Ausgabe 
23.8.1887
 
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Bienstag den 23. August.

. 99.

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Oberhessischer Anzeiger.

Adter Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Alireisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Arendt

Annoncen: die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

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n Butzbach Haftbefehl erlassen. Friedberg, 18. August 1887.

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Ne Amtlicher Theil. Ausschreiben.

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Gegen den Dienstknecht Kaspar Knöß aus Oueckborn, Kreis Gießen, ist wegen Betrugs zum Nachtheil des August Landvogt in Rockenberg, des Wirths Vissel n Griedel, des Landwirths Hermann Zorn in Hoch Weisel und des Varbiers Henkelmann in Butzbach, sowte

Diebstahls zum Nachtheil des Bierbrauers Neidhardt

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er Großherzogliche Amtsanwalt. Kolb.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Aug. Officiell. Der Kaiser st in Folge des plötzlichen Wetterumschlags von einer Erkältung befallen, welche sich haupt ächlich durch zeitweise auftretende rheumatische Schmerzen äußert.

Aus guter Quelle will dieSchles. Ztg. fahren haben, daß der Reichskanzler bei seiner üͤngsten Anwesenheit in Berlin sich einflußreichen Persönlichkeiten gegenüber dahin ausgesprochen

Pat, daß er eine Erhöhung der Getreidezölle n ls im Interesse des Landes liegend erachte. belntit Ba, ine darauf bezügliche Vorlage soll, der gleichen lt Nese 1 demnächst den Bundes- Regierungen zur Begut tigun chtung vorgelegt zu werden. n 19. Aug. Lieutenant Wißmann ist nach 1 er Durchschreitung Afrikas von Westen nach Osten in Sansibar eingetroffen.

Kiel, 21. Aug. Prinz Ludwig von Bayern er vorgestern Abend hier eingetroffen war, be ab sich heute Vormittag auf der Dampspacht es Stationschefs an Bord des Panzerschiffs Kaiser, welches alsbald die bayerische Prinzen

kandarde am Großtop hißte. Mittags traten inter Flaggenparade das Schulgeschwader und ie Torpedoboot-Flotille in den Verband des Manövergeschwaders ein. Heute solgte der Prinz einer Einladung des Chefs es Manövergeschwaders, Contre-Admirals Pa hen, zum Galadiner an Bord des Flaggschiffes aiser Wilhelm. Prinz Ludwig begab sich estern Vormittag mit dem Viceadmiral v. Blanc zur Besichtigung der Hafenbefestigungen nach Friedrichsort und wohnte später den Uebungen 0 Torpedoschießen und Minenlegen bei. Gestern

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bend war der Kieler Hafen zu Ehren des Prinzen

urch elektrisches Licht von den Kriegsschiffen und

erlichen Werft aus prachtvoll beleuchtet. München, 20. Aug. Die Minister v. Lutz und v. Crailsheim sind heute zum Besuch des Fürsten Bismarck nach Kissingen abgereist.

. 1 Ausland. DOesterreich-Ungarn. Wien. Ein in München verbreitetes Gerücht von einem Attentat af den österreichischen Kaiser wird von der kortigen Gesandtschaft dementlrt.

Frankreich. Paris, 18. Aug. General Ferron ist in Begleitung seines Adjutanten gestern aus Paris abgereist und heute in Lyon ingetroffen. Der Kriegsminister wird im Ver ün mit dem General Davoust, Herzog von Auerstaedt, Commandirenden des 14. Armee 1 und Militär⸗Gouverneurs von Lyon, die Alpen besichtigen. Diese Reise hat zum Zweck,

die endgiltige Herstellung der Vertheidigungs Une Frankreichs im Suͤdosten zu sichern und uin Ort und Stelle das Project der Schaffung kon Alpenjäger-Bataillonen zu prüfen. Großbritannken. London, 19. Aug. Das Unterhaus nahm die noch unerledigten Amende nents des Oberhauses zur irischen Landbill an. 5 DieDailly News wollen wissen, das

Nachmittag

Ministerium habe gestern beschlossen, die National liga in Irland zu unterdrücken. Dem Vernehmen nach wird die Opposition eine Adresse an die Königen beantragen, um die Zurücknahme der Proclamation betreffs der Unterdrückung der irischen National liga zu erwirken. Gladstone wird sich an der Debatte betheiligen. DerStandard erfährt, Lord Hartington und seine Anhänger würden die Regierung unterstützen, Chamberlain und sein Anhang aber gegen die Proclamation stimmen.

Türkei. Constantinopel. DieRevue de Orient meldet von hier:In dem letzten Ministerrathe in der Privatwohnung des Groß veziers proponirten einige Mintster, die Pforte müsse gegen den Akt des Prinzen von Coburg auf der Basis des Berliner Vertrages protestiren; aber der Großvezier, der Minister des Acußeren und der Kriegsminister erklärten, die Türkei dürfe gegen ein fait accompli, welches durch die stillschweigende Einwilligung der Majorität der Mächte provocirt wurde, nicht protestiren. Der türkische Botschafter aus Petersburg meldet, Ruß land scheine durch die Ankunft des Prinzen in Bulgarien nicht sehr überrascht oder betroffen. Schakir Pascha glaubt, daß das russische Cabinet seine Action auf diplomatisches Terrain beschräuken werde.

