wurde die Vorlage betreffend den Handels— vertrag zwischen dem Reiche und Rußland, und der Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung des Identitätsnachweises den zuständigen Aus— schüssen überwiesen. Den Ausführungsbestim— mungen zum Zuckersteuergesetz wurde zugestimmt.
— 9. Febr. Reichstag. Postetat. Schönlank (Soz.) bringt in längerer Rede zahlreiche Klagen der Postbeamten über geringe Besoldung, Ausnützung der Unterbeamten und der nicht etatsmäßig angestellten Be⸗ amten vor. Das Verbot der Annahme von Weihnachts— geschenken sei um so ungerechter, weil die Postverwaltung felbst Geschenke für Beamte annehme und vertheilen lasse, sogar an höhere Beamte. Er unterzieht die Wohl— fahrts⸗Einrichtungen der Postverwaltung einer ein⸗ gehenden Kritik, bringt die Lage der Postassistenten wiederum zur Sprache und verlangt Namens der Post— beamten Umkehr von der bisher betriebenen Stephan'schen Sozialpolitik. Direktor Fischer tritt den Angriffen des Vorredners entgegen. Schmidt⸗-⸗Elberfeld regt die Ermäßigung des Briefportos und die Erhöhung des Meistgewichts an, die Staatssekretär Stephan wegen des voraussichtlichen Einnahmeausfalls ablehnt. Schmidt- Warburg bemängelt den Luxus der Postbauten. Nach
längerer Debatte, in denen Enneccerus und Graf Limburg die Postverwaltung vertheidigen, wird die Fortsetzung der Etatsberathung auf morgen vertagt. — Die Budgetkommission des Reichstags genehmigte nach langen Erörterungen über Kamerun und Südwest⸗ afrika den Rest des Kolonialetats.— 10. Febr. Post⸗ etat. Beim Titel: Unterstaatssekretär bringt Müller (freis.) die Lage der Postassistenten zur Sprache. Er bittet um wohlwollendere Behandlung dieser Beamten— klasse, wird aber schließlich vom Präsidenten unterbrochen und auf den betreffenden Titel verwiesen. Kardorff spricht einige Worte zum Lobe Stephan's, um den die ganze Welt uns beneide. Gröber befürwortet den Beschluß der Budget-Kommission auf Streichung der Forderung für einen neuen Unterstaatssekretär und be— antragt, wie bisher nur 3 Direktoren zu ernennen. Nach längerer Debatte wird der Posten Unterstaats— sekretär abgelehnt, desgleichen die Umwandlung der Stelle eines ständigen Hilfsarbeiters in die eines vor— tragenden Rathes. Die von der Kommission beantragte Resolution, welche die Einführung des Dienstaltersstufen— systems für die Postverwaltung verlangt, wird nach langer Debatte angenommen.
— Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht außer dem deutsch-russischen Handelsvertrage auch den Gesetzentwurf betreffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes und die Aufhebung des Identi— tätsnachweises. Danach werden bei der Aus— fuhr von Weizen, Roggen, Hafer, Hülsenfrüchten und Gerste Einfuhrscheine ertheilt, welche be— rechtigen, innerhalb längstens 9 Monaten gleiche Mengen der nämlichen Waarengattung ohne Zollentrichtung einzuführen. Den Inhabern von Mühlen oder Mälzereien wird bei der Ausfuhr von Fabrikaten eine Erleichterung dahin gewährt, daß ihnen der Eingangszoll für eine der Ausfuhr entsprechende Menge des zur Mühle oder Mälzerei gebrachten aus— ländischen Getreides nachgelassen wird. Sie erhalten auf Antrag an Stelle des Erlasses Einfuhrscheine über eine gleiche Getreidemenge.
Dresden, 10. Febr. Das heutige Bulletin lautet: Der König hat den gestrigen Tag gut verbracht und nur wenig Schmerzen gehabt. Der Schlaf war Nachts ungestört. Alle Er— scheinungen lassen annehmen, daß keine frische Blutung eingetreten ist.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 8. Febr. Der Ausschuß des niederösterreichischen Land— tags lehnte den Antrag des Antisemiten Schnei— der, das Schächten nur nach vorheriger Be— täubung zu gestatten, ab, nachdem Referent Noske dargelegt hatte, daß die dem Schächten imputirte Grausamkeit nicht vorhanden sei und man überdies vom Standpunkte einer freien Religionsübung gegen eine solche Einschränkung schwere Bedenken tragen müsse.
Belgien. Brüssel. Die Antisklaverei— Gesellschaft erhielt die Nachricht, daß die Expedition Deschamps am 22. September in Abereorn mit Kapitän Jacques zusammentraf. Jacques trat mit 2 Kanonen und Verstärkungen Mitte Oktober freiwillig die Verfolgung Ruma— lizas an.
Frankreich. Das
Paris, 9. Februar.
„Journ. des Debats“ veröffentlicht unter Vor— behalt eine Depesche, wonach die bei Timbuctu angegriffene Kolonne des Obersten Bonnier,
drei Tagmärsche westlich von Timbuctu, sich befand, als sie angegriffen wurde. Ueber das Ereißniß selbst meldet eine offizielle Depesche:
Ein Theil der Kolonne Bonnier mit Bonnier
selbst, dem ganzen Generalstab und zwei Kom— pagnien war zur Recognoscirung abmaschirt. Bei Dougoi, drei Marschtage von Timbuctu, wurde die Kolonne Nachts von Tuaregs zu Fuß und zu Pferde überfallen. Der Angriff erfolgte von mehreren Seiten; die Postenkette wurde durchbrochen, die Truppen von ihren
Gewehrbündeln abgeschnitten und waffenlos niedergemetzelt. 9 Offiziere, darunter Bonnier,
9 Unteroffiziere und 61 Tirailleurs sind ver— schwunden. Der verwundete Kapitän Nigotte brachte die Nachricht zu der Hauptmacht. Es wurde die Entsendung von Verstärkungen nach Timbuctu angeordnet.
Großbritannien. London, 10. Febr. Gladstone traf heute in bestem Wohlsein wieder in London ein und wurde von einer großen Menschenmenge am Bahnhof enthusiastisch em— pfangen.
Spanien. Madrid, 10. Februar. Aus Melilla wird gemeldet: Der Gesandte des Sultans an die Riffkabylen setzte die Vertheilung der Kontribution für die an Spanien zu ge— währende Entschädigung fest. Da die den einzelnen Einwohner treffende Summe eine bedeutende ist, so wird ein Zusammenstoß zwischen den Marokkanern und den Kabylen befürchtet.
Bulgarien. Sofia, 8. Februar. Die Fürstin Marie Louise leidet an Fieber und wechselnder Temperatur. Die Fiebererschei— nungen entsprechen jenen, welche sich häufig nach Entbindungen einstellen und geben keinen Anlaß zu Besorgnissen.
— Wie die Fr. Z. erfährt, findet in Folge einer Anregung Rumäniens dermalen ein Ge— dankenaustausch zwischen Sofia und Bukarest statt über die Idee einer Militär-Convention beziehungsweise eines Offensiv- und Defensiv— Bundnisses zwischen Rumänien und Bulgarien.
Rußland. Petersburg, 9. Febr. Der Kaiser ist soweit genesen, daß er die Minister wieder zum Vortrag empfängt. f
Aus Stadt und Land.
Kr.-A. Friedberg. Die bekannten Pariser Schwin— delfirmen Béron,„Comptoir Montmartre“, 74 Avenue de St. Quen und Léon,„Internationale Bank“, 32 Rue des Blanes-Manteaux, auf die wir schon mehrfach warnend hingewiesen haben, scheinen ihre betrügerische Thätigkeit in den verschiedensten Theilen Deutschlands trotz— dem in gewohnter Weise fortzusetzen und auch immer wie— der neue Opfer zu finden. Die Art des Vorgehens ist immer die alte. Mit Zeitungsannonecen bieten sie Gelddarlehen zu günstigen Bedingungen an und wissen sich dabei von leichtglaͤubigen Geldsuchern Vorschüsse zu verschaffen, um alsdann den Darlehensuchenden vollständig werth— lose Wechsel zu übersenden. Da die Geschädigten über— dies in vielen Fällen eine Anzeige scheuen, so wächst die Dreistigkeit dieser„Firmen“ mit ihrem Erfolge. Es kann deshalb nicht dringend genug zur größten Vor— sicht gegenüber allen derartigen, von Paris ausgehen— den Annoncen gerathen werden, welche die Beschaffung von Darlehen gegen billige Zinsen zum Gegenstand haben.
i. Dorheim. Die Feier des 50jährigen Dienst— jubiläums des Lehrers Walther dahier findet nicht am J., sondern am 12. März statt. Die rege Theilnahme und Sorgfalt, welche die ganze Gemeinde darauf ver— wendet, um dem Jubilar diesen Tag zu einem wirk— lichen Jubel- und Festtage zu machen, zeigt, welche Liebe und Achtung sich derselbe während seiner 47 jährigen Thätigkeit in hiesiger Gemeinde erworben hat.
w. Offenbach. Der Verein für Vogel- und Ge— flügelzucht dahier veranstaltet in den Tagen vom 7. bis 10. April eine Hessische Landes-Geflügel Ausstellung in den Räumen der Schlosser'schen Liegen chaft. Ausstellungsberechtigt ist jeder im Großherzog— thum Hessen wohnende Zuchter und Liebhaber sowie Mitglieder hessischer Vereine. Das eingegangene Stand— geld wird zu Geldpreisen verwendet, ferner stehen den
Preisrichtern außer den von dem Protektor, S. K. H.
dem Großherzog, gestifteten Ehrenpreis eine große An— zahl weiterer Ehrenpreise zur Verfügung. stellung werden angenommen Hühner, Tauben, Enten, Gänse. Truten, Zier⸗ und Singvögel, Geräthschaften und Literatur. Für landwirthschaftliches Nutzgeflügel ist eine besondere Abtheilung vorgesehen.
