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herzogspaar im geschlossenen Hofwagen unter wiederholten Kundgebungen des Publikums aus dem Residenzschloß vom Essen zum Neuen Palais zurück. Die junge Frau trug noch die Prunk-⸗Toilette, ein weißseidenes Gewand mit Brokatstickerei. Mittlerweile hatte auch die Stadt ihre Toilette für die glänzende Illumi— nation gemacht, von der man sagen muß, daß sie mit einfachen Beleuchtungs-Effekten die prächtigste Wirkung erzielte. Auf einer Rund— fahrt ließ das Großherzogspaar die schöne Scenerie auf sich wirken. Der Großherzog trug den grauen Offiziersmantel und Helm, die Großherzogin ein weißes Cape mit licht— grauem Federbesatz und ein kleines Kapott— hütchen. Gegen halb zehn Uhr war die Um— fahrt beendet. Die Neuvermählten fuhren ins Residenzschloß und nahmen, von Hochrufen empfangen, auf dem Balkon über dem Haupt— portal die Fackel-Serenade entgegen.— Prin— zessin Alix von Hessen und der Großfürst— Thronfolger haben sich heute verlobt.
21. April. Heute Nachmittag fand anläßlich der Vermählung des Großherzogs im städtischen Saalbau die Bewirthung von 130 Waisen— und Armenkindern mit Kaffee und Kuchen statt.“ Das Großherzogliche Paar fuhr um 7% Uhr n einem eigenes gebauten, mit den Landes— arben und Silberkronen gezierten Prunkwagen, »essen sechs Pferde von Hofoffizianten geführt vurden, vom Neuen Palais nach dem Residenz-
cchlosse. Die Volksmenge begrüßte enthusiastisch Um 7½½ Uhr fand im Schlosse
gas Paar. Damencour statt, wobei die bei Hofe einge— führten Damen durch den Obercermonienmeister ler Großherzogin vorgestellt wurden; darauf solgte die Cour der Kammerherrn, Kammer— uinker und Hofjunker. Um 8½ Uhr Abends par gesellige Vereinigung in der Festhalle auf dem Exerzierplatze.— Der Großfürst⸗Thronfolger don Rußland trüfft morgen mit seiner Braut, der Prinzessin Alix, hier ein.
— 20. April. In der gestrigen Sitzung der Zweiten
Kammer wurde, wie bereits gemeldet, sestens der Re⸗
gerung ein Gesetzentwurf, betreffend die Reform der
Peinsteuer, zur Berathung und Beschlußfassung überreicht. genommene. Nach dem Entwurf ist als steuerpflichtig anzusehen der
eite Uebergang a. vom Produzenten an den Wirth; 9 vom Händler an den Wirth;«. vom Produzenten at den Privaten; d. vom Händler an den Privaten.“ eteuerfrei soll dagegen bleiben der Uebergang a. vom Produzenten an den Händler; b. von einem Händler cn den anderen; e. von einem Wirth an einen anderen Virth oder einen Privaten; d. von einem Privaten an esten anderen Privaten.— 21. April. Abg. Vogt hat hi der Zweiten Kammer eine Interpellation betreffs Erhaltung der Sonntagshandwerkerschulen“ eingebracht, de dem Staatsminister zur Kenntniß überwiesen wurde. Te Berathungen der ordentlichen Einnahmen für die Inanzperiode 1894/97 wird fortgesetzt. Die Betriebs- ülerschusse der Main-Neckarbahn wurden mit 947,345 M., Aijenigen der Oberhessischen Bahnen mit 202,300 M. ehgestellt. Auf Anregung aus Abgeordnetenkreisen elllärt die Regierung, eine Gleichstellung der Beamten ah den Oberhessischen Bahnen mit denen der Main- Mekarbahn gehe nicht an, weil dann die Ueberschüsse der Oberhessischen Bahnen verschwinden müßten. Unter Aussetzung der Berathungen über die„Weinsteuer“ nerden für Stempel- und Gerichtsgebühren 1,464,000 M e eingestellt. Von der Erbschafts⸗ und Schenkungs⸗ seuer erhofft man eine Einnahme von 485,000 Mark. Die Kammer erledigte ferner, soweit solche nicht zurück- gestellt sind, die ordentlichen und außerordentlichen Ein⸗ mah men, sowie einen Theil der außerordentlichen Aus— gaben. Zur Bestreitung von ein Viertel der Koen des Neubaues von Kreisstraßen erhält jede Provinz 100,000 M. Das nicht Verwendete fließt in die Staats— kise zurück. Als zweite Rate für den Bau der Central-⸗ sele für Gewerbe wurden 200,000, als solche für die Slndtkirche in Friedberg 50,000, für den Dom in Worms 700 Mk. bewilligt.
