Ausgabe 
24.4.1888
 
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unterricht bel dem Gelstlichen des Ortes, später auch solchen in lateinischer und französischer Sprache. Von Ostern 1843 bis Ostern 1845 besuchte er das hlesige

Schullehrerseminar und wurde schon vor seiner Entlassung

aus demselben als Huͤlfslehrer in der hiesigen Muster⸗ schule verwandt. Nachdem er eine Zeit lang als Hüͤlfs⸗ lehrer am Seminar thätig gewesen, bestand er die Definl tortalprüfung vor Großh. Oberschulrath und trat dann ganz an die Musterschule über.

Bei der Erweiterung der hiesigen Realschule im Jahre 1860 wurde Blickhahn durch Erlaß Großh. Oberstudten Direktion vom 9. August d. J. zum Lehrer an dleser Anstalt ernannt und wirkte an derselben bis Ostern 1888, also fast ein Menschenalter hindurch. Wir haben nun von seinen letzten Lebenstagen und Schicksalen zu reden.

Gesund aussehend und anscheinend wohlgemuth reiste Blickbahn wenige Tage nach der Prüfung, bei der er selbst thätig war und in einer Weise prüfte, daß es, wie auch von anderer Seite versichert wird, eine Lust war, zuzuhören, in seine Heimath Altheim, um daselbst, wie er so oft gethan, bei einer betagten Schwester, die an ihm und an welcher er mit unendlicher Liebe hing, die Ferlen zu verbringen. Doch kehrte er früher, als feinem beim Weggang ausgesprochenen Vorhaben entsprach, schon am Ostermontag hierher zurück und erregte in der Nacht zum Dienstag durch sein weit über Mitternacht ausge dehntes Ausbleiben bei seinen Hausleuten Aufsehen, sogar Bestürzung. Unverkennbare Spuren geistiger Störung zeigten sich an den folgenden Tagen. Donnerstag nach Ostern besuchte er den Direktor Möller, der kurz vorher in den Ruhestand versetzt worden war und gerirte sich beim Weggang ganz so, als verabschtede er sich für ewig. In der That hat Blickhahn seinen alten Direktor, ob gleich er demselben mit unbegrenzter Liebe und Verehrung zugethan war, nicht wieder gesehen Angstgefühle und Wahnvorstellungen, daß er seinen Pflichten nicht nach gekommen, ja daß er ein Verbrecher set und verfolgt werde, bemächtigten sich mehr und mehr des Beklagens werthen und nur durch die größten Anstrengungen seines Arztes, sowie seiner Freunde und Collegen, konnte er, aber nur auf Stunden, von Aengsten und Noͤthen, theil⸗ weise befreit werden.

Fragt man nach den Ursachen der geistigen Erkrankung Blickhahns, so wären dieselben wohl in seiner allzu sensiblen Natur zu suchen. Manche Erscheinungen im Wesen und Tbun desselben, die schon vor Jahren seinen Freunden und Collegen, auch Schülern, auffielen; darunter selbst Erscheinungen, die in gewissem Widerspruch mit seiner sonstigen tausendfältig bewiesenen feinen und humanen

wirkte ein auf seinem Zimmer nach seinem Weggang auf⸗ gefundener Zettel, auf dem von Blickhahns Hand ge schrieben stand:Ich stehe unter einem furchtbaren Bann. Es ist unerhört. Ich hatte gehofft. Sofortiges Nach reisen und Nachforschen zweier Collegen nach dem Ver bleib des vom Wahnsinn Getriebenen blieben erfolglos.

Am Sonntag wmisericordias, wahrscheinlich um die Mittagszeit, suchte und fand der Aermste Erlösung von dem gräßlichen Uebel in den Fluthen der Lahn.

In der Stunde, da Oberschulrath Soldan vor hun derten von Zuhörern in festlich geschmücktem Saale schmerzbewegt des fernweilenden Unglücklichen gedachte, dessen seltene Pflichttreue und glockenreinen Charakter er rühmend hervorhob, in derselben Stunde suchten treue Freunde angstvoll nach dem in der unheimlichen Wasser tiefe geborgenen entseelten Körper des verunglückten Freundes.

