Kommission werde sich schon Gelegenheit finden, die widerstreitenden Interessen des Tabakbaues und der Industrie mit einander auszugleichen. Frese(Freis. Ver.) erklärt, daß er die Tabaksteuer, als die Industrie schädigend, den Konsum zurückdrängend und die Arbeits⸗ losigkeit vermehrend, verwerfen müsse. Man vergesse, wenn man den Konsumrückgang bestreite, zu sehr, daß es ein großer Unterschied sei, ob Rohfabrikat zu Rauch⸗ tabak oder zu Cigarren verarbeitet werde und weist dies auf Grund seiner Erfahrungen nach. Unterstaats⸗ sekretüär Schraut empfiehlt die Vorlage namentlich im Interesse des Tabakbauers. So lange dieser unter dem jetzigen Steuersystem zu leiden habe, werde auch die Industrie nicht zur Ruhe kommen. Redner wendet sich dann gegen die Befürchtungen in Betreff des Consum⸗ rückganges. Gescher(kons.) erklärt, daß die Mehrheit seiner Partei der stärkeren Heranziehung des Tabaks 1 gegen die Vorlage aber starke Bedenken habe. ach längeren Ausführungen Meister's gegen die Fabrikatsteuer wird die Berathung vertagt.— 13. Jan. Das Handelsprovisorium mit Spanien wird nach kurzer Debatte in dritter Lesung genehmigt. Es folgt die Fortsetzung der Generaldebatte über die Tabaksteuer⸗ vorlage. Clemm bespricht die Vorlage vom Stand— punkte des Tabakbaues, dem sie viele Vortheile bringe, wenn auch mancher Wunsch, wie die Erhöhung des Tabakzolls, unerfüllt bleibe. Auch die Höhe der Be⸗ steuerung des Rauchtabaks mache die Vorlage Manchem unannehmbar. Die Agitation der Tabakfabrikanten sei unverantwortlich übertrieben worden; werde die Vor— lage nicht Gesetz, so werde er eine Erhöhung des Tabak— zolles um 60 Mark beantragen. Schneider(freis.) bekämpft die Vorlage aus wirthschaftlichen und sozialen Gründen. Der bayerische Finanzminister Riedel hält die Bedenken wegen des Konsumrückgangs ebenfalls für übertrieben; dagegen spreche schon die Gewobnheit und das Bedürfniß des Rauchers. Die Ablehnung der Tabaksteuer werde, selbst abgesehen von der Steuer⸗ reform, zur Erhöhung der Matrikularbeiträge und da— mit zu fühlbarer Belastung derjenigen Klassen führen, die man schonen wolle. Ham merstein bekämpft die Vorlage und empfiehlt eine Biersteuer. Böckel will auch von einer verbesserten Tabaksteuer nichts wissen und wünscht eine kräftige Börsen-, Lotterie-, Totalisator-⸗, Wehr-, Jagdschein- und Luxussteuer. Er beschuldigt den Reichskanzler, daß er seine Versprechungen nicht gehalten, nicht wie ein Ehrenmann gehandelt habe. (Ordnungsruf des Präsidenten. Die Antisemiten hätten einmal Vertrauen zu ihm gehabt, nie wieder. Nach weiteren Ausführungen Posadowsky's u. Rösicke's wird die Berathung vertagt. 12. Jan. Der deutsche Handelstag nahm mit großer Mehrheit den Ausschußantrag an, wonach der Handelstag erklärt, daß er in sämmtlichen in Frage stehenden Steuergesetz— entwürfen eine Benachtheiligung der wirthschaft— lichen Thätigkeit und eine Minderung der Lei— stungs- und Steuerfähigkeit der Nation be⸗ fürchten müsse. 13. Januar. In der heutigen Sitzung berichtet Ahlers-Hamburg über die geplante staatliche Ueberwachung des Schiffbaus der deutschen Seeschiffe. Er ge⸗ dachte dabei mit Dankesworten des wirksamen Schutzes, der in Rio dem deutschen Handel durch die deutsche Kriegsmarine gewährt worden. Es wird eine Resolution angenommen, in der die Hoffnung ausgesprochen wird, daß die Regierung den Weg, den Schiffbau unter Staats— aufsicht zu stellen, nicht beschreiten werde. Ferner wird ohne Debatte eine Resolution angenommen, welche besagt, die Handels- und Gewerbe— kammern könnten nur dann der ihnen obliegenden Vertretung der Interessen des Handels und Ge⸗ werbes völlig gerecht werden, wenn sie von den Regierungen bei Gesetzentwürfen rechtzeitig zur gutachtlichen Aeußerung herangezogen wür— den. Hierauf wird der Handelstag geschlossen. München, 12. Jan. Der Ausschuß der Kammer für volkswirthschaftliche Reformen beschloß, die staatliche Viehversicherung an die Organisation der staatlichen Brandversicherung anzuschließen, und setzte die Entschädigung auf den Aufnahmewerth des Viehbestandes sammt 10 pCt. Zuschlag fest.
