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Deutsches Rech.

Berlin, 6. Maͤrz. Amtlich wird gemeldet: Der Kaiser ist durch anhaltende Heiserkeit ver hindert, das Zimmer zu verlassen. Die Contustons erscheinungen an der Hüfte sind in Rückbildung begriffen und veranlassen bei den Bewegungen weit aus nicht mehr so lebhafte Schmerzen wie früher.

Berlin, 5. Maͤrz. Reichstag. Fortseßz ung der Berathung des Branntweinmonopols. Abg. Buhl befürchtet eine Reihe wirthschaft licher Schaͤden durch das Monopol: er be zweifelt die Richtigkeit der Berechnung über den finanziellen Ertrag. Wenn man auch für eine erhohte Besteuerung des Branntweins stimmen konne, so sei doch das Monopol für ihn und seine Freunde unannehmbar. Trotzdem sei er für eine Commissionsberathung; er hoffe auf eine Verstaͤndigung über eine andere Regelung der Branntwein Besteuerung. Finanzminister v. Scholz wendet sich gegen diese Ausführungen, spricht aber seine Freude über die Moͤglichkeit einer Verstaͤndigung aus. Die Bedenken gegen das Monopol seien keineswegs durchschlagend. Eine Steigerung des Consums sei durchaus nicht gleichbedeutend mit einer Vermehrung des Alkoholismus, da der Spiritus doch auch ander weite Verwendung finde. Im Reichstag wurde eine Resolution eingebracht, der Bundes rath wolle in der naͤchsten Sesston einen Gesetzent wurf über die Auspraͤgung von zweieinhalb Pfennigstücken vorlegen. 6. Maͤrz. Vor Be ginn der Tagesordnung theilt Schalscha mit, daß er von dem Untersuchungsrichter um Mit theilung der Namen der beiden Berliner Firmen, die in der Schweiz Thaler prägen lassen, ersucht worden sei, daß er die Namensnennung indeß verweigert habe, obgleich ihm Zwangsmaßregeln in Aussicht gestellt worden seien. Er provocirt das Urtheil des Hauses darüber, ob ein Reichs abgeordneter zur Zeugnißablegung herangezogen werden könne über Informationen, die ihm in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter und aus Kreisen seiner Waͤhler gemacht werden. Ein darauf bezüglicher Antrag seitens Windt horst's wird auf eine der nächsten Tagesordnungen gesetzt werden. Es folgt sodann die Fortsetzung der Berathung der Brauntweinmonopol-Vorlage. Staatssecretär v. Bötticher spricht Namens des Reichskanzlers dessen Bedauern aus, wegen seines Gesundheitszustandes der jetzigen Berathung nicht beiwohnen zu können. Der Reichskanzler hoffe, in der Commission, eventuell in der zweiten Lesung, den Standpunkt, der ihn zur Beantragung des Monopols geführt, klarzulegen. Zufolge eines weiteren Auftrags des Reichskanzlers habe er zu erklären, daß der Reichskanzler inzwischen in keiner Weise eine andere Stellung zum Monopol eingenommen habe. Die verbreiteten diesbezüglichen Gerüchte seien gaͤnzlich grundlos. Staatssecretär v. Bötticher hofft, die Zahl der Monopolfreunde werde bei der weiteren Be rathung wachsen, sodaß das Monopol schließlich doch noch eine Annahme finde. Fürst Hatzfeldt spricht sich für das Monopol aus. Oechelhaͤuser ist gegen dasselbe; wolle man den Branntwein staͤrker heranziehen, so set nur die Form der Consumsteuer am Platze.

5. März. DieNordd. Allgem. Ztg. meldet: Der Reichskanzler leidet seit 3 Tagen an schmerzhaftem Muskelrheumatismus in Brust und Schultern.

6. Maͤrz. Beide mit den Polengesetzen sich befassende Commissionen des Abgeordneten

hauses nahmen heute die grundletzenden Be stimmungen der Gesetzentwürfe betr. die Coloni sation und die Schulversaͤumnisse in den oͤstlichen Provinzen unverändert an.

