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10 Uhr 52 Min. auf dem Bahnhofe hier ein. Er wurde von den Bürgermeistern, dem Grafen Waldersee und anderen hohen Persönlichkeiten empfangen und trat sofort die Rundfahrt durch die festlich geschmückte Stadt nach dem Fest⸗ platze an. Vor der Enthüllung des Denkmals des Kaisers Wilhelm J. hielt der Bürgermeister Pauli eine Ansprache, in der er hervorhob, das Denkmal solle uns und unsere Enkel ge mahnen an den Gründer des Reiches, den er habenen Kriegs- und Friedensfürsten, der in fernen Zeiten als einer der Lieblinge des Volkes in der Sage fortleben werde gleich einem Karl und einem Barbarossa. Der Bürgermeister begrüßte darauf den Kaiser als Erhalter und Fortführer des Werkes und schloß mit einem Hoch auf diesen. Darauf fiel die Hülle. So dann fand ein Festmahl statt. Der Kaiser be gab sich um' Uhr von seinem Absteige quartier, wo er die Admiralitäts-Uniform an gelegt hatte, nach dem Rathskeller. Von da fuhr der Monarch um 6 Uhr Abends durch die reich illuminirte Stadt zum Bahnhof und reiste mittels Extrazuges nach Berlin ab. An allen Orten, wo der Kaiser sich in Bremen zeigte, wurden ihm von der Kopf an Kopf gedrängten Bevölkerung stürmische Ovationen dargebracht.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Budapest, 19. Okt. Die parlamentarische Krise ist latent. Der Präsident des österreichischen Abgeordneten hauses, Baron Chlumecky, begab sich an das kaiserliche Hoflager nach Budapest. Die Ma jorität ist einig in der Ablehnung der Wahl reform. Der Kaiser ließ sich über die Stim mung im österreichischen Parlamente berichten. Sodann wurden Graf Kalnoky und später Taaffe in längeren Privataudienzen empfangen. Taaffe kehrt morgen Mittag zurück und dürfte wichtige Entscheidungen mitbringen. Wie ver lautet, hat Zaleski am Sonntag seine Demission eingereicht.

Frankreich. Paris, 18. Oktbr. Die russischen Offiziere setzten heute ihre offiziellen Visiten fort; sie waren beim Militärgouverneur, beim Seinepräfekten, beim Präsidenten des Ge meinderaths und beim Polizeipräfekten. Mit tags war Frühstück in der russischen Botschaft, abends Essen und Ball im Marineministerium; es wurden nur die konventionellen Toaste aus gebracht. 19. Okt. Heute Abend war Bankett für die Russen im Hotel de Ville. Nach dem Bankett fand ein Fackelzug mit allen Regiments musiken der Pariser Garnison statt. Nach dem Fackelzug gab es ein Concert im Hotel de Ville, dem ein glänzendes Publikum bei wohnte. Avellan besuchte heute den Erzbischof von Paris, der gestern die Absicht geäußert hatte, ihm eine Priester-Delegation zu senden.

19. Okt. Die Expedition gegen Be hanzin hat begonnen. Die Kolonne Dodd's ist nach fünftägiger Fahrt auf dem Uemefluß in Agony eingetroffen. Gesundheit und Ver fassung der Truppen sind vorzüglich.

Monteresson, 19. Okt. Die vorläufige Bei setzung der Leiche Mae Mahons findet Samstag statt. In dem Sterbezimmer, das in eine Kapelle umgewandelt ist, defilirt fortwährend eine große Menschenmenge.

Italien Tarent, 18. Okt. An dem Essen an Bord der, Italia nahmen, außer dem Admiral Seymour und den Kommandanten der eng lischen Kriegsschiffe, die Spitzen der Behörden von Tarent etheil. Admiral Seymour, Admiral Corsi und 60 englische und italienische Marine offiziere hatten sich Vormittags nach Policoro zur Jagd begeben. 19. Okt. Dem gestrigen, von Admiral Seymour an Bord des englischen Panzer schiffes Sans Pareil veranstalteten Essen wohn ten die Admirale Corsi und Turi, der Unter präfekt, die Bürgermeister von Tarent, die Kommandanten der italienischen und englischen Kriegsschiffe und der englische Vicekonsul bei. Heute Vormittag begaben sich die Deputationen

der Arbeitervereine an Bord derSans Pareil und überreichten dem Admiral Seymour das Diplom als Ehrenmitglied. Auf der Besitzung des Deputirten Dayala wurden sodann Aus grabungen vorgenommen, denen Seymour, die Kommandanten der englischen Schiffe, die Admirale Corsi und Turi, der Unterpräfekt, der Maire, der Deputirte Dayala, mehrere Damen und Vertreter der Presse beiwohnten.