Bulgarien. Sofia, 18. Aug. Erst heute wird bekannt, daß in der Nacht vom 15. auf den 16. August ein Attentat auf den Pulver thurm in Rustschuk geplant war. Die Rustschuker Behörden hatten schon einige Zeit davon Keunt niß, daß verdächtiges Gesindel sich in den Bergen herumtreibe und einen Putsch plaue. Viele hervorragende Bürger erhieltenTodesurtheile zugesendet; Polizei-Präsident Mantoff erhielt ein Schreiben des Inhaltes, daß demnächst für die erschossenen Mitglieder der Revolution au ihm Rache genommen werden solle. f

Vielfach wurde auch gemeldet, daß der Russe Jakobson, der voriges Jahr auf Mantoff in Bukarest vor demHotel Boulevard ein Attentat verübte und sich dann in das russische Consulat flüchtete, welches ihn nicht auslieferte, in der Nähe Rust schuks sei. Am Montag erhielt die Behörde die Nachricht, daß Nachts der Pulverthurm in die Luft gehen solle. Bei der Untersuchung fand man eine Big'sche Zündschuur, die bereits angebrannt war. Die Wachen wurden verstärkt und beim Pulverthurm geschah nichts mehr. Um 1 Uhr Nachts jedoch hörte man Schüsse von der ehemaligen Seraskiers-Bastion; man fand den Wachposten Theodoroff vom Duna Regiment durch drei Revolverschüsse tödtlich ver wundet. Theodoroff starb am 16. und wurde gestern unter den größten Ehren begraben. 20. Aug. Der hiesige deutsche Konsul hat die Weisung erhalten, sich nicht mehr als bei der bulgarischen Regierung beglaubigt zu betrachten, und benachrschtigte deshalb seinen österreichischen Kollegen, daß er gelegentlich der Feier des öͤsterreichlschen Kaisers seine Flagge nicht hissen werde. Prinz Ferdinand hat die Konsuln der Machte, welche ihm in Philippopel,

allerdings nicht in amtlicher Eigenschaft, ihre Aufwartung machen wollten, nicht empfangen. Auf Befehl hat das Leibkavallerie-Regiment so wie die Schwadron Leibgarde das gekrönte A auf den Achselklappen mit einem F kvertauscht. Die ehemaligen Adjutanten des Fürsten Alexander tragen ihre alte Uniform nicht mehr. Das Kabi net ist noch nicht zu Stande gekommen. Stam buloff hat die Uebernahme der Neubildung des Kabinets abgelehnt und auf seinen Vorschlag wird der bisherige Präsident der Sobranje, Tontscheff, sich diesem Auftrag unterziehen. Prinz Ferdinand ist gestern unter Salut von 100 Kano nenschüssen in Philippopel eingezogen. Jufanterie, Artillerie und Kavallerie bildeten Spalier, die Militär- und Civilbehörden empfingen den Prinzen vor der Stadt, wo der Prinz, begleitet von den Majoren Popoff und Petzoff und einer Anzahl von Offizieren, von der dichtgedrängten Menschen⸗ menge mit Hurrahs begrüßt wurde. Der Prinz ritt durch die Stadt nach seinem Absteigequartier, stieg aber nicht im Konak ab. Auf dem Platz in der Mitte der Stadt erwartete der Metro polit Gervasius mit der Geistlichkeit den Prinzen, welcher sich in die Kathedrale begab, wo ein Tedeum gesungen wurde.

Rußland. Petersburg. Hier wurde, wie

dem Fr. J. von hier geschrieben wird, bedeu tendes Aufsehen verursacht durch die Thatsache, daß bei der am 11. d. in Krasnoe-Selo statt gehabten Truppenschau die Truppen, nachdem sie den Kaiser bei seiner Ankunft auf dem Parade platze nicht enthusiastischer wie gewöhnlich em pfangen, das Erscheinen der Großfürsten Nikolai und Michael mit einer wahren Ovation von Jubel begrüßten. Gewisse Persönlichkeiten be trachten den Umstand als ein Merkmal der Ungeduld seitens des Miltärs über die passive Natur der internationalen Politik der Regierung, während die Großfürsten, welche Gegenstand der Ovation gewesen, besonders in ihrer Eigenschaft als Feldmarschälle das Princip der militärischen Thaͤtigkeit in Rußland vertreten. 19. Aug. Die gestrigeMosk. Ztg. bringt einen längeren Artikel, worin ausgeführt wird, daß die Behauptungen gewisser Blatter, Katkoff habe Deutschland fanatisch gehaßt, da gegen Frankreich geliebt, durchaus auf einem Irrthume beruhe. Nur schade, daß man davon bei Lebzeiten Katkoffs nichts gemerkt hat.

Die Abreise des russischen Kaiserpaares nach Kopenhagen ist auf den 21. d. M. festgesetzt.

Aus Stadt und Land. w. Friedberg. Gemeinderathssitzung. In der am 19. August J. J. abgehaltenen außerordentlichen Ge meinderathssitzung wurde von dem Vürgermeister mit- getheilt, daß das Comste für die Sedanfeter in seiner am 16. d. Mis, abgehaltenen Versammlung weten Ueber laͤssung der Seewiese zur Abhaltung des Sedanfestes am 2. September l. J. eine Deputation nach Darmstadt abzuschicken beschlossen, welche om 17. d. Mts. dortselbst war und ein Gesuch an Gr. Ministerlum der Finanzen, Abtheilung für Forst, und Cameral Verwaltung, ab gegeben hat. Auf dieses Gesuch ist heute von genannter Behörde geantwortet worden:Auf die Eingabe dom 17. d. Mis, eröffnen wir Ihnen im Auftrag und mlt