Karlsruhe, 5. Maͤrz. Der Erbgroßher zog hatte eine unruhige, durch Athembeschwerden gestoͤrte Nacht. Heute Morgen war das Fieber geringer, die Athmung freier; der Zustand des Patienten ist sonst unverandert.

Straßburg i. E. Hier herrscht große freudige Erregung über die Nachricht, daß der Kaiser in diesem Jahre das hiesige Armeecorps zu besichtigen gedenkt. Dem Vernehmen nach

combinirende Cavallerie-

soll eine zweite zu Das

Oilviston an den Uebungen theilnehmen. Hauptquartier wird in hiesiger Stadt sein.

Ausland. Oesterreich- Ungarn. Pest, 4. Maͤrz. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses bezeichnete der Abgeordnete Mocsary den Fürsten Bismarck wegen seines Vorgehens gegen die Polen als einen der groͤßten Verbrecher in der

Weltgeschichte. Er erhielt selbstredend einen Orduungsruf. Schweden. Stockholm, 4. Maͤrz. Die

erste Kammer des Reichstags hat den Getreide zoll mit 75 gegen 57 Stimmen abgelehnt.

6. Marz. Die zweite Kammer des

Reichstags genehmigte mit 105 gegen 99 Stimmen einen Einfuhrzoll von zwei Kronen per 100 Kilo gramm Roggen, Weizen, Korn, Mais, Erbsen und Bohnen. Frankreich. Paris, 5. Maͤrz. Wie voraus zusehen war, hat das Ministerium Freyeinet in der Frage der Ausweisung der Prinzen einen glaͤnzenden Sieg davongetragen, indem der An trag auf Ausweisung verworfen wurde.

6. Maͤrz. In einem heute abgehaltenen Ministerrathe kündigte der Kriegs- Minister, General Boulanger, an, daß er in Kurzem einen Gesetz-Entwurf zur Unterdrückung der Spionage vorlegen werde. In Decazeville dauert die Arbeitsenthaltung fort.

Großbritannien. London. Von gut unterrichteter Seite verlautet, Gladstone sei ent schlossen, seinen Vorschlaͤgen bezüglich Irlands die Bildung einer eigenen irischen Regierung mit einem Parlamente in Dublin zu Grunde zu legen, da er hierin die einzige Loͤsung der trischen Frage erblicke. Man glaubt, Minister Trevelyan werde seine Entlassung nehmen, ebenso soll der Rücktritt Chamberlain's und einiger anderen Mitglieder des Cabinets boevorstehen.

5. Maͤrz. Das Unterhaus mit 106 gegen 79 Stimmen in zweiter Lesung die Bill, be treffend die Entschaͤdigung der Opfer der jüngsten Londoner Excesse, an.

5. Maͤrz. Der Assisen-Gerichtshof hat heute gegen acht der der Ttheilnahme an den Ruhestoͤrungen vom 8. v. M. Angeklagten das Schuldig ausgesprochen und einen derselben zu öjaͤhriger, drei zu 1½jaͤhriger Zwangsarbeit, die übrigen zu Zmonatlicher bis kjaͤhriger Zwangs arbeit verurtheilt.

6. Maͤrz. Der Herzog von Edinburgh ist gestern in der Suda-Bay eingetroffen und übernahm den Befehl über das englische Ge schwader.

Bulgarien. Sofia, 6. Marz. Die bul garische Regierung erließ gestern einen Befehl, die Demobilisirung der Arme betreffend.

Griechenland. Athen, 5. Maͤrz. Das öͤsterreichische KanonenbootKerka und die eng NachtSainte Marie sind von der Suda Bay im Piräus eingetroffen.

5. Marz. Meldung derAgence Ha vas: Es heißt, die griechische Regierung haͤtte, weil die Türkei ihre Truppen an der Grenze verstärkt habe, die Einberufung von zwei weiteren Reserveclassen beschlossen.

