Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Veterinärarzt Schmidt aus Gladenbach wurde zum Kreisveterinärarzt in Reichelsheim ernannt.
Berlin. Das„Journal des Debats“ bringt eine Meldung von hier, wonach die Ent— scheidung betreffs Bulgariens bevorstehend sei. Rußland warte einen beliebigen Zwischenfall ab, um zu occupiren; 40,000 Mann seien in den Häfen des Schwarzen Meeres concentrirt. Die Occupation werde die Beziehungen der Kaiser— mächte und Oesterreichs Politik nicht beeinträch tigen. Das„Fr. J.“ läßt sich von Wien tele— graphiren: Die offiziöse russische Ankündigung, daß die gewahlte Sobranje und deren event. Beschlüsse russischerseits nicht Anerkennung finden würden, wird hier als Grund zu ernsten Diffe— renzen mit anderen Mächten augesehen, welche hierin einen eclatanten Eingriff in die inneren Verhältnisse des Vasallenstaates einer fremden Macht erblicken müßten.
Leipzig, 11. Oct. Der Freiberger Socia— listenprozeß gegen Bebel, Vollmar ꝛc. ꝛc. ge— langte heute vor dem dritten Strafsenat des Reichsgerichts zur Verhandlung. Den Vorsitz führte Senatspräsident v. Wolff, die Reichsan— waltschaft vertrat Reichsanwalt Stenglein, die Vertheidigung führten die Rechtsanwälte Frey— tag J.(Leipzig) und Muuckel(Berlin). Der oberste Gerichtshof verwarf die erhobene Beschwerde.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Als Nach— trag zu den telegraphischen Meldungen über das von der Polizei entdeckte großartig angelegte und geplante Anarchisten-Attentat kann das Fr. J. ein Factum mittheilen, welches weder in den officiellen Verlautbarungen hierüber, noch in den Telegrammen Erwähnung finden konnte. Die Anarchisten haben es darauf abgesehen gehabt, das kaiserliche Lustschloß Schönbrunn, in welchem der Kaiser zur Zeit residirt, und welchen Auf— enthalt derselbe erst am 20. d. Mts. mit der Residenz in Gödöllö in Ungarn zu vertauschen beabsichtigt, mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Unter der zu jenem Schlosse führenden Brücke, die der Kaiser fast täglich passirt, wurden, gut beglaubigten Nachrichten zufolge, bedeutende Quantitäten Dynamit gefunden. Auch sollte in der allgemeinen Verwirrung ein directer Mord— versuch auf den Kaiser gemacht werden. Nach sämmtlichen Details, welche die Polizei über die der Verwirklichung nahegerückt gewesenen Pläne der hiesigen Anarchisten der Oeffentlich keit überliefert, sind furchtbare Dinge im Werke gewesen. Möge man ja nicht glauben, daß man es diesmal bei den Enthüllungen der Wiener Polizei mit polizistischem Blendwerk nach der Fagon der weiland Napoleonischen Zeit zu thun habe. Der Prozeß gegen die verhafteten Un— geheuer wird schreckliche Gefahren an's Tages— licht bringen, welchen Wien durch das wach— same Auge seiner Sicherheitsbehörde diesmal entronnen ist.
Frankreich. Paris. Die„Republique Frangaise“ sagt, es werde vergebens versucht, Frankreich und Italien hinsichtlich des Mittel— ländischen Meeres, besonders in Bezug auf Tripolis, in Gegensatz zu einander bringen. Wolle Italien Tripolis besetzen, so werde Frank— reich es nicht daran hindern.