Was am Grabe der Geistliche, Professor Weiffenbach, was die andern Redner und Sprecher(Reallehrer Opel, Seminarlehrer Dr. Heid, Oberlehrer Dörr, Medkeinal rath Dr. Lorenz, Bürgermelster Stelnhäußer, Kaufmann K. Damm) bei Niederlegung der Ehrengaben am Grabe des Verstorbenen über dessen Verdienste, Charaktereigen schaften und Tugenden ausgesagt haben, die volle Wahr heilt war es. Blickhahn war ein begabter, kenntnißreicher, strebsamer, wohlgeschickter Lehrer; er war ein allezeit eifriger, gewissenbafter, pflichttreuer Lehrer; er war ein ideal angelegter, für alles Schöne und Schickliche, Gute und Rechte lebhaft eingenommener, er war ein ungewöbn lich rücksichtsvoller und feinfühlender Mensch; Blickhahn war ein fur Förderung von Volksbildung und Menschen glück hochbegeisterter Mensch.

Darum ist unsere Trauer über den Dahingegangenen eine so große und gerechte.

Have pia anima!

Handel und Verkehr.

Friedberg, 18. April. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.90 1.00. Eier 2 Stück 9 Pf.

Frankfurt, 20. April. Heu⸗ und Strohmarkt. Heu pro 100 Kilo M. 89.60., Stroh pro 100 Kilo M 4.805.60., Butter pro 5) Kilo M. 8590., Eier das Hundert M. 4.305., Erbsen 100 Kilo M. 17.50 bis 21.50., do. geschälte M. 2030., Linsen M. 28 bis 45., weiße Bohnen M. 1923., Mohrrüben 50 Kilo M. 67., Kartoffeln pro 100 Kilo M. 67., neue Mal teser Kartoffeln 50 Kilo M. 1112., Endivten 100 St. M. 2025., Eskarol M. 1520., Kopfsalat M. 25 bis 50., franz. Radieschen per Pack M. 1.50., frische Aepfel

Denk' und Handlungsweise standen, dürfen wir vielleicht

jetzt, wo sich das Unglück in seiner ganzen Furchtbarkeit vollzogen hat, als die Vorläufer der später zum Aus bruch gekommenen Erkrankung ansehen. Ob Veran⸗ lassungen vorlagen, welche dieselbe so rapid beschleunigten, darüber kann man Vermuthungen haben, denen indessen, eben weil es nur Vermuthungen sind, hier nicht weiter

Ausdruck gegeben werden soll.

Montag den 16. April sollte Blickhahn, nachdem er schon einige Tage vorher in schonendster Weise so, wie es Menschlichkeit und Klugheit gleichmäßig verlangten,

vorbereitet worden war, von seinem Arzte und zwei Freunden nach einer Heilanstalt in Marburg verbracht

werden.

Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew'ger Bund zu flechten, Und das Unglück schreitet schnell.

1 Am Tage vorher begab sich der Kranke, wie durch 1 Zeugen festgestellt ist, zwischen 6 und 7 Uhr Morgens

auf wenig betretenen Wegen nach Bad Nauheim. Ein von Dort an Reallehrer Klein gelangtes Telegramm), wonach Blickhahnsehr verstörten Aussehens nach Gießen ab gefahren sel, war besorgnißerregend; stärker erschreckend

) Dem gütigen Uebersender desselben, Kaufmann Engel, der uns mit seiner Menschenfreundlichkeit einen großen Dienst erwiesen hat, sei an dieser Stelle nochmals Dank gesagt.

50 Kilo M. 30., franz. Erbsen per Ctr. M. 5060., franz. Bohnen per Pfd. M. 1.50.

Gießen, 21. April. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.92 0.95, Eier 2 Stück 9 Pf., Käse per Stück 4 9 Pf., Tauben per Paar M. 0.60 .So, Hühner per Stück M. 0.90 1.20, Hahnen per Stück M. 1.40 2.00, Enten per Stück M. 2.002.30., Ochsen⸗-Fleisch per Pfund 58 60 Pf., Kuh und Rind⸗ Fleisch 45 50 Pf., Schweinefleisch 5460 Pf., Hammel⸗ Fleisch 54 61 Pf., Kalbfleisch 40 46 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 6.00 7.00, Zwiebeln per Centner M. 14.00 15.00.