Berlin. Das„Militärwochenblatt“ meldet, das S. K. H. der Großherzog Ernst Ludwig ron Hessen zum Generalmajor befördert ist. Coburg, 21. April. Der deutsche Kaiser it heute nach Eisenach abgereist; er wurde bon Herzog zum Bahnhof geleitet. Die Kaiserin griedrich reist heute Abend ab.
Ausland. Belgien. Antwerpen. Die feierliche Er— öffnung der internationalen Ausstellung findet 4 Gegenwart der königlichen Familie am
5,„Mai statt.
Schweden. Stockholm. König Oskar von Schweden tritt am 4. Mai eine Reise nach Deutschland über Helsingborg an.
Großbritannien. London, 20. April. Das Unterhaus nahm nach siebenstündiger Debatte die irische Pächterbill in erster Lesung an. Der Antrag Morton's, dem Herzog von Koburg die Apanage zu entziehen, wurde mit 298 gegen 67 Stimmen abgelehnt.
Portugal. Lissabon. Die bisher be— kannten 171 Wahlresultate ergeben für die Regierung eine Majorität von 40 bis 50 Stimmen. Es sind 50 Progressisten und zwei Republikaner gewählt. Die noch ausstehenden Wahlen können an dem Gesammtergebniß nichts mehr ändern.
Italien. Rom, 21. April. Bei der Be— rathung des Marinebudgets in der Kammer erklärte der Marineminister, man solle alle Kräfte für die Flotte, die den wesentlichsten Theil der Küstenvertheidigung bilde, einsetzen, vornehmlich müsse man auf die Personenfrage Gewicht legen. Es sei schwierig, daß ein Mann die Verantwortung zweier so wichtiger Ressorts wie Krieg und Marine übernehme, und es wäre klug und weise, ein weiteres Mini— sterium der Landesvertheidigung zu errichten, statt 2 Ministerien zusammenlegen zu wollen. Er empfehle die Annahme des Budgets; es sei unmöglich, das Budget zu verringern, ohne gegen die elementarste Klugheit zu fehlen. (Bewegung.) Wenn sich Jemand finde, der hierfür die Verantwortung übernehmen wolle, sei er bereit, ihm seinen Platz zu überlassen; er würde aber in diesem Falle mit dem Tode im Herzen ein solches Vorgehen ansehen, das
die Schande des Admirals, den unrühmlichen
Niedergang der Flotte, den Verfall und das
Unglück des Vaterlandes bilden würde.(Leb— hafte Bewegung.) Die Kammer lehnte in
namentlicher Abstimmung mit 277 gegen 53
Stimmen die von der Regierung bekämpfte einfache Tagesordnung ab und genehmigte mit großer Majorität eine von der Regierung an—
Montenegro. Cetinje, 19. April Die Situation in Albanien veranlaßte die Pforte, militärische Verstärkung aus Kleinasien dahin zu senden. Mehrere Bataillone sind bereits abgeschickt.
Amerika. Washington, 21. April. Hier herrscht große Unruhe wegen des Zuges der Arbeitslosen, die von überall her auf Washington marschiren, um dem Kongreß ihre Beschwerden zu unterbreiten. Die aus 200 Mann bestehende Vorhut ist hier angekommen, während 5000 Mann sich noch in Couneil-Bluffs in Jowa befinden.