Großbritannien. London, 12. Okt. Nach einer Reutermeldung aus Halifax vom 12. ds. wurde die amerikanische Fischerbarke „Marion Grimes“ von dem canadischen Kreuzer „Terror“ beschlagnahmt, weil sie in den Hafen von Shelburn eingelaufen war, ohne den Zoll— behörden die Ankunft angezeigt zu haben. Der Capitän wurde zu 400 Doll. Strafe verurtheilt. In Folge der widerspenstigen Haltung des ameri— kanischen Capitäus, welcher darauf bestand, die amerikanische Flagge über der englischen zu hissen, begab sich der Capitän des„Terror“ an Bord der„Marion“, ließ die amerikanische Flagge entfernen und ließ im Schiffe eine be— waffnete Wache zurück. Der amerikanische
Generalkonsul telegraphirte die Vorgange an den Staatssecretär Bayard.
Italien. Rom, 10. Okt. Prinz Heinrich von Preußen ist um Mitternacht in Genua an— gekommen; des Morgers begab sich der Deutsche Kronprinz mit Familie zu dem Hotel, wo der Prinz abgestiegen ist. Die ganze kronprinzliche Familie wird sich Nachmittags nach Portofino begeben. a
— Von hier wird gemeldet, das Venediger Arsenal habe deu Befehl erhalten, seine Arbeiten zu beschleunigen, das Arbeitspersonal zu ver— mehren und namentlich die Panzerschiffe sofort auszurüsten. Gleichlautende Befehle ergingen nach Spezia und Castellamare.
Serbien. Belgrad, 11. Okt. Der König ist gestern Abends mit dem Courierzuge hier eingetroffen und wurde von der Königin und den Ministern auf dem Bahnhofe erwartet.
Bulgarien. Sofia, 11. Oct. 150 Land⸗ leute begaben sich gestern zum russischen Consulat, um Verhaltungsmaßregeln für die Wahlen ein— zuziehen. Nekljudoff sagte, Rußland habe be— reits erklärt, die Wahlen als ungiltig anzusehen. Die Landleute zogen darauf zum Wahlbureau, um den Wahlen Einhalt zu thun; dieselben wurden aber gewaltsam zurückgedrängt, wobei mehrere verwundet wurden; vom russischen Con— sulate aus wurde Feuer auf die Massen ge— geben. In Folge dieser Vorkommnisse herrscht große Aufregung; die Regierung hat umfassende Vorsichtsmaßregeln zur Unterdrückung der Un— ruhen im Wiederholungsfalle getroffen. Der deutsche Consul Tiedemann erhob ernste Vor— stellungen beim russischen Consul. Der letztere entschuldigte sich wegen der Vorfälle.— Die Gerichtsbehörde von Eskisagra ist auf der Spur einer Verschwörung, welche auswärtigen Ein— flüssen zugeschrieben wird. Mehrere ehemalige Woywoden und Brigantenchefs sollen bezahlt worden sein, um in den verschiedenen Gegenden des Landes einen Brigantaggio zu organisiren und dadurch weitere Unruhen hervorzurufen.
— 11. Okt. Die„N. fr. Pr.“ meldet von hier: Die hiesige Wahl ist beendet; das Resultat wird eben publicirt. Von 1800 Wählern gaben mehr als 1700 ihre Stimmen Stambulow, Radoslawow und Jantschow; ferner wurden Advokat Wezow und vier hiesige Bürger gewählt. Karawelow erhielt nur 17 Stimmen,(I) da die Volksstimme ihn als Verräther bezeichnet. Wie verlautet, befände sich Karawelow in Meinungsdifferenz mit den anderen Regenten und neige sich den russischen Forderungen zu. Aus allen Orten wird der Sieg der Regierungs— partei gemeldet. General Kaulbars machte in Schumla großes Fiasko. Vor seiner Wohnung sammelte sich eine große Menschenmenge an, die unausgesetzt Hochrufe auf ein unabhängiges Bulgarien ausbrachte.
— 11. Okt. Gewählt wurden 420 Anhänger der Regierung und 20 Zankowisten; die Partei— stellung der übrigen Gewählten ist unbekannt. Die russische Agentur richtete drei Schriftstücke an die Regierung, worin der Tadel Kaulbars', betreffend das Verbot der Einmischung Fremder in die Wahlen, ausgesprochen, die Wahlen für ungesetzlich erklärt und gegen den Angriff auf das russische Consulat energisch protestirt wird.