Frankfurt, 21. April. Erbsen ganze per Pfund 1216 Pf., do. geschälte 1418 Pf., Linsen 18 bis 28 Pf., weiße Bohnen 1820 Pf., Kartoffeln pro 100 Kilo M. 67., neue Malteser Kartoffeln per Pfd. 15 bis 16 Pf., Butter per Pfd. M. 1.00 1.10., Eier das Stück 56 Pf., Radieschen 3 4 Pf. das Päckchen, Grünkohl per Portion 5060 Pf., Blumenkohl per St. M. 0.80 1.20, deutscher Kopfsalat per St. 15 20 Pf., franz. Zuckerschoten per Pfd. 7080 Pf., Endivien 18 bis 30 Pf., Eskarol 1015 Pf, neue Erbsen per Pfd. 70 bis 80 Pf., neue grüne Bohnen per Pfd. M. 1.50., [Spinat 5080 Pf., Romainsalat M. 0.701., dicke frische Spargel per Pfd. M. 2 3.50., Suppenspargzel per Päckchen 30 40 Pf., Sellerieköpfe per Stück 15 bis 25 Pf., Zwiebeln per Pfd. 15 Pf., Rothkraut per St. 40- 50 Pf., Schwarzwurzel 5060 Pf., neue Gurken M. 2 2.50.

Für die Ueber schwemmten. Trüber Lenz, betrübt wle keiner über Deutschlands Fluren kam, Der in finstern Sturmgewöoͤlken unser Llebstes von uns nahm, Unter dessen Eisesschauern man zur Gruft den Kalser trug, Ist's der Wunden, die du schlugest, it's der Thränen nicht genug? Aus den Wolken strömt Verderben, Unheil aus der Erde Schoß, Fluͤsse schwellen, Dämme reißen, Wasser brausen uferlos, Haus und Felder, Vieh und Menschen schlingt hinab die wilde Fluth, Machtlos stehen Millionen vor der Elemente Wuth. Trüber Lenz, der statt des Lebens Noth und Tod ins Land gebracht, Grabgeläut statt Lerchenlieder, Wassersnoth statt Blüthen⸗ pracht, Kündest du dem Deutschen Reiche schon sein erstes Un⸗ glücks jahr, Soll das Jahr in Jammer enden, wie sein Anfang Schrecken war? Nein, im Sturme gräbt die Eiche ihre Wurzeln tiefer nur Nein, in Trübsal zeigt die Liebe ihre göttliche Natur. Ströme können sie nicht löschen, wo ihr heilig Feuer

loht

Segnend als ein Engel Gottes wandelt sie durch Noth und Tod.

Deutsche Herzen, lasset flammen eurer Liebe Opfer⸗

brand;

Deutsche Hände, knüpft die Kette hilfreich bis zum Weichselstrand;

Deutsche Lande, grünt aufs neue fröhlich auf im Maien⸗

licht Wenn wir selbst uns nicht verlassen, läßt uns auch der Himmel nicht! Karl Gerok.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dienstag den 24.: Lohengrin. Elsa: Frl. Better als Gast. Gewöhnliche Preise.

Mittwoch den 25.: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Der gehörnte Siegfried. Hierauf: Siegfrieds Tod. Außer Abonnement.

Donnerstag den 26: Neu einstudirt: Sommernachtstraum. Gewöhnliche Preise.

Freitag den 27.: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Kriemhilds Rache. Außer Abonnement.

Samstag den 28.: Ada. Arda: Frl. Better als Gast. Gewöhnliche Preise.

Sonntag den 29.: Der Troubadour. Gewöhnliche Preise.

Montag den 30.: Zum Besten des Chorpensions-Fonds. Der Verschwender. Gewöhnliche Preise.

