Ausgabe 
28.2.1888
 
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Kronprinzen mehrstündigen erquickenden 1

Wegen des Fortbestehens des Hustens und Aus- wurfs ist mit Genehmigung des Kronprinzen der, von den Aerzten vorgeschlagene Professor Kuß maul(Straßburg) zur Consultation hierher be rufen worden. DemBerliner Tage-Blatt wird hierüber gemeldet: Als die Aerzte sahen, daß die Heilung des Kronprinzen nach der Tracheotomie weit langsamer von statten ging, als das gewöhnlich der Fall ist, verursachte dies natürlich die groͤßte Besorgniß, und die Aerzte zogen in Erwägung, auf welche möglichen Ur sachen das schwache Rekuperativ-Vermögen des Kronprinzen wohl zurückgeführt werden müsse. Da Lungenaffectionen bekanntlich häufig auf die Tracheotomie folgen, so war es natürlich, daß die Aufmerksamkeit der Aerzte sich ganz beson ders auf die Lunge des Kronprinzen richtete. Da Professor Kußmaul als vorzüglicher Arzt bekannt ist, welcher den Lungenleiden seine be sondere Aufmerksamkeit gewidmet hat, so schlug Prof. v. Bergmann Kußmaul's Berufung zur be sonderen Berichterstattung über die Lunge des Kronprinzen vor. 26. Febr. Der Kronprinz verbrachte in Folge des erquickenden Schlafes der vorangegangenen Nacht gestern einen befrie digenden Tag. DerAugsb. Abend-Ztg. wird unterm 25. aus Berlin gemeldet:In ärztlichen Kreisen verlautet gerüchtweise, daß demnächst wichtige Vorgänge in San Remo be vorstehen. Man erwartet eine neue Operirung des Kronprinzen Wir geben diese Nachricht indessen nur mit allem Vorbehalt wieder.

Nach einer Pariser Meldung der Kreuzztg. wird erzählt, daß Beweise dafür vorhanden seien, daß die gefälschten Actenstücke vom Herzog von Montpensier herstammen und durch seine Tochter, die Gräfin von Paris, an die Prinzessin Waldemar nach Kopenhagen be fördert worden sind. Die Enthüllung soll von der Schwester des Herzogs, der Prinzessin Clementine, herrühren.

23. Febr. Der Reichstag setzte die Etatsbera thung fort. Die Etats der Zölle und Stempelabga ben werden unverändert bewilligt. Beim Etat des Reichsschatzamts beantragt die Commission, den Beitrag für die Straßburger Universität von 400 000 Mark unter den fortdauernden, anstatt unter den einmaligen Ausgaben zu bewilligen. Der Antrag der Commission wurde angenommen. Eine Reihe Specialetats wurden genehmigt. 24. Februar. Der Reichstag nahm den vom Abg. Goldschmidt eingebrachten Gesetzentwurf, betreffend den Verkehr mit bleihaltigen und zinkhaltigen Gegenständen in erster und zweiter Lesung an, nachdem Staatssecretär v. Bötticher die Zustim mung zu demselben ausgesprochen. Ein Zusatz antrag von Meyer(Jena), wonach auch die von Klempnern und Zinkgießern hergestellten Gegen stände erst von October 1889 ab unter das Ge setz fallen sollen, wurde abgelehnt. Das Vogel schutzgesetz wurde in zweiter Lesung mit einigen unerheblichen Abänderungen genehmigt, hierauf eine Anzahl von Petitionen erledigt. 25. Febr. Der Reichstag genehmigte in dritter Lesung den Meistbegünstigungs Vertrag mit Paraguay und nahm in dritter Lesung das Reliktengesetz mit dem Antrag Bernuth, betreffend die Anrechnung der an die Landesanstalten entrichteten Relikten beiträge an. Staatssecretär v. Boetticher hatte erklärt, er glaube nicht, daß durch die Annahme des Antrags Bernuth die Annahme des Gesetzes im Bundesrath gefährdet werde. Der Reichs tag erledigte schließlich eine Reihe von Petitionen nach den Anträgen der Commission.

Karlsruhe, 25. Febr. Die Leiche des Prinzen Ludwig kam nach demFr. J. mit einem Extrazug mit dem Großherzog, der Groß herzogin, dem Hofstaat, sowie Prälat Doll im Ornat, hier an, außerdem Prinz Max und Prinzessin Mary. Nach einem kurzen, erschüttern den Empfang durch die Prinzen Wilhelm und Karl nebst Gemahlinnen, bewegte sich der Lei chenzug nach der Schloßkirche. Eine große

Menschenmenge bildete lautlos Spalier.

Ausland.

Frankreich. Paris, 23. Febr. In der Kammer stellen bei Berathung der Etatposition für die geheimen Fonds die Minister Tirard und Sarrien die Vertrauensfrage. Der Berichter statter der Budgeteommission erklärt die geheimen Fonds für unverträglich mit einer demokratischen Regierung. Die Commission könne ihre Ueber zeugung nicht opfern. Der Conseilspräsident betont die Nothwendigkeit der geheimen Fonds, namentlich zu Maßnahmen für Spionage, auf welches Mittel nationaler Vertheidigung die Re gierung nicht verzichten könne. Die Kammer bewilligte die geheimen Fonds mit 248 gegen 220 Stimmen.