— 12. Oct. Die„Pol. Corr.“ meldet aus Varna: Baron Kaulbars ist hier eingetroffen. Die Volksmenge vor dem Consulate rief: Es lebe das unabhängige Bulgarien, es lebe der Held von Slivnitza. Eine Deputation der Bevölkerung legte Baron Kaulbars die Wünsche des Volkes dar. Kaulbars kritisirte scharf die Regierung. Die Deputation erwiederte, die Regierung ver— fahre gesetzlich und habe das Vertrauen des Volkes. Kaulbars zog sich hierauf zurück.
Egypten. Alexandrien. Ueber die Ein— nahme von Tamai, der letzten festen Sellung der sudauesischen Rebellen, liegen jetzt weitere Nachrichten vor. Oberst Kitchener telegraphirt, daß er soeben aus Tamai zurückgekehrt sei. Das dort errichtete Lager war groß genug für
sowie eine große Anzahl von Gewehren und eine Unmasse von Munition erbeutet, während über 200 Leichen vorgefunden wurden. Neffe Osman Digma's entkam verwundet nach Tokar, aber alle anderen hervorragenden Fuhrer wurden getödtet.
Aus Stadt und Land.
J. Ober⸗Wöllstadt, 12. Oct. Gestern Nachmittag brannte die Scheuer des hiesigen Gemeinderechners da— durch ab, daß Kinder in einem an der Scheuer sitzenden Haufen Stroh mit Feuer spielten.
Allerlei.
Schleswig, 10. Oct. Heute früh hielt der eben von Altona angekommene, mit zwei Maschinen bespannte Morgenzug auf dem hiesigen Bahnhof, um den gegen 6 Uhr von Flensburg kommenden Güterzug abzuwarten, war vermuthlich aber wegen des herrschenden dicken Nebels etwas zuweit vorausgerathen, als plötzlich der Güterzug mit Vieh ꝛc. von Norden heranbrauste und, das Stoppsignal nicht erkennend, dreinfuhr. Die Loko⸗ mottven stürzten heftig aufeinander, eine Anzahl Wagen überschlugen sich und zertrümmerten, bet welcher Gelegen— heit auch leider ein Bremser seinen Tod fand.
Wien, 11. Oet. Cholerabericht. Trlest 7 Erkrank⸗ ungen, 3 Todesfälle; Pest 14 Erkrankungen, 9 Todes- fälle; Szegedin 17 Erkrankungen und 12 Todesfälle.
Neapel. Von hier meldet man, daß die seismischen Aparate des Vesuv-Observatoriums große seismische Agitation anzeigen. Aus dem Hauptkrater steigen dichte Rauchsäulen, Steine und glühende Materten empor.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 14. Oet. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80—0.90, Eier 1 St. 7, 2 St. 13 Pf.
Friedberg, 13. Oet. Fruchtpr. Watzen M. 16.50, Korn M. 13.50, Gerste M. 14, Hafer M. 12— 13.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo— 200 Zollpfd.
Grünberg, 9. Oet. Fruchtpr. Weizen M. 16.80, Korn M. 14.10, Gerste M. 12.40, Hafer M. 10.80, Erbsen M. 14.20, Linsen M. 27.60, Lein M. 20.00, Samen M. 20.00.
Gießen, 12. Oet. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.70— 0.90, Eier per St. 7 Pf, Käse per St. 5—8 Pf., Tauben per Paar M. 0.40—0.60, Hühner per Stück M. 0.85— 1.00, Hahnen per Stück M. 0.45— 0.90, Enten per Stück M. 1.30 1.80, Ochsen⸗ fleisch per Pfund 62—64 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 54-56 Pf., Schweinefleisch 5660 Pf., Hammelfleisch 50 66 Pf., Kalbfleisch 46—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3—5, Zwiebeln per Ctr. M. 33.50, Zwetschen M. 3.40— 4.40.