Aus Stadt und Laub.

b. Frledberg. Im Anschluß an die in Nr. 27 erschtenene Mittheilung über den ersten, der von dem evang. Verein veranstalteten Vorträge geben wir hier ein kurzes Referat über den zweiten Vortrag. Nachdem Pfarrer Wlener dargestellt, daß die Frau erst durch das Christenthum dle rechte, würdige und beglückende Lebens stellung und Lebensaufgabe erhalten, indem dasselbe die gegenseitige Liebe des Mannes und Weibes veredelte und vergeistigte, die Ehe als die unauflösliche Lebensgemein schaft Eines Mannes und Eines Welbes heiligte, dadurch ein wahres Familienleben ermöglichte und in demselben der Mutter den ihr gebührenden Antheil kan der Erztehung der Kinder anwies, stellte Stadtpfarrer Bauer von Frankfurt in einem anziehenden und fesselnden Vortrag überZwingli's Gattin und Familten⸗ leben uns ein chrlstliches Familienleben vor Augen. Im Alter von 40 Jahren schloß Zwingli 1524 den Bund der Ehe mit der wenige Jahre jüngeren Wittwe der aus altadeligem Geschlechte stammendem Hans Meyer von Knonau, Anna, geb. Reinhard. Von der Jungfrau

wird gerühmt, daß sich in ihr mit seltener Anmuth des

Körpers eine große Lebhaftigkelt des Gelstes, une ebl

das ihr alle Herzen gewann; ihre Zeltgenossen zeugen von ihrer Frömmigkeit, Stittsamkelt, Treue, Sanftmuth und Herzlichkeit. Ste hatte als Wittwe selt sieben Jahren ehrbar, still und eingezogen ihren Kindern, einem Knaben und zwel Madchen, und ihrem Gott gelebt und hatte es für ihren Mutter- und Wlttwenberuf gehalten, ihre Kinder in der Zucht und Vermahnung zum Herrn zu erziehen. Schon ven Zwingli's erstem Auftreten an war Anng eine seiner treusten und aufmerksamsten Zuhörerinnen gewesen; ihre Froͤmmigkeit, Bescheldenhelt und Mutter⸗ treue konnten dem Seelsorger, in dessen Nähe sie wohnte, nicht verborgen bleiben, und einen Anlaß zu näherer Verbindung bot der frommen Wittwe ältester Sohn Gerold Meyer, der in der Schule Zwingli's Aufmerk samkeit durch seinen Fleiß, seine Anlagen, sein einnehmendes Aeußere und seine feine Sitte auf sich lenkte, so daß Zwingli sich dessen geistige Ausbildung besonders an⸗ gelegen sein lich. Sett 1523 war in der Schwelz die Ebe der Geistlichen, welche bis zur Zelt Gregor's XII. in der roͤmischen Kirche Geltung gehabt, von der evan gelisch erneuerten Kirche wieder aufgenommen worden. Zwingli hatte die Ehe in ihrer tiefen Bedeutung, als ein hochheiliges Vündniß erkannt und hatte gesehen, wle Anna als Tochter, Gattin und Mutter, auch in schwieriger Lage, sich auszelchnete, und wie in ihren Kindern bereits edle Früchte einer ächt christlichen Kinder zucht heranreiftenz er konnte nicht zwelfeln, durch die Verbindung mit ihr ein evangelisches Vorbild welter für seine Heerde zu geben, und nachdem er sie an der Hand der Schrift dem ernsten Berufe der Pfarrfrau elnkge Jahre hindurch näher zugeblldet batte, ließ er sich am 2. April 1524 mit ihr ehelich elnsegnen. Für den Reformator begann mit seiner Verehelichung ein neues Leben. denn Freud und Leid theilte Anna mit ihm. Ste be trachtete sich nur als Gehülfin ihres Mannes und erlelch⸗

terte ihm seine mannigfaltigen Berufspflichten, seine schriftstellerischen Arbeiten, selnen ausgebreiteten Brief wechsel. In trüben Stunden erheiterke sie ihn. Ihr

