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rungspartei ausfallen werde. Beernaert will unter keinen Umständen nachgeben und besteht auf der unbedingten Annahme der Propor—
tionalvertretung, welche bis jetzt von der äußersten schönen, sinnig gewählten Festgeschenken. Bis spät in
Rechten verworfen wird.
Schweden. Stockholm. Das Unwohlsein der Königin ist den Nachwirkungen der In— fluenza zuzuschreiben; der Zustand derselben ist in keiner Weise besorgnißerregend.
Frankreich. Paris. Nach dem offiziellen englischen Berichte über einen Zusammenstoß
zwischen englischen und französischen Truppen
im Hinterlande der englischen Kolonie Sierra Leone kann kaum mehr ein Zweifel darüber herrschen, daß es sich um ein Mißverständniß handelt.
— 10. Jan. Zu der heutigen Verhandlung gegen Vaillant wurden vor dem Schwurgericht die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln außer— halb und innerhalb des Justizpalastes getroffen. Der Geschworenensaal war streng überwacht. Vaillant leugnete, Geld zur Vorbereitung des Attentats erhalten zu haben. Madame Paul Reclus habe ihm 20 Franes gegeben, aber nur um ihm zu helfen. Er habe nicht beab— sichtigt, Zuschauer zu treffen, sondern nur Deputirte, weil dieselben die Urheber des sozialen Elendes seien. Er hätte eher vorgezogen, 200 Deputirte zu tödten, als nur einen einzigen Zu— schauer zu treffen. Er leugnet überhaupt, daß er habe tödten wollen, denn sonst hätte er Patronen, nicht Nägel, in die Bombe gethan. Er protestirt lebhaft, als der Präsident erklärte
Vaillant spreche nur so, um sein Leben zu retten. Vaillant wurde zum Tode verurtheilt. Nach Verlesung des Urtheils rief er aus:„Hoch die Anarchie!“
Italien. Rom, 11. Januar. Die von Ravenna in Catania eintreffenden Truppen wurden von der Bevölkerung lebhaft acclamirt und mit Hochrufen auf die Armee empfangen. Die Bevölkerung verlangte die Königshymne. Die militärischen Journale sind ermächtigt, das Gerücht von einem angeblichen Befehle des Kriegsministers, die Forts an der Grenze von Frankreich, der Schweiz und die Befestigungen an der Tyrrhenischen Küste in Kriegszustand zu setzen, zu dementiren.
— 8. Jan. Der Pfarrer Urso und seine Genossen wurden gestern freigelassen. Es scheint, daß Urso den Inhalt der Papiere des Depu- tirten De Felice-Giuffrida nicht kannte.
— 10. Jan. Eine hier eingetroffene Privat- depesche meldet: In Corato rottete sich gestern eine Menge vor dem Stadthause zusammen und bewarf dieses mit Steinen. Die herzueilenden Truppen wurden mit massenhaften Steinwürfen empfangen. Mehrere Soldaten wurden verletzt. Die Soldaten und die Gendarmen gaben Feuer; es gab einige Todte und mehrere Verwundete.
Ancona, 11. Jan. Letzte Nacht platzte vor
ernannt, dem Dirigenten und derzeitigen Präsidenten von berufener Seite gedankt und dem Dirigenten ein namhaftes Ehrengeschenk des Vereins überreicht. Hierauf folgten die Begrüßungen durch die Delegirten der hie— sigen Vereine u. s. w., sowie die Ueberreichung von die Nacht hinein dauerte die„Nachsitzung“, bei welcher die gehobenste Stimmung herrschte, zu der die musi⸗
kalischen Vorträge der Solisten wesentlich beitrugen.
Der Ball am Mittwoch Abend war ebenfalls aufs beste arrangirt und ist glänzend verlaufen. Es war eine Lust, die bewegliche Jugend in den glänzendsten Toiletten zu sehen, jedem lachte die Freude aus den Augen, und
die allgemeine Fröhlichkeit erreichte ihren Höhepunkt bei
dem geradezu brillanten Cotillon.
