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außeb sedem Zweifel, daß Kronprinz Rudolph und Baronesse Vetsera gemeinsam aus dem Leben geschieden sind. Die Leichen beider sollen Mittwoch früh in Mayerling bei einander ge⸗ funden worden sein. Die Wahrscheinlichkeit dieser Meldung wird noch bestätigt durch das letzte officiöse Wiener Telegramm, in welchem zwar jegliches Verhältniß des Kronprinzen zu einer Dame aus der Familie Auersperg und Schwarzenberg geleugnet, wahrend des Namens Vetsera, der doch in aller Munde schwebt, nicht Erwähnung gethan wird. Das Verhältniß des Kronprinzen zur Baronesse Vetsera soll bereits längere Zeit bestanden haben. Die„Münch. Neuest. Nachr.“ bringen darüber folgende Mit⸗ theilungen:„Baronesse Mary Vetsera fuhr am Montag Vormittag mit ihrer Freundin Gräfin Larisch angeblich auf Commissionen-Besorgung. Am Kohlmarkte veranlaßte sie die Gräfin, allein auszusteigen und in einen Laden einzutreten, worauf sie selbst auf der entgegengesetzten Seite den Wagen verließ und einer anderen Stelle zueilte, wo, wie sie wußte, der Fiaker Bratfisch auf sie wartete. Mit ihm verließ sie Wien und fuhr nach Mayerling. Unterwegs jedoch bereits gesellte sich Kronprinz Rudolf zu ihr. Das Paar legte die weitere Wegstrecke ohue jede Heimlichkeit der Außenwelt gegenüber zurück.—— Der Kron— prinz tödtete zuerst die Baronesse und dann sich, ganz dem Wiener Romanstil entsprechend. Die Kugel trat bei ihm gegen das linke Ohr an der oberen Schädeldecke heraus, wodurch in Verbindung mit den verwachsenen Näthen eine Sprengung der Schädelknochen erfolgte. Auch die Vetsera ist in den Kopf geschossen. Ihre Leiche wurde zu den Cisterziensern nach Heiligen— kreuz geschafft und dort in aller Stille beerdigt. —— Der Berliner Correspondent des„Hamb. Fremdenblatt“ ergänzt die vorstehende auch von der„Nordd. Allg. Ztg.“ wiedergegebene Dar— stellung, indem er schreibt:„Das Verhältniß zwischen dem Kronprinzen und der Baronesse Vetsera dauerte bereits mehrere Monate und blieb nicht ohne Folgen. Der Kronprinz hatte ihr die Ehe versprochen; daher seine Bemühungen, die Ehe mit seiner Gemahlin zu lösen. Der Kronprinz soll dem Kaiser erklärt haben, seine Liebe zur Veisera sei so ernst, daß er vorhabe, sich von seiner Gemahlin scheiden zu lassen und die Baronin zu heirathen. Der Kaiser verlangte den sofortigen Abbruch des Verhältnisses. Der Kronprinz, eine heftige und eigensinnige Natur, überlegte 24 Stunden. Am Sonntag Abend war sein Entschluß gefaßt und er fuhr nach Mayerling unter dem Vorwand, auf die Jagd zu gehen. Das übrige ist bekannt.
Frankreich Paris. Ein Rundschreiben des Kriegsministers an die Corpscommandeure besagt, daß alle politischen Kundgebungen jeg— licher Natur formell untersagt sind. Oberst Senard erhielt eine Rüge mit dem Vermerk in den Personalacten.
Italien. Rom, 9. Febr. Der Bürger⸗ meister hatte gestern Vormittag eine Deputation der beschäftigungslosen Arbeiter empfangen und ihnen, angesichts des augenblicklichen Mangels an großen Arbeiten, Beschäftigung mit Erdar— beiten zugesagt. Die Zahl der um zwei Uhr Nachmittags in dem Prati di Castello ange— sammelten Menge betrug mindestens tausend. Einer von den Delegirten empfahl den Arbei— tern, die Maßnahmen der Regierung abzuwar— ten, andere forderten die Menge auf, Barrikaden zu errichten und das Kapitol und das Parlament anzugreifen. Darauf fing die Menge an, die Laternen einzuschlagen Mehrere Polizisten wur— den mit Stöcken, Messern und durch Steigwürfe verwundet. Die Menge setzte am linken Tiber— ufer in den Straßen Frattina, Macelli und Corso Vittorio die Zerstörung fort. Man drang in die Läden ein und versah sich mit Messern. Um vier Uhr schritten Truppen ein, worauf sich die Ruhestörer verliefen.
Amerika. Washington, 8. Febr. Staats— secretär Bayard ersuchte den diesseitigen Consul in Samoa, Sewell, seine Entlassung zu nehmen,
da seine Ansichten mit denen der Regierung der Vereinigten Staaten nicht übereinstimmten. Die Samoa Angelegenheit ist übrigens auf dem besten Wege, demnächst aus der Reihe der politischen Erörterungen zu verschwinden. Der deutsche Conferenzvorschlag hat in Washington eine günstige Aufnahme gefunden; Staatssecretär Bayard hat den Grafen Arco-Valley von dem Entschlusse der amerikanischen Regierung in Kenntniß gesetzt, auf den Vorschlag einzugehen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 10. Febr. In Folge des entsetzlichen Schneesturmes seit vorgestern früh ist fast der ganze Ver⸗ kehr eingestellt. Die Eisenbahnzüge bleiben stecken, so daß der Verkehr zwischen Gießen und Frankfurt fast ganz aufhört. Auch von anderen Gegenden hören wir dasselbe so von: Fulda: Infolge eines heftigen Schnee⸗ sturmes ist seit gestern Abend die Etsenbahnverbindung zwischen Gleßen und Fulda unterbrochen. Die Rhönpost ist eingeschneit; Malnz: Der Verkehr auf der Linie Worms'-Alzey ist seit gestern Abend in Folge von Schnee⸗ wehen gesperrt. Die Abendzüge liegen noch bei dem Einschnitt bet Eppelsheim. Der Schnee liegt strecken⸗ weise mannshoch; Halle a. S.: Heute Vormittag 11 Uhr wurden bei Niemberg fünfzehn Schneearbeiter von einem Eisenbahnzuge überfahren. Steben sind todt, acht schwer verletzt. Ste waren mit Fretlegen der Geleise beschäftigt, als der von hier mit Verspätung abgegangene Personen— zug vorbeisauste.
Vilbel. Der hiesige Gemeinderath hat dem„V. 09 zufolge die Abhaltung des landwirthschaftlichen Festes der Provinz Oberhessen für dleses Jahr desinitiv über⸗ nommen. Dasselbe wird am 9. und 10. Juli auf un⸗ serem weithin bekannten so schön gelegenen Marktplatz abgehalten. Mit dem Feste soll eine Ausstellung von Vieh und landwirthschaftlichen Geräthen, sowle eine Ver- loosung verbunden werden.
Nidda, 8. Febr. Heute feierte der frühere Poltizei⸗ diener Lehr mit seiner Ehefrau das seltene Fest der diamantenen Hochzelt. Die beiden, nun seit 60 Jahren verheiratheten Ehegatten sind noch rüstig.
Darmstadt. Ein Fortbildungsschüler in Nieder⸗ Beerbach benahm fich während des Unterrichts gegen den Lehrer in brutaler Weise. Auf erstattete Anzeige kam die Sache in den letzten Tagen vor dem Schöffengericht zur Verhandlung, und wurde das Bürschchen in nicht weniger als sechs Wochen und sechs Tage Gefängniß ver⸗ urtheilt. Der Staatsanwalt bemerkte in seiner Anklage mit Recht, daß in der Fortbildungsschule derartigen Roh— heiten gegenüber die gewöhnlichen Disziplinarmittel nicht ausreichten und deßhalb hier eine exemplarische Strafe eintreten müsse, um die Autorität des Lehrers zu schützen.
Allerlei.
Berlin, 8. Febr. Prinz Friedrich Leopold, der Vetter und zukünftige Schwager des Kaisers, soll am nächsten Mittwoch seitens der hiesigen großen Landesloge in den Freimaurerorden aufgenommen werden
Verloosungen.
Meininger 7fl.⸗Loose vom Jahre 1870. Ge⸗ winn⸗Ziehung vom 1. Februar 1889.— Helmzahlung am 1. Mai 1889. Serie 684 Nr. 2 à 4000 fl. Serie 8881 Nr. 49 à 2000 fl. Serie 553 Nr. 46, S. 2148 Nr. 34, S. 3275 Nr. 32 à 300 fl. Serie 873 Nr. 25, S. 2319 Nr. 44, S. 3242 Nr. 4 45, S. 3675 Nr. 49, S. 3997 Nr. 41, S. 4280 Nr. 15, S. 4423 Nr. 22, S. 5226 Nr. 39, S. 5748 Nr. 5, S. 6164 Nr. 16 38, S. 6963 Nr. 19, S. 8503 Nr. 29, S. 9438 Nr. 48 à 60 fl. Serle 482 Nr. 33, S. 762 Nr. 17, S. 1059 Nr. 10, S. 2148 Nr. 12, S. 3430 Nr. 1 30, S. 3721 Nr. 41, 3997 Nr. 29, S. 4041 Nr. 36, S. 4141 Nr. 36, 4149 Nr. 9, S. 4280 Nr. 35, S. 4456 Nr. 21, 4630 Nr. 45, S. 4822 Nr. 20, S. 5175 Nr. 32, 5184 Nr. 19, S. 5247 Nr. 19, S. 5901 Nr. 20, 6164 Nr. 9 50, S. 6366 Nr. 39, S. 6963 Nr. 21, . 7081 Nr. 32, S. 7172 Nr. 42, S. 7302 Nr. 14, 7730 Nr. 18, S. 8070 Nr. 36, S. 8418 Nr. 25 34 à 20 fl. Auf alle übrigen in den am 2. Januar 1889 gezogenen Serien enthaltenen und hier nicht aufgeführten Nummern entfällt der geringste Gewinn von je 8 fl.
Hamburg, 1. Febr. Prämien Ziehung der Köln⸗ Mindener Loose. Nr. 2253 55000 Thlr. Nr. 23943 8000 Thlr. Nr. 26441 3000 Thlr. Nr. 16875 2000 Thlr. Nr. 7300 24286 43828 1000 Thlr. Nr 73984 143810 500 Thlr. Nr. 7294 23867 35325 43027 51772 100989 136915 140012 140031 188098 193543 200 Thlr.
Augsburger 7 fl.⸗Loose vom Jahre 1864. Serten⸗ Ziehung vom 1. Februar 1889 Nr. 133 146 469 495 576 966 981 1192 1201 1216 1409 1433 1439 1553 1766 1823 1958 2016 2099 2130. Die Gewinn— Ziehung findet am 1. März 188g statt.
Oesterr. 500 fl.⸗Loose vom Jahre 1860. am 1. Febr. 1889. Gezogene Serien: Nr. 51 151 320 537 690 729 815 857 1106 1192 1365 1375 1397 1515
Gg
1876 1947 2183 2380 2591 2620 2744 2783 2793 28304
2840 2857 2883 3007 3063 31513159 3506 4051 4064 4137 4243 4488 5071 5301 5410 5477 5970 5992 6043 6096 6525 6528 6596 6658 6672 6689 6754 6862 7480 7717 7795 7920 8258 8500 8509 8594 8638 8696 8929 9055 9370 10034 10442 10460 10708 10761 10925 10955 11215 11264 11271 11375 11391 11708 11719 11837
11980 12443 12903 12979 13087 13150 13285 13354 13441 13463 13702 14126 14139 14208 14257 14318
Ziehung]!
14608 14665 14934 14964 15042 15270 15981 15997 16000 16068 16176 16178 16589 16996 17048 17178 17222 17254 17795 18256 18274 18465 18587 18615 19047 19069 19164 19440 19641 19669 19847. Die Prämien ⸗Ziehung findet am
14518 14585 15529 15800 16355 16370 17580 17770 18649 18945 19696 19699 1. Mal statt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 9. Febr. Buttermarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.80— 0.90. Eier 1 Stück 6 Pf. 0
Buß bach, 9. Februar. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.90—0.00., Käse per Pfund 45-46 Pf., Eier 1 Stück 6 Pf.
Frankfurt, 8. Februar. Engros⸗Markt. Heu pro 100 Kilo M. 6.80— 9.50, Stroh pro 100 Kilo M. 6.00 bis 7.20, Butter pro 50 Kilo M. 82.00— 87.00, Gier
das Hundert M. 7.00—8., Erbsen 100 Kilo M. 18 bis
23.00, do. geschälte M. 20—30, Linsen M. 34 bis 52, weiße Bohnen M. 23.— 25.50, Blumenkohl 100 Stück M. 60.00— 70.00, Sellerteköpfe 100 Stück M. 8.—10., französischer Sellerie M. 0.50— 00.00, franz. Kopfsalat 100 Stück M. 10.00— 12.00, neue französische Bohnen per Pfund M. 0.80— 1.00, Nüsse per Centner M. 20 bis 25, Haselnüsse per Ctr. M. 35.—45., Aepfel per Pfd. 6-10 Pf., Birnen per Pfund 5—15 Pf., Trauben 25 bis 35 Pf. per Pfund, italienische Kastanien 14— 18 Pf., englischer Sellerie 5060 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo 6.50— 7.50, franz. Zuckerschoten M. 1.20. Frankfurt, 9. Febr. Wochenmarkt. Erbsen ganze per Pfd. 12— 18 Pf., do. geschälte 14—18 Pf., Linsen 1828 Pf., weiße Bohnen 16-18 Pf., hiesige Kartoffeln per Gescheid 10 12 Pf., krause Endivien 20— 30 Pf., Butter per Pfd. M. 1.10— 1.20, Eier das Stück 7 bis 8 Pf., Blumenkohl 3060 Pf., frische Suppenspargeln das Päckchen 30—50 Pf., frische Spargeln das Pfd. M. 2.50 bis 3.50, französischer Kopfsalat das Stück 12— 16 Pf. Sellerieköpfe 15— 20 Pf., französischer Sellerie 40 bis 50 Pf., französischer Romainsalat per Stück 60—80 Pf. Wirsing per Stück 10—15 Pf., Zwiebeln per Pfund 7 bis 9 Pf., per Centner M. 6.00 8.00, Welßkraut pet St. 10— 20 Pf. neuer Lattigsalat die Port. 50 70 Pf Aepfel per Pfd. 15— 20 Pf., Birnen per Pfd. 5— 10 Pf., Nüsse per Pfund 20—28 Pf., Mauskartoffeln per Oer
scheid 20 bis 25 Pf., Spinat 70— 100 Pf., Rosenkohl!
50— 70 Pf., Schwarzwurzel 40—70 Pf., gelbe Rüben die Portion 15—20 Pf., weiße Rüben das rothe Rüben per Portion 20—30 Pf., Teltower Rübchen
Stück 2 Pf.
5
2
FFP
30— 35 Pf., Grünkohl 40—50 Pf., Kastanien das Pfund
15-16 Pf.
Literarisches.
Daheim Nr. 18 enthält: Der Weg zum Glück, Forts.— Die Landespferdezucht in Deutschland. Von E. Fürst.— Wle Ulrich Urban einen Schatz fand. Er— zählung von L. Westerkirch.— Bilder aus der franzs, sischen Revolution. II. Von O. Jäger. Mit 2 Porträts und 4 Illustr.— Bild: Am Futterplatz.— Die Schule der Geduld. Gedicht von J. Trojan.— Etwas vom Barometer.— Tabak schmauchen.— 2 Beilagen.
Daheim Nr. 19 enthält: Der Weg zum Glück, Forts.— Das Riechen. Von Dr. Dyrenfurth.— An den Schatz. Mit Bild.— Wie Ulrich Urban einen Schatz fand. Forts.— Erinnerungen vom See Gene zareth. Von H. Guthe. Mit 8 Illustr.— Die Korinthen. — Eine„wissenschaftliche“ Erklärung.— Nikolaus von Beguelin.— Morgenstund hat Gold im Munde. Gedicht von Seidel.— 2 Beilagen.
Auszug aus dem Civilstands-Register der Stadt Friedberg Getraut: 1. Januar. Der Maler Johannes Iffland von Dor heim mit Barbara Müller von Kulmbach 18.* Der Realschul-Lehrer Dr. Joseph Jullusß Schwarz von Guttstadt mit Emilie Nuß baum von hler. Geboren: 2. Januar. Dem Eisenbahn-Bremser Johann Wilhel Husemann 1 Sohn. 4. 5 Dem Kaufmann Johann Peter Arnold Ott Gaßzert 1 Tochter 8. 5 Dem Weißbinder Adolf Bernhard Werne 1 Tochter. 11 5 Dem Lacktrer Georg Schuh 1 Sohn. N 12. 8 Dem Großherzogl. Steueraufseher Konni Philipp Köppler 1 Sohn. 1 12. 2 Dem Bierbrauer August Herrmann Kürschi 1 Tochter. J 1 5 Dem Bürstenmacher Simon Hessel 1 Tochtß 16. f Dem Metzger August Neuhof! Tochter.
Dem Kaufmann Jacob Keim 1 Tochter. Dem Metzger Karl Schäfer 1 Sohn. 18.. Dem Dienstknecht Johs. Weber 1 Tochteh 1
Dem Schneider Joseph Ring 1 Tochter.
25. 5 Dem Weichensteller Wilhelm Deichmann Tochter. 1 26.* Ein unehelicher Sohn. 9 26. 1 Dem Kürschner Joh. Philipp Julius 5 rich 1 Sohn. 1 8 Dem Schlosser G. Heinr. Stöppler 1 Tochteg Gestorben: 9 1. Januar. Jacob Wilh. Sohl, Sohn des Handarbelli Seibert Sohl, 1 Jahr alt. J 2.. Amalie Werner, Ehefrau des Lehrers Ch
Werner, 45 Jahre alt.


