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Betreffend: Die Einsendung der Todeszeugnisse und Sterbefallszählkarten von November und Dezember 1888. Friedberg den 8. Januar 1889.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit obiger Einsendung noch im Rückstande sind, wollen dieselbe unfehlbar binnen 3 Tagen an Groß⸗ herzogliches Kreis-Gesundheitsamt Friedberg bewirken. Dr. Braden. f
Bekanntmachung. In Gemäßheit der Instruction vom 30. August 1887 zur Ausführung des Reichsgesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Durchschnittspreise der nachbemerkten Artikel für den Monat Dezeember 1888 sich mit einem Aufschlage von fünf vom Hundert für den Centner berechnen wie folgt: Hafer M. 7.75, Heu M. 4.70, Stroh M. 4.20.
Friedberg den 7. Januar 1889. Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden. f
Betreffend: Die Feldbereinigung in der Gemarkung Melbach. Bekanntmachung.
Donnerstag den 17. d. Mts., Vormittags von 10—12 Uhr, findet Eutgegennahme der Wünsche bezüglich der Zutheilung der neuen Grundstücke des I. Feldes, umfassend die Fluren VIII., IX., X, XI. und XII., durch den unterzeichneten Vollzugs-TCommissär statt.
Die Wunsche sind schriftlich einzureichen und haben zu enthalten: Flur und Nummer der zusammenzulegenden Grundstücke mit der Angabe, an welche Stelle die Parzellen gelegt werden sollen.
Ausdrücklich hervorgehoben wird, daß diejenigen Wünsche in erster Linie legen der Grundstücke eines Besitzers bezwecken.
Friedberg den 7. Januar 1889.
Ausschreiben. Um Auskunft über die dermaligen Aufenthaltsorte des Andreas Eber, auch Karl Eber genannt, Brauer, aus Zoltingen in Bayern, zuletzt in Butzbach beschäftigt und des Julius Dannewitz, Taglöbners aus Weilmünster, wird ersucht.
Erledigungen. Mein Ausschreiben gegen den Gottlteb Farrenkopf von Hettingenbeuern vom 4. Februar 1888, vom 13. November nehme ich als erledigt zurück; ebenso mein Ausschreiben gegen Johann Scheiner von Greusenheim.
Berücksichtigung finden, welche auch ein thatsächliches Zusammen⸗ Der Vollzugs-Commissär für Feldbereinigung: Dr. Wallau.
sowie den gegen denselben erlassenen Steckbrief Der Großherzogliche Amtsanwalt: Krämer.
Friedberg den 7. Januar 1888.
Deut sches Reich.
Darmstadt. Postpersonalnachrichten. Den Post— direktoren Weberstedt in Darmstadt und Marizy in Mainz wurde der Rang der Räthe vierter Klasse beigelegt, sowie dem Ober Postkomissär Rosenhagen in Darmstadt der Charakter als Rechnungsrath verliehen. Der Telegraphen⸗ amtskassterer v. Albedyhll in Darmstadt ist zum Tele graphendirektor, der Postsekretär Nispel in Nidda zum Postmeister, der Postassistent Goldmann in Darmstadt zum Bureauassistent ernannt worden. Versetzt wurden: der Postverwalter Wagner in Altenstadt nach Grünberg unter Ernennung zum Postassistenten, der Postassistent Röhmer von Düren nach Viernheim, der Postassistent Heß von Gießen nach Michelstadt.
Berlin, 8. Jan. Der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Baden trafen heute Vormittag zum Besuche am hiesigen Hofe ein.
— Der„Reichs-Anzeiger“ veröffentlicht ein von dem Cabinetsrath der Kaiserin Augusta an den Chef der Reichskanzlei gerichtetes Schreiben, in welchem erklärt wird, daß die Nachricht des „Berl. Fremdenbl.“, der verstorbene Cabinets— rath der Kaiserin, v. Brandis, habe geheime Depeschen aus dem Hauptquartier im Jahre 1870 an Morier gegeben, und zwar in Hom— burg, unwahr ist. Geheime Depeschen über Truppenbewegungen seien nicht bei der Kaiserin eingegangen, konnten also Brandis nicht zur Einsicht stehen. Die Kaiserin hatte Berlin vor Oktober 1870 gar nicht verlassen.
— Aus unterrichteten Kreisen verlautet, die Erneuerung des internationalen Schienencartells habe thatsächlich bereits stattgefunden, und zwar sei das Cartell mit einer Giltigkeit für 2 Jahre vom 1. Januar an abgeschlossen.
— Der Beschluß des Reichsgerichts in der Strafsache gegen Professor Geffcken bezeichnet nicht weniger als 24 Punkte der Anklageschrift des Ober⸗-Reichsanwalts, in denen zugestanden werden könne, daß der Beschuldigte Nachrichten veröffentlicht habe, deren Geheimhaltung anderen Regierungen gegenüber für das Wohl des Deut— schen Reiches erforderlich war. Das Vorgehen des Reichskanzlers ist damit vollständig ge— rechtfertigt.
Kiel. S. M. Aviso„Pfeil“, Commandant Corv.⸗Capt. Herbing, ist am 4. Januar in Sansibar eingetroffen.
Ausland.
Schweiz. Bern. Der Bundesrath beschloß, die Bundes-Versammlung zur Fortsetzung der Wintersession auf den 25. Maͤrz einzuberufen.
Holland. Haag, 7. Jan. Das Befinden des Königs seit den letzten Tagen ist unverän— dert; eine unmittelbare Lebensgefahr liegt nicht vor.
Belgien. Brüssel, 7. Jan. Nach dem „Etoile belge“ hat der Besuch der gestern hier eingetroffenen Prinzessin Clementine von Coburg den Zweck, die Vermählung des Fuͤrsten Fer—
Frankreich. Paris, 8. Jan. In der Kammer wurde heute bei dem dritten Wahl— gang Meline mit 253 gegen Andrieux mit 149 Stimmen zum Präsidenten gewählt.
Italien. Rom, 5. Jan. Durch Dekret des Königs wurde die Parlamentssession 1887/88 heute geschlossen.
— Die„Agencia Stefani“ dementirt Zei— tungsgerüchte von beabsichtigten Anlehen oder Creditoperationen, mit dem Hinzufügen, die ita— lienischen Finanzen gestatteten dermalen die Be— streitung der budgetmäßigen Ausgaben ohne Ausnahme-Maßregeln.
Livorno. Dynamitarden suchten das hiesige Polizeigebäude in die Luft zu sprengen. Ein Theil des Gebäudes ist zerstört, die anstoßenden Häuser wurden befchädigt.
Bulgarien. Sofia. Die„Epoca“ meldet daß eine neue Verschwörung gegen Prinz Fer— dinand entdeckt und vereitelt worden sei. Zwei Popen und zwei Serben seien die Urheber.
Serbien. Belgrad, 7. Jan. Der König dankte dem Ministerium für die bei der Re— vision der Verfassung gewährte Unterstützung, wie für die bei Vornahme der Wahlen bethä— tigte Unparteilichkeit und fügte bezüglich des von den Ministern eingereichten Demissionsge⸗ suchs hinzu, dieser Schritt gereiche dem Mi— nisterium umsomehr zur Ehre, als dasselbe nach parlamentarischem Brauche bis nach Erledigung der Wahlen zur kleinen Scupschtina im Amte habe verbleiben können. Er nehme davon Act, daß die Minister demissionirten, und ersuche die— selben, bis zur endgiltigen Entscheidung im Amte zu verbleiben.
Amerika. Washington, 8. Januar. Der Senat nahm in geheimer Sitzung mit 49 gegen 3 Stimmen einen Antrag an, welcher folgenden Inhalt hat: Die Unionsregierung würde jede Verbindung seitens irgend einer europäischen Macht mit dem Bau oder der Controle irgend— welchen Schiffskanals über den Isthmus von Darien oder an einer anderen Stelle in Cen— tralamerika als den berechtigten Interessen der Union nachtheilig und als Bedrohung ihres Wohls betrachten. Der Präsident wurde ge— beten, diesen Antrag den europälschen Regie— rungen mitzutheilen.
Egypten. Suakim, 6. Jan. Ein aus Handhub eingetroffener Deserteur meldete, daß der Bote, der aus Khartum mit Briefen von dem Khalifen eingetroffen sei, ihm erklärt habe, der egyptische Pascha, sowie andere Ofsiciere, welche aus den Aequatorialprovinzen gekommen seien, befaͤnden sich als Gefangene bei dem Khalifen. Der Bote fügt hinzu, man nehme an, daß der Pascha, in dessen Begleitung sich kein anderer Weißer befand, Emin sei; derselbe
dinand von Bulgarien mit der Prinzessin Hen— riette von Belgien zu vermitteln. T“
werde gut behandelt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 8. Januar. Der zur ungewöhnlichen Zeit sich einstellende Redaktions Maikäfer ist diesmal dei Metzger Friedrich hier eingekehrt, der uns denselben heute übersandte. Ob den ganz munteren Burschen die be⸗ kannte„gute Fleischwurst“ reizte, oder ob er vlelleicht dachte, bei dem kleinen Annoncenspiegel zur Jetztzeit könne er eher einen Platz„unter Stadt und Land“ finden, wird wohl ein ungelöstes Räthsel bleiben.
g. Oberdorfelden. Das diesjährige VIII. Bun⸗ desfest des Nidderthal-Sängerbundes, welches auf der Delegirten-Versammlung durchs Loos auf unser Ort fiel, wird verbunden mit Fahnenweihe und 10jährigem Stiftungsfeste des hiesigen Gesangvereins„Eintracht“ im Laufe des Sommers gefeiert werden. Nach den bereits getroffenen Vorbereltungen wird dasselbe zu den schönsten Erwartungen berechtigen.
Burg Gemünden. Gegen den hiesigen Bürger⸗ meister S. wurde Untersuchung eingeleitet, wie verlautet wegen Vergehens im Amt. Der ihm deshalb bevorstehen⸗ den Verhaftung suchte er dadurch zu entgehen, daß er sich von einem Eisenbahnzug überfahren ließ. Schwer verletzt wurde er in seine Wohnung verbracht, woselbst er alsbald starb.
Allerlei.
Coblenz, 7. Jan. Wegen des Elsgangs ist der gesammte Trajeetverkehr zwischen Bingerbrück und Rüdes⸗ heim seit heute Morgen unterbrochen. 2
Stuttgart. In dem Dorfe Feuerbach bei Stutt⸗ gart wurde die Wirthin„zum Schwanen“ ermordet und
die Wohnung ausgeraubt. In einem nahen Gehölz wurde
ein junges Mädchen ermordet gefunden.
Dortmund. Am Freitag Nachmittag hat auf der bei Dortmund belegenen Zeche Friedrich Wilhelm eine Eyplosion schlagender Wetter stattgefunden, bei welcher 5 Arbeiter verletzt worden sind bezw. Brandwunden da⸗ vongetragen haben.
Bern, 5. Jan. Das Dorf Branson bel Martigny im Canton Wallis ist zur Hälfte niedergebrannt. Viel Vieh und die ganze Ernte ist vernichtet. Menschen sind nicht verunglückt. Das Feuer ist von einem Wahn⸗ sinnigen angesteckt worden.
Paris. Auch in den Departements Herault und Ostpyrenäen ist durch anhaltende starke Regengüsse und Ueberschwemmungen an Häusern, Straßen, Gärten und Feldern großer Schaden angerichtet worden.
Paris. Ein dem„Pest. Lloyd“ zugegangenes Tele⸗ gramm meldet: An der spanisch⸗französischen Grenze wurde ein Individuum verhaftet, das man für den Mörder aus Whitechapel hält. Man fand bet ihm be⸗ lastende Briefe, chirurgische Instrumente und menschliche Gliedmaßen in Spiritus. Der Verhaftete hat das Aus, sehen eines Gentleman.
London. Der hiesige Photograph Bull haͤngte vor einigen Tagen einen Kasten mit 150 Damenphotographten
aus. Die Bilder alle waren in der Art adjustirt, daß die Gesichter fein sauber ausgeschnitten auf den 1 9 925 atür⸗
von photographirten Gänsen angebracht waren. lich klagten zahlreiche Damen, die nicht in so beleidigen⸗ der Weise dem Publikum vorgeführt werden wollten. Der Photograph verantwortete sich in folgender Weise: „Alle Bilder, die ich in dem Kasten verwendete, wurden mir von den Damen mit der Bemerkung zurückgewiesen, sie seien nicht kenntlich. Ist dies richtig, so können sie nicht einschreiten, wenn ich die Bilder ausstelle; sind die Portraits aber gelungen, dann ist jede der photographirten Damen verpflichtet, dieselben zu nehmen und meine Rech⸗ nung zu begleichen.“ Der Richter pflichtete diesen An⸗ schauungen nicht bei und befahl dem Photographen, den Kasten mit den beanstandeten Bildern zu entfernen.
Neapel, 7. Jan. Aus dem Vesup steigen seit hente
außergewöhnlich große Rauchsäulen auf und sind weiß⸗
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