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die Bombenwerkstätte des Attentäters Henry. Dieser wohnte daselbst unter dem Namen Dubois. Es wurde eine große Menge Explosivstoffe gefunden.
— Der vor kurzem hier verhaftete Bernhard ist nach polizeilichen Erhebungen ein sehr ge— fährlicher Anarchist. Er war bei sämmtlichen Komploten, die in den letzten Jahren in Spanien entdeckt wurden, betheiligt, hat mit Ravachol in Verbindung gestanden und es wurden auch Briefe Vaillant's bei ihm vorgefunden.
— 14. Febr. Der„Liberté“ zufolge er⸗ hielt die Regierung betreffs des zweiten fran— zösisch⸗englischen Zwischenfalles an der Grenze von Sierra Leone Informationen, wonach die Schuld lediglich den Engländern zufalle, die ein auf französischem Territorium liegendes Dorf angegriffen. Die französischen Milizen hätten die Angreifer zurückgeschlagen.
Großbritannien. London. Wie der Berliner Korrespondent des„Stacdard“ erfährt, wird die Königin auf ihrer Reise nach Italien von der Kaiserin Friedrich begleitet werden, welche ihrer Mutter das nun vollendete Schloß Friedrichshof im Taunus zeigen will. Von dort werde die Königin Victoria über Darm— stadt, wo ein kurzer Aufenthalt stattfinde, über Basel nach Florenz gehen. Die Rückkehr erfolge über Coburg, wo die Königin der Hoch— zeit ihres Enkels, des Großherzogs von Hessen, mit der Prinzessin Victoria Melita beiwohnen werde.
— 15. Februar. Heute Abend wurde im Greenwich-Park, dicht beim königlichen Obser— vatorium, ein Mann durch die Explosion einer Masse, die er bei sich getragen, beinahe in Stücke gerissen. Der Getbödtete ist anscheinend Franzose, man vermuthet, daß er Anarchist war.
Serbien. Belgrad. Die Reserven sind auf den 21. Februar zu einer dreiwöchentlichen Uebung einberufen, allein die Radikalen glauben — so behauptet wenigstens der Belgrader Korrespondent des„Daily Telegraph“— daß die Uebung nur ein Vorwand sei, in Wirk— lichkeit aber ein neuer Staatsstreich für den 6. März, den Jahrestag der Proklamirung Serbiens zum Königreiche geplant werde.— Sämmtliche rückständigen Gehälter der Beamten und Pensionen gelangten heute zur Auszahlung.
Amerika. Rio de Janeiro. Der interi— mistische Kriegsminister Galvas demissionirte in Folge eines Zerwürfnisses mit Peixoto. Die Revolution schreitet im Staate Parana fort und bedroht San Paolo. Die Aufständischen marschiren auf Rio de Janeiro; eine Schlacht steht bevor. Eine Revolution brach auch im Staate Alagoas aus; bei einem Zusammen— stoß gab es viele Todte und Verwundete.
Egypten. Kairo. Zohrab Pascha ist zum Unterstaatssekretär im Kriegs ministerium an Stelle Maher Paschas ernannt worden. Die Gesinnungen Zohrab's gegenüber England scheinen freundliche zu sein.
Aus Stadt und Land. Friedberg. Das hiesige Schullehrerseminar war
mit der er schon lange in Unfrieden lebte. Der Ver⸗ brecher brachte der bedauernswerthen Frau mehrere lebensgefährliche Stiche bei.
Ludwigshafen, 12. Febr. In der Umgegend von Heilbronn und Karlsruhe wurden kürzlich Nachts hauptsächlich in Pfarrhäusern Einbrüche verübt und dabei Geld und Geldeswerth gestohlen. Die Spuren der Einbrecher führten hier zur Ermittelung der Thäter, die eine wohlorganisirte Diebesbande bildeten, und von hier aus ihre Raubzüge unternahmen.
Saarbrücken, 13. Febr. Der 19jährige Raub⸗ mörder Gier aus Püttlingen wurde heute früh 8 Uhr im Hofe des Justiz⸗Arrest⸗Hauses durch Scharfrichter Reindel hingerichtet.
Gelsenkirchen, 12. Febr. Schon wieder wurde hier ein beträchtlicher Dynamitfund gemacht. Ein Be⸗ diensteter der Essigfabrik von Dosse bemerkte, daß ein Hund an einem im Garten liegenden Packete herum— zerrte. Er sah nach und fand in dem Päckchen mehrere, in Zeitungen eingehüllte Dynamitpatronen mit Zünd⸗ hütchen. Die Polizei, die von dem Funde sofort ver⸗ ständigt wurde, nahm das Packet, dessen Inhalt hinge— reicht hätte, das ganze an dem Bahnhofe gelegene Häuserviertel in die Luft zu sprengen, in Beschlag.
