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Friedberg den 23. Januar 1894.

Betreffend: Vorträge des Obstbautechnikers.

Ich bringe zur Kenntniß der Interessenten, daß Herr Obst⸗

bautechniker John

am 27. Januar in Nieder-Rosbach, 28. Ober⸗Rosbach,

Bekanntmachung.

Der Großh. Bürgermeister Wagner von Bruchenbrücken wurde als Amtstaxator für verpflichtet. Die Bürgermeistereien der dem II. Wildschadensbe

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Bekanntmachung. Nähere

gegangen. Friedberg den

0 29. 0 5 Ober⸗Wöllstadt,[Der Vorsitzende des 5% 0 Ocktadt, 3 Bad⸗Nauheim

Vorträge über Obstbau mit praktischen Unterweisungen

halten wird.

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den II. Wildschadensbezirk ernannt und eidlich

zirk angehörigen Orte wollen solches ortsüblich bekannt machen.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

Mittheilungen sind den Herren Bürgermeistern zu

23. Januar 1894.

Bezirksvereins Friedberg des Oberhessischen Obstbauvereins:

Süffert.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 23. Jan. Heute Nachmit⸗ tag trafen die Sachsen-Coburg-Gothaischen Herr schaften hier ein, um bis zum 25. hier zu ver⸗ weilen. Zum ersten Male als Braut unsres Landesherrn betritt damit J. K. H. die Prin zessin Viktoria Melita hessischen Boden, ein freudiges Ereigniß von bleibender Bedeutung für unser Land und Fürstenhaus.

Berlin, 23. Jan. Das große Ereigniß des Tages ist die Aussöhnung zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Bismarck; der Alt⸗ reichskanzler kommt nächste Woche zum Be suche nach Berlin. Bismarck war an Influenza erkrankt, bei dem hohen Alter desselben ein bedenkliches Ereigniß. Dies legte dem Kaiser den Gedanken nahe, sich mit dem Reichskanzler auszusöhnen. Es ist früher mehrfach betont worden, daß Fürst Bismarck zu dieser Ver söhnung den ersten Schritt thun müsse, der allgemeinen Meinung nach aber doch wohl der Kaiser, der ihn entlassen. Der thatsächliche Hergang hat sich nach ziemlich glaubwürdigen Mittheilungen in folgender Weise vollzogen: Graf Herbert Bismarck war am Sonntag zum Ordensfest eingeladen und zwar auf Grund allgemein gültiger Vorschriften, aber nicht auf speziellen Befehl des Kaisers. Er kam und wurde von der Kaiserin, dem Prinzen Heinrich und anderen Mitgliedern des königlichen Hauses freundlich begrüßt, und die Minister Graf Eulenburg und Or. Miquel verkehrten auf⸗ fallend intim mit ihm. Er wurde dann, als der Kaiser Cerele hielt, von zwei Kammer herrn auf Befehl des Oberhofmarschalls Graf Eulenburg in den Kreis der Personen geführt, mit denen der Kaiser sprechen sollte. Er selbst mag angenommen haben, daß dies auf An⸗ ordnung des Kaisers geschehe; aber der Kaiser sprach nicht mit ihm und vermied ihn sogar in ganz auffallender Weise. Diese Scene bildete seit gestern das Gespräch in politischen Kreisen. Die Augenzeugen hatten den Eindruck, daß der Kaiser sich eine Annäherung an den Grafen Herbert Bismarck, der wie eine Aussöhnung ausgesehen haben würde, nicht habe oktroyiren lassen wollen. Darüber soll der Kaiser gestern mit dem Staatssekretär Marschall während eines Vortrages gesprochen haben, und während dieses Vortrages soll er den Eutschluß gefaßt haben, sich mit dem Vater auszusöhnen. Darauf erfolgte die Entsendung des Flügeladjutanten Grafen Molkte nach Friedrichsruh mit einer Flasche alten Weins für den Genesenden und es kam die Antwort des Fürsten Bismarck zurück, in der er für die Theilnahme des Kaisers dankte, schrieb, daß er die Flasche am Geburts tage des Kaisers auf dessen Wohl trinken werde und die Hoffnung aussprach, ihm in der nächsten Woche in Berlin persönlich zu danken. Heute Vormittag besuchte der Kaiser den Reichskanzler Grafen Caprivi und theilte ihm seinen Brief an Bismarck und dessen Antwort mit.

Berlin, 22. Jan. Reichstag. Nothstands Inter- pellation der Sozialdemokraten. Liebknecht weist be⸗ gründend auf den Nothstand in Deutschland und anderen Ländern hin und führt aus, daß man ummer stärker versuche, den Nothstand in Verbindung mit dem anar chistischen Gespenst im Dienste der Reaktion gegen die Sozialdemokratie auszunutzen. In Deutschland seien freilich die Versuche, Attentate zu veranlassen, trotz der wachsenden Nothlage mißlungen. Daß in Berlin kein Bürgerblut geflossen sei, verdanke man nur der Disziplin

der Sozialdemokratie. Die Mehrzahl der Strikes der letzten Jahre sei von den Unternehmern provozirt worden. Nur ein definitiver Bruch mit der kapitalistischen Pro⸗ duktionswirthschaft könne Abhilfe bringen. Das soziale Königthum habe längst seinen Canossagang gemacht und sich vor König Stumm gebeugt. Staatssekretär Boetticher: Auf sozialistische Experimente lasse sich die Regierung nicht ein. Ein vereinzelter Nothstand bestehe allerdings, doch treffe er Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Anderer⸗ seits gebe es ausgedehnte Distrikte und Industrien, wo die Nachfrage nach Arbeitern nicht befriedigt werde, auch die Arbeitslöhne verfolgten im Allgemeinen steigende Tendenz. Wenn der Nothstand stellenweise einen größeren Umfang annehme, so sei das vielfach die Folge gewissen⸗ loser Agitatoren, welche die fluctuirende Arbeiterbe völkerung beeinflussen. Was die erwähnten Uebergriffe der Polizei in Berlin anbelange, so sei weder beim Polizeipräsidenten, noch beim Minister des Innern, noch, bei dem Reichskanzler Beschwerde geführt worden. (Unruhe bei den Sozialdemokraten) Vereinzelter Noth stand bestehe; von den Gemeinden und Staatsverwal tungen werde ihm möglichst abgeholfen; aber einen intensiven Nothstand, der ein Eingreifen des Reiches erfordere, leugne er. Auf Antrag Singers folgt eine Besprechung der Interpellation.

Gelsenkirchen, 20. Jan. Ein größeres Dynamitlager entdeckte gestern die Gendarmerie in dem benachbarten Industrieorte Bulmke, woselbst in der Wohnung eines Bergmannes nicht weniger als 87 Dynamitpatronen mit den dazu gehörigen Zündschnüren vorgefunden und beschlagnahmt wurden. Der Bergmann wurde auf der Zeche, wo er gerade arbeitete, verhaftet.

Kiel. S. M. Kbt.Iltis, Komm. Korv. Kapt. Graf Baudissin, ist am 19. Januar in Shanghai eingetroffen.

Ausland.

Spanien. Madrid, 22. Jan. Nachrichten aus Melilla zufolge ist die spanische Flotte mit Martinez Campos in der Richtung der Meer enge von Gibraltar in See gegangen. Es verlautet Campos sei beauftragt, vom Sultan von Marokko als Garantie für die Zahlung der Entschädigung die Intervention Spaniens bei der Erhebung der Zölle in dem Terri torium zwischen Ceuta und dem Muluga flusse zu fordern. Die Intervention bedinge eine zeitweise Okkupation des Territoriums, da der Sultan eine lange Frist für die Zahlung der Entschädigung verlangen werde.

Italien. Rom, 22. Jauuar. Minister Boselli richtete an den Sindaco, den Präfekten und die Handelskammer von Genua, die Auf forderung, die Errichtung eines großen Stapel platzes dortselbst für den zum Export bestimm ten italienischen Wein baldmöglist zu bewerk stelligen. Nach einer Meldung desPopolo Romano aus Catania sind in den dortigen öffentlichen Gärten drei mit Dynamit gefüllte Kistchen und eine Schachtel mit Lunten aufge funden worden. Die Kistchen trugen die Etiquette eines ausländischen Anarchisten-Comités. Die Ruhe hält in Massa an. Ein Detachement Alpenjäger durchstreifte die umliegenden Höhen.

22. Jan. Kammer und Senat sind

durch Dekret des Königs bis zum 20. Februar vertagt worden. Diese Nachricht wird allseitig lebhaft besprochen und vielfach mit der weiteren Nachricht in Verbindung gebracht, daß Sonnino, Saracco und Mocenni ihr Portefeuille Crispi zur Verfügung gestellt haben sollen.

Der

Serbien. Belgrad, 21. Januar. Ministerrath, welcher gestern bis spät Nachts mit einflußreichen Persönlichkeiten der radikalen [Partei über die Lage konferirte, erfuhr gegen

Mitternacht die bevorstehende Ankunft Milans. Heute Vormittag überreichte der Ministerpräsi⸗ dent Gruie dem Könige die Demission des ge sammten Kabinets und motivirte dieselbe mit der Ankunft Milans. Der König verlangte nur eine andere Begründung, was Gruic ver weigerte. Der König versicherte Gruie, es handle sich überhaupt nicht um das Betreten verfassungswidriger und unparlamentarischer Wege; er hoffe im Gegentheile von der An⸗ wesenheit seines Vaters eine Klärung der Lage. Um ũ Uhr Nachmittags traf Milan hier ein. König Alexander eilte dem Vater freudig erregt entgegen. Beide umarmten und küßten sich wiederholt. Einzelne RufeHoch König Milan, welche seitens des versammelten Publi kums es waren etwa 50 Personen an⸗ wesend ausgebracht wurden, wies Milan mit einer Geberde des Unwillens zurück und rief:Hoch König Alexander! Beide be⸗ gaben sich alsdann in das königliche Palais. In der Stadt herrscht Ruhe. Die Radikalen haben schriftlich sämmtliche Bedingungen der Krone, unter welchen letztere bereit wäre, noch mals ein radikales Kabinet zu berufen, abge lehnt. Diese Bedingungen sind: Einstellung des Prozesses gegen die früheren liberalen Mi⸗ nister, Aufhebung des Dekretes der Skupschtina in Betreff der Verbannung des Exkönigs Milan und Ausschließung derjenigen Persönlichkeiten der radikalen Partei, welche eine offene anti dynastische Gesinnung haben. Da die Krone Verhandlungen nur auf dieser Basis eingehen wollte, ist der Bruch nun ein definitiver. Die radikale Partei hatte für die heute zusammen tretende Skupschtina einen Gesetzentwurf vorbe reitet, nach welchem die in den Staatsdepots aufbewahrten Waffen der Miliz ausgefolgt werden sollten, was eigentlich nur bei einer Mobilirsirung und während der Dauer der Waffenübungen zulässig ist. Das Ministerium verhielt sich gegenüber dieser Vorlage passiv. Alexander schöpfte aber Verdacht, da die stehende Armee gegenüber der bewaffneten Miliz wehrlos wäre und er berief darauf Milan und den Gesandten Simic nach Bel grad. Letzterer gehört keiner Partei an, hat aber Verbindungen mit allen Parteien. In der Skupschtina wurde sodann ein Brief von Gruic verlesen, in dem er seine Demission anzeigt. Gjuric wollte eine Debatte hervorrufen, was aber von der Mehrheit abgelehnt wurde. Die Skupschtina wurde sodann auf unbestimmte Zeit, zunächst bis zur Bildung eines neuen Kabinets vertagt, doch ist nicht ausgeschlossen, daß die Vertagung bis zum November erfolgen könnte.

Amerika. New⸗York, 22. Januar. In Folge der Entlassung von 5 Angestellten der Tramwaygesellschaft in Bridgeport strikten 100 Bedienstete. Sie besetzten den Fahrweg und verhinderten den Verkehr; ein Wagen wurde in Brand gesteckt. Im Laufe des Tages fan den verschiedene Krawalle zwischen Strikenden und der Volksmenge statt, wobei mehrere Per sonen ernstlich verletzt wurden. Der Bürger

meister verlas die Aufruhrakte und 12 Per sonen wurden verhaftet.

Egypten. Kairo, 22. Jan. Das Gerücht bestä⸗ tigt sich, daß der Khedive während seiner Nilreise ungünstige Bemerkungen über den Zustand der egyptischen Armee und der in derselben kom

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