Deutsches Reich.
Darmstadt, 21. August. Prinz Christian von Schleswig-Holstein ist gestern zum Besuche hier eingetroffen.
— Der Kammerjunker Dr. Freih. v. Wede— kind wurde zum Kammerherrn ernannt.
— Militärdienstnachrichten. Bauer, Prem. Lieut vom 3. Gr. Inf. Regt. Nr 117 wurde à la suite des Regts. gestellt; v. Wilke, Sek. Lieut. der Res. des 1. Gr. Drag. Regts. Nr. 23, zum Prem Lieut., Kempff, Vicef. vom Landw.⸗Bezirk Weimar, zum Sek. Lieut. der Res. des 2. Gr. Inf⸗Regts Nr. 116, Müller, Sek.⸗Lieut. der Kav. 1. Aufgs. des Landw. Bezirks Gießen, Römheld III., Sek Lieut. der Inf. 1. Aufgs des Landw-Bezirks Mainz, zu Prem. Lleuts. befördert; Münch, Sek.⸗Lieut, der Feldart. 2. Aufgs., des Landw. ⸗Bezirks Erbach, der Abschied bewilligt.
Straßburg, 21. August. Der gestern Abend stattgehabte Zapfenstreich sowie der Lam— pionzug sind aufs glänzendste verlaufen. Bis in die späten Abendstunden wogte eine zahllose Menschenmenge vor dem Kaiserpalast und in den benachbarten Straßen und brachte den Majestäten, die sich wiederholt auf dem Balkon zeigten, durch begeisterte Zurufe und das Absingen der„Wacht am Rhein“ stürmische Huldigungen dar. Heute gegen 9 Uhr früh fuhr der Kaiser mit dem Großherzog von Baden zur Parade, 10 Minuten später folgte die Kaiserin in einem vierspännigen Wagen. Die Majestäten wurden auf der Fahrt von dem dichtgedrängten Publikum mit nicht endenwollenden Hochrufen begrüßt. Die Parade ist auf das glänzendste verlaufen; die Krieger— vereine und eine zahllose Menschenmenge wohnten ihr bei. Der Kaiser ritt in Gardes-du Corps— Uniform mit glänzendem Gefolge an der Spftze der Fahnencompagnie nach der Stadt zurück. In den Straßen wurde er von der Bevölkerung, besonders auch der eingeborenen, überall begeistert begrüßt. Die Kaiserin besuchte heute Nachmittag die Universität und die Orangerie. Abends um 6 Uhr begaben sich der Kasser und die Kaiserin zum Mahl beim Statthalter. Das Mahl ver— lief höchst glänzend. Der Kaiser trug Garde— husaren⸗Uniform, links von ihm hatte die Kaiserin, rechts die Statthalterin, links von der Kaiserin der Großherzog von Baden Platz genommen. Gegenüber dem Kaiser saß der Statthalter Fürst Hohenlohe. Zu dem Mahle waren 65 Einlad— ungen ergangen. Die Stadt wurde sodann prachtvoll illuminirt, besonders der Broglieplatz und das Stadthaus, wo um 9 Uhr das von der Stadt gegebene Fest begann. Beim Eintritt in das Stadthaus wurde der Kaiser und die Kaiserin vom Statthalter, dem Bürgermeister und dessen Frau ꝛc. empfangen. Die Tochter des Bürgermeisters überreichte einen Blumenstrauß Sodann erfolgte die Begrüßung durch den Ge— meinderath, die Vorstellung der Landbürger— meister, der Geistlichen, der Lehrerschaft, der städtischen und Staatsbeamten. Auch der Groß— herzog von Baden, der Kriegsmigister und Graf Waldersee waren anwesend.— 22. Aug. Der Kaiser begab sich heute Morgen um 8 Uhr in Husarenuniform nach dem Polygon. Dort fand ein Gefechtsezerzieren aller Waffen nach den Anordnungen des Kaisers statt. Nach Beendig ung desselben kehrte der Kaiser an der Spitze der Fahnencompagnie in den Palast zurück, überall enthusiastisch begrüßt. Die vor dem Kaiserpalast angesammelte Menge sang die Nationalhymne und die Wacht am Rhein. Die Kaiserin erschien wiederholt auf dem Balkon und dankte. Die Kaiserin besuchte Vormittags das Muͤnster und die Thomaskirche; gestern stattete die Kaiserin bei ihrer Rückkehr von dem Besuche des Recon— valescentenhospitals der Fürstin Hohenlohe einen längeren Besuch ab. Am Münster wurde die Kaiserin heute von Staatssecretär v. Puttkamer, Bischof Stumpf und Dombaumeister Hartel em pfangen. Die Kaiserin besichtigte das Münster und fuhr sodann zur Protestantischen Thomas kirche, die sie unter Leitung des Präsidenten des Direktoriums ebenfalls in Augenschein nahm Hierauf besuchte die Kaiserin das Kloster der
Barmberzigen Schwestern, das Diakonissenhaus,
das Waisenhaus und das Allerheiligen-Spital
Um 12½ Uhr empfing die Kaiserin die Vorstände 2—
wohlthätigen
der Vereine und Körperschaften.
Der Kaiser besichtigte Nachmittags 3½ Uhr die Außenforts, zunächst Hausbergen. Die Kaiserin besuchte die Orangerie. Die Majestäten wurden überall auf das lebhafteste begrüßt. Zu dem hierauf stattgehabten Prunkmahle bei den Maje— stäten waren 190 Einladungen ergangen. Am Abend fand sodann der Huldigungszug der Vereine, woran circa 100 Vereine mit 8000 Personen theilnahmen, statt und verlief glänzend und groß— artig. Der Kaiserpalast war vielfach beleuchtet, 400 Turner bildeten mit Fackeln ein riesenhaftes W. und A. Die Sänger trugen mehrere Lieder vor. Der Bürgermeister brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Die Majestäten dankten und grüßten vielfach vom Balkon des Kaiserpalastes.
Kiel. S. M. Kanonenboot„Wolf“, Com— mandant Kapitän-Lieutenant Credner, ist am 11. August in Apia angekommen.
Fulda, 22. Aug. Die Berathungen der Bischofsconferenz endigen heute Abend. Nachdem morgen früh in der Bonifaziuskapelle eine Schluß andacht stattgefunden haben wird, reisen die Con— ferenztheilnehmer ab. Kapitularvikar Giese reist bereits heute nach Münster zurück, um daselbst während des Kaiserbesuches gegenwärtig zu sein.
Schlangenbad. Die Kaiserin Augusta trifft Freitag den 23. August zu längeren Kur— gebrauch hier ein und wird im Oberen Kurhause Wohnung nehmen.
München, 21. Aug. Der Schah reiste heute morgen nach Schloß Chiemsee ab. Am Nachmittag erfolgt die Weiterfahrt in einem königlichen Zug nach Salzburg.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 22. Aug. Die von der„Correspondence del'Est“ ausge— streuten Meldungen über das Auftreten von Banden in der Herzegowina werden vom Tele— graphen-Correspondenzbureau nach authentischer Feststellung als vollkommen auf tendenziöser Er findung beruhend bezeichnet.
Salzburg, 22. August. Der Schah von Persien begab sich in Begleitung des Statthal— ters und Landeshauptmanns nach Schloß Hell brünn, nahm hier das Zouper ein und fuhr so— dann mit der Zahnradbahn auf die Spitze des
Gaisbergs. Morgen früh erfolgt seine Abreise nach Wien.
Lemberg. Der Sohn des russischen Generals Degen, der seit einigen Tagen hier weilte,
ist, socialistischer Umtriebe verdächtig, sammt einem Mitarbeiter des„Kurier Lwowski“ verhaftet
worden.
Schweiz. Bern. Der Regierungsrath des Kantons Bern verbot die Verlesung der päpstlichen Allokution vom 20. Juni d. J. in den Kirchen.
Großbritannien. London, 21. August. Das„Reuter'sche Bureau“ meldet aus Victoria Augusta: Der Capitän eines gestern hier einge— troffenen amerikanischen Schooners berichtet, ein amerikanischer Zollkutter habe die englischen Schiffe„Pathfinder“ und„Minnie“ wegen Robbenfangs in der Behringsbai gekapert und eine Anzahl anderer englischer Schiffe durchsucht.
Italien. Neapel, 21. Aug. Die Gesandt— schaft des Königs von Schoa ist an Bord des „Christophoro Colombo“ hier eingetroffen. Mit demselben Schiffe kam der Forschungsreisende Antonelli an, der sofort nach Rom weiterreiste. Die Gesandtschaft ging im Laufe des Tages ans Land, wo sie mit militärischen Ehren empfangen und von Vertretern des Ministers des Aus wär— tigen, dem Präfekten, dem Gemeinderath und der Afrikanischen Gesellschaft nach Capodimonte begleitet wurde.
Serbien. Belgrad. Die Exkönigin Natalie hat den neuesten Nachrichten zufolge dem Minister präsidenten Gruitsch durch eine Drahtmeldung angezeigt, sie verschiebe wegen Unpäßlichkeit die Reise nach Serbien. Die wahre Ursache der Verschiebung dürfte indessen darin liegen, daß die Königin dem dringenden Anrathen der Regenten und Minister nachgegeben hat, nicht früher nach Serbien zu kommen, bis sie die Bedingungen
des Exkönigs angenommen hat, um so jeden öffentlichen Skandal zwischen ihr und Milan zu vermeiden.
Australien. Auckland, 21. Aug. Eine Londoner Reutermeldung von hier besagt: Ma— lietoa und andere Häuptlinge sind an Bord des Kanonenbootes„Wolf“ in Samoa angekommen. Die Eingeborenen empfingen Malietoa herzlich und hißten seine alte Standarte; auch Mataafa begrüßte ihn freundlichst. Consul Stübel theilte ihm mit, daß er jetzt vollständig frei sei.
Aus Stadt und Land.
2 Friedberg. Wir erlauben uns, unsere Leser noch⸗ mals auf die am Samstag den 24. August, Abends 8 Uhr, im Steinhäußer'schen Saale stattfindende Generalversamm; lung des„Eo. Bundes“ nachdrücklichst binzuweisen und hoffen, daß dieselbe recht zahlreich besucht werden möge.
„„ Friedberg. Wenn je ein Mann es verdient bat, daß man am Tage seiner 50 jährigen Wirksamkelt seiner öffentlich gedenkt, so ist es der allverehrte Direktor der hiesigen Blindenanstalt, J. P. Schäfer. Am 25. Aug. sind es 50 Jahre, daß Schäfer, der eben das Seminar zu Beuggen im Großherzogthum Baden verlassen hatte, das unter der Leitung des trefflichen Chr. H Zeller stand, als Lehrer an der Taubstummen Anstalt zu Riehen bei Basel eintrat. Hier genoß er durch den Inspektor Arnold, den bekannten Meister der Lautsprachmethode, eine aus: gezeichnete Einführung in die gesammte Taubstummen Bildung. Auf einer Besuchsreise in seiner Heimathstadt Altenstadt, woselbst er am 8. Mai 1813 geboren ist, anwesend, lernte ihn der damalige Direktor der Taub stummenanstalt in Friedberg, Roller, kennen und berkef ihn an diese Anstalt. Sein Amtsantritt hierselbst erfolgte aum 1. April 1842; sein Wirken an der hiesigen Anstalt war ein gesegnetes und er erreichte durch seine anregende Persönlichkeit bei den Schülern bedeutende Erfolge. Von lebendigem Interesse für das sittlich religiöse Volkswohl beseelt, regte er die Errichtung einer Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder an, die 1847 im Kloster Arnsburg ins Leben trat und noch heute im Segen bestebt. Bei der Gründung war Schäfer die Hauptarbeitskraft und betheiligte sich auch lange Jahre hindurch elfrig an der Verwaltung. Dem erfolgreichen Lehrer der Taubstummen drängte sich fast naturgemäß der traurige Zustand einer anderen Klasse von Unglücklichen, der Blinden, auf. Während für jene Viersinnigen alles Noͤthige geschah, sorgte Niemand für diese Letzteren. Da wagte ex es, im Vertrauen auf Gottes Durchhilfe und werkthaͤtiger Menschen Liebe, die Gründung einer Blindenanstalt zu unternehmen, welche in den kleinsten Anfängen mit einem Zögling am 8. April 1850 dahter ins Leben trat. Ein Zögling kam zum andern. Das neue Werk verlangte eine ganze Kraft. Schäfer gab seine Stelle an der Taubstummenanstalt auf und widmete sich nun ganz der Blindenbildung. Ein eigenes Gebäude wurde errichtet. Es waren Zeiten frischen, fröhlichen Schaffens aber auch großer Schwierigkeiten. Die Anfeindungen blieben nicht aus. Gemeinnüßiges und christliches Anstalts- und Ver; einswesen, das heutzutage so mächtig blüht, war noch wenig entwickelt, das Publikum zum Theil dieser Dinge sehr unkundig. Dieser Unkunde bemächtigten sich einige Uebelwollende. Heutzutage, beim Rückblick, kommen einem die kleinlichen Verdächtigungen und Anfeindungen unbe⸗ greiflich vor. Damals waren sie eine schmerzliche Realität. Es gehörte die ganze Energie eines zielbewußten Mannes und ein volles Erfülltsein von seiner hohen Aufgabe dazu, um dem verehrten Jubilar über diese Zeiten hinauszu⸗ helfen und nur seiner, allein seiner Thätigkeit und Aus dauer verdankt es unser Land, daß die Anstalt über⸗ haupt noch besteht und zu dem werden konnte, was sie jetzt ist. Von durchschlagender Bedeutung war es, daß sich die unvergeßliche Landesmutter, die Großherzogin Mathilde für die Anstalt interessiite, wie durch sie der Großherzog Ludwig III. denn auch das Protektorat über nahm. Namentlich der erste Besuch, den die hohe Frau in der Anstalt machte, bezeichnet eine bedeutsame Wendung. Von da an schwiegen die Feinde still, die Unkundigen ge⸗ wannen Vertrauen, welches das nun bereits 39 Jährige Be⸗ stehen der Anstalt glänzend rechtfertigt. Von dem Vertrauen zeugte der Auftrag der Armencommission dahter an Schäfer, das Versorgungshaus hier zu organisiren. Mit Schaffens⸗ freude und bewährtem Geschick unterzog sich Schäfer der großen Arbeit und hatte dann aber auch die Freude, seine Mühe durch das gelungene Werk belohnt zu sehen. Das Haus konnte am 9. Oktober 1856 eingeweiht werden. Namentlich unsere älteren Mitbürger, welche die früheren mit den späteren diesbezüglichen Zuständen zu vergleichen imstande sind, wußten die Bedeutung dieser Anstalt für unsere Stadt zu würdigen. In Anerkennung hierfür, sowie namentlich auch für Gründung der Blinden- Anstalt in unserer Stadt erhielt der Jubilar das Ehrenbürger⸗ recht am 3. November 1856. In der mannigfachsten Weise hat sich Schäfer auch sonst an Bestrebungen zum Wohl der Stadt resp. ihrer Armen bethelligt; so ist er Mit- begründer des Armenvereins resp. Vereins gegen Bettelel in den 40er Jahren gewesen und seit vielen Jahren im Vorstand des Hilfsvereins. Auch dem Vaterland bat er seine Kraft in großer und ernster Zeit zur Verfügung gestellt, so 1870 und 1871 als Leiter der inneren An; gelegenbeiten des Lazareths, wofür ker sowohl vom Groß⸗ berzog Ludwig III. mit dem Milttär⸗Sanitätskreus, als auch vom Kaiser Wilhelm I. mit der Kriegs denkmünze für Nichtkombattanten geehrt wurde. Ebenso wurde et aus gleichem Anlasse zum Ehrenmitgliede des Krieger⸗
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