5 a Ausland. Oesterreich-Ungarn. Auf der deutschen Botschaft wird heute bestätigt,
Wien, 13. Jan.
daß der Botschafter, Prinz Reuß, seine Demission gegeben habe. Die Entscheidung aus Berlin ist noch nicht eingetroffen. Außer Gesundheits— rücksichten sollen auch Verstimmungen zwischen Reuß und Caprivi Ursache des Rücktritts sein. Die Verstimmung des deutschen Kaisers gegen Reuß soll aus der Zeit der Anwesenheit Bis— marcks in Wien datiren. Als Nachfolger wird
der Gesandte Graf Eulenburg in München
genannt. Frankreich. Jan.
Paris, 13. Der
Socialist Viviani überreichte heute Abend dem
Präsidenten Carnot ein von 56 Deputirten unterzeichnetes Gnadengesuch für Vaillant. Spanien. Madrid, 12. Januar. Die Morgenblätter veröffentlichen ein Manifest Zoril⸗ las, worin dieser dem Papste und der spani⸗ schen Geistlichkeit huldigt und der Armee die Hand bietet. Die„Epoca“ beschuldigt Zorilla, er denke an einen Gewaltstreich mit Hilfe
militärischer Elemente.
— 13. Jan. Nach Meldungen aus Melilla wurde ein Kurier des Sultans zwischen Marra— kesch und Mazagan angegriffen und verwundet. Die Depeschen wurden gerettet.
Italien. Rom, 12. Jan. Der ver⸗ haftete Priester Urso ist nicht freigelassen, sondern wird nach Palermo gebracht. Es
22.„Cavalleria rusticana“ und„Locandiera“.
verlautet, es seien Anzeichen vorhanden, daß zwischen Defelice und Urso ein Einverständniß über die revolutionäre Agitation in Sicilien bestanden habe.
Rußland. Petersburg, 13. Jan. Wie verlautet, fällt der offizielle Neujahrsempfang aus, weil die Kaiserin von einem leichten Influenza-Anfall betroffen wurde.
Afrika. Kapstadt. Kapitän Wilson und seine ganze Abtheilung, über deren Schicksal bisher Ungewißheit bestand, ist von den Mata— beles niedergemetzelt worden.
Sierra Leone, 13. Jan. der Grenzpolizei, unterstützt von einheimischen Hilfstruppen, besiegte unter Inspektor Taylor's Führung am 28. Dezember v. J. in Gayan im Distrikt Tonkia 4000 Sofas; 250 Sofas wurden getödtet, 150 gefangen genommen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 13. Jan. Der hiesige Kirchenvor⸗ stand sandte an S. K. H. den Großherzog anläßlich dessen Verlobung ein Gluckwunschtelegramm, auf das heute ein Danktelegramm von Coburg eintraf.