Amerika. Rio de Janeiro, 18. Oktbr. Die Kanonade zwischen den Forts und dem aufständischen Geschwader nimmt an Heftig keit zu.

Allerlei.

Schlüchtern. Vor Kurzem fanden die Söhne von zwei Bahnwärtern an der Böschung der Frankfurt Bebraer Eisenbahn zwölf große eiserne Kugeln, die mit einer Gummiumhüllung versehen waren und das Aus sehen von dicken Gummibällen hatten. Die Untersuchung hat festgestellt, daß die Kugeln innen hohl und mit Sprengmaterial gefüllt sind. Es werden eifrige Nach forschungen angestellt, um zu ermitteln, auf welche Art und Weise und zu welchem Zweck die Kugeln dahin gekommen sind.

Landau Sccondelieutenant Hofmeister vom 18. bayerischen Infanterie-Regiment, der vor wenigen Tagen vom Militär- Bezirksgericht Würzburg von der Anklage sozialistischer Umtriebe freigesprochen wurde, ist im hiesigen Garnisonslazareth untergebracht, wo er bis zu seiner vollständigen Genesung verbleiben soll.

Rappoltsweiler, 18. Okt. Die Rappoltsweiler Trambahn befördert auch Reichseisenbahnwagen auf sogenannten Schlitten. Als heute Nachmittag ein solcher Reichseisenbahnwagen vom Stadtbahnhofe abgelöst wurde, lief der Waggon gegen den herangekommenen Straßen bahnwagen und zertrümmerte ihn. Sämmtliche Passagiere und das Personal, im Ganzen etwa zwölf Personen, wurden nach derSt. P. verletzt, darunter einige sehr schwer.

Budapest, 18. Okt. Hauptstadt zu.

Sansibar. Dem britischen SchiffeRaleigh ist es neuerdings nach einer sehr aufregenden Verfolgung gelungen, eine Sklavendhau in den Gewässern von Sansibar zu ergreifen. Dieselbe war mit Arabern be mannt und führte die französische Flagge. Die Araber widersetzten sich dem Versuche seitens der britischen Mannschaft, das Schiff zu untersuchen. Fünf Sklaven, zwei Knaben und drei Mädchen, wurden in demselben gefunden. Der Kapitän der Dhau und ein Mann sprangen über Bord, obgleich die See von Halffischen wimmelte, und versuchten ans Land zu schwimmen. Man hat von ihnen nichts weiter gehört. Die Sklaven wurden dem französischen Konsul übergeben.

Die Cholera nimmt in der

Festbericht über die 350jährige Jubelfeier der Großh. Realschule und des Progym⸗ nasiums zu Friedberg.

Friedberg, 17. Okt.

Auch der heutige Hauptfesttag verlief in der schönsten Weise. Um 10 Uhr begab sich die Realschule und das Progymnasium unter Vorantritt der Kapelle des Inf. Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 und mit der Tags zuvor von Damen überreichten Fahne zum Aufstellungs platz. In den Festzug reihten sich ein die ehemaligen Schüler der Anstalt nach Jahrgängen geordnet, eine sehr stattliche Zahl, darunter hochbetagte Männer im Schneeweiß des Alters, denen die Erinnerung an die frohe Jugend und Schulzeit jugendliche Festesfreude auf die alternden Wangen gezaubert. Gar manche rührende Wiederer kennungsseene spielte sich da zwischen früheren Schul lameraden ab, die sich seit Dezennien nicht mehr ge sehen. Im Zuge waren ferner vertreten die Lehrer collegien Friedbergs und Deputationen vieler aus wärtiger höheren Lehranstalten, die Behörden, das Fest komité ze. Der Zug bewegte sich durch die Kaiserstraße an dem Eingang des ehemaligen Barfüßerklosters vor uber durch die Usagasse und die großartig geschmückte Augustinerschulgasse an dem jetzigen Realschulgebäude und der Stadtkirche vorüber zum Saalbau. Hier fand in Gegenwart der inzwischen eingetroffenen Herren