7. Friedberg. Dem verehrl. Publikum sei vor⸗ läufig mitgetheilt, daß der hiesige Frauen-Verein der Gustav-Adolph-Stiftung demnächst, voraussichtlich am 24. Jan. l. J., wieder eine seiner so beliebten Wohl- thätigkeits-Aufführungen im„Hotel Trapp“ zu veran⸗ stalten gedenkt. In Aussicht genommen sind lebende Bilder: Brunhildens Erwachen, Extrapost, Kerkerscene aus dem„Troubadour“, Junge Herren von heute, Be— gegnung des„fliegenden Holländers“ mit Senta, Ur⸗ laubers Heimkehr,„Im Schnee,“ von theilweise großer Schönheit und Wirkung, weiter, als musikalischer Theil, verschiedene Klavier- und Gesangsvorträge hiesiger und auswärtiger Damen und Herren, endlich die Auffüh— rung eines harmlos- humorvollen Einakters, betitelt „Der Hausschlüssel oder kalt gestellt“ von Hirthe. Die Leitung des Ganzen ruht in geschickter und kunstver— ständiger Hand, und geeignete Kräfte für die Auffüh— rung stehen in genügendem Maße zur Verfügung. Nach dem allem darf der Erwartung Ausdruck gegeben wer— den, daß die projectirte Veranstaltung eine recht ge— nußreiche, und dementsprechend der Besuch seitens des Publikums aus Stadt und Umgegend ein sehr zahlreicher sein werde.
r. Friedberg. Dem schnellen und umsichtigen Ein— greifen des hiesigen Wachtmeisters Schwarz und des Gendarmen Steinbach ist es gestern Abend noch ge— lungen, einen Eisenbahnbediesteten zu verhaften und zu überführen, welcher auf der Station Bad-Nauheim ein von einer Dame verlorenes Portemonnaie unterschlug. Sämmtliches Geld soll bei ihm vorgefunden worden sein. Das Portemonnaie hatte er in einen anderen Eisenbahnwagen geworfen, wahrscheinlich um den Ver— dacht von sich abzulenken.
Friedberg. Es dürfte für alle Wirthe unseres Leserkreises, ob groß oder klein, sicherlich werthvoll sein zu erfahren, welch schöne Einrichtungen bestehen, die bestimmt sind, nur dem Wohle des Gastwirthestandes und seiner Angehörigen zu dienen. So besitzt der Mittel— und Süddeutschland umfassende Süddeutsche Gastwirthe— verband eine Sterbekasse, die je nach Alter der Mitglied— schaft von 1200 bis 2200 M., sowohl den Hinterbliebenen eines Wirthes, als, da auch die Wirthsfrauen beitreten können, dem Wirthe ausbezahlt, dabei sind die Beiträge so niedrig, 50 Pf. pro Sterbefall, daß Jeder sich be— theiligen kann. Dieser Verband tritt ferner entschieden für alle allgemeinen Interessen des Wirthsgewerbes ein, sucht den gediegenen Gastwirthestand, der Stadt und Staat zur Ehre gereicht, zu heben und zu schützen, Bedrückungen zu beseitigen und Bedrohungen von ihm fernzuhalten. Eine Anzahl thüchtiger Wirthe beabsichtigt nun auch in Friedberg-Bad-Nauheim und Kreis Fried— berg einen Gastwirtheverein, mit Anschluß an den Süd— deutschen Verband und dessen so segensreich wirkender Sterbekasse zu bilden und ist zu diesem Zwecke eine Versammlung auf Mittwoch, den 17. Januar d. J., Nachmittags 3½ Uhr im Saalbau zu Friedberg aus— geschrieben, die voraussichtlich recht zahlreich besucht werden dürfte.
Allerlei.
N f 8 Mir 0 0— 98 5 31 dem Casino Dorico eine mit Revolverpatronen. Würzburg, 10, Jan. Heute Vormittag 8½ Uhr
gefüllte Büchse, ohne indeß bedeutenden Schaden anzurichten; auch auf anderen Punkten der Stadt platzten Petarden.
Rußland. Petersburg. Wie der„Grash— danin“ hört, schließt das Reichsbudget für 1894 mit einem Ueberschuß der Einnahmen von etwa 10 Million Rubel ab, wobei die Voranschläge äußerst vorsichtig gemacht worden sind.
-Nach einer Meldung des hiesigen Korre-
spondenten der„Times“ soll der Gehilfe des Ministers des Aeußern, Schischkin, an Stelle Nelidow's russischer Botschafter in Konstan— tinopel werden, während Nelidow in Paris Mohrenheim ersetzen soll, welcher letztere einen Sitz im Reichsrath erhalte. Gehilfe des Ministers des Aeußern würde Fürst Obolensky.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Nachdem über das Jubiläumsconcert des Musikvereins an anderer Stelle berichtet ist, erübrigt uns nur noch zu constatiren, daß auch die übrigen Ver anstaltungen gelegentlich des 25. Jubiläums in schöner, würdiger und der Bedeutung des Festes entsprechender Weise verliefen. Bei dem auf das Coneert folgenden Festaetus wurden eine Anzahl von Ehrenmitgliedern
fuhren an der Grombühlbrücke ein Post- und ein Güter-
zug aufeinander. Elf Wagen wurden demolirt. Wien, 10. Jan. Der Krakau⸗ Wiener Schnellzug
der Nordbahn ist bei der Station Wagram heute Nach—
mittag in Folge eines Schienenbruches entgleist. Zwei
Wagen sind über die Böschung gestürzt; 5 Frauen und 3 Männer wurden leicht verletzt.
Paris. In dem Gefängniß von Porto Allegro auf Sardinien starb dieser Tage Giuseppe Ramas, der vor 30 Jahren verurtheilt wurde, weil er Wurst aus
Menschenfleisch fabrizirte. Am Morde von 16 Personen
soll er betheiligt gewesen sein.
London, 9. Jan. Ein furchtbares Unwetter wüthete in der Nacht vom Sonntag bis Montag im irischen Kanal. Der Sturm war so stark, daß die Lootsen von Queenstown nicht wagten sich an Bord der eintreffenden Schiffe zu begeben, sondern in ihren Lootsenbooten denselben den richtigen Kurs angaben.
Das Jubiläumsconcert des Musikvereins hat in den kunstsinnigen Kreisen unsrer Stadt so leb— haften Beifall gefunden, daß wir uns berechtigt fühlen, noch einmal mit dankbarer Anerkennung darauf zurück— zukommen. Wer die Geschichte des Musikvereins an der Hand der frischen Darstellung Karl Schmidt's an sich vorüberziehen läßt, dem tritt eine Fülle kunstlerischer Erhebung und idealen Genusses entgegen, die der Verein
in diesen 25 Jahren unserer Stadt geboten hat, unbeirrt
von dem oberflächlichen Geschmack des Tages, immer nur der echten, wahrhaft klassischen Kunst sich weihend.
Daneben aber hat er, wie hier mit besonderem Dank ausgesprochen werden soll, in seinen Kirchenconcerten der ganzen Gemeinde ohne Unterschied des Standes und der Bildung weihevolle Stunden und tiefgehende Ein⸗ drücke von der Macht religiöser Musik bereitet. Die Eliasaufführung nun war ein Zeichen, daß der Verein nach Gesinnung und Leistung in der Fülle seiner Kraft und auf der Höhe seiner Aufgabe steht. Wer derartige Aufführungen in größeren Städten mit ge— waltigem Chor- und Orchesterapparat kennt, der mußte billig darüber staunen, was der hiesige Chor mit be⸗ scheidenen Mitteln geleistet hat. Der wärmste Dank dafür gebührt ohne Zweifel seinem altbewährten Diri⸗ genten, Herrn Seminarlehrer Schmidt, der, offenbar zugleich ein geborener Musiker und ein geborener Diri⸗ gent, es verstanden hat, seinen Chor nicht nur mit Aufbietung unermüdlichster Thatkraft technisch zu schulen, sondern auch mit jener heiligen Begeisterung für die große Sache zu beseelen, die bei dieser Aufführung wie⸗ der aus den Augen der Mitwirkenden leuchtete und sie befähigte, ohne erleichternde Mitwirkung eines Orchesters dem Taktstab ihres Leiters wie mit einem Munde zu folgen und bis ans Ende des so schwierigen, bald leiden- schaftliche Kraft, bald innige Zartheit und Weihe er— fordernden Oratoriums mit präzisem Einsatz und voller Frische und Reinheit der Tonbildung und des Vortrags die Hörer zu erfreuen. So kam es, daß die ganze Aufführung vom ersten bis zum letzten Ton den Ein— druck eines einheitlichen Ganzen machte und als Ganzes auf uns wirkte. Wir dürfen aber wohl besonders her— vorheben, daß Chöre wie z. B.„Aber der Herr sieht es nicht“, der Schlußchor des 1. Theils:„Dank sei dir Gott“,„Der Herr ging vorüber“ u. a. von geradezu überwältigender Wucht und Schönheit waren. Lebhafte Bewunderung hat uns Herr Seminarlehrer Gatzert ab— genöthigt, der die Klavierbegleituug mit künstlerischer Meisterschaft, aber zugleich mit bescheidenstem Zurück⸗ treten des eignen Könnens vor der großen Gesammt— aufgabe durchführte. Die Solopartieen, bei dem Engel— terzett und Quartett, durch treffliche Stimmen aus der Mitte des Vereins verstärkt, lagen in den besten Händen. Frl. Dietz mit ihrem frischen jubelnden Sopran, die Altistin Frl. Spicharz mit der Ruhe und Würde ihres Vortrags, der Tenorist, Herr Hormann mit seinem weichen, seelenvollen Organ, mit seiner ausdrucks— vollen, wir möchten sagen sprechenden Sangesweise, der Elias des Herrn Müller, der mit seiner herrlichen Stimme bald die leidenschaftliche Erregung(„Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer“) bald die Hoheit und schlichte Größe, bald den Seelenschmerz des Gottes— mannes(„Es ist genug“) wundervoll zum Ausdruck zu bringen verstand— sie alle haben zum Gelingen des schönen Concerts ihr Bestes beigetragen. fl.
Zum Klima von Friedberg im Jahre 1893.
Die mittlere Lufttemperatur, berechnet aus täglichem Maximum und Minimum(bhöchster und niedrigster Stand des Thermometers), betrug für 1893 + 6,480 R. + 8,10 C.(1892= + 7,90 C.) Der wärmste Monat war der Juli mit + 15,20 R.= 190 C.(1892 der August mit + 18,670 C.), der kälteste der Januar mit— 5,480 R.— 6,850 C.(1892 der Dezember mit— 2,04 C.); die jährliche Wärmeschwankung be— trug also 20,680 R.= 25,850 C.(1892= 20,710 C.) An 43 Tagen(Mai 7, Juni 12, Juli 13, August 11) stieg das Thermometer auf 20 und mehr Grad R. (1892 31 Tage), das absolute Maximum war + 230 R. = + 28,750 C. am 19. Juni(1892 L 33,750 C. am 18. August). An 87 Tagen(Jannar 27, Februar 15, März 18, April 5, November 9, Dezember 13) sank das Thermometer unter Null(1892 an 128 Tagen); an 13 Tagen(Januar) sank es auf 100 R. und darunter (1892 10 Tage); an 23 Tagen(Januar 20, Februar 1, Dezember 2) blieb das Thermometer den ganzen Tag hierdurch unter Null(1892 an 29 Tagen.) Das absolute Minimum betrug— 20,10 R.—— 25,120 C. am 20. Januar(1892— 18,870 C. am 21 Jan.). Es fielen im Jahre 1893 an 166 Tagen 695,56 miu Niederschlag, d. h. die Höhe, in der das Regenwasser und der geschmolzene Schnee die Erdoberfläche bedecken würden, wenn kein Wasser verdustete oder einsickerte, beträgt 695,56 wm= 69,556 em(1892 37,82 om, doch wurde damals, Nr. 9 des Oberh. Anz. 1893, voraus⸗ gesagt, daß für gewöhnlich diese Zahl weit höher sein würde). Sehr ungewöhnlich war, daß vom 22. März bis zum 3. Mai, also in 42 Tagen, kein Niederschlag fiel; trotzdem wurde dieses Fehlen reichlich ersetzt. Der trockenste Monat war demnach der April mit O mm, der feuchteste der Juli mit 166,75 mm(1892 war gleichfalls der April der trockenste Monat, 12,4 mm, der Juli gleichfalls der feuchteste, 58,59 mw). Ge⸗ regnet, d. h. so viel, daß der Niederschlag meßbar war, hat es an 145 Tagen(1892 an 118 Tagen) und zwar im Januar an 5, Februar 20, März 10, Mai 9, Juni 11, Juli 20, August 11, September 15, Oktober 18, November 14, Dezember 12 Tagen. Geschneit hat es an 33 Tagen(1892 an 40 Tagen) und zwar im Jan. an 12, Februar 3, März 3, Mai 1, November 5, De⸗ zember 9 Tagen. Der letzte Schnee fiel am 8. Mai, der erste am 19. November(1892 5. Mai u. 23. Ok⸗
tober). An 29 Tagen war Mittags 12 Uhr die Erd⸗ oberfläche ganz mit Schnee bedeckt(1892 an 28 Tagen),
davon 25 Tage im Januar. Nah⸗Gewitter fanden an 14 Tagen(1892 15 Tagen) statt(diese Zahl ist nur bis auf 2 oder 3 genau), das erste am 21. Januar während eines Schneesturmes, das letzte um die Mitte August.
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