b. Friedberg, 15. Januar. Gestern waren die Commandanten der Feuerwehren aus 36 Gemeinden des Kreises Friedberg hier versammelt, um unter der Leitung des Kreisfeuerwehrinspektors für ihren Dienst sowohl theoretisch wie praktisch eingeübt zu werden. Vormittags nach 11 Uhr begann die Sitzung, die durch den Kreisfeuerwehrinspektor mit einem Willkomm an die Erschienenen, und einem Dank an den anwesenden Regierungsvertreter, Kreisamtmann Suüffert, für sein Erscheinen eröffnet wurde. In einem ausführlichen Vortrag besprach sodann der Oberführer der freiw. Feuerwehr, F. Damm, die
Eine Abtheilung
hauptsächlichsten Paragraphen des Feuerlöschgesetzes und der Kreisfeuerlöschordnung und der 2. Hauptmann der freiw. Feuerwehr, Mahr, behandelte in einem belehrenden, schonen Vortrag die Geschichte der Löschgeräthe, deren Verwendung, Con- struktion und Behandlung. In einem sich anreihenden längeren Vortrag besprach hierauf der Kreisfeuerwehr⸗ inspektor, G. Hieronimus, alle einschlägigen Fragen über Organisation, Listenaufstellung, Anschaffungen dc. so ausfuhrlich, daß in der darauffolgenden Diskussion nur wenige Fragen noch zu erledigen blieben und es erübrigte nur noch, den Anuwesenden Rathschläge und Ermahnungen für die praktische Ausübung ihrer Dienste mitzugeben. Nach eingenommenem gemeinschaftlichen Mittagessen wurde mit den Commandanten durch den Kreisfeuerwehrinspektor ein Fußexerzieren vorgenommen, was flott und exakt von Statten ging; wenn die übrigen Feuerwehrleute in den Gemeinden nur annähernd so viel Ernst, guten Willen und Fähigkeit haben wie diese stattliche Compagnie gezeigt, so ist es nicht schlecht be⸗ stellt um die Bekämpfung des Feuers und es kann jeder Einwohner mit Zuversicht und Ruhe kommenden Ereignissen entgegensehen. Ein Besuch des Geräthe— hauses der Feuerwehr und die Vorzeigung der neuen mechanischen Leiter, sowie verschiedener anderer Geräthe durch den braven 2. Steigerhalbzug schloß die Thätig⸗ keit der heutigen Zusammenkunft. Wohl Mancher der hier gewesenen Commandanten, Stellvertreter oder Mannschaften ging, nachdem er unser hiesiges, reichlich ausgestattetes Gerathehaus gesehen hatte und noch voll
von den Eindrücken der Besprechungen, aus der Ver⸗ sammlung weg mit dem drückenden Gedanken„ich hab' zwar den besten Willen, wird aber auch die Gemeinde und deren Vertreter die Einsicht haben, dich in deinem Vorhaben zu unterstutzen!“ Ernste Vorstellungen wer— den wohl bald die bessergesinnten Gemeindevertreter zu der Ueberzeugung bringen, daß hier die Sparsamkeit am unrechten Platze, ist und bereitwillig werden wohl die nöthigen Requisiten freiwillig beschafft, ehe noch die Behörde genöthigt ist, einen gesetzlichen Zwang aus⸗ zuüben.
Mainz, 12. Jan. Das Rheineis hat sich heute Nacht vor der ganzen Stadt festgestellt.
würde und niederbrannte.
Bingen. Kürzlich wurde hier oberhalb des Bahn⸗ hofsgebäudes im zweiten Geleise ein größerer Stein zwischen die Weichenzunge und Schienen gelegt. Nur durch besondere Aufmerksamkeit des Weichenstellers, welcher die Frevelthat noch rechtzeitig bemerkte, wurde eine Entgleisung verhindert Die Spezialdirektion der hessischen Ludwigsbahn hat nunmehr auf die Ermittelung des Thäters eine Belohnung von 100 Mark gesetzt.
Allerlei.
st. Frankfurt. Wie nun festgesetzt worden, wird Eleonore Duse 4 Abende auftreten. Dieselbe spielt am 17. im Schauspielhause die„Cameliendame“, am 19. „Die Heimath“, am 20.„Fedora“ und eventuell am a 0 Sämmt⸗ liche Vorstellungen finden außer Abonnement statt und 5 sind folgende Preise bestimmt worden. 1 Platz Prosceniums- Loge im 1. Rang 25 M., Prosceniums⸗ Loge 11. Rang der Platz 20 M., 1 Platz Fremdenloge 4. Rang 20 M., 1 Platz Fremdenloge 11. Rang 12 M., 1 Platz l. Rangloge 20 M., 1 Platz 1. Rangloge Mitte 12 M., 1 Platz 11. Rangloge Seite 12 M., 1 Platz Parterrelogen 20 M., 1 Platz Parquetsitz 15 M., 1 Platz Orchester 15 M., Nummerirtes Parterre der Platz 8 M., Stehparterre der Platz 3 M., 1 Platz nummerirte Gallerie 3 M., Seiten- und Steh-Gallerie der Platz
1,50 Mark.
