Ausgabe 
6.11.1852
 
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Grogeſſenzen, Bari, befen feinſte Stearin⸗, Braunschweiger

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telligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

die Kreiſe Friedberg, Vilbel und Nidda

im Beſonderen.

Sonnabend den 6. November

1852.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes.

Betreffend: Den Abverdienſt der unzahlbaren Feldſtrafen.

An Einſendung der Nachweiſe uber die Ihnen zum Abverdienſt überwieſenen Feldſtrafen binnen 8 Tagen, wer⸗ den Sie unter dem Anfügen erinnert, daß ich es nur ungern ſehen würde, mit Strafen gegen die Säumigen vorgehen zu müſſen.

Friedberg den 30. Oktober 1852. e

Der Dlinde von Chamonny. Eine Reiſeerinnerung von Charles Nodier.

Als ich zum zweiten Male das herrliche, romantiſche Chamouny⸗Thal beſuchte, ward ich mit der folgenden ruh⸗ renden und intereſſanten Geſchichte bekannt. Eine gänz⸗ liche Veränderung der Ideen war mir durchaus nothwen⸗ dig geworden: ich ſuchte deßhalb ſolche Gefühle in mir hervorzurufen, wie ſie durch erhabene Naturſcenen erweckt werden; mein mattes Herz verlangte friſche Erregung, um es von dem Kummer, der an ihm nagte, abzulenken, und die großartige Erhabenheit des Chamouny⸗- Thales und ſeiner Scenerie ſchien meiner damaligen Gemüths⸗ ſtimmung einen eigenthümlichen Reiz zu verleihen.

Abermals wanderte ich in dem anmuthigen Föhrenwald, der das Dorf des Bois umgibt, und dießmal mit neuem Vergnügen; noch einmal ſah ich die kleine Ebene, auf welche die Gletſcher ſo oft einen Einſturz machen, über der ſich die Spitzen der Alpen ſo majeſtätiſch erheben, und die ſich ſo lieblich hinabſenkt zu der pittoresken Quelle des Arveiron. Wie ergötzte ſich mein Auge an ſeinen Eis⸗ grotten, dieſem kryſtallenen Portikus, der jedes Jahr einen neuen Anblick gewährt.

Einmal, da ich wieder dieſe unvergleichliche Stelle beſuchte, war ich noch nicht weit gegangen, als ich be⸗ merkte, daß Puck, mein Lieblingshund, nicht an meiner Seite war. Wie konnte das zugehen? er ließ ſich ſonſt auch nicht durch den leckerſten Biſſen verleiten, ſeinen Herrn zu verlaſſen; er antwortete nicht auf meinen Ruf und ich begann mich unbehaglich zu fühlen, als das hübſche Thier ſich plötzlich zeigte, aber es ſah etwas ſcheu aus, doch ſchmiegte es ſich zutraulich an mich: er krümmte

ſich, ſeine Augen waren feucht und hatten einen bittenden Blick, er trug den Kopf ſehr niedrig, ſo niedrig, daß ſeine Ohren den Boden berührten; wenn man ihn ſo ſah, man konnte nicht böſe auf ihn ſein. Ich ſchalt ihn nicht; er aber verließ mich wieder, kehrte wieder zu mir zurück, und wiederholte dieß mehrere Male, während ich ſeiner Spur folgte, bis ich allmählich zu ſeinem Anziehungs⸗ punkte kam; es war als ob eine ähnliche Sympathie mich zu demſelben Fleck hinzog.

Auf einem Vorſpruug des Felſens ſaß ein junger Mann mit einem rührenden und einnehmenden Geſicht; er trug eine Art blauer Blouſe in der Form einer Tunika und einen langen Stab in der Hand; ſeine ganze Erſchei nung erinnerte mich ſtark an Pouſſin's antike Schäfer. Sein helles Haar ſiel in dicken Locken über ſeinen bloßen Nacken auf die Schultern herab; ſeine Züge hatten einen ernſten, aber nicht ſtrengen Ausdruck, er ſchien niederge ſchlagen, aber nicht verzweifelnd. Seine Augen hatten etwas Eigenthümliches, deſſen Wirkung ich mir nicht er⸗ klären konnte, ſie waren groß, aber ſtarr und ihr Licht ſchien erloſchen. Das Rauſchen des Windes hatte meine Tritte nicht vernehmen laſſen, und ich wurde bald gewahr, daß ich nicht bemerkt ward. Endlich überzeugte ich mich, daß der junge Mann blind ſei. Puck hatte genau aufge merkt, welche Gefühle ſich auf meinem Geſicht zeigten; aber ſobald er entdeckte, daß ich gütig gegen ſeinen neuen Freund geſtimmt war, ſprang er an ihn hinauf. Der junge Menſch ſtrich Puck's ſeidenes Haar und lächelte ihm gutmüthig zu.

Wie kommt's, daß Du mich kennſt? ſagte er zu dem Hunde;Du gehörſt ja doch nicht in's Thal. Ich hatte einſt einen Hund, der eben ſo munter war, wie Du, und vielleicht eben ſo hübſch, aber ſein Haar war wolliger: er hat mich verlaſſen, wie manche Andere, er mein letzter Freund, mein guter Puck.

Wie ſonderbar! ſagte ich; Puck?

Ach, Mann, und ſtand auf, ſich auf ſeinen Gebrechen muß mich entſchuldigen.

Bitte, ſetzen Sie ſich, mein guter Freund; Sie ſind blind, fuͤrchte ich?/

Ja, ſeit meiner Kindheit.

Haben Sie niemals ſehen können?

Ach ja, aber nur eine ſehr kurze Zeit; ich habe einige Erinnerung vom Aublick der Sonne, und wenn ich meine Augen zu dem Punkt des Himmels erhebe, wo ſie

hieß Ihr Hund auch

verzeihen Sie, mein Herr, rief der junge Stab ſtützend,mein