eroberte der Doge Enrico Dandolo mit einem fränkischen Kreuzheere Konstantinopel; Venedig waͤhlte für sich die jonischen Inseln und die Juseln des Archipels aus, bemaͤchtigte sich des ägyptisch— ostindischen Handels, errang endlich das Ueber— gewicht über Genua und schwang sich zu der blühendsten und mächtigsten Republik Europa's empor. Die Kaufleute waren den Parteikämpfen der oberitalienischen Republiken abhold und unterstützten die Ausbildung der Oligarchie(d. h. die Herrschaft Weniger), welche 1297 unter dem Dogen Gradenigo in den Formen zu Stande kam, die bis 1798, also volle 500 Jahre, fort— dauerten. Alle Gewalt kam in die Hände der Nobili(Vornehmen, Adeligen), die 1200 Fami— lien stark waren. Alle Nobili, die 25 Jahr alt waren, bildeten den großen Nath, dem die Sanktion der Gesetze, die Besteuerung, die Wahl der Kollegien und einzelner Magistrate, sowie die Verleihung des Bürger- und Adelsrechtes oblag. Der Doge wurde durch einen Aus— schuß des großen Rathes gewählt; er repäsen— tirte den Staat, und ihm war die Signoria beigegeben, ein Rath von 6 Mitgliedern, und diesen 16 Savy, welche von dem Senate er— wählt wurden und mit der Signoria den ge— heimen Rath, die eigentliche Regierung bildeten. Der große Rath ernannte den Senat von 300 Mitgliedern, der über Krieg und Frieden, Bünd— nisse und Anleihen beschloß und die Verwalt— ung, das Finanz— und Kriegswesen kontrolirte. Die Rechtspflege wurde von 4 Tribunalen ver⸗ waltet; das Kriminalgericht über die Nobili übte der Nath der Zehn; derselbe vereinigte seine Gewalt in der geheimen Staatsinquisition, die an Nichts gebunden war als an ihre Sentenzen. Eine wohlorganisirte geheime Polizei überwachte Alles, doch sorgte die Oligarchie für das Volks⸗ wohl, für wohlfeile Lebensmittel, Gesundheits— pflege, öffentliche Sicherheit, Theater und Lust— barkeiten. Die Politik gegen das Ausland wurde musterhaft geleitet; die venetianische Diplomatie galt Jahrhunderte lang als die ausgezeichneteste; so wurden seit 1402 Vicenza, Verona, Bassano, Feltre, Belluno und Padua erworben, 1421 Friaul, 1428 Bergamo, Brescia und Arema, 1489 die Insel Cypern. Mit Klugheit und Kraft rettete sich Venedig 1508 gegen die Liga in Cambrai(d. h. das Bündniß zwischen Pabst, Kaiser, Frankreich und Spanien), aber die Entdeckung des Seewegs nach Ost— indien um das Kap gab dem Welthandel einen anderen Weg; von dem levantischen Besitz rissen andere Nationen ihren Antheil an sich: die Türken nahmen Creta und Cypern(letztere Insel ist bekanntlich infolge des Berliner Frie—
dens an England gefallen), 1718 wurde auch Morea und Athen verloren, das 1686 Morosini erobert hatte, und der Verfall brach herein. Im Jahre 1797 konnte Venedig sein Gebiet auf dem Festlande weder den österreichischen noch den französischen Heeren verschließen; Bonaparte nahm die Inselstadt ohne Kampf weg. 1797 dankte der letzte, der 120. Doge, Luigi Manin ab. Im Frieden von Campo Formio erhielt Oesterreich das Venetianische diesseits der Etsch sammt Venedig, 1805 fiel es an Italien, 1815 ver— einigte es Oesterreich als Gubernium Venedig mit der Lombardei zum lombardisch-venetiani⸗ schen Königreiche. 1848 kam die Stadt durch die Unentschlossenheit des Kommandanten in die Gewalt der Revolutionäre, die unter Manin eine Republik improvisirten; nach mühseliger Belagerung zogen am 23. August 1849 die Oesterreicher wieder ein. Am 4. Juli 1866 über— ließ Oesterreich Venetien an Napoleon III., der es an Italien schenkte und am 4. November nahm es Viktor Emanuel in Besitz. Dies ist mit kurzen Worten die Geschichte der einst so stolzen und mächtigen Republik. Die Stadt hat, wie Eingangs erwähnt, aus der Zeit ihrer Glanz-Periode eine stattliche Zahl herrlicher Bauten. Neben der weltberühmten Markuskirche ist besonders der Dogenpalast, die einstige Resi— denz der Dogen, erwähnenswerth. Derselbe wurde im Jahre 1424 im maurisch-gothischen Stile erbaut, ist von Außen mit kleineren Vierecken von rothem und weißem Marmor be— legt und ist im Westen und Süden mit einem Bogengang von doppelter Säulenstellung um— geben. Im Jahre 1858 wurde dieser Pracht— bau renovirt. Zu demselben