Fremder
hat Niemand ihn em Sab
im Dorfe des Bois an, um ſich dort niederzulaſſen, und 1
ward der Gegenſtand der Unterhaltung in unſerem Dorfe, Er war nur unter dem Namen„Herr Robert bekannt, aber die allgemeine Meinung war, daß er eine Perſon von Diſtinktion ſei, ſchwere Verluſte und großen Kummer erlitten habe, und deßhalb entſchloſſen ſei, ſeine letzten Jahre in vollkommener Einſamkeit zu verleben. Man
lichkeit gehangen; ein Kind aus dieſer Ehe, ein junges Mädchen, hatte ihm großen Gram verurſacht, denn ſie war blind geboren. Während der Vater, ſeiner Tugenden wegen, für ein Muſter gehalten ward, wurden die Güte und die Reize ſeiner Tochter in gleicher Weiſe geprieſen. Meine Blindheit verhinderte mich, über ihre Schönheit zu urtheilen; aber wenn ich ſie auch hätte ſehen können, ſie hätte keinen lieblicheren Eindruck auf mein Gemüth machen können. Ich ſtelle ſie mir bisweilen im Geiſte ſelbſt als noch liebenswürdiger denn meine Mutter vor.“
„Sie iſt alſo todt?“ fragte ich.
„Todt!“ erwiderte er mit einem Tone, in dem eine ſeltſame Miſchung von Schreck und Freude lag,„todt! wer ſagte Ihnen das?“(Fortſetzung folgt.)
Markt Bericht. Friedberg, am 3. November 1852.
Aufgefahrenſ Verkauft. 5
Gattung wurden wurden 1
(Mltr.)(Mltr.) fl. kr. WF 12 4 9 40 Korn 10 3 8 20 Gerſte 6 6 6 20 Safe:———— Kartoffeln.. 10 6 2— DFD— 5—— Mohnſamen.————
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
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Bekanntmachung.
(17277) Auf der in der ehemaligen Papiermühle bei Büdingen neu angelegten herrſchaftlichen Schneidmühle kann Jedermann Bauholz, ſowie auch anderes Holz in beliebiger Weiſe ſchneiden laſſen, welches mit dem Anfügen bekannt gemacht wird, daß thunlichſt bald auch auf herrſchaftliche Rechnung ein gehöriger Vorrath an Bohlen, Die⸗ len, Latten u. ſ. w. geſchnitten werden ſoll, und daß dieſe alsdann jederzeit auf Nachfragen in be⸗ liebiger Auswahl und Menge verkäuflich werden abgegeben werden.
Ueber die ſehr billig angeſetzten Preiſe, ſowie in jeder anderen Beziehung kann man ſowohl bei dem herrſchaftlichen Schneidmüller Link auf der Schneidmühle ſelbſt, als auch hier bei der unterzeichneten Rentkammer und bei dem Fürſt⸗ lichen Bauſecretär Klingelhöffer nähere Auskunft erhalten.
Büdingen den 22. Oktober 1852.
Fürſtlich Jſenburg⸗ und Büdingiſche Rentkammer Klingelhöffer.
Concurrenzeroͤffnung.
(16720 Die Stelle eines Taxators und Pfän⸗ derbewahrers am hieſigen Pfandhauſe wird mit dem Schluſſe dieſes Jahres erledigt werden. Diejenigen, welche zur Uebernahme derſelben
geneigt und fähig ſind, werden hiermit aufge⸗ fordert, ſich binnen vier Wochen bei der Ar— mencommiſſion ſchriftlich zu melden. Friedberg den 20 Oktober 1852. K. Baur. Bender.
Hofraithe-Verſteigerung. (1706) Montag den 8. November, Vormit⸗ tags 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe auf freiwilligen Antrag des Bürgers Heinrich Raab deſſen in der Ludwigsſtraße dahier gelegene Hof⸗ raithe, zur„Blauen Traube genannt, neben Philipp Ritzel I., öffentlich meiſtbietend ver⸗ ſteigert.
Friedberg den 28. Oktober 1852. In Auftrag:
Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Iunobiliar-
Montag de 1739) 1 Uhr, 0 ſagte, er habe eine Gattin verloren, an der er mit Zärt⸗ er
daſe itlich meistbietend ſpledberg den 1.
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