Ausgabe 
24.4.1888
 
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Geschick ohne Klagen wie ein Held. Die Aerzte sahen gestern Abend der Nacht ohne Besorgniß entgegen. Das Bulletin von Uhr gestern Abend lautete: Bei dem Kaiser hat sich heute das Fieber etwas ermäßigt, das Allgemeinbefin⸗ den ist etwas besser. Das heute, 22. April, Vormittag 9 Uhr ausgegebene Bulletin lautet: Der Kaiser hatte eine ruhigere Nacht; das Fieber ist wieder ermäßigt, das Allgemeinbefin den besser. Der Kronprinz und die Kronprin zessin, Prinz Heinrich, der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen mit Tochter Feo dora besuchten Mittags das Kaiserpaar in Char lottenburg.

20. April. Der Kronprinz hatte einen Theil der Regierungsgeschäfte bereits übernommen und empfing gestern den Commandanten des mecklen burgischen Dragoner-Regiments Nr. 17, Heinrich Prinz Reuß, nahm den Vortrag des General majors v. Wittich entgegen und arbeitete später mit dem Geh. Rath v. Wilmowski. An dem Diner nahmen unter anderen Prinz Heinrich, der Erbgroßherzog von Hessen und der Botschafter in Paris, Graf Münster, theil. Fürst Bismarck machte heute dem Kronprinzen einen Besuch und verweilte eine Stunde bei ihm. Der Kronprinz hat nun eine umfangreichere Stellvertretung des Kaisers übernommen. Heute um Uhr findet eine vertrauliche Besprechung des Staats-Mi nisteriums beim Reichskanzler statt.

21. April. Die Königin von England, deren Ankunft für Dienstag zu erwarten steht, wird bis Mittwoch Abend am hiesigen Hofe verweilen.

21. April. Das Abgeordnetenhaus ge nehmigte nach einer wenig erheblichen Debatte die Nothstandsvorlage nach den Beschlüssen der zweiten und dritten Lesung. Bei der dritten Le sung des Volks-Schullastengesetzes wurde nach längerer Debatte und namentlicher Abstimmung über den§. 1 der Antrag Althaus angenom men, wonach anstatt 300 Mark Staatszuschuß für die ordentlichen Lehrer nur 200, sowie für eine ordentliche Lehrerin statt 200 Mark nur 150 Mark gewährt werden sollen. Darauf wurden der§ 1 im Ganzen und die§§. 2 und 3 ohne Debatte angenommen; ebenss der Rest des Gesetzes und das Gesetz im Ganzen nach den Beschlüssen der zweiten Lesung.

Die Abschaffung der Epaulettes wird jetzt imArmeeverordnungs- Blatt amtlich be kannt gegeben. Die betreffende kaiserliche Ver ordnung, welche vom 12. April datirt ist, lautet wie folgt:Im Verfolge der von Mir unter dem 17. März 1888 getroffenen Bestimmungen befehle ich, daß auch, nachdem die Armee die für des verewigten Kaisers und Königs Wilhelm von mir befohlene Trauer abgelegt haben wird, Epaulettes bis auf Weiteres nicht angelegt werden.

20 April. Der amerikanische Gesandte in Berlin, Pendleton ist auf einer Reise nach Frank furt a. M. unterwegs vom Schlage getroffen worden und liegt in Wiesbaden im Krankenhause.

Köln. DieK. Zig bringt eine auf Grund des Preßgesetzes verlangte Berichtigung Dr. Howell's, in welcher der Letztere erklärt, die Angst des Krankenwärters des Kaisers(der bekanntlich in der Nacht vom vorigen Freitag aus Besorgniß für den Zustand des Kaisers Dr. Howell und später auch die deutschen Aerzte des Monarchen weckte) sei in jener Nacht überflüssig gewesen, weil wohl beschleunigter Athem, aber keine Athem noth vorgelegen habe. Nicht durch seine, sondern durch Professor Bergmann's vergebliche Mani pulation mit der Canüle sei die alte Wunde ver⸗ letzt worden und ein stundenlang dauernder reich licher Blut-Ausfluß entstanden. DieKölner Ztg. behält sich ihre Entgegnung für später Zeit vor.

Ausland.

Oestereich-⸗Ungarn. Wien, 21. April. Im Abgeordnetenhause griff Sturm die Regie rung an, weil hiesige Journale, welche die das österreichische Regierungssystem verurtheilenden ungarischen Journalstimmen abdruckten, confiscirt wurden. Ministerpräsident Graf Taaffe erwie derte in leidenschaftlich erregtem Tone, Oester

reich sei selbstständiger Staat, das Ausland, sei es nun jenseits der Leitha oder noch weiter, habe sich nicht darum zu kümmern, was Oester reich für gut halte.(Die Linke zischte.) Ruß protestirte gegen die Bezeichnung Ungarns als Ausland und geißelte Taaffe's Methode, über das Ausland verächtlich den Stab zu brechen; dies reize zur Empörung auf. Graf Taaffe er klärt, daß er nicht sagte, Ungarn sei Ausland, sondern weder das Ausland noch Ungarn dürfte sich in die Verhältnisse Oesterreichs einmischen. (Stürmische Rufe: Das ist unwahr!) Hierauf verlas Ruß ein officielles Stenogramm, woraus erhellt, daß Graf Taaffe sagte, das Ausland jenseits der Leitha. Taaffe springt in großer Aufregung auf und schreit:Ich habe es nicht so gemeint. a

Frankreich. Paris, 19. April. Bou⸗ langer, Laguerre, Leherisse und Deroulede ver ließen im offenen Wagen um 2 Uhr das Louvre hötel und betraten um 3 Uhr die Kammer, unter wegs mit Rufen:Es lebe Boulanger begrüßt. Die Kammersitzung war bereits eröffnet. Flo quet erklärte, bevor die Tagesordnung festgestellt werde, seien einige Erörterungen zwischen der Kammer und der Regierung nothwendig. Die Lage sei nicht so gefahrvoll wie man sage, im merhin aber ziemlich ernst. Die Regierung wolle wissen, ob in der Kammer eine Majorität vorhanden sei, die bereit sei, dem Cabinet ein Vertrauensvotum zu geben. Das Cabinet wolle das Vertrauen der Kammer haben und die repu blikanischen Institutionen gegen Diejenigen ver theidigen, welche sich mit der monarchischen Fahne decken, oder der Nation plebiscitarische Räthsel aufgeben. Die Kammer nahm hierauf mit 379 gegen 177 Stimmen die Tages-Ordnung an. Jumel(Linke) sprach sich dahin aus, die Kam mer hege das Vertrauen zur Regierung, dieselbe werde es verstehen, den republikanischen Insti tutionen energisch Achtung zu verschaffen und die vom Lande verlangte Politik des Fortschritts, der Reformen und der Freiheit zur Geltung zu bringen. Der Antrag Wickersheimer, eine Com mission für Revision der Verfassung am Samstag zu ernennen, wurde mit 340 gegen 215 Stim men angenommen. Die Kammer vertagte sich hierauf bis zum Samstag. Boulanger kehrte in's Louvrehötel in offenem Wagen zurück, von etwa 5000 bis 6000 Menschen mit Hochrufen begrüßt.

21. April. Etwa tausend Studirende unter nahmen gestern Abend eine antiboulangistische Manifestation, trafen dabei aber auf eine zahl reichere boulangistische Manifestation. Es kam zu Streitigkeiten, wobei gegen 20 Studirende, mehrere ziemlich schwer, verwundet wurden.

21. April. Vor Beginn der Kammer sitzung faud in den Wandelgängen ein lebhafter Auftritt statt. Einige republikanische Deputirten tadelten die Haltung der Polizeiagenten, welche, wie sie behaupteten, die antiboulangistisch Demon strirenden übel hehandelten, während sie die boulangistischen Manifestanten schonten. Der Polizeipräfekt bestritt die Richtigkeit dieser Be hauptungen und erklärte, die den Polizeiagenten ertheilten Instruktionen erlaubten denselben in keiner Weise, derartige Unterscheidungen zu machen. Aehnliches kam auch in den Senats-Wandel gängen vor.

22. April. Die antiboulangistischen Stu denten begannen gegen 9 Uhr gestern Abend neue Kundgebungen auf dem Boulevard Saint Michel. Daraus entstanden weitere Zusammen stöße mit den Boulangisten. Die Polizei be mühte sich, sämmtliche Manifestanten zu zer streuen. Es heißt, daß etwa zwölf Personen ziemlich ernstlich verletzt seien.

22. April. Auf eine Interpellation Freriens im Senat, betreffend die allgemeine Politik des Cabinets erklärte Floquet, zur Vor nahme der Verfassungsrevision sei eine Verstän dignng mit dem Senat nothwendig. Man werde sich zu erklären haben, daß man unter der Re vision eine Vervollkommnung der Verfassung, in welcher sich Mängel gezeigt hätten, verstehe. Wenn Aenderungen der Beziehungen zwischen

Kirche und Staat vorgeschlagen werden sollten, werde dies nicht geschehen, um den religiösen Frieden und die Gewissensfreiheit anzutasten. Bezüglich der Ansprüche der Stadt Paris sei die Regierung geneigt, die Machtbefugnisse der Municipalität zu vermehren, aber nicht ihr die hauptstädtische Polizei zu überantworten. In der Frage betreffs des Senats würde das Cabinet, wenn es Abänderungen über die Zusammensetz⸗ ung des Senats beantragen sollte, zunächst den Senat veranlassen, einen solchen Antrag zu be rathen. Er(Floquet) habe seinen Minister präsidentenposten übernommen mit dem Ent; schlusse, der Dictatur die Prinzipien des republika nischen Regimes entgegenzusetzen. Leon Renault erklärte, daß er die Antwort Floquets unbe stimmt und ungenügend finde. Der Senat nahm die von der Regierung gebilligte einfache Tages ordnung an.

Laut Erklärung des Boulangistencomités gedenkt Boulanger Deputirter des Norddepar tements zu bleiben, Gerüchte über seine Candt datur in Isere und Haut-Savoie seien unbe gründet; das Comité werde aber jeden repu blikanischen Candidaten energisch unterstützen, welcher mit dem Programm der Kammerauf lösung und der Verfassungsrevision candidirt.

Italien. Rom, 22. April. Bovio von der extremen Linken kündigte in der Kammer eine Interpellation über die auswärtigen Be ziehungen Italiens, insbesondere zu den Central mächten und Frankreichs an.

Einer Nachricht aus Massauah zufolge sind die peramenten italienischen Forts bei Sahati heute eingerichtet worden. General San Mar zano schiffte sich sodann ein, um Assab und Aden zu besuchen. f

Großbritannien. London, 20. April. Herzog Rutland, früher Lord John Mannert, begab sich gestern nach Berlin, um als deenst thuender Minister der Königin Victoria während der Anwesenheit derselben in Charlottenburg zu fungiren. Die Königin dürfte nach den bis herigen Dispositionen heute Abend von Florenz abreisen.

Spanien. Madrid, 20. April. Die Kam⸗ mer nahm die Handelsverträge mit Italien und Rußland an.

Amerika. New-Pork, 18. April. Die Legislatur des Staates New-Vork nahm mit 87 gegen 8 Stimmen eine Vorlage an, welche den Tod durch Elektricität als Hinrichtungsart einführt. Die Annahme der Vorlage seitens des Senats gilt für gewiß.

Aus Stadt und Land.

s. Bad- Nauheim, 22. April. Heute feierten Pfarrer Huͤffel und Frau das seltene Fest der goldenen Hochzeit; dem Jubelpaare wurden viele Beweise der Achtung und Liebe zu Theil, auch lleßen es sich verschledene hiesige Dilettanten nicht nehmen, dem betagten Ehepaar ein Ständchen zu bringen.

Allerlei.

Hanau. In den letzten Tagen sind hier mehrfach Personen verhaftet worden, welche dringend verdächtig sind, bei dem Versuche, den Mörder Morlock zu befreien, betheillgt gewesen zu sein. Wie verlautet, hat die gegen Morlock geführte Untersuchung Spuren zu Tage gefördert, welche möglicherweise zur Entdeckung des Mörders des vor längerer Zett bei Steinheim erschossenen Jagdauf⸗ sehers führen.

Berlin. Die Geheimen Commerzienräthe Krupp in Essen und Stumm in Neunkirchen sind in den Freiherrn⸗ stand erhoben worden.

Georg Heinrich Blickhahn.

Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht.

Am vorigen Donnerstag haben wir den Reallehrer Blickhahn, wle schon in diesen Blättern mitgethellt, zur letzten Ruhestätte gebracht. Die imposante Reihe der zum Theil weither gekommenen Leidtragenden, die dem Verstorbenen das letzte Geleite gaben; die Ueberfülle von Ehrenkränzen und Blumen, die an seinem Grabe nieder gelegt wurden, zeugten für das hohe Maß von Liebe, Verehrung und Mitleid, das der Verunglückte in weiteren Kreisen gefunden.

Möge uns verstattet sein, in kurzen Zügen das Bild des auf tragische Weise aus dem Leben Geschiedenen hier zu entwerfen.

Georg Heinrich Blickhahn, geboren am 10. October 1825 zu Altheim bei Dieburg, genoß bis zu seiner Con⸗ firmation nebea dem gewöhnlichen Schulunterricht Privat-

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