Schauspielhaus.

Dienstag den 24.: Die Welt in der man sich langweilt. Große Preise.

Mittwoch den 25.: Dukatenprinz mit Mizekado. Gr. Pr.

Donnerstag den 26: Geschlossen.

Freitag den 27.: Glocken von Corneville. Große Preise.

Samstag den 28.: Ein toller Einfall. Vorher: Mamas Augen. Große Preise.

Sonntag den 29.: Dukatenprinz mit Mizekado. Gr. Pr.

Zwirn Buxkin u. Kammgarn⸗Fautaisie für Herren⸗ und Knaben Anzüge(das Vortheilhafteste der Saison), garantirt reine Wolle, nadelfertig, ea. 140 em breit à Mark 3.85 per Meter, versenden direkt an Private in einzelnen Metern, sowle in ganzen Stücken portofrei in's Haus Buxkin-Fabrik-Depot Oettinger und Co., Frankfurt a. M. Muster unserer reichhaltigen Colleetionen bereitwilligst franeo. 1612

* 1 52 10 5 Guͤter-Versteigerung. Die am 11. November d. J. leihfälligen Gülierstücke der Milden⸗ Stiftungen(pia corpora) in Friedberger und Dorheimer Gemarkung sollen Donnerstag den 26. April, Vormittags 11 Uhr, nochmals auf hiesigem Rathhause verpachtet werden. J. A. des evang Kirchenvorstandes: Stelnbäußer, 1609 Großh. Bürgermeister.

Heun⸗ und Grummet⸗Versteigerung.

Mitiwoch den 25. April, Nachmittags 2 Uhr, sollen aim Großherzoglichen Schloßhof 15 Centner Heu und 68 Centner Grummet verkauft werden.

Nach dieser Versteigerung kommen 10 bis 15 Haufen Ausputzholz zum Ausgebot.

Friedberg den 23. April 1888.

Großherzogliche Schloßverwaltung Friedberg.

1605 Dönges. 13907 Pr. Overlach, Spezialarzt f. Geschlechts⸗ u.

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Holzversteigerung.

Donnerstag den 26. April und nöthigenfalls Freitag den 27. April, Vormittags 9 Uhr, soll im Nleder Weiseler Gemeindewald, Distrikt Langscheid, Suderwald und Gaulskopf, folgendes Holz meistbietend versteigert werden:

32 Stück Eichenstämme mit 16,14 Fesim. Inhalt,

130 Raummeter Buchen- und Eichen⸗Scheitholz,

84 Tannen⸗Knüppel,

170 0 1* Stockholz, 12000 Buchen, Elchen- und Nadel Wellen.

Die Zusammenkunft und Anfang ist am Gaulskopf. Nieder-Weisel den 10. April 1888. Großherzogliche Bürgermeisterei Nieder Weisel. Krausgrill.

f Ausverkauf.

Wegen Aufgabe meines Geschäfts verkaufe ich sämmt liche Schuhwaaren unter dem Einkaufspreis.

40 Jos. Butzbach. i

Hausbursche

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um sofortigen Eintritt gesucht. 1613. Carl Burck.

6 9 * Holz⸗Versteigerung. Im Ober⸗Rosbacher Gemeindewald, Distrikt Loos holzschlag, Salzberg und hohe Burg, wird Mittwoch den 25. April 1888 folgendes Holz öffentlich meistbietend verstelgert: 7500 Buchen- Wellen, Durchforstung erster Klasse, 4600 Eichen 5 8 8 1100 Eichen-Birken-Wellen, Ausjätung, 1300 Nadel-Wellen, 546 Gebund Ginstern. Die Zusammenkunft ist Vormittags 8½¼ Uhr an der steinernen Brücke, hinter dem Salzberg. Ober⸗Rosbach am 19. April 1888. Großherzogliche Bürgermeisterel Ober-Rosbach. Blecher.

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eines in Nußbaum, das andere in Schwarz, werden zum Fabrikpreis abgegeben. Wo? sagt die Expedition des Anzeigers.

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1573