Girgenti, 29. Juli. Die Kaiserin Friedrich nahm an Bord des„Surprise“ eine Revue des britischen Geschwaders ab und besuchte mit ihren Töchtern die hiesigen Sehenswürdigkeiten. Abends wurde der Hafen prachtvoll elektrisch erleuchtet und zu Ehren der Kaiserin ein Feuerwerk und eine Serenade veranstaltet.
Türkei. Constantinopel, 28. Juli. Einige Armenier demonstrirten gestern in der Kathedrale gegen den Patriarchen und später in der Woh— nung desselben. Zur Wiederherstellung der Ord— nung schritten Truppen ein.
Griechenland. Athen. Der Zustand der Kronprinzessin Sophie von Griechenland war am vorigen Donnerstag noch ein recht bedenk— licher. Das Fieber, an dem die Wöchnerin er— krankt ist, hatte mit theilweisen Unterbrechungen von Sonntag Abend bis Donnerstag früh ange— halten und erreichte mehrmals eine Höhe von nahezu 40 Grad. Der Kronprinz war in großer Sorge und der leitende Arzt war ununterbrochen an der Seite der hohen Wöchnerin.
Rußland. Petersburg. Aus der Anwesen— heit eines großen Gefolges und sämmtlicher Be— amten der Reichskanzlei beim Besuche des deut— schen Kaisers folgern die hiesigen Blätter die politische Bedeutung der Entrevue.
Amerika. New-Vork, 28. Juli. Nach richten aus Buenos-Ayres zufolge bemächtigten sich die Aufständischen unter den Generalen Campos und Arredontio des Arsenals, der Kasernen und des Platzes Lavalle. Die Auf ständischen bestehen aus 5 Bataillonen Truppen, 2 Bataillonen Bürgerwehr und einem Corps Cadetten; die Regierung hat über 7 Bataillone zu verfügen. Bei dem gestrigen Zusammenstoße wurden viele Gebäude zerstört. Die Marine verhält sich neutral. Der Vicepräsident Pelle— grino übernimmt die Präsidentschaft.— 28. Juli. Nachdem der Waffenstillstand nochmals verlängert war, wurde durch eine Conferenz der Regierung und der fremden Gesandten behufs friedlichen Ausgleichs ein Einvernehmen erreicht. Die Bil— dung eines Versöhnungs-Cabinets ist wahrschein— lich.— Officiell wird gemeldet: Die In— surrection ist vollständig unterdrückt. Der Präsi dent und das Cabinet sind in dem Regierungs— palais, von wo sie die Gewalt ausüben. Der Finanzminister befindet sich in Freiheit.
— Den letzten Meldungen aus Guatemala zufolge, war die dortige Revolution unter General Czeta zunächst gegen die Regierung Barillas ge— richtet. Eine Anzahl Soldaten weigerten sich weiter Dienst zu thun, weil sie keinen Sold empfingen. Man befürchtet, die Truppen würden gemeinsame Sache mit den Aufständischen machen. Barillas hat über die ganze Republik den Belagerungszu— stand verhängt. Mehrere Anstifter des Aufstandes sind verhaftet worden. Die Truppen von San Salvador sollen im Anmarsch auf die Haupt stadt begriffen sein. Die Truppen von Guate— mala haben in der Schlacht bei Choingo 600 Mann verloren. Von den Truppen von Sal vador sind 2 Officiere und 87 Mann todt oder verwundet.— 29. Juli. Einer Depesche des „Newyork Herald“ aus La Libertad zufolge hieb ein Indianer mit dem Messer auf den Präsi— denten Barillas ein. Der Präsident wich zurück und blieb unverletzt. Der verhaftete Attentäter gestand, von den Conservativen gedungen zu sein.
