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Bekanntmachung,
die Erweiterung der Befugnisse des Steueramts Friedberg hiufichtlich des Zollverkehrs betr.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachungen vom 14. und 16. Juli 1888(Regierungsblatt Nr. 20 und 21) und vom 3. Juli 1891 (Regierungsblatt Nr. 21) wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß mit Wirkung vom 1. Oktober d. J. an dem Steueramte Friedberg im Hauptsteueramtsbezirk Gießen das Niederlagerecht verliehen und zugleich die Befugniß zur unbeschränkten Ausfertigung und Erledigung von Begleitscheinen J über zollpflichtige Waaren, sowie über inländisches Salz ertheilt worden ist.
Darmstadt den 18. September 1893.
Großherzogliches Ministerium der Finanzen.
gez. Weber. Welcker.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 15. Okt. Heute Vormittag trafen, von Balmoral kommend, der Groß— fürst und die Großfürstin Sergius und Groß— fürst Paul von Rußland zum Besuch am Groß— herzoglichen Hofe hier ein.
Berlin, 16. Oktbr. Der Reichskanzler Caprivi ist heute, nach günstiger Vollendung seiner Kur, von Karlsbad hier wieder einge— troffen.
Ausland.
Dänemark. Kopenhagen, 17. Okt. Die Meldung auswärtiger Blätter von einer Ver— lobung des Thronfolgers von Rußland mit einer Tochter des Prinzen von Wales wird von gut unterrichteter Seite als jeder thatsächlichen Grund— lage entbehrend bezeichnet. Die Kaiserfamilie von Rußland, und die Prinzessin von Wales mit Töchtern sind heute wieder von hier abgereist.
Frankreich. Paris, 17. Okt. Mae Mahon ist gestorben zseine Beerdigung findet auf Staats— kosten statt.
— 17. Okt. Um 9 Uhr kam der Zug mit
den Offizieren von Toulon hier an. Avellan traf eine Viertelstunde später ein. Am Bahnhof waren die Vertreter mehrerer Minister und des Präsi— denten der Republik, der Präsident des Pariser Gemeinderaths, die Deputirten und Gemeinde— räthe des Arrondissements und zahlreiche andere offizielle Persönlichkeiten erschienen. Der Präsi— dent des Gemeinderaths sprach zu Avellan ein kurzes Begrüßungswort. Hierauf wurde in zwanzig Wagen, von Pelotons der Garde republicaine eskortirt, in die Stadt gezogen. Die Fahrt vom Bahnhof bis zum Opernplatz dauerte eine Stunde. Die Menge stand vor dem Cercle militaire und zwang Avellan durch ununterbrochenes Rufen dreimal auf dem Balkon zu erscheinen. Im Innern des Cercles bot der Präsident, General Chanoine, Avellan Salz und Brot auf einer silbernen Schüssel an, die er Avellan zum Geschenk machte. General Chanoine brachte einen Toast auf den Czaren in russischer Sprache aus. Um vier Uhr erfolgte die Abfahrt zum Elysce durch die menschengefüllten Straßen. Der russische Bot— schafter, dem im Elysée militärische Ehren erwiesen wurden, stellte Carnot die Offiziere vor. Die Boulevards und die innere Stadt sind außergewöhnlich belebt, wie an hohen Festtagen. Alle russischen Offiziere wurden zu Rittern der Ehrenlegion ernannt, Avellan zum Großoffizier. Lens, 16. Okt. Die letzte Nacht ist ziem⸗ lich unruhig verlaufen. Die Ausständischen zertrümmerten zahlreiche Fensterscheiben an den Häusern solcher Arbeiter, die die Arbeit fort— setzen. In Lievin warfen die Ausständischen Steine auf die Kürassiere. Diese gaben Feuer, verfolgten die Ausständischen querfeldein und nahmen zahlreiche Verhaftungen vor.— 17. Okt. Die Kavallerie mußte neuerdings gegen die Streikenden einschreiten, die die Arbeiter an der Arbeit verhindern wollten. Es werden ernste Zwischenfälle befürchtet.
Spanien. Madrid, 16. Okt. 5 Schiffe sind in Algeciras eingetroffen, ein Kreuzer und ein Aviso sind in Melilla zurückgeblieben.
— 17. Okt. Die Generale Sanchez und Castro sind in Melilla eingetroffen. Die Re— gierung entsendet 15,000 Mann. Spanien wird vom Sultan Genugthuung und Bezahlung der Expeditionskosten verlangen. a
Italien. Rom, 16. Okt. Die„P. C.“ meldet: Das französische Panzerschiff„Hiron— delle“ und ein Torpedoschiff kreuzten 8 Tage an der sieilischen Küste und informirten sich
über die Ankerplätze und Wasserquellen. In der Nacht vom 6. auf den 7. bemerkte die
Zollwache, daß das Torpedoschiff in das Marsch⸗
land der Geriff eingedrungen war und bei elektrischer Scheinwerfer-Beleuchtung der Orte Sparrcaforno und Rosolini Situationspläne
der wichtigsten Punkte aufnahm. Die italienische
Presse ist darüber umsomehr erregt, als dies schon ein zweiter Fall ist. 216. Okt. Heute begann die Beförderung der acht Bataillone, welche die Regierung zur Unterdrückung des Räuberunwesens nach Sizilien entsendet. Das Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß des Ministeriums, wonach in Sizilien zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und zur Unterdrückung des Räuberunwesens Militärbezirke und Unterbezirke errichtet werden. San Martino, 15. Okt. Das Königspaar, der Prinz von Neapel, der Herzog von Aosta, der Ministerpräsident und die Minister des Kriegs und der Marine sind heute Vormittag von
Der Enthüllungsfeier wohnten außerdem zahl— reiche Generale, Präfekten, Sindacos, die Mili— tärattach's von Oesterreich und Frankreich, die Bureaux des Parlaments und 147 Vereine, darunter 113 Kriegervereine bei. ein Frühstück statt, an dem die königliche Familie, alle Behörden und die Militärattachées Oesterreich-Ungarns und Frankreich nahmen. Nach dem Frühstück hielt das Königs— paar Zirkel. Um 4 Uhr kehrte die königliche Familie nach Monza zurück.
Genua, 15. Okt. Heute fand unter großer Betheiligung der Bevölkerung die Enthüllung des Garibaldi-Denkmals statt, welcher Crispi beiwohnte. Maro die Gedächtnißfeier der„Abfahrt der Tausend“ unter Garibaldi nach Sizilien. Crispi hielt dabei eine Rede worin er ausführte: mals. Ich glaube an das Vaterland, welches Nationen geliebt und geachtet wird. Diejenigen täuschen sich, welche glauben, ich wolle den Krieg. Ich bin ein Apostel des Friedens, nicht des Krieges. Ich kann den Krieg nur gegen die Unterdrücker der Völker wollen, nicht gegen die Völker selbst. Garibaldi und Mazzini wollten die Freiheit und Unabhängigkeit aller Nationen. Mich an ihrem Vorbilde begeisternd, werde ich in demselben Sinne zu wirken suchen. Diejenigen fälschen meine Handlungen, welche mir vorwerfen, daß ich das Recht anderer Na— tionen hätte verletzen wollen, als ich das Recht Italiens vertheidigen mußte. Krieg können nur unvernünftige, gewaltthätige Leute wollen, nicht Diejenigen, die sich für Italien geschlagen haben. Ich wünsche, daß die Vorbereitungen für einen möglichen Angriff getroffen werden, um das Vaterland zu vertheidigen. Der Plan Mazzini's und Garibaldi's, der auch der unse— rige ist, war: eine Föderation der Völker. Bereiten wir uns auf dieses für die Mensch— heit so nothwendige Werk vor!“
Tarent, 16. Okt. Das englische Geschwader unter dem Kommando des Admirals Seymour ist gegen Mittag hier eingetroffen. Das eng⸗ lische Admiralsschiff gab beim Herannahen an die Stadt eine Salve ab, die von den Forts erwiedert wurde. Durchfahrt des Ge— schwaders durch den Kanal nach dem Mare Piccolo, wo Anker geworfen wurde, gelang vorzüglich. Auf dem Quai waren Abtheilungen von Infanterie und Marine-Infanterie, sowie sämmtliche Arbeitervereine aufgestellt, die das
Die
Monza eingetroffen, um der Enthüllung des Denkmals für Victor Emanuel beizuwohnen.
Hierauf fand
theil⸗
Hierauf folgte beim Quarto al
„Heute haben wir denselben Glauben wie da-
seine Geschicke selbst lenkt und von anderen
Geschwader mit lebhaften Ovationen begrüßten. Admiral Seymour und eine Anzahl Offiziere des englischen Geschwaders gingen Abends ans Land und begaben sich, von der zahlreich herbei⸗ geströmten Volksmenge lebhaft begrüßt, nach dem Klubhause Principessa Isabella.