25. Febr. In diplomatischen Kreisen ist nichts davon bekannt, daß Frankreich den russi schen Vorschlag bereits angenommen habe. Die Unterhandlungen dauern noch fort.

Belgien. Brüssel, 24. Febr. Hauptmann van de Velde, welcher die Expedition zur Auf suchung Stanley's leiten sollte, fand nach dem Fr. J. den Tod in Inner-Afrika, das gleiche Schicksal erfuhr Lieutenant Warlomont. Die Aufregung ist hier sehr groß

Italien. Rom. Der Kriegs- und Ma rineminister werden in der Kammer eine Vorlage wegen eines Credits von 24 Million für außer ordentliche Militär-Erfordernisse einbringen.

24. Febr. Aus Massauah wird gemeldet, daß ein zur Recognoscirung nach Ailet mar schiertes Jägerbataillon ohne jeden Zwischenfall zurückgekehrt sei. Doctor Rogazzi reist dem nächst nach Schoa um dem Könige Menelik Ge schenke und ein Schreiben des Königs von Italien zu überbringen.

25. Febr. In den hiesigen militärischen Kreisen verfolgt man, wie man dem Fr. J. be richtet, die kriegerischen Vorkehrungen Frankreichs an der italienischen Grenze mit wachsendem Miß trauen. Namentlich erregt die bedeutende Ver stärkung der französischen Grenzgarnisonen Befrem den. Thatsache ist, daß die zuletzt aus Tongking heim gekehrten 7 Bataillone hart an der Grenze, in Chambéry, Moutmelian, Modane und Lans lebourg untergebracht wurden. Auch wird an den französischen Sperrforts von Chambéry und Montmelian bis Thermignon trotz ungünstiger Witterung mit aufsehenerregendem Eifer gearbei tet. Das Gleiche ist bei Briangon der Fall. Dies seits werden bei der notorisch schwachen italieni schen Grenzbesatzung Gegenmaßregeln erwogen.

San Remo, 26. Februar. Das englische Mittelmeer-Geschwader, bestehend aus 6 Panzer schiffen und einem Aviso, auf der Fahrt von Spezzia nach Gibraltar, ist gestern in der Bucht von San Remo eingetroffen. Die Kronprinzessin fuhr gestern Nachmittag auf demBarbarigo nebst Familie und dem Großherzog von Hessen hinaus auf die Rhede und empfing den Admiral Hewett.

Serbien. Belgrad. Der russische Mi nisterresident Persiani wird demnächst sein Ab berufungsschreiben überreichen, auch das höhere Legationspersonal wird bereits gewechselt. Man legt dieser Veränderung politische Motive bei, an einer Stelle verlautet sogar, General Kaul bars solle der Nachfolger Persiani's werden.

Rußland. Petersburg. Die hiesigen Blätter bekunden eine tiefe Mißstimmung über das Zögern einzelner Mächte betreffs einer Zustimmung zu den Vorschlägen Rußlands bezüglich Bulgariens. Namentlich erregt die Haltung Oesterreichs Unwillen. Die Mehrzahl der Blätter drückt sich dahin aus, daß ein längerer Widerstand Oesterreich-Ungarns dessen Absicht bedeute, Ruß land zum Kriege zu reizen. Auch das neuerliche Sinken des Rubelcourses in Berlin wird übel vermerkt.

Eine Warschauer Nachricht meldet den Ausbruch von Unruhen an der chinesisch-russi schen Grenze in der Mandschurei

Aus Stadt und Land. s. Vad⸗Nauhelm. Eine Wildsau⸗Jagd innerhalb der Grenzen unserer Stadt dürfte gewiß zu den im An⸗ zeiger zu veröffentlichenden Gegenständen gehören. Einer

unserer Nachtwächter kehrte gezen Morgen von seinem Wächterdlenste nach Hause zurück und bemerkte beim Be⸗ treten seines Hofes in einer Ecke einen schwarzen Gegen⸗ stand; er sah näher zu und fuhr entsetzt zurück, denn es war, soviel sich im Zwielicht erkennen ließ, eine leibhaf⸗ tige Wildsau. Er eoneentrirte sich schleunigst rückwärts und weckte einlge Nachbarsleute, welche bewaffnet mlt Knütteln und Mistgabeln dem Ungethüm tapfer zu Leibe rückten. Als die bewaffnete Schaar sich nahte, bewegte sich das Unthter und schleunigst nahmen die Angreifer Relsaus, hinter ihnen aber ertönte ein schüchternesMäh von dem aus dem Stalle entkommenen schwarzen Schaaf-Lamm.