Aus Stadt und Land.
k. Friedberg. Wie wir aus guter Quelle erfahren, beabsichtigen die Söhne der früheren Freireichs bürger unserer Stadt und die Söhne der Burgmannen zu Ehren des zuletzt geborenen Freireichsstädters, Kaufmann Ph. Dan. Kümmich, an dessen 90. Geburtstag ein Festessen im Hötel Trapp zu veranstalten, zu dem nicht nur die Söhne der früheren Reichsbürger, sondern alle Fried⸗ berger Bürger eingeladen werden sollen. Zu diesem Zwecke wird frühzeitig eine Liste in Umlauf gesetzt und sind wir im Voraus versichert, daß die Bürger unserer Stadt alle an diesem Tage zugegen sein werden. Hoffen wir, daß dieses Fest in würdiger und fröhlicher Weise verlauft.
Holzbausen v. d. H. Beinahe zwei Wochen sind verflossen, seitdem der hiesige Kriegerverein„Ger— mania“ sein Fahnenweihfest begangen hat. Wenn auch dieser Festbericht etwas verspätet kommt, so dürfte es doch angezeigt erscheinen, jetzt noch der Tage Erwähnung
zu thun, die einen so schönen Verlauf genommen haben. Am 12. Juli Abends bewegte sich unter den Klängen einer tüchtigen Kapelle ein gutarrangirter Fackelzug durch die Straßen des Ortes; am Krliegerstein machte man Halt. Von da aus sprach in begeisterten Worten Lehrer Reinhardt von hier zu der versammelten Volksmenge. Ein Hoch auf Kaiser und Großherzog bildete den Schluß seiner Rede. Herrlich prangte am folgenden Festtage der Ort bei schönstem Wetter im Festschmucke. Nachdem gegen Mittag hin die Festgäste und die geladenen auswärtigen Vereine in Empfang genommen waren, stellte sich alsbald der Festzug auf. Nach den Festreitern kamen zuerst ca. 60 Schulkinder; nach der Musikkapelle und den Ver⸗ tretern verschiedener Corporationen kamen die Festjung⸗ frauen und von diesen eingeschlossen etwa 12 weißgekleidete kleine Mädchen, die die neue noch verhüllte Fahne in blauen Bändern trugen. Hierauf folgten, der Reihe nach, die hiesigen und fremden Vereine mit ihren Fahnen und Emblemen. An dem Krlegerstein wurde zunächst zum An; denken an die gefallenen Krieger ein Ehrenkranz unter dem Geläute der Glocken niedergelegt. Auf dem großen Festplatz, der Festwiese angelangt, nahm die eigentliche Feier den programmmäßigen Verlauf. Nach den Be— grüßungsworten des Präsidenten, nach der Festrede und dem Danke des Bürgermeisters an die Festgäste, nahm der Ehrenpräsident des Vereins, Graf Ortola, das Wort, um so begeisternd wie großartig die Bedeutung des Tages zu erörtern und an den patrlotischen Sinn der Festtheilnehmer zu appelliren. Nach geschehener Ent— hüllung der Fahne, eines wahren Kunstwerks aus der Fahnenstickerei von Rupp in Frankfurt, entwickelte sich ein Volksfest im wahren Sinne des Wortes mit Tanz, Spiel und Belustigung aller Art. Alles ging wohl von statten, das Fest machte Holzhausen alle Ehre. Der Tag dleser Fahnenweihe wird noch lange in Aller Erinnerung bleiben. Gebe Gott, daß diese Fahne, die ein Gedenkzeichen an einen großen Krieg ist, nte mehr einen neuen Krteg sehe, sondern nur Friede und Eintracht schaue in allen Zeiten und in allen Ländern.