Allerlei.
Frankfurt, 8. Febr. Heute Abend wurden dem Schaffner Schneider bei der Hessischen Ludwigsbahn
und Vogel⸗
Zur Aus⸗
von dem hier um 6 Uhr 15 Minuten nach Mörfelden abgelassenen Arbeiterzuge kurz vor der Station Nieder⸗
Schneider war mit dem Visiren der Fahrkarten beschäftigt und ist wahrscheinlich durch einen Fehltritt unter die Räder gekommen.
Köln. Der ausgerissene Fesselballon der hiesigen Luftschiffer⸗Abtheilung ist der„Köln. Volksztg.“ zufolge nach einer längeren Fahrt bei Höxter gelandet. Die Insassen, zwei Offiziere, kamen unverletzt davon.
Berlin, 10. Febr. Die Schauspielerin Frau Nie⸗ mann⸗Seebach ist gestern von einem Kohlwagen über— fahren worden und hat dabei beide Beine gebrochen.
Berlin, 8. Febr. Als heute ein Arbeiter auf dem Vorortbahnhofe Nixdorf ohne Fahrkarte betroffen wurde und verhaftet werden sollte, kam es zu Arbeiter-Aus⸗ schreitungen. Die Vorsteherkioske wurden theilweise zer— trümmert und mehrere Beamte wurden berwundet.
Berlin, 9. Februar. Der 37jährige verheirathete Schlosser Filzhut versetzte der zwölfjährigen Anna Pohl der Tochter eines Drehorgelspielers, die er in eine Wohnung gelockt hatte, einen Messerstich in die rechte Halsseite, und brachte sie als todt auf die Bodentreppe, von wo sich das Kind fortschleppte. Es konnte noch den Thäter angeben, und starb dann im Moabiter Kranken⸗ hause. Filzhut wurde verhaftet und ist geständig.
Bremerhaven, 8. Febr. Der Nordweststurm hält an. Mehrere neue Schiffsunfälle werden von den Leuchtthürmen von Bremen und Cuxhaven gemeldet.
Hamburg, 9. Febr. Der Dampfer„Adolf Woer⸗ mann“ ist an der Küste von Liberia gestrandet. Sämmt⸗ liche Passagiere, darunter der Gouverneur Zimmerer, der Landeshauptmann Puttkamer, Assessor Salzwedel, (sind gerettet und befinden sich wohlauf. Schiff und Ladung sind verloren.
Antwerpen, 9. Febr. wüthende Sturm hält unvermindert an. Zahlreiche Schiffsunfälle werden gemeldet.
Reichenhall. Dieser Tage hat Zahntechniker Pruckner ein seltenes„Jubiläum“ gefeiert, er hat näm⸗ lich den zwanzigtausendsten Zahn während seiner Praxis gezogen.
Paris, 8. Febr. Bei Romilly⸗sur⸗Andelle, De⸗ partement Eure, ist ein Zug entgleist. Drei Personen wurden getödtet, fünf verwundet.
Marseille, 9. Februar. Zwölf Personen, meist Spanier, welche verdächtig sind, Falschmünzerei in größerem Maßstabe betrieben zu haben, wurden ver— haftet; als Mitschuldige wurden auch zwei Bankbeamte festgenommen.
Madrid, 10. Febr. In Folge der Ausdehnung des Räuberunwesens in der Mancha ist eine allgemeine Absuchung der Berge um Toledo angeordnet worden. Wegen der wachsenden Noth in der Provinz Cadix ver— langt der dortige Gouverneur die Ausführung großer Arbeiten, um die Bevölkerung zu beschäftige n.
Rom, 8. Febr. Heute begann der Prozeß gegen Chauvet, den Direktor des„Popolo Romano“ und fünf andere Angeklagte wegen Zollhinterziehung.
Verona, 9. Febr. Heute Nachmittag um 1 Uhr 50 Minuten wurde hier ein ziemlich heftiger Erdstoß, ebenso in Tregnago und Bardolino verspürt.
Washington. Das amerikanische Kriegs⸗Schiff „Kearsarge“ scheiterte am 2. d. M. beim Riff Roncadore im Antillenmeer. Offiziere und Mannschaft wurden gerettet.
Madgascar, 10. Febr. hat Diego Suarez schwer geschädigt. graphirte an die Regierung um Hilfe.
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Hlerr Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln
hat uns den Debit des
allein ächten Cölnischen Wassers
übertragen und empfehlen dasselbe per Glas zu M. 1.75, g„ 1½ Dutzend„ 9.50, „ Dutzend.
Die Exped. des Oberh. Anzeigers.
rad beide Beine oberhalb des Knöchels abgefahren.
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