führt im Hofe eine Riesentreppe, die auf dem obersten Absatze mit kolossalen Bildsäulen des Neptun und Mars (Wasser⸗ und Kriegsgott), den Symbolen von Venedigs Macht zu Wasser und zu Land, ge— schmückt ist. Im Hofe besinden sich zwei Brunnen aus Erzguß. Im Palaste selbst, dessen Außen— seite und Portal durch zahlreiche Skulp⸗ turen und Statuen geziert sind, öffnen sich glänzende Säle, wo die in das goldene Buch eingeschriebenen Nobili ihre Versammlungen hielten, mit den Portraits von 76 Dogen und herrlichen Gemälden. Hier befindet sich auch die 1362 von Petrarca gegründete Markus— bibliothek, die jetzt 130,000 Bände und gegen 10,000 Manufkripte zählt. Aus dem ersten
Stock des Dogenpalastes führt die Seufzerbrüͤcke nach dem ehemaligen Staatsgefängniß, unter dessen sonst mit Bleiplatten bedecktem Dach die Bleikammern und in den Kellerräumen die unter dem Wasserspiegel liegenden Kerker sich
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befinden.(Hier schmachtete u. A. auch der eh Dichter Silvio Pellico.) Es würde zu w führen, wollten wir all die Herrlichkeiten Ven digs auch nur flüchtig berühren; heute hat de Stadt nur den Ruhm, einst berühmt gewesch zu sein, wie so manche andere Stadt auc, Sie ist ein redender Zeuge mittelalterlichg. Kraft und Größe, eine unerschöpfliche Fundgrule für Künstler und das Ziel aller Reisenden, de Geld und Zeit haben, nach dem schönen Sidn ee ihre Schrüte zu lenken. e Frei
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Handel und Verkehr. 12
f: 0 en virthen 1
Butzbach, 20. Juli. Wochenmarkt. per Pfund M. 0.00—0.95. Käse per Pfd. 44— 45 P, Eier 2 St. 11 Pf. ö
Frankfurt, 20. Jult. Auf dem heutigen Mast kostete Butter das Pfd. 90 Pf. dis M. 1.10, Eier d Stück 5—6 Pf., neue Kartoffeln per Pfd. 10—12 Pie Malteser 12— 15 Pf., Gelberüben der Pack 6 10 Pi, Spinat 30—40 Pf., Blumenkohl 30—60 Pf., Kopfsalst ga 24 Pf., Gurken 10 Pf., Carotten 1220 Pf., Fa e rübchen 12— 15 Pf., rotbe Rüben die Portion 15 bh e bann 2 20 Pf., Schneidbohnen per Pfund 25—30 Pf., nee engen Bohnen per Pfd. 18—25 Pf., dicke Bohnen 20 Pf Zuckerschoten 25 Pf. per Pfd., Zwiebeln das Geschi g 20 Pf., Sellerie 10—20 Pf., Meerrettig 1020 P. U oncktssand lt Kohlrabi das Stück 5—6 Pf., Kirschen per Pfund i ech ir enen Lusic bis 12 Pf., Mäusekartoffeln 15— 18 Pf. per Pfuns, men det Persor Römischkobl 20— 30 Pf., Romainsalat 15—20 Pf., neus n tilt, susbese Weißkraut 25 Pf., Wirsing 2025 Pf., Erdbeeren pit andere den ja Pfd. 50 Pf., Erbsen ganze per Pfd 16—20 Pf., 4 aß der Ae. schälte 18— 25 Pf., Linsen 2030 Pf., Bohnen 16 b t nach den ut 22 Pf.— 1 Hahn 70 Pf. bis M. 1.60, 1 Huhn M. ie besteht, ö. d bis 2.50, Welsche M. 10—12., Gans per Pfd. 50 bf hc Ins Gesch 70 Pf., Ente M. 2.—3.50, Capaun M. 3.—5., Poulaf e enlegten Statu den M. 2503.50, Taube 40—60 Pf., Krebse 5-8 F.
Frankfurt, 21. Juli. Fruchtbericht. Weizenmel Nr. 0 M. 32.50— 34.50, Nr. 1 M. 28.50— 300, Nr. 2 M. 26— 27, Nr. 3 M. 24— 26, Nr. 4 M. 1920.5 Nr. 5 M. 16— 17.50, Milchbrod- und Brodmehl im———— band M. 54—57, norddeutsche und westfälische Welgal⸗ De mehle Nr. 00 M. 26.50— 27.50, Roggenmehl hiestgeh dormstad Rr. 0 M. 22.75— 23.75, Nr. 0/1 M. 20.75—21.75, Nr eine M. 1819.25, Nr. 2 M. 15.50— 16.50, Heu per J ih wurde zun M. 2.75— 3.25, Stroh M. 2.50— 0.00, Roggenklel Mainz. Am M. 4.25— 4.50, Weizenkleie M. 3.80, Malzkeime M. Jh ghet der bis 3.75, Moostorfstreu prima M. 1.30, Spelzenspen 6 U, 9 M. 1.20, Rapskuchen M. 5.75, Sesamkuchen M. 5—5c0 hd ber L Mohnkuchen M. 3.75— 4.00. Reismehl mit garage Zahlmeiste 22 bis 240% Fett- und Protéin⸗Gehalt M. 4.50— 4.% e Dautschlands (Sämmtliche Artskel bei Abnahme von 200 Cenkner mah babe liege Rüböl im Detail M. 51—55. Raps Offerten aß e gel
Butter koste
erwünscht. n eingelelte
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Geld ⸗ Cours. iber der Mob
Frankfurt am 21. Juli 1887. i Deutschland
Geber. Nehm i dindesten som
M. Pf. M. f ian Zwichenf
20⸗Frankenstücke 16. lu Agde gerüst
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Englische Sovereign... 20. 31 0. A* 1 Ae Nachr
Russische Imperlaless. 16. 70 14. U benen Ducaten.. 9 ö be.
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Dollars in Gold 4. 20 4,1 0 5
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Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffenklichen Kennkniß gebracht, daß dem Großh. Semjinarlehrer Dr. Heid dahier die Verwaltung unserer Seminarkasse übertragen worden ist und daß derselbe seinen Dlenst bereits angetreten hat.
Friedberg am 21. Jult 1887.
Großherzogliche Direktion des Schullehrer-Seminars. 2614 Schaefer.
Vergebung.
b Die Lieferung von Petroleum pro 1887/88, das nach Bedarf von den Seminar-Pedellen abgeholt wird, ist zu vergeben. Offerten wolle man vor dem 26. d. Mts. schriftlich bei uns einreichen.
Friedberg am 22. Juli 1887.
[Großherzogliche Direetion des Schullehrer⸗Seminars. 2624 Schaefer. Submission.
ubmission. 855 Die zur Erbauung eines eisernen Steges über die Usa in der Gemarkung Fauerbach b. Fr. erforderlichen Arbeiten, nämlich: Schlosserarbeit, veranschlagt zu 164 Mark, „ Zimmerarbeit 7„ 2 Weißbinderarbeit 0„ sollen auf dem Submissionswege vergeben werden.
Voranschlag und Bedingungen liegen Dienstag den 26. d. Mts., Vormittags, auf dem Büreau des Unter⸗ zeichneten offen, woselbst auch die Offerten bis zum 28. d. Mts., Mittags 12 Uhr, einzureichen sind.
Friedberg den 21. Juli 1887.
Zörb II., 2611 Bezirks bauaufseher.
Holzversteigerung in Bad⸗Nauheim. In hiesigem Stadtwalde kommen folgende Holzsorti— mente zur Versteigerung und zwar: Mittwoch den 27. Juli l. J., von Vormittags 8 Uhr ab, 17337 Stück Wellen Schäl-Eichen-Relsig, 58 Raummeter*„ Knüppel, 18 75 Stöcke(Hauspäne), 124 Stück Derbstangen von 7— 11 Ctm. Durch- messer und von 4—7 Meter Länge; 500 Stück Reisstangen(Baumstüßzen) von 3—6 Ctm. Durchmesser und von 4—7 Meter Länge.
Donnerstag den 28. Juli 1887, von Vorm. 8 Uhr ab, 69 Stück Eichen-Stämme von 12— 20 Ctm. Durch⸗ messer und 3— 7 Meter Länge= 8,45 Fest— meter Inhalt. Die Zusammenkunft ist an der Waldwirthschaft. Bad-Nauheim den 21. Juni 1887. Großherzogliche Bürgermeisterei Bad⸗Nauheim.
2618 Wörner.
2 9 * Holzversteigerung. Dienstag den 26. Juli d. J., Vormittags 10 Uhr anfangend, wird im hiesigen Gemeindewald, Distrikt Strecker 28, nachverzeichnetes Gehölz öffentlich versteigert: 42 Naummeter Elchen-Lohholz, Nutzholz, 140 6 1 1 Scheit und Knüppel, 7970 Stück 0 g Wellen. Wehrheim den 19. Juli 1887. Der Buürgermelster
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5 Feine Hemdeinsätze Feen hren
und Manschetten z. Selbstkostenpreise bel K. Friedrich.
5 l 0 4 0 Ae weg Holzversteig erung. Dienstag den 26. Juli l. J., des Vormittags 10 ae lin, 23. wird in dem Cleeberger Gemeindewald, Distrikt Gaul! 7 des„Vulkan
kopf, nachstehendes Holz öffentlich versteigert: lch d 30 Stück Eichenstangen 2. Klasse, zu Baumslüßeh un nd g, om 3800„ 0 9 geeignet, e elch; 11835„ Eichen⸗-Schälwellen, n auf 8825„ gemischte Wellen. veel, a0
Die Zusammenkunft ist bel Nr. 1. h ve d Cleeberg den 14. Juli 1887. ee die Der Bürgermelstel; h Aung de
* 0 Montag d d i d 00 ak de er A
Conditor Fritz in Bad⸗Nauheim.— 95 Von Tausenden wird der IIolländ. 1 von IB. Beeker in Seesen a. N olaf 81 franeo 8 Mark, geraucht und empfohlen.(ge 8 dh, Ain
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