Frankfurt, 11. Jan. Heute Abend 71½ Uhr er⸗ eignete sich ein schweres Unglück. In der Fettgasan⸗ stalt der Staatsbahn in der Nähe der Maschinenhalle des Dauptbahnhofes, in der das Gas zur Beleuchtung der Eisenbahnwaggons hergestellt wird, erfolgte eine Explosion, durch die das Gebäude in Flammen gesetzt 3 Arbeiter sind schwer ver— letzt worden.
Mannheim, 12. hier gestellt.
Stuttgart, 13. Jan. Der Orientexpreßzug ent⸗ gleiste heute früh bei Asperg in Folge eines Zusammen⸗ stoßes mit einem Güterzuge. Es herrschte dichter Nebel. Mehrere Wagen wurden beschädigt; Personen aber nicht verletzt.
Offenburg, 12. Jan. Auf dem hiesigen Posthofe wurde beim Einladen der Post von einem Unbekannten ein Postbeutel mit vielen Werthsachen entwendet.
Trier, 11. Jan. Gestern wurde der Gärtner Gandorf vom Schlosse Monaise unter dem dringenden Verdacht, den Landbriefträger ermordet und die Leiche in die Mosel geworfen zu haben, verhaftet und in das Gefängniß nach Trier zur Untersuchungshaft abgeführt. e München, 12. Jan. Gestern Abend explodirte in einer chemischen Fabrik in der Westermühl⸗Straße ein Benzin-Ballon. Durch die Explosion wurden beide Be⸗ sitzer getödtet und drei Arbeiter schwer verletzt.
Würzburg. Postassistent Römer wurde wegen Entwendung von Briefen, in denen er Werthsachen ver⸗ muthet hatte, verhaftet. Es sollen nach der„Neck. Z.“ an 1000 Briefe verschwunden sein; 85 Briefe fand man bei Römer noch vor.
Fulda, 12. Jan.
Abend gestorben. . Eisleben. Hier hat sich die Lage wieder ver⸗ schlimmert, indem sich nunmehr die Senkungen bis zum linken Ufer der„Bösen Sieben“ bemerkbar machen. Die sich immer weiter erstreckenden Kellerüberschwemmungen sieht man als Symptome einer fortschreitenden Ver— sumpfung des Untergrundes an.
Dortmund, 13. Jan. Auf Zeche Mont-Cenis wurden 3 Bergleute durch Sturz in den Schacht getödtet.
Jan. Das Rheineis hat sich
Bischof Weyland ist gestern
Evangel. Arbeiterverein. 5 Mittwoch den 17. Januar, Abends 8 Uhr, in der Herberge zur Heimath: Vortrag des Herrn Lehrer Philipps über den Dichter Rosegger.
Brodpreise vom 16. bis 31. Jan. Nach eigener Angabe der Bäcker. Für Friedberg, Bad⸗Nauheim u. Butzbach unverändert.
Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 16. bis 31. Jan. Nach eigener Angabe der Metzger. Für Friedberg, Bad⸗Nauheim u. Butzbach unverändert.
Eingesandt.
Man macht auch an dieser Stelle auf den vom 16. Januar ab immer einen über den anderen Tag stattfindenden mehrwöchigen Kursus der Fräulein Kurz von Gießen im 1 und in Anfertigung von Frauen-⸗Kleidern und Manteln in hiesiger Stadt auf⸗ merksam. Junge Frauen und Mädchen sollten diese günstige Gelegenheit zur Erlernung einer für Haus und Familie so wichtigen weiblichen Kunst nicht versäumen, sondern sich recht zahlreich anmelden. 2
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