Staatsminister Finger, Exc., Geh. Staatsrath Knorr v. Rosenroth, Geh. Oberschulrath Soldan Prälat Ur. Habicht und einer zahlreichen Zuhörermenge um 11 Uhr der Festaktus der Schule statt. Nach einem von Reallehrer Wiesehahn gedichteten sinnigen Prolog kamen durch Schüler der Anstalt eine Anzahl Gedichte zum Vortrag, die sämmtlich auf die Zeit der Gründung der Schule Bezug hatten und durch die frische Art, mit der sie von den jugendlichen Deklamanten zu Gehör ge⸗ bracht wurden, allgemeinen Beifall fanden. Nicht min- der exakt waren die eingeschalteten Gesänge des Schüler⸗ chors und die ebenfalls von Schülern der Anstalt aus

geführten Instrumentalvorträge. Den Glanzpunkt der Feier bildete die gehaltreiche und formvollendete Fest rede des Direktor Ur. Windhaus, auf deren Inhalt einzugehen uns leider der Raum nicht gestattet. Nach Schluß der Festrede, die mehrmals von lebhaftem Bei

fall unterbrochen wurde, überreichte ihm Staatsminister Finger, Exc., unter Worten warmer Anerkennung für die Verdienste des Direktors um die seiner Leitung

unterstellte Anstalt und der auf fleißigsten Quellen⸗

studium beruhenden FestschriftGeschichke der Latein⸗

schule zu Friedberg, das Ritterkreuz 1. Kl. des Philipps 5 2 folgten die Glückwünsche der verschiede⸗ nen höheren Lehranstalten des Landes, von denen ein⸗ zelne auch prachtvoll ausgestattete Glückwunsch⸗Adressen überreichen ließen, so die Realschule zu Michelstadt. das Realgymnasium und die Realschule zu Gießen und das Gymnasium zu Gießen und Andere. Realschul⸗ direktor Dr. Gerhardt von Michelstadt brachte im Namen aller dieser Lehranstalten, Geh. Kirchenrath Or. Diegel im Namen aller Friedberger Lehranstalten die Glück, wünsche dar. Zahlreiche eingelaufene Glückwunschschreiben, Telegramme und eine Anzahl werthvoller Geschenke be⸗ kundeten das rege Interesse, das die früheren Schüler und namentlich auch die Friedberger Bürger an der Anstalt nehmen. Unter den Geschenken sei namentlich die durch Dr. Nikolay und Gebr. Dr. Lang veranlaßte Spende für Förderung des Zeichenunterrichts im Be⸗ trag von 1000 Mark, an der sich eine große Anzahl früherer Schüler betheiligt hat, erwähnt. Auch die Familien Trapp und Seyd haben der Anstalt passende und recht werthvolle Geschenke überreicht. Nach dem Festaktus übten eine Anzahl älterer Abiturienten einen schönen Akt der Pietät aus, indem sie auf dem Grabe

ihres einstigen hochverdienten Lehrers Professor Ur, Dieffenbach einen schönen Kranz niederlegten. Um 2

Uhr Nachmittags begann im festlich geschmückten Saale desHotel Trapp das von etwa 160 Theilnehmern besuchte Festmahl. Den ersten Toast auf S. K. H. den Großherzog und S. M. den Kaiser brachte Staats. minister Finger, Exc., aus, worauf die Festtheilnehmer stehend unter Musikbegleitung die Hymne saugen. Geh. Staatsrath Ur. von Knorr feierte die Schule, ihr weiteres Blühen und Gedeihen wünschend, Geh. Ober⸗ schulrath Soldan den jetzigen Direktor und das Lehrer⸗ collegium, Direktor Ur. Windhaus brachte einen Toast auf die Großh. Staatsregierung und die oberste Unter richtsbehörde aus, Prälat Dr., Habicht auf die Stadt Friedberg und Beigeordneter Hieronimus auf die er⸗ schienen Gäste. Rentner Buß aus Darmstadt gedachte in launiger Weise der Erlebnisse seiner Schulzeit, wo, bei er ein so schönes Bild von der Persönlichkeit und Wirksamkeit des von allen seinen ehemahligen Schülern so hochverehrten Professors Dieffenbach entwarf, daß Jeder mit Lust den Worten des Redners lauschte. Ebenso fanden die Worte Gebhards aus Luzern der 1821 Schüler der Anstalt war, reichen Beifall Dieser 85jährige Greis hatte die weite Reise aus Luzern nicht gescheut, um an dem Jubiläum der Anstalt Theil!. nehmen. Interessant sind auch dessen Lebensschicksale. Derselbe war Pfarrer zu Ober-Seemen in Oberhessen, wanderte aber in Folge der Ereignisse des Jahres 1848 in die Schweiz aus und gründete eine Buchhand⸗ lung dortselbst. Auch er machte sehr interessante Mit⸗ theilungen aus seiner Schulzeit. Rektor Lang 4 Frankfurt feierte in einem Gedicht die Damen. N des Essens, das dem altbewährten Rufe. des Hot Trapp alle Ehre machte, concertirte die Kapelle und nahm das Festmahl sehr einen animirten Verlauf. Auch die gesellige Vereinigung, die Abends im Saalbau statt' fand, hatte einen prächtigen Verlauf, wozu dis lichen Leistungen der Kapelle Krauße und die zahl; reichen Toaste beitrugen. U. A. toastirten Gymnastal⸗ lehrer Dr. Nieß aus Worms auf die Schule Pain Ur. Habicht auf die Frau des Direktors, woran Windhaus mit einem Toast auf die Damen Friedberg und der Wetterau antwortete. Gymnasiallehrer Baur aus Büdingen und Pfarrer Schwabe aus Selters he dachten der noch lebenden pensionirten Lehrer 55 Schmid, Klein und Lang, sowie des verstorbenen Dit. Möller in anerkennenden Worten. Dekan aun toastirte auf den Dichter des Festspiels, Reallehrer 152 Noch gar manche Rede wurde gehalten und erst trennten sich die Festtheilnehmer in der gehobenste Stimmung. rnb 18. OU Auch der auf heute Nachmittag angesetzte deme Spaziergang nach Bad-Nauheim, mit geselliger,* einigung in den Räumen des Hotelrestaurants, 8 dorf, nahm den schönsten Verlauf. Nachdem die. Zahl der Festtheilnehmer in dem Lokal ennie war, begrüßte Bürgermeister Wörner von Bad- heim die Versammlung in herzlicher Weise und 2 seine Freude darüber aus, daß die Anstalt 315 2 gerichtet, einen Theil ihres Festes nach W zu verlegen und toastete auf die Nachbarstadt Fried Beigeordneter Hieronimus erwiederte den Toast, 1* er für diesen freundlichen Gruß dankte und auf die gute Ein vernehmen beider Nachbarstädte und Aan 1 Bewohner Bad Nauheims ein Hoch ausbrachte. 47 Wissig von Bad-Nauheim betonte die ethische Seite Erziehung; sein Hoch galt dem Lehrercollegium* Anstalt in das die Versammlung freudig e Nachdem Reallehrer Opel in humoristischer Weise 5 Schüler gedacht, und der Obersekundaner nee wiedert hatte, verlas Direktor Dr. Windhaus i pesche, die als Antwort auf das an S. K. H. den 122 herzog beim Festmahl abgesandte Telegramm 23 eingelaufen war; der Wortlaut besagt:.. 2* Großherzog lassen herzlichst danken für den genen der Jubiläumsfeier abgesandten Gruß und wünf 5 daß die Zukunft der Realschule gleich Rios Frhr segensreich sei, wie die Vergangenheit. Major 50h v. Granch. Hierauf brachte Lehrer Wagner ein.. auf den Mann aus, der nicht nur in der kurzen 1 1 seiner Wirksamkeit an der Anstalt sich besondere

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