Ausgabe 
5.11.1889
 
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Rumänien. Bukarest, 2. Nov. Der König und der Thronfolger sind hier angekommen. Morgen wird der König einem Ministerrathe präsidieren und der 25jährigen Gründungsfeier der Universität beiwohnen. Am Montag wird die Rückfahrt nach Sinaia angetreten.

Serbien. Belgrad, 2. Nov. Skupschtina. Auf die Interpellation wegen Ausweisung der Correspondenten desStandard und derDaily News erklärte der Minister des Innern, der Correspondent desStandard habe höchst stehende Peisonen zum Gegenstand von Sensa tiousnachrichten gemacht. Bezüglich des Corre spondenten derDaily News seien Beweise für dessen strafwürdige Thätigkeit vorhanden. Das diesjährige Budget weist ein Deficit von 4,221,541 Francs auf. Dasselbe soll durch eine neu einzuführende Consumsteuer und Ersparnisse auf allen Verwaltungsgebieten gedeckt werden.

Wegen Verdachts, mit den Zankoffisten einen Anschlag auf den Prinzen Ferdinand von Bulgarien gelpant zu haben, wurde der Agent Waldapfel ausgewiesen.

Bulgarien. Sofia, 2 Nov. Prinz Fer⸗ dinand kommt morgen über Lompalanca hier an Die Eröffnung der Sobranje findet morgen statt.

Grrechenland. Athen, 31. Oct. Saͤmmt liche Fürsten wohnten heute dem glänzenden Feuerwerk auf dem Marsfelde bei. Der Kaiser wurde von der Volksmenge mit jubelnden Zurufen begrüßt. Bei der gestrigen Festaufführung der Perser widmete der Stadtrath dem Erbprinzen von Meiningen einen goldenen Lorbeerkranz.

Rußland. Petersburg. Das Polenorgan Kraj bestätigt die erzielte Einigung zwischen Rußland und dem Vatikan betreffend die Wieder besetzung katbolischer Bischofssitze in Rußland und theilt die Namen der neuernaunten Bischöfe mit.

Egyplten. Kairo, 1. Nov. Der Prinz von Wales ist mit seinem Sohne hier eingetroffen. Dieselben wurden am Bahnhofe vom Khedive empfangen. Die Prinzen begaben sich zu Wagen zu dem Generalconsul Baring zum Frühstück

2. Nov. Der Prinz von Wales, Prinz Georg und der Khediwe waren heute zu einer großen Revue in Abassizeh anwesend, an welchem 1500 englische und 300 egyptische Truppen theil nahmen. Nachdem zuerst die englischen und dann die egyptischen Truppen vorbeimarschirten, führte del Prinz von Wales die Gesammttruppen vor bew und salutirte vor dem Khedwe. Heute Abend findet ein Diner beim Generalconsul Baring zu Ehren des Prinzen von Wales und des Prinzen Georg statt, die nachher einem Empfang beim General Dormer beiwohnen.

Afrika. Sansibar, 2. Nov. Ein Reuter' sches Telegramm meldet: Missionär Cole, be gleitet von Frau und Kindern, ist mit Hauptmann Wißmann von Mwapwa hier angekommen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 4 Nov. Heute Nachmittag 1 Uhr fand die Enthüllung des Müllerdenkmals statt. Bericht folgt in nächner Nummer des Anzeigers

Friedberg, 29. Oet. Die statutenmäßig alle drei Jahre stattfindende Generalversammlung der Ver trauensmänner der Unterstützungskasse der hessischen Landes irrenanstalten wurde gestern in Frankfurt abgehalten. Geh Medieinalrath Dr. Ludwig von Heppenheim trug den ebenso belehrenden wie interessanten Bericht über die Ergebnisse der Geschäftsführung seit der letzten General versammeung und den gegenwärtigen Stand der gesammten Sachlage vor. Die ursprünglich getrennten Unterstützungs kassen der Landesirrenanstalt in Heppenheim und des Hospitals in Hofheim sind unter dem NamenUnter stützungskosse der hessischen Landesirrenanstalten in der letzten Geschäftsperiode vereinigt und die Statuten des Instituts demgemäß abgeändert worden. Die Einnahmen betrugen im letzten Geschäftsjahr 16,061 M. und haben hierzu nahezu 12,0% Spender in Gaben bis zu 5 Pfg. herab beigesteuert; der Staat leistete 100) M., dle Haupt stadt Darmstadt 200 M. jährlich. Die Ausgabe beziffert sich auf 14,187 M., das Capitaldermögen beträgt 37,763 M. Die Zahl der über das ganze Land zerstreutenVer trauensmänner beträgt dermalen 225, und wurde für sie eine eingehendeAnleitung zur Geschäftsführung von der Verwaltung entworfen und von der Versammlung en bloe angenommen. Die Unterstützungskasse wendet ihre Fürsorge in erster Linie den bedürftigen, aus einer der Landestrrenanstalten entlassenen, in den geeigneten Fällen auch den noch in einer der Anstalten befindlichen Pfleglingen, sowie den bedürftigen Angehörigen der Pfleg⸗ linge überall da zu, wo der Staat oder die bestehenden

Armenverbände und Gemeinden ihre Mitwirkung versagen. Auf diese Weise wird in häufigen Fällen die Genesung erleichtert, ein Rückfall verhindert und der Geheilte wieder ein nützliches Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft. Von besonderer Wichtigkeit ist eine rasche Aufnabme des Er⸗ krankten in eine Anstalt alsbald nach ernstlichem Aus⸗ bruche der Krankheit, da nach vorliegenden Erfahrungen in den ersten Monaten der Krankheit bei zweckmäßiger Pflege und Behandlung bis zu etwa 600% Genesungen erwartet werden, im zweiten Halbjahr nur etwa 250%/, im zweiten Jahre nur noch 25%. Es können jetzt auch aus der Kasse Kranke untetstützt werden, deren bereits genehmigte Aufnahme in eine der Anstalten wegen der noch theilweise herrschenden Raumnoth nicht sofort ausführbar erscheint.

? Friedberg. Sonntag den 10. d. M., Abends ½7 Uhr, soll nach Beschluß des Vorstandes desEv. Vereins derFeierabend für Lehrlinge jeder Confession, bezw. Religion in dem seitherigen Lokal wieder beginnen. Alle Lehrlinge werden zu eifrigem Besuche desselben ein geladen, und die verehrl. Lehrherrn zur Unterstützung der segensreichen Einrichtung freundlich aufgefordert. Auch werden von denselben, sowie von anderen Freunden und Freundinnen der guten Sache Gaben an Geld, Büchern, Spielen u. dgl. mit Dank durch Geh. Kirchenrath Dr. Diegel Kaufmann Schwarz, Taubstummenlehrer Schneider und Professor Dr. Weiffenbach entgegengenommen.

x. Friedberg. Die Glieder der hiesigen evang. Ge meinde werden einstweilen darauf aufmerksam gemacht, daß am Sonntag den 10. November Festgottesdienst in der Stadtkirche, der Gottes dienst in der Burgkirche fällt aus, zum Gedächtniß Luther's stattfinden wird. Abends 8 Uhr soll sich im Casino Saal eine Lutherfeier nach Art der vorjährigen anschließen.

Gießen. Der landw. Provinzialverein von Ober hessen bat seinen bisherigen langjährigen Vorsitzenden Freih. Nordeck zur Rabenau in Anerkennung seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt.

Allerlei.

Berlin. Der Zar schenkte bekanntlich dem Reichs kanzler eine Dose. Wie demGrashdanin berichtet wird, hat das Geschenk einen Werth von 24,000 Mark.

Kassel. Nicht in der Vorstadt Rosenthal, sondern in dem Städtchen Rosenthal(Kreis Frankenberg) hat sich der gemeldete Mord zugetragen.

Beuthen, 31. Oet. Das Dynamitlager der Friedens: hütte ist in die Luft geflogen; zwet Arbeiter blieben todt.

Staßfurt, 3. Nov. In der herzoglich anhal tischen neuen Schachtanlage hierselbst wurden die Arbeiter durch Ansammlung von Schwefelwasserstoffgasen über⸗ rascht. Sieben Arbeiter wurden getödtet, zwei schwer verletzt.

Zittau, 31. Oet. Im nahen Kamnitz sind in Folge Denunciation beim Gürtlermeister Wünsche 8000 falsche Fünfmarkstücke vergraben gefunden worden. In ver schiedenen nord böhmischen Ortschaften wurden zahlreiche Personen bei Ausgabe der Falstficate verhaftet.

Naumburg, 1. Nov. Bei Großheringen fand Donnerstag Abend ein Zusammeustoß des Thüringer Per sonenzugs mit einem stillhaltenden Güterzuge statt. Der am Material angerichtete Schaden ist erheblich. Einige Personen wurden verletzt.

Ludwigshafen, 1. Nov. Die Güterzüge 307 und 334 sind heute Morgen bei Botzenburg zusammen⸗ gestoßen. 22 Wagen wurden zertrümmert. Der Verkehr kann infolge dessen nur bis Bolzenburg aufrecht erhalten werden.

Alton a. Ein hlesiger Wirth, der Bierreste, welche die Gäste stehen gelassen hatten, zusammengoß und dann wieder mit frischem Bier verkaufte, wurde vom Schöffen⸗ gericht wegen Bierpantscherei zu 600 M. Geld- event. 120 Tagen Gefängnißstrafe verurtheilt.

Rom, 1. Nov. Infolge des seit gestern Nacht wüthen⸗

den Sturmes drohen die Fluthen der Tiber aus den Ufern zu treten und das niedrig gelegene Stadtviertel zu überschwemmen. London, 1. Nov. Seit heute Morgen herrscht ein heftiger Sturm an der Westküste von Großbritannien. Mehrere Schiffe sollen gescheitert und etliche Personen umgekommen sein. In Glasgow stürzte in Folge des Sturmes eine große Tapisseriefabrik ein. Der neu auf⸗ geführte Theil wurde auf den stehengebliebenen alten Theil geworfen, worin gegen 140 Frauen beschäftigt waren. Man schätzt die Zahl der Todten und Verwundeten auf ungefähr fünfzig.

St. Louis, 2. Nov. In der Stadt und Umgebung wurden heute leichte Erderschütterungen wahrgenommen.

Was macht uns arm? Von Fr. Brun old

Wenn wir uns obige Frage ernstlich vor legen, die Hand auf das Herz gedrückt, so werden wir uns sagen müssen, daß wir zumeist der Schmied unseres eigenen Unglückes sind, wenn die Kasse nicht stimmt, die Elle länger als der Kram geworden ist! Da gehen soeben ein paar kleine Mädchen, Schulkinder, am Hause vorüber. Die Väter der Kinder sind Arbeitsleute und ihre Arbeitsjacken könnten, wenn man sie sieht, sauberer und besser geflickt sein aber die Kinder haben reich besetzte Röckchen und modische, bunte Kaputzen auf dem Kopf muß man sich da nicht fragen: Warum diesen Aufputz, der mit

der Stellung und dem Einkommen des Vater

in keinem Verhältnis steht, worauf die kurz trotzige Antwort nicht fehlen wird: Was der oder die kann, kann ich auch! Und das un haltbare Zeug zum Kleide wird gekauft, womöz

lich geborgt. Vor der eigenen Thür zu fegen,

sich nach der eigenen Decke zu strecken, fall wenigen ein. Und doch ist dies ja so ein Knoten, punkt, wo die Wege zum Guten und Boͤses sich kreuzen. Kommen wir dahin, nur zu kaufen, anzuschaffen, was wir sofort baar bezahlen können, so sind wir auf dem Wege zum Besserwerden ein gute Strecke vorgeschritten. Freilich, freilich oftmals wird unser Rock nicht so ganz nach dez neuesten Mode sein; aber ganz sauber und bag

bezahlt wird er uns doch zu einem Ehrenkleid

Und dem Kinde wird ein einfacher, anständigen derber Rock mehr zum Segen, als der Firlefanz

der das kleine Kind eitel und kokett und für die zu kunft, für spätere Jahre unzufrieden und für seing Lebensstellung unbrauchbar macht. Ein kleine täglich wiederholt wird zuletzt ein großes. Eg

Vergnügen hin und wieder mit Anstand genossen,

erhält Leib und Seele gesund, wie ja keine g Pflanze der Sonnenschein fehlen darf, wenn ie

gedeihen soll aber täglich eine Cigarre wen ger geraucht, ein Glas Bier nicht getrunken macht nach zehn, zwölf Jahren ein Kapital, das man ein Stück Ackerfeld als Eigenthum er werben kann, oder einem Kinde eine besser, Schulbildung kann zutheil werden lassen. Das Rechnen ist eine gar feine Kunst, aber eine; Hausfrau, die das Kleine zu achten hat, soll, es stets zur Seite stehen und fleißig geübt werden Der Geiz ist die Wurzel alles Uebels; aber den Blick immer auf andere und der Gedankt; was die können, kann ich auch führt zu eine! Verschwendung, die den Ruin des Hauses stess nach sich führen wird. Und es gilt dies namentlich auch in Bezug auf die Kinder, auf deren Kleides Erziehung und Unterricht. Handelt es sich us die entscheidende Frage: was aus dem Knaben, dem Mädchen in der Folge einmal werden soll, se glaubt ein besser Gestellter sich etwas zu ver geben, so sein Sohn ein Handwerk erlerne,

dem er Anlage, Neigung und Geschick hat. Die

Tochter jener armen Beamtenfamilie würde als Verkäuferin in einem Ladengeschäft am Plaß: sein. Der Stolz jedoch laßt es nicht zu. Si muß Lehrerin werden. Rechnet man zu diesem allen noch die theuren Luxusartikel der Erzieh, hung, als da sind Privatunterrichtsstunden in Englisch, Französisch, Malen, Tanzen, für die das Geld dahingegeben wird, so kann es nich! fehlen, daß die Kasse oftmals nicht stimmt. Der Schein, für den gelebt und gearbeitet wird, führt zum Ruin unzähliger Familien. Es fehl! zumeist der Muth, sich nach seiner Decke zu strecken das zu thun, was ich mit ruhigem Gewissem, nach fester Ueberlegung und Berechnung thun und verausgaben kann. Es bedarf zu diesem Gesagten freilich oft des Muthes, mehr, als zu einer glänzenden, feuerigen Rede, die in einem Verein, einem Klub zu halten ist. Aber der Oi winn ist auch ein nachhaltigerer, als dieser, bin dem man häufig den Spruch in Anwendung bringen muß: Richtet euch nach meinen Worten, aber nicht nach meinen Thaten. Die erste Mar! zu ersparen, ist schwer, die andern folgen leichter. Ebenso ist es mit diesen und jenen Gewohnheiten Ein Töpfchen, ein Seidel, ein Schoͤpple heu! mehr getrunken, was macht es aus; was kanu es ausmachen; warum nicht auch ein Spielchen machen zu gewinnen, zu verlieren ist ju nichts! Und doch ist es, als stände man hien am Scheidewege zur Haäͤuslichkeit, zum Frieden. zum Glück, zum Segen des Hauses, des Fam! lienglücks, und jenem Wege, wo das Verderben die Armuth, der eheliche Unfrieden unter dem gleißnerschen Schein der Freude und des Glücks lauert. Man soll und darf der Freude, dem geselligen Vergnügen nicht abhold sein, aber man rechne auch hier nicht mit einem Blick auf den Nachbarn oder Hausbewohner, sondern mit 3 Blick in sein Einnahme- und Ausgabebuch, 3 frage sich, ernst prüfend, ob dies oder jen

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