Frankfurt, 11. October. Fruchtbericht. Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 M. 31.50— 32.00, Nr. 1 M. 2728, Nr. 2 M. 25 26, Nr. 3 M. 2324, Nr. 1 M. 17 bis 17.50, Nr. 5 M. 15-16, Milchbrod- und Brod— mehl im Verband M. 49— 52, norddeutsche und west— fälische Weizenmehle Nr. 00 M. 21.50— 21.75, Roggen⸗ mehl(hies.) Nr. 0 M. 22.50— 23.50, Nr. 0/1 M. 21.50 bis 22.50, Nr. 1 M. 18-19, Nr. 2 M. 1616.50, Weizen ab unserer Umgegend M. 16.50— 16.75, frei Bahnhof hier M. 16.75 17.25, fremder nach Qualität M. 16.50—19., Roggen hiesiger M. 13.50— 13.75, russischer je nach Qualität M. 13.25 13.75, Gerste Brauerwaare M. 13.50— 16., do zu Mahlzwecken M. 11.50, Hafer mittel M. 12., prima M. 12.50 bis 13., Raps M. 21.50— 21.75, Mais(mixed) M. 11.50, geschrotener M. 13., Heu per Ctr. M. 2.50—2.75, Stroh M. 2—2.25, Erbsen M. 18., Wicken M. 14.25—15., Roggenkleie M. 4.50, Weizenkleie M. 4— 4.25,(bei Ab⸗ nahme von 200 Ctr. an). Malzkeime M. 4.20, Moos⸗ torfstreu M. 1.30, Spelzenspreu M. 1.20, Sesam⸗ kuchen M. 5.40, Rapskuchen M. 6 6.25, Chilisalpeter per Februar 1887 M. 9.50—10., Rüböl im Detail M. 48., Aepfel(Kelterobst) M. 9.5010.
Frankfurt, 11. Okt. Viehmarkt. Auf dem heutigen Viehmarkt waren angetrieben 395 Ochsen, 25 Bullen, 429 Kühe, Stiere und Rinder, 232 Kälber, 563 Hämmel, 241 Schweine. Die Preise stellen sich pro 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 6567, 2. Qual. M. 54—60, Bullen 1. Qual. M. 40—44, 2. Qual. M. 36-38, Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 53 55, 2. Qual. M. 4046, Kälber pro 1 Pfd. Schlachtgewicht: 1. Qual. 65— 70 Pf., 2. Qual. 60 bis 64 Pf., Hämmel 1. Qual. 55—57 Pf., 2. Qual. 4045 Pf., Schweine 1. Qual. 54-56, 2. Qual. 52-54 Pf.
Auf einen leeren Ruum
Pflanz einen Baum
Und pflege sein;
Er bringt Dir's ein. In einer der letzten Nummern d. Anz. stand ein be— herzigenswerther Artikel, des Inhalts: Was ein Lehrer für den Obstbau thun kann. Er berichtet, wie ein Lehrer in Galizien seine Kinder in der Obstbaumzucht unter—
gepflanzt und das früher blutarme Dörfchen zu einem der wohlhabendsten im Krelse geworden sei.
Ich frage nun: Was in Galizien geleistet wurde, sollte das bei uns nicht auch fertig gebracht werden können? Unsere Lehrer werden im Seminar in der Obst⸗ baumzucht theoretisch und praktisch unterwiesen, und unsere Gegend ist zur Obstbaumzucht sehr geeignet.
mehr als 3000 Mann. Es wurden 18 Ge—
Man packe die Sache nur richtig an und kann erreichen,
schütze, 2 Gatling-Kauonen und 2 Raketen, Rohre,
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wiesen und mit deren Hülfe nach und nach 7000 Bäumchen 1
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