Gießen, 23. Juli. Unter großen Festlichkeiten und zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung fand heute die Einweihung der neuen Kliniken und zugleich die Ent— hüllung des Liebig-Denkmals statt. Im Laufe des Vor mittags trafen S. K. H. der Großherzog, Prinz Heinrich von Hessen, Staatsminister Finger, Oberbürgermeister Ohly von Darmstadt hier ein. Vom Bahnhofe, wo eine Ehrencompagnie mit der Regimentsmusik aufgestellt war, fuhr der Großherzog mit seiner Begleitung zu den Kliniken, wo die studentischen Corporationen den Landesherrn mit brausenden Hochs empfingen. An der Treppe begrüßte der Letter der medieinischen Klinik, Professor Dr. Riegel und der Rector der Universität, Prof. Dr. Philtppi, den Großherzog und geleiteten ihn in das reichgeschmückte Auditorium, wo nach dreimaligem Hoch auf den Landes herrn Staatsminister Finger die Uebergabe der Kliniken vollzog. Prof. Dr. Rlegel hielt sodann die Festrede. Nach Einnahme eines Imbisses fuhr der Großherzog nach dem alten Rathhaus, wo er vom Stadtoorstand feterlich empfangen wurde, und begab sich alsdann nach der Ostanlage zur Enthüllung des Liebig Denkmals, wo sich inzwischen die Vertreter der Studentenschaft und die übrigen geladenen Gäste versammelt hatten. Die Feier wurde eingeleitet mit dem Beethoven'schen Hymnus„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“. Während der Schluß strophe des Gesanges siel die Hulle des Denkmals. Dasselbe, aus weißem Marmor von der Meisterhand Fritz Schapers gefertigt, machte auf die Anwesenden einen erhebenden Eindruck. Geheimrath Prof v. Hofmann hielt als Vorsitzender des Denkmal-Comtité's die Festrede, in welcher er das Wirken und die Verdienste Llebtg's ge— bührend hervorhob. Darauf übernahm namens der Stadt Gießen Bürgermeister Gnauth das Denkmal mit einer kurzen Dankrede. Mendelssohn's Festgesang„An die Künstler“ schloß die Feier.
Allerlei.
Wiesbaden, 28. Juli. Regierungspräsident v. Wurmb ist vergangene Nacht gestorben.
Speyer, N. Juli. Heute früh sind auf dem hlesigen Bahnhof 17 Wagen eines Güterzuges entgleist. Einige Wagen wurden vollständig zerschmettert. Menschen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.
Düsseldorf, 26. Jult. Der in Haft befindliche Franz Koblbecher hat bei dem gestern Abend stattgefun— denen Verhör den an der zwölfjährigen Katharina Lethen am 5. Juli d. J verübten Mord elngestanden.
Brüssel. Der Provinzialrath von Brabant be— willigte für das Projeet, aus Brüssel einen Seehafen zu machen, 4 Million Franes. Da bereits der Staat 4 Millonen zugestand, scheint das Project gesichert. Die unternehmende Gesellschaft hat danach nur noch 8 Millionen aufzubringen,
Bern, 28. Juli. Die Ortschaft Broe im Kanton Freiburg wurde durch eine Feuersbrunst eingeäschert. 10 Häuser sind verbrannt, vier Menschen kamen ums
eben.
Arth(Schweiz) 28. Juli. Gestern Abend beim An— legen des letzten Dampfbootes stürzte ein Theil der Dampf⸗ schiffsbrücke ein. Cürea 30 Personen fielen in den See, wurden aber sämmtlich geretttet.
London, 28. Juli. Heute früh fand ein Zusammen⸗ stoß zweier Eisenbahnzüge statt, welche Arbeiter nach den Werkstätten am Schifffahrtskanal in Manchester führten. Die Lokomottvpführer beider Züge und zwei Arbeiter sind getödtet, eine große Anzahl Arbeiter ist schwer verwundet worden.
Sofia. Die Verwaltung von Sofia hat beschlossen,
in Kürze abgeschlossen. Die Kosten werden auf 7000 Franes veranschlagt. 5
New⸗Nork, 28. Juli. Die Bergindustriestadt Wall in Idaho ist abgebrannt. Fünfzehnhundert Einwoh sind obdachlos.
Beliebte Gifte. Von Dr. E. Lindenberg.
bis zur allseitigen Befriedigung seiner natürlich Bedürfnisse und Gelüste. Zuvörderst gilt es, 9 Bedürfnisse seiner leiblichen Natur zu befriediges er ist in diesem ersten Grade darauf bedach seinen Hunger zu stillen. Obgleich nun in alle Theilen der Erde die Nahrungsmittel so sehf verschieden sind im Geschmack und äußeren Au sehen, so besteht doch in chemischer Beziehun
stimmung, so daß in jedem Lande fast diesels Menge Eiweißstoff, Stärkemehl oder Fett den Körper zugeführt wird.
Hunger die Sorgen seines Geistes und läͤstig⸗ Gedanken los zu werden. Dies erstrebt er du den Genuß geistiger Getränke. Und hierbei i es wiederum interessant, daß nicht allein dieses
bei allen Völkern eine wunderbare Uebere ii!
Im zweiten Steige bal rungsgrade sucht der Mensch nach gestillten 1
Ion Der Mensch durchläuft drei Steigerungsgrg 129
an seiner Seite und beobachtete ihn genau. Nach beendeter Arbeit begleitete er mich zwei Tage
die Stadt elektrisch zu beleuchten. Die Verträge werden
lang auf einer Reise über die Hochebenen. Ob
Streben, dieses Bedürfniß eines Sorgenbrecherz Dibe ein so allgemein verbreitetes, sondern auch, daß
der chemische Stoff, welcher dazu verwendet wird Ade überall ein und derselbe ist. Stets ist es der 1 2 Alkohol, der Spiritus, welcher durch Gaͤhrung 15 aus den verschiedenartigsten Pflanzenstoffen er 4 zeugt wird und den berauschenden Bestandthell lun der gegohrenen Getränke abgibt. Es ist ganz 6 gleich, ob zu diesem Zwecke der Saft der Aloe ut oder des Zuckerrohres, der Most der Traube 10 oder des Obstes Verwendung findet. Drittens 5 endlich ist der Mensch darauf bedacht, sein geistiges. 4 und sinnliches Vergnügen noch weiter zu erhöhen, 1 Zu diesem Zwecke greift er dann zu den soge⸗ 1 nannten narkotischen Mitteln. Fast jedes Land 1 und jedes Volk hat sein besonderes Narkotikum. 19 Die Ureinwohner von Mittelamerika rollten, Tabaksblätter zusammen, um beim Rauchen der— 1 selben ihr Leben zu verträumen, und das vielleicht schon Jahrhunderte lang vorher, ehe Kolumbus das Land entdeckte. Der Gebrauch des Hanfes,
des Opiums und des Betel-Nußkauens in den asiatischen Ländern verliert sich in die Zeiten un des sagenhaften Alterthums. Während aber alle N gegohrenen Getränke ein und denselben erheitern( den und berauschenden Grundstoff, den Alkohol, 6 enthalten, wirken dagegen die verschiedenen nar⸗ kotischen Mittel jedes in seiner besonderen, eigen— thümlichen Art, und jedes einzelne Narkotikum 30 ist wegen seiner interessanten Wirkungen auf den“— menschlichen Körper des Nachdenkens immer werth,
und nehmen daher auch diese Stoffe in der Chemie und Physiologie des täglichen Lebens einen wich- tigen Platz ein. Wenn man von den weniger ae allgemein bekannten narkotischen Mitteln einzelne f herausgreift, so ist das Cocablatt in Betreff seiner Wirkung auf den menschlichen Körper eines 0 der bemerkenswerthesten. Die Cocapflanze ist 0 eine der wichtigsten Kulturpflanzen Süd-Amerikas, besonders in Peru und Bolivia, und hat sich 155 in neuerer Zeit auch einigen Eingang verschafft Sid in Europa. Der Genuß der Coca ist dem armen Peruaner die Quelle des höchsten Vergnügens. 1 Die Coca erweckt ein Gefühl von Fuͤlle und 10 Warme im Munde, stillt den Hunger und steigert gen die körperliche Regsamkeit. Der Eingeborene it 0 im Stande, bei sehr geringer Nahrung durch 1 den Genuß der Coca tagelang schwere Arbeiten 8 auszuführen und sich unempfindlich gegen Hunger, e Kälte und Ermüdung zu machen. Tschudi erzählten ein Beispiel:„Ein Eingeborener wurde von mir 0 mit einer sehr beschwerlichen Erdarbeit beauftragte Während der fünf Tage und Nächte dauernden[ At Arbeit ruͤhrte er keine Nahrung irgend welcher Art an und schlief jede Nacht nur zwei Stunden. 0 Aber er kaute regelmäßig in Zwischenräumen von] er zwei Stunden etwa ein Lot Coca und hatte bes ln ständig davon im Munde. Ich war fortwährend 165