Gleßen. Für die Schwurgerichts Sitzungen des J. Quartals wurde folgende Personen als Geschworene gezogen; die Sitzungen beginnen am 12. März: Bast, J., Bürgerm. in Beltershain; Horst, J III., Betgeordn. in Unter ⸗Seibertenrod; Volk, L. XIII., Bürgerm. in Allendorf; Schäfer, H., Rentner in Lich; Christ, Georg, Förster in Ober⸗Ohmen; Schultheiß, H. II., Gärtner in Steinfurth; Bender, H. L., Fabrikant in Gießen; Stahl, H., in Kloppenheim; Seilbach, J., Landw. in Ralnrod; Keller, A, Kaufm. in Gießen; Keßler, J. VII., Landw. in Großen-Linden; Rückel, W., Bürgerm. in Betten hausen; Lauterer, Kammerrath in Lauterbach; Schmidt, K, Landw. in Strebendorf; Dern, A. III., Gemeinde⸗ rechner in Lang Göns; Schüler, W. Dr., Rechtsanwalt in Gießen; Braune, Th. W. Dr., Professor in Gleßen; Oncken, W. Dr., Prof. in Gießen; Loth, L, Beigeordn. in Kirschgarten; Krauße, R., Kaufm. in Großen Linden; Lutz, E., Landw. in Hainbach; Sander, J., Gastw. in Gießen; Lenz, Ph., Beilgeordn. in Albach; Seibert, K., Bäcker in Hungen; Pichler, K., Dr. Prof. in Gießen; Koch, H., Landw. in Stockheim; Becker, W. X., Beige⸗ ordneter in Alten-Buseck; Oriola, Graf W., zu Büdes⸗ heim; Westernacher, R., Pachter in Lindheim; Stichte noth, Ferdinand, Kaufmann in Lauterbach.

Allerlei.

g. Frankfurt. Ungeachtet aller Unbilden dieses gestrengen Nachwinters haben wir einen Platz in Frank furt, wo wir den Frühling in vollster Pracht entfaltet sehen. Im üppigsten Grün einer herrlichen tropischen Flora empfängt uns das Palmenhaus. Mit Entzücken ruht das Auge auf diesen vielen Variationen von Grün und Blätterformen, vom zierlichen Lyeopodium, den ver schledenartigen Farnwedeln bis zu den monströsen satt grünen Blättern des Sabal. In der sogenannten Blüthen⸗ Gallerie beherrscht die Gärtnerei ein weltumfassendes Reich, Kinder aller Zonen und Länder, von kundigem Auge malerisch und schön gruppirt, stehen hier in dichten Gruppen und zeigen ihre Tausende von Blüͤthen in allen Formen und Farben. Ein wunderbares Arom entströmt den Orchideen, Hyaeinthen, Akazien, Narzissen, Tazetten, Malbluͤmchen, Alpenveilchen ze.

Magdeburg. Der vom Reichs-Gericht zu 8 Mo naten Festung verurtheilte Köchlin hatte am 18. Februar hier seine Strafzeit verbüßt. In der Freitagnacht wurde ihm die Mitthetlung seiner Entlassung zugleich mit der Nachricht, daß er die Reichs-Lande zu verlassen habe. Köchlin ist Samstag Abend in Begleitung seiner Familte, die seit längerer Zeit in Magdeburg Wohnung genom men, nach Parts abgereist.

Danzig, 24. Febr. Von hier wird derK. Ztg. gemeldet: Von 20 Booten, welche mit voller Besatzung gestern vom Fischerdorfe Heubude ausfuhren, sind nur wenige zurückgekehrt. Ein heftiger Schneesturm über⸗ raschte die Fischer auf See und brachte die Boote zum Kentern. 20 Familien-Väter und deren Söhne sind er⸗ trunken, viele werden außerdem noch bis heute vermißt.

Bergamo, 24. Febr. Eine ungeheuere Lawine be grub in Valorta eine Hütte mit 38 Personen, wovon 7 als Leichen um 10 Uhr Abends herausgeholt wurden; auch in Valbella wurde eine Hütte mit 4 Personen verschüttet.

Rom, 24. Februar. Der Tiber hat die niedrigen Theile Roms überschwemmt.

Gliederung der Wehrpflicht.

Nach dem Reichs-Gesetze vom 11. Februar 1888 gestaltet sich das Dienst- und Wehrpflicht⸗ Verhältniß nunmehr wie folgt:

I. Für die zum activen Dienst Ausge⸗ hobenen und für die freiwillig Ein- getretenen:

Active Dienstpflicht: 3 Jahre, Einj.⸗Freiw. N

Reserve:

Einj.⸗Freiw. Landwehr 1. Aufgebots: Landwehr 2. Aufgebots: Landwehr 3. Aufzebots: 8 Regelmäßig beginnt diese Dienstzeit im 20. und endet mit Vollendung des 45. Lebensjahres. Wer vor dem 20. Lebensjahr zugegangen ist, bleibt nach vorhergegangener zwölfjähriger Dienstzeit nur sechs Jahre in der Landwehr des zweiten Aufgebots.

Solche welche erst mit 2122 Jahren oder später den activen Dienst angetreten haben, treten am 1. April jenes Jahres, in welchem sie das 39. Lebensjahr vollenden, zum Lan d⸗ sturm 2. Aufgebots über; im Land

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