— 17. Okt. Seymour empfing heute, nachdem er den Besuch des Bürgermeisters und des Unterpräfekten erwiedert hatte, Depu— tationen der Arbeitervereine, die ein reichaus⸗ gestattetes Album mit Ansichten von Tarent überreichten. Der Direktor der Tarenter Zeitung überreichte eine Adresse Namens der Presse. Darauf besichtigte Seymour unter der Führung Turis das Arsenal. Dem Bürgermeister sprach Seymour seinen Dank für den herzlichen enthu— siastischen Empfang aus. Die englischen Offiziere wurden überall mit Sympathiebezeugungen empfangen. Abends fand auf der„Italia“ ein Essen statt, im„kleinen Meere“ Serenade bei Fackelbeleuchtung.
Amerika. New⸗York. Nach einem Tele⸗ gramm der„Daily News“ vom 16. Oktober sind die Chancen für ein Uebereinkommen in der Silberfrage geringer, als jemals. Cleve⸗ land und seine Anhänger im Senat erklärten, daß sie entschlossen seien, nur die Aufhebung der Shermanakte zu acceptiren; sie würden den Kampf nicht aufgeben, selbst wenn er ein Jahr dauern sollte.
Australien. Apia, 16. Okt. Die deutschen Kriegsschiffe legten in Gemeinschaft mit einem britischen Kriegsschiff auf Tuhula die herrschen— den Unruhen ohne Blutvergießen bei durch Ge—
fangennahme der Rädelsführer. Auf sämmt⸗ lichen Inseln der Samoagruppe ist nunmehr Ordnung, Ruhe und Frieden völlig hergestellt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Die 350jährige Jubiläumsfeier der hiesigen Realschule und des Progymnasiums verlief die beiden ersten Tage, unter Betheiligung vieler früheren Lehrer und Schüler und der gesammten Bevolkerung Friedbergs, in einer der Bedeutung des Festes ent⸗ sprechenden, durchaus feierlichen und würdigen Weise. Wir verweisen des Näheren auf den in heutiger und der nächsten Nummer enthaltenen offiziellen Festbericht. Friedberg. Der 78;ährige Hofschornsteinfeger Johs. Frick wurde anläßlich der Feier seines 57jährigen
Jubiläums zum Ehrenmitgliede der hessischen Schorn steinfegerinnung und des Centralinnungsverbandes der Schornsteinfegermeister des deutschen Reiches ernannt. Ss. Heldenbergen. Johannes Grix in Detroit, ein geb. Heldenberger stiftete für ein in hiesiger Kirche
abzuhaltendes Seelenopfer zum Heil seiner Familie ein
Kirchenkapital von 200 Mk. und ein Armenkapital von 800 Mk., wovon die Zinsen an die hiesigen Ortsarmen e dem Opfer persönlich beiwohnen, als Almosen ver⸗ theilt werden sollen. Ebenso stiftete Geistl. Rath Bren tano dahier, unser langjähriger, unermüdlich thätiger Seelsorger, zu der Errichtung einer Kleinkinderbewahr⸗ Anstalt für alle Confessionen ohne Ausnahme, unter der Leitung und Beaufsichtigung der„Schwestern von der göttlichen Vorsehung“ als weiteren Beitrag 3000 Mark. Wir constatiren mit Genugthuung und freu⸗ digem Dank diese Menschenfreundlichkeit beider großen Wohlthäter der Gemeinde, deren Andenken hier immer in Segen bleiben wird.
Bingen, 15. Okt. In der gestrigen Nacht wurde die katholische Kirche in Sauer-Schwabenheim ihrer goldenen und silbernen Kirchengeräthe, die einen Werth von circa 1000 Mk. repräsentiren, beraubt.
Allerlei.
Bautzen, 17. Okt. In vergangener Nacht fanden bei einem großen Brande 3 Kinder von 4—12 Jahren den Tod durch Erstickung. 1
Trefeld, 15. Oktbr. Durch einen Zusammenstoß zweier Züge in der Nähe von Crefeld sind 6 Zugbe⸗ amte und ein Reisender anscheinend leicht verletzt wor⸗ den. Zwei Lokomotiven und 5 Waggons wurden stark beschädigt. 1
Greifswald, 17. Okt. Auf das gräflich Blücher'sche Ehepaar in Wietzow wurde durch den herrschaftlichen Gärtner ein Attentat verübt. Der Graf ist todt, die Gräfin schwer verwundet. Der Mörder entleibte sich selbst.
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