Braunschweig. In einem hiesigen Blatte wird bekannt gemacht:„Den Mitgliedern der Schweine⸗
thor⸗Distrikts zur Nachricht, daß am Donnerstag den
Versicherungs-Kasse des Wilhelmi⸗, Hohe- und Petri⸗
11. Januar, bei Herrn Wittekop, Madamenweg, unser „Schweineball“ stattfindet. Gäste, durch Mitglieder ein⸗ bilde sind willkommen. Um zahlreiche Betheiligung ittet der Vorstand.“
Rendsburg, 14. Febr. In Folge Durchbruchs der Eider-Deiche ist die ganze Niederung überschwemmt.
Leobschütz, 14. Febr. Eine Feuersbrunst zerstörte heute Nacht bei orkanartigem Sturm zehn Gebäude. Der Grundbesitzer Reisch und zwei Kinder kamen in den Flammen um.
Budapest, 13. Febr. Auf dem Alexanderplatz erfolgte Nachts eine furchtbare Gasexplosion. Mehrere Personen wurden verwundet.
Hermannstadt, 13. Febr. In Bistritz wurde die Eisenbahnbrücke vom Eisgang weggerissen. Der Fluß Szamos ist aus seinen Ufern getreten und hat große Verwüstungen angerichtet.
Verviers, 13. Febr. Eine furchtbare Feuers⸗ brunst äscherte die großen Webereien der Firma Dreye ein, wodurch über 1000 Arbeiter brodlos wurden.
New⸗ Pork, 12. Febr. In allen Staaten des Westens wuthete gestern ein furchtbarer Schneesturm, wie er seit zehn Jahren nicht vorgekommen sein soll. Der Eisenbahnverkehr ist gehemmt und eine Menge Vieh zu Grunde gegangen.
Chicago. Die Stadt leidet entsetzlich unter den Nachwehen der letzten Weltausstellung. 175,000 obdach— und beschäftigungslose Menschen liegen auf der Straße. Die Zahl der Verbrechen wächst gewaltig.
Die Vergehen gegen die Sittlichkeit und andere Rohheitsdelikte nehmen in so be— deutendem Maße zu, daß der diesjährige deutsche Juristentag nicht umhin konnte, sich damit zu befassen. Die beiden Referenten,
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schreiten will. Es ist ein altes Sprüchwort: „Wer mein Freund sein will, mit dem muß ich einen Scheffel Salz gegessen haben!“ Dazu gehört also lange Zeit, ehe ich Einen meinen [Freund nennen kann. Aber das noch viel engere, eheliche Band sollte schon zum Glück geknüpft werden können, wenn man kaum ein Körnchen Salz mit einander verzehrt hat?
Woher kommt der Zug nach der Stadt? Ueber diese Frage schreibt Pfarrer Naumann⸗ Frankfurt u. a.:„Da gibt es nun gleich Menschen, welche antworten:„Das leichtfertige Volk will Tanzmusik und Theater haben; ihnen ist es auf dem Dorfe zu langweilig und darum kämen sie lieber in die Stadt, wo es viel Vergnügen gibt.“ Natürlich darf sich von rechtswegen über die Vergnügungssucht anderer nur Der aufhalten, der nicht selber vergnügungs⸗ süchtig ist. Wer selber darauf ausgeht, sein Leben zu genießen, der soll sich nicht wundern, wenn es Andere ebenso machen. Aber lassen wir dieses bei Seite, nehmen wir an, Diejenigen, welche das Anwachsen der Städte aus Ver— gnügungssucht erklären, seien die allergenüg— samsten und ernstesten Menschen. Ohne weiteres werden wir ihnen dann zugeben: ihr habt in vielen einzelnen Fällen recht. Es gibt Leute, die im Odenwald oder in der Pfalz besser fortkommen könnten als in Frankfurt, wenn ihnen nicht hier die Abwechslung lieber wäre. Aber eine so gewaltige Erscheinung wie den Zug nach der Stadt im Ganzen durch Tanz— musik und Tingeltangel zu erklären, ist doch allzu oberflächlich. Woher kommt es denn, daß nicht die Bauern, die ein eigenes Gut besitzen, aus lauter langer Weile in die Stadt ziehen? Warum sind es fast nur Leute ohne Besitz? Sind etwa nur die Besitzlosen ver— gnügungssichtig? Die Lust am abwechselnden Leben mag da und dort mitwirken, aber sie ist nicht der Hauptgrund. Der Hauptgrund ist: die Leute wollen Arbeit und Brod haben. Meist ist es so: die jungen Leute wissen auf dem Dorfe nichts anzufangen. Es fehlt an dauernder Arbeit. Was sollen sie thun? Sie denken: in der Stadt gibt es so Vielerlei, da wird es auch für uns etwas geben. Sie ziehen als Tagearbeiter, Handlanger, Diener, Lehrling, Geselle, Dienstmädchen in die Stadt. Einem Theil gelingt es, sich durchs städtische Leben hindurchzufinden, ein anderer Theil bricht zu—
Landgerichtsrath Kronecker in Berlin und Landrichter Felisch ebenda, äußerten sich in dem Sinn, daß eine Verschärfung der Freiheits— strafen einzutreten habe. Sie begründeten ihre Gutachten zwar nicht von gleichem Standpunkt aus, kamen aber zu demselben Resultat. Zu einem Beschluß kam es in der Versammlung allerdings nicht, man verschob die Sache viel— mehr auf den nächsten Juristentag. Allein es steht zu hoffen, daß die lautgewordenen Stimmen,
im verflossenen Schuljahre von 109 Zöglingen besucht,
Confession angehören. Darunter waren Söhne von Landwirthen 51, von Lehrern 16, von Gewerbetreibenden 29, von Beamten 9, von anderen Berufsarten 2; aus Städten mit über 10,000 Ein⸗ wohnern 4, aus Städten zwischen 10,000 und 2000 Einwohnern 31, aus Orten unter 2000 Einwohnern 74; vorbereitet in Präparandenanstalten 85, von Lehrern 9, in Realschulen 15; aus der Provinz Oberhessen 94, Starkenburg 13, Hessen-Nassau 2; zur Zeit der Auf- nahme im 16. Lebensjahre 4, im 17. 31, im 18. 32, im 19. 28, im 20. 8, im 21. und älter 6. Die offent⸗ liche Prufung findet am 22. Febr. statt, die Aufnahme— Prufung beginnt Montag den 19. März, das neue Schuljahr Montag den 16. April.
Gießen, 13. Febr. Geh. Kirchenrath Professor Dr. Köllner ist heute gestorben.
Allerlei. ö
Montabaur, 12. Februar. Bei der vor unserer Stadt gelegenen Kreuzkapelle machte gestern ein hiesiger junger Handwerker einen Mordversuch auf seine Mutter, Den Lesern zur Beachtung. Hautkrankheiten“, welche Aufklärung gibt über die groß
wovon 99 der evangelischen und 10 der katholischen dereine vereinigen, endlich doch zu einer ge—
Handel⸗ und
lersten Male!“ Wie soll man sich lieben, ohne
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die sich mit denen der Kirche und der Sittlichkeits—
setzlichen Maßregel in dieser Beziehung führen, zumal der Hochdruck der Thatsachen eher im Zunehmen als in der Abnahme begriffen ist
Ein Pfarrer erzählt: Es ist mir oft so ganz sonderbar, ja fast unmöglich erschienen, daß Eltern mit ihren Kindern zu mir kamen, die zur Schließung der Ehe schreiten wollten, und auf meine Frage:„Wie lange kennt ihr euch schon?“ die gleichgiltige Antwort gaben:„Wir kennen uns erst seit einigen Wochen oder Tagen“, oder:„Wir sehen uns heute zum
sich zu kennen, ohne zu wissen, ob man in allen Dingen übereinstimmt, die zu einer glücklichen Ehe gehören? Da ist's nicht zu verwundern,
sammen und fällt schließlich der städtischen Armenpflege zur Last.— Aber wie stimmt
denn das zusammen: auf dem Dorfe soll keine
Arbeit sein und doch rufen die Landwirthe nach Arbeitern? Wir denken darüber so: durch Einführung der Maschinen ist auch die Land— wirthschaft theilweise Saisonarbeit geworden. Der Landmann entläßt im Herbst viele Arbeiter. Gerade im Winter haben dann die Leute keinen Verdienst. Wer kann das aushalten? Wir hörten von einer Gemeinde in Holstein, wo sämmtliche Tagelöhner im Winter von der Ge— meindekasse erhalten werden, weil sie eben nichts zu thun finden. Andere Gemeinden können nicht so freigebig sein und sind daher nicht im Stande, ihre Arbeiter bei sich zu be— halten. Dazu kommt, daß durch die starke Verschuldung des ländlichen Grundbesitzes auf dem Lande der Betrieb meist sehr knapp ge⸗ halten wird. Man wirthschaftet mit möglichst wenig Leuten.“
Aus diesen Darlegungen geht hervor, daß
der„Zug nach der Stadt“, welcher heute in
den meisten Gegenden unseres Vaterlandes ein Grund zu großer Klage ist, nicht gebessert werden kann durch Predigten und Vorträge über die Genußsucht der Menschen, sondern durch eine ernste
wenn das Gelöbniß der Liebe und Treue nur
darauf ausgeht, den beruflosen Dorfbewohnern
Die heutige Gesammt Auflage enthält eine Beilage„Weitere interessante Mittheilungen über die
artigen Resultate, welche viele hundert Aerzte mit der Flugge'schen Erfindung erzielten.
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zum Schein gegeben wird, wenn wenige Wochen nachher schon wieder Sühneversuche angestellt werden müssen, weil man zur Ehescheidung
sozialpolitische Arbeit, die
neueste Behandlung der 0 9 809
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