verständiges und unbefangenes Urtheil diente ihm nicht selten als gewichtiger Rath, und bei dem allgemeinen Vertrauen, das sie genoß, und bei dem reichen Schatze ihres ganz für Gott und den Nächsten schagenden Herzens tröstete und beruhlgte sie, wenn der Gatte von Geschaͤften überladen sich nicht jedem der vielen Besuche nach Wunsch widmen konnte, manches des Trostes und Rathes be dürftige Gemüth durch ihr thellnehmendes Wort. Die Züricher Rathsherren, die Prediger und übrigen Ge lehrten, die sich haufig bei Zwingli einfanden, waren für die vernünftige Hausfrau und ihr immer bescheldenes und richtiges Benehmen voll Achtung. Sie war nicht nur die alle Hausgeschäfte pünktlich besorgende Martha, sondern die anmuthlge Gesellschafterin, welche die Gäste (sogar lehrreich unterhielt, bis der Gatte erschten und das Gespräch fortsetzte, bei dem er sie gern behlelt, wenn sie Zeit hatte. Auch den Genuß neuer literarischer Erschelnungen theilte er mit ihr. Durch ihre Besuche bel den Nonnen am Oetenbach und bei den Stiftsfrauen zum Münster trug sie zur schnelleren Bekehrung derselben vom Papstthum zum Evangellum bei. Das wichtitste Buch war ihr die heilige Schrift, von welcher 1525 29 unter Zwingli's Mitwirkung eine Uebersetzung in Zürich erschten, die durch Annas Empfehlung auch in den Haͤusern der Bürger rasch Eingang fand. Zwingli predigte und wirkte eifrig für die Gründung wohlthaͤtiger Anstalten; da er aber mit Arbeit überladen war, be suchte Anna um so eifriger Arme und Kranke. Auch gegen Fremde, besonders gegen solche, die um des Evangellums willen vertrteben waren und in Zürich Schutz und Unterkommen suchten, bewies sie ihre Freund; lichkelt und Woblthätigkeit. Wie in dem Hause Luthers, finden wir auch in dem Hause Zwingli's neben der gegen settigen Liebe der Ehegatten und einer schristlichen Kinder zucht die Pflege der Musik und der Gastfreundschaft zu ernster und heiterer Unterhaltung. Aber auch in Ge fahren und Kämpfen stand Anng ihrem Gatten mit festem und heiterem Gemüth als Gehülfin zur Seite. Er hatte viele Gefahren und Kämpfe zu bestehen, bis zu dem Kampfe, aus welchem er nicht zurückkehrte. Dle fünf katholischen Orte: Luzern, Url, Schwyz, Unterwalden und Zug zogen gegen Zürich zum Kampfe aus, welches den Feinden nur eine kleine Schaar entgegenstellen konnte. Auf dle Auf forderung des Rathes begleitete Zwingli das Banner. Mit dem geliebten Gatten sah Anna ihren Sohn Gerold Meyer und andere ihrer nächsten Angehoͤrigen in dem kleinen Häuflein wegzieben, und übergab sich und sie in Hand ithres Gottes. Die kleine Schaar unterlag bei Kappel der feindlichen Uebermacht. Mit Zwingli fielen fünfundzwanzig Geistliche in der Schlacht, auch sein Stiefsohn Gerold fand den Heldentod, und außer dem Gatten und dem Sohn verlor Anna einen Bruder, einen Schwiegersohn und einen Schwager. Die Freunde suchten die schmerzenreiche Mutter mündlich und schrift⸗ lich zu trösten. Hatte sie schon früher jedem ge räuschvollen Lebensgenuß entsagt und in dem Berufe der Gattin, Mutter und barmherzigen Schwester ihre Freuden gefunden, so verkehrte sie jetzt nach diesem schweren Schlage fast nur noch mit tren nächsten Angehsrigen. Alle ihre Sorge widmete sie ihren jetzt verwaisten Kindern, sowle ihren belden Toͤchtern aus erster Ebe und der ebenfalls von drei Waisen umgebenen Schwlegertochter. Elin edler Freund ihres Mannes, der treffliche Oberpfarrer Bullinger, nahm sich der Wittwe und ihren Waisen treulich an. Die wenigen Nachrichten, die von dleser Zelt uͤber die fromme Dulderin auf uns gekommen sind, sprechen nur davon, wie sie Gott diente

feinfühