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scheinen, wenn manche Leute Gegenstände, die während der Krankheit in den Krankenzimmern waren, vor der Desinfektion aus denselben entfernen um sie nachher wieder hinzubringen. Natürlich wird dadurch der Zweck der ganzen Desinfektionsmühsal vereitelt. An Keuchhusten starben 19 Kinder, 12 davon im ersten Lebensjahre. Unterleibs⸗ typhus, 3 Todesfälle, außerdem 3 Krankheitsfälle bekannt geworden. Von den 3 tödtlich verlaufenden Erkrankungen stammt eine als hoffent⸗ lich Letzte aus einer seit Jahren typhusverseuchten Oertlichkeit, woselbst der lange vergeblich gesuchte Herd jetzt endlich beseitigt zu sein scheint. An Rose, meist Kopf- und Gesichtsrose starben 9 Menschen. Ge⸗ nickstarre brachte 1 Todesfall; dies war auch die einzige derartige Erkrankung; eine Epidemie dieser Krankheit, die mit Recht so sehr ge⸗ fürchtet ist, haben wir glücklicherweise nicht gehabt. Durch Wochen- bettfieber ging das Leben von 7 Frauen verloren und 1 starb an anderweiter(nicht fieberhafter) Wochenbetterkrankung. Wir haben keinen Grund die Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit unseres gesammten Hebammenpersonals zu bezweifeln; allein eine solche Sterblichkeit von Wöchnerinnen ist wahrlich keine Lobrede für dieselben. Freilich hat auch die Bevölkerung eine schwere Mitschuld dabei. Eine Hebamme, die nicht an dem Körper jeder Wöchnerin und an ihren eigenen Händen, Armen und Kleidern die peinlichste desinfektorische Reinlichkeit übt, die sollte doch nicht, wie leider noch so vielfach geschieht, als„die Hebamme aus der guten alten Zeit“ gelobt, sondern einfach als Ver— brecherin gegen die Sicherheit des Lebens bei dem Kreisarzt angezeigt werden. Man übersehe nicht, daß Wochenbettfieber in Anstalten, wo die Desinfektion sorgfältig geübt wird, überhaupt nicht mehr vor⸗ kommt. Lungenschwindsucht war, wie immer so auch heuer, der Bevölkerung sehr gefährlich. Es starben daran 204 Personen. Leider ist dies kaum mehr als gewöhnlich, da das zehnjährige Mittel der
zurück, es waren deren 87. Dies würde noch in höherem Grade der
Fall gewesen sein, wenn nicht— augenscheinlich unter dem Einflusse der Influenza— die beiden letzten Jahresmonate eine sehr große
Zahl von Erkrankungen und Todesfällen gebracht hätten Gusammen
26); ganz dasselbe gilt von den übrigen entzündlichen Er⸗ krankungen der Athmungsorgane(Bronchitis, Brustfellent⸗ zündung u. A.), welche im ganzen Jahre 116 und in den beiden letzten Jahresmonaten 51 Menschenleben zerstörten. 50 dieser Lungen ⸗ entzündungs⸗ und sonstigen akuten Brusterkrankungssterbfällen waren von den Aerzten ausdrücklich als durch Influenza bedingt be⸗ zeichnet worden. Es liegen aber gute Gründe vor für die Annahme, daß die Betheiligung der Influenza an der Todesernte dieser Momente eine noch weit größere war als die Ziffer der anerkannten Fälle dies ausdrückt. Die eigenthümliche tückische lebenskraftherabsetzende Wir⸗ kung der Influenza verschlimmerte eben in dieser Zeit, wie auch noch in allerdings geringerem Maße in der ersten Zeit von 1894, alle Krankheiten und verminderte die Widerstandskraft aller Erkrankten.
Dies zeigt sich auch unzweideutig bei einer Reihe von anderen Er⸗
krankungsarten und besonders bei den Altersschwäche-Todes⸗ fällen, oder vielmehr bei dem Absterben von Leuten über 60 Jahren, welche weit häufiger war als gewöhnlich. Möchten wir von diesem schlimmen Gast, der Influenza, doch endlich völlig erlöst sein. Schlag- anfall und Herzkrankheiten zeigten ein dem Gewöhnlichen ziemlich gleiches Verhalten. Bei den Todesfällen durch Herzkrankheiten hat die herzlähmende Wirkung der Influenza zweifellos gleichfalls vielfach mitgewirkt(Tod durch Schlaganfall 38, durch Herzkrank— heiten 66 mal). Darmkatarrh und Brechdurchfall waren besonders den kleinen Kindern in den Monaten Juli und August ge— fährlich(33 unterjährige Kinder); es ist dies bemerkenswerth, da im vorigen Jahre, das sowohl lange Perioden der Trockenheit und Hitze
Schwindsuchtstodesfälle 198 beträgt. Und dennoch ist es zweifellos möglich gegen diese Krankheit durch
hohem Grade vorbeugend zu wirken. Die von
zurückgelassenen Keime verbleiben in Zimmern, Kleidern, Betten und Geräthen, wo sie sehr wohl hätten zerstört werden können. lose Nachfolger im Besitz erbt dann auch die Krankheit lich ist daher die Thatsache, daß die Desinfeetion nach Schwindsucht Die Todesfälle durch Lungen— zehnjährigen
bei uns immer volksthümlicher wird. entzündung blieben hinter dem
zweckmäßige
Desinfection in einem Krankheitsfalle den Krankheiten gibt zu Der arg— Hoch erfreu⸗] Mord 1.
Friedberg den
Mittel entschieden
als auch der regenreichen Kühle brachte, gerade diese beiden Monate nicht besonders heiß waren.
Das Auftreten der übrigen Todbringen—
Durch
keinen besonderen Erwägungen Anlaß.
Verunglückung starben 13 Personen, durch Selbstmord 10, durch
26. April 1894.
Großherzogliches Kreisgesundheitsamt Friedberg:
Dr. Lorenz.
Deutsches Reich.
Schlitz, 30. April. Der Kaiser wird heute Schlitz wieder verlassen und sich zum Besuch der Kaiserin Friedrich nach Cronberg begeben. Die Abreise von Schlitz erfolgt gegen halb 3 Uhr Nachmittags; von Salzschlirf bringt ein Sonderzug den Kaiser nach Fulda und um halb 4 Uhr ein solcher über Elm-Frankfurt— Rödelheim nach Cronberg.
Berlin. Wie verlautet, wird der Kaiser im Laufe des Sommers wiederum eine See— fahrt nach Norwegen unternehmen und sie voraussichtlich Ende Juni antreten.
— Die„Post“ theilt mit, daß die Samoa— frage Gegenstand des Meinungsaustausches zwischen den betheiligten Mächten bilde. Die „Post“ glaubt nicht darin zu irren, daß die Samoafrage den wichtigsten Gegenstand des Vortrages des Staatssekretärs Marschall bei dem Kaiser in Karlsruhe gebildet habe.
27. April. Der Bundesrath stimmte den Reichstagsbeschlüssen über Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen und über den Schutz der Waarenbezeichnungen zu. Er ge— nehmigte ferner die Ausschußanträge über die Ausführung des Stempelgesetzes.
Potsdam, 28. April. Die Kaiserin ist mit den Prinzen heute Nachmittag wieder hier eingetroffen, von dem zahlreich versammelten Publikum enthusiastisch begrüßt. Sie begab sich sofort nach dem Neuen Palais.
Coburg, 28. April. Die Königin von England ist heute abgereist, von der herzog lichen Familie zum Bahnhof geleitet.
Karlsruhe, 27. April. Morgen siedelt das Großherzogspaar nach Schloß Baden zu etwa vierzehntägigem Erholungsaufenthalt über, um dur h Luftveränderung die Folgen der In fluenza und des lange dauernden Bronchial⸗ katarrhs zu beseitigen.
Straßburg. D
befindet sich der ange Marseille als Spion verhaftete in Bitsch, woselbst er sich auch zur Zeit seiner angeblichen Verhaftung aufhielt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Budapest, 26. April.
em Elsässer“ eblich in
Major von
zufolge
Soo Seel
in zweiter Lesung an.
Abgeordnetenhaus. Der Ackerbauminister be⸗ sprach die Tumulte in Hodmezoe-Vasarhely und hob hervor, daß die Regierung eine Ver— besserung der Lage der Feldarbeiter mit allen möglichen Mitteln anstrebe. Auch in anderen Gegenden sei das Elend groß, jedoch sei es nicht zu Tumulten gekommen. Das Haus nahm sodann den Handelsvertrag mit Rumänien
— Die Polizeibehörde verbot die Maifeier der Arbeiter in der Hauptstadt als eine Demon— stration des Proletariats gegen die Gesellschaft, welche zu Ordnungswidrigkeiten führen könnte.
Belgien. Brüssel, 28. April. In Lüttich fand heute Abend 9 Uhr ein neues Dynamit— Attentat vor der Kirche Saint-Jacques, die mitten in der Stadt liegt, statt, während in der Nähe das Abend-Concert auf dem Boulevard d'Avroy stattfand. Die Explosion war ziemlich stark und beschädigte die Glasfenster der Kirche und die Scheiben der gegenüberliegenden Häuser. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen.
Norwegen. Christiania, 28. April. Das Storthing lehnte gemäß dem Antrage des Militärausschusses mit 77 gegen 34 Stimmen die geforderten 253,000 Kronen für die Feld— manöver dieses Sommers ab.
Frankreich. Paris, 27. April. Die Morgenblätter heben hervor, mit der neuen Budgetkommission, in der 16 Mitglieder dem Regierungsentwurf unter Vorbehalten günstig sind und 17 sich ablehnend verhalten, werde die Berathung des Budget für 1895 eine lange und schwierige sein. Die radikalen Blätter bezeichnen die Zusammensetzung des Budget— ausschusses als eine Niederlage der Regierung. Die gemäßigt republikanischen Blätter meinen, die heutige Wahl des Vorsitzenden der Kom— mission werde die Absichten der Majorität klarlegen.
28. April. Der Prozeß Anarchisten Henry ging heute zu Ende.
gegen den
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Jury berieth dreiviertel Stunden und bejahte alle Schuldfragen. Darauf sprach der Ge⸗ richtshof das Todesurtheil gegen Henry aus. Er nahm es lächelnd hin und rief im Abgehen: Muth Kameraden und hoch die Anarchie!
Castres, 26. April. Hier stehen 1100 Weber aus. Sie fordern Lohnerhöhung. Die Ausstän⸗ dischen verhindern die Zufuhr von Materialien. Truppen werden erwartet, da man Unruhen befürchtet.
Großbritannien. London, 26. April. Im Unterhaus beantragte Asgquith die erste Lesung der Bill betreffend die Entstaatlichung der Kirche von Wales. Das Oberhaus ver— warf mit 63 gegen 52 Stimmen in zweiter Lesung die Regierungsbill, die das Erbschafts— gesetz dahin abändert, daß in Fällen, wo kein Testament vorhanden ist, das Eigenthum außer dem älteste Sohne auch den anderen Familien— gliedern zufällt.
— 27. April. In der fortgesetzten Ver— handlung gegen Carnot und Polti vor dem Zuchtpolizeigericht in der Bowstreet wurden die Angeklagten vor das Schwurgericht verwiesen. Bulgarien. Sofia, 26. April. Fürst Ferdinand ist heute hierher zurückgekehrt.
Rußland. Warschau, 28. April. Die „Breslauer Ztg.“ meldet, der größte Theil der Arbeiter im Gouvernement Petrikau hat die Arbeit wieder aufgenommen. Das Militär ist theilweise in die Garnison zurückgekehrt.
Amerika. New⸗Nork, 27. April. Nach einer Meldung der„NewYork Tribune“ aus Washington ist Grund zur Annahme vorhanden, daß Cleveland einen Plan befürworte, wonach die Union eines Theils ihrer Verpflichtungen in Bezug auf Samoa enthoben werde. Man glaube, Cleveland werde gegenüber dem Kon— gresse die Rathsamkeit gänzlicher Zurückziehung aus Samoa betonen.
26. April. Der in Butte von 650 nach Washington marschirenden Arbeitslosen besetzte Eisenbahnzug ist bei seiner Ankunft in Forsyth von 250 Soldaten angehalten worden. Die Insassen wurden im Schlafe überrascht und ergaben sich ohne Widerstand.
Montevideo, 27. April. Den von den Portu⸗ giesen gewaltsam zurückgehaltenen Brasilianern gelang es zu entkommen. Auch Admiral da Gama konnte flüchten.
Aus Stadt und Land. k. Friedberg. Ein neuer Komet kann nächster 1 ersten Abendstunden beobachtet werden.
von der Wohnho Fortgeset
Getränk
1
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3 5 deitg
uhr
15