New⸗Nork, 21. April. Heute beginnt im Kohlendistrikt ein großer Streik. In 3000 Gruben wollen 250,000 Bergarbeiter feiern.
Rio de Janeiro, 20. April. Die Revolution im Süden Brasiliens ist im Erlöschen. Die Regierungstruppen beherrschen Parama, und Desterro, den Hauptort des Staates Santa Catharina.
Aus Stadt und Land. d. Friedberg. Die von der Preußischen Staatsbahn—
Verwaltung schon seit Jahren angestrebte und im Bezirk
der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Hannover, also auch der Main⸗Weserbahn, schon seit längerer Zeit mit günstigem Erfolge eingeführte Sonntagsruhe für den Güterverkehr wird nunmehr allgemein zur Einführung gelangen.
2. Friedberg. Am nächsten Mittwoch, 25. April, findet die Monatsversammlung der„Evang. Vereinig⸗ ung“ im Schmitt'schen Gartensaal statt; und es wird gehofft, daß dieselbe eines zahlreichen Besuches der Mitglieder und Freunde sich erfreuen werde. Den Gegenstand der Verhandlungen soll bilden eine Be— sprechung über„Wesen und Geschichte der evang. Con⸗ firmation“, zu der Professor Dr. Weiffenbach ein kurzes einleitendes Referat geben wird: Daß dieses Thema gerade in der jetzigen Zeit des Kirchenjahrs ein ganz besonderes Interesse erwecken wird, bedarf keiner weiteren Ausführung. An die Verhandlungen wird sich— wie man hofft und wünscht— wieder ein musikalisch⸗geselliger Theil anschließen. Daß auch die Damen Zutritt haben, bedarf wohl keiner Erwähnung mehr. 0
k. Friedberg, 23. April. Heute 12 Uhr Mit- tags überraschte der Storch auf der offenen Chaussee in der Nähe der Stadt eine Frau von Bruchenbrücken mit einem kräftigen Söhnchen. Mutter und Kind wur— den in das Hospital gebracht.
b. Nieder⸗-Mörlen, 23. April. Gestern fanden Spaziergänger im Frauenwäldchen die halbverweste Leiche eines gutgekleideten Mannes. Neben ihm lag ein sechsläufiger geladener Revolver, von dem 2 Schüsse abgefeuert waren.
Worms. Wie in der„W. Ztg.“ berichtet wird, hat Commerzienrath Freih. v. Heyl, anläßlich der Ver— mählung des Großherzogs, 100,000 M. zu einem Ar- beiterheim in der Nähe der Stadt gestiftet.
Allerlei.
r. Frankfurt. Die Centralstelle für Obstverwerthunz dahier, die im vorigen Jahre gegründet wurde und die bekanntlich so vorzügliche Resultate zu verzeichnen hatte, hat ihre Thätigkeit während des Winters nicht eingestellt. Es wurden seit der Veröffentlichung des Berichtes von 1893 Abschlüsse von ca. 570,000“ Kilo vermittelt. Wenn während der Wintermonate noch eine solche große Menge Obstes durch Vermittelung der Centralstelle verkauft wurde, so dürfte wohl jeder Zweifel beseitigt sein, daß die Errichtung einer solchen Stelle ein dringendes Bedürfniß war. Es kann aber auch jedem Produzenten und Konsumenten nur wieder— holt anempfohlen werden, sich der Vermittelung der Frankfurter Centralstelle zu bedienen, denn auf einfachere, bequemere und billigere Weise kann er sein Obst nicht los werden, bzw. seinen Bedarf decken. Er hat nur das zur Verfügung stehende Quantum oder die be— nöthigte Menge der Centralstelle anzugeben und wird sofort von dieser mit einer größeren Zahl von In— teressenten, ohne daß er irgendwelche Gebühr zu zahlen hätte, in Verbindung gesetzt. Einzige Bedingung ist, daß das abgesetzte oder erworbene Quantum immer sofort der Centralstelle mitgetheilt wird. Auch in diesem Jahre wird das Obst wieder früher reif, in kurzer Zeit wird das Beerenobst, Erdbeeren, Stachelbeeren, Jo— hannisbeeren u. s. w., auf den Markt kommen und es seien daher alle Interessenten auf die Frankfurter Centralstelle aufmerksam gemacht. Es dürfte gut sein, schon jetzt von dem erwarteten Ertrage bezw. der be— nöthigten Menge der Centralstelle Mittheilung zu machen, damit die Vorverhandlungen vor der Reifezeit erledigt werden können und seinerzeit auf Grund der geschehenen Abschlüsse sofort mit dem Versandt begonnen werden kann.
Frankfurt. Im zoologischen Garten nimmt eben das Aquarium in ganz besonderer Weise die Aufmerk— samkeit der Besucher in Anspruch, da in der letzten Zeit mehrere Sendungen aus verschiedenen Meeren und Flüssen angekommen sind. Unter den Süßwasserthieren erregt besonders ein junger Seehund aus der Schelde das all— gemeine Interesse, der mit seinen täppischen Bewegungen sich oft vergebens quält, die ihm als Nahrung gereichten lebenden Fische zu fangen. Durch seine sonderbare Ge— stalt fällt ein Sterlet aus der Wolga auf, einer der geschätztesten Fische Rußlands. Unter den Meeresthieren fesselt ein eleetrischer Rochen von seltener Größe die Besucher, der energische Schläge austheilt, sobald ihm ein Mitbewohner seines Beckens zu nahe kommt. Ein Polyp, prächtig weiß und schwarz getigert, macht auf Krabben Jagd, die er trotz ihrer respeetabeln Größe auf einmal verschlingt. Außerdem besteht der Zuwachs des Aquariums aus merkwürdig gestalteten Fischen, wie Meerkröten und Seescorpionen, ferner aus Korallen, Schwämmen, Seenelken und Seesternen in verschiedenster Größe.
Würzburg, 19. April. Der Blitz schlug in den hölzernen Thurm der im Jahre 1274 gebauten Augustiner— Kirche ein. Die Kreuzspitze und die Kuppel wurden theil⸗ weise abgeschlagen. Das Feuer ist nach längeren Be— mühungen mittelst der Dampfspritze gelöscht worden.
Bayreuth, 20. April. Gestern gingen in Ober— franken schwere Gewitter mit Hagelschlag nieder.
Berlin Ueber ein Duell zwischen Legationsrath Kiderlen-Wächter und dem Redakteur des„Kladdera— datsch“ Polstorff theilt die„National-Ztg.“ mit: Polstorff wurde an der Achselhöhle verwundet. Den unmittel— baren Anlaß zu dem Duell gab ein Privatbrief Polstorffs, wodurch Kiderlen in seiner Eigenschaft als Landwehr— offizier getroffen war. Wien, 20. April. Bad Hall in Oberösterreich steht in Flammen; die Hälfte des Kurorts ist abgebrannt. Wien. In den am Zbruczflusse gelegenen Gemeinden Skala, Stara⸗Skala und Siekierzyna sind einige Fälle von Cholera asiatica mit theilweise tödtlichem Ausgange infolge Einschleppung aus Russisch-Podolien vorgekommen.
Antwerpen, 18. April. Die Polizei verhaftete die Frau eines hiesigen höheren Beamten, welche im Verdacht steht, drei ihrer Verwandten vergiftet zu haben, um sich die Lebensversicherungsbeträge von 300,000 Fres. anzueignen. Die Verhaftung erregt das größte Aufsehen.
Madrid 20. April. Für die Rückkehr der spanischen Pilger aus Rom wurden in Valencia Vorkehrungen getroffen.
Athen, 20. April. In ganz Griechenland fand heute ein Erdbeben statt. Das Centrum war die Provinz Larissa, wo mehrere Ortschaften zerstört u. 20 Kider unter den Trümmern eines zusammenstürzenden Klosters be⸗ graben wurden. In Theben wurde beträchtlicher Schaden an Wohngebäuden angerichtet, aber ohne Verluste an Menschenleben; in Chaleis wurden 5 Personen getödtet, in Athen eine Anzahl Häuser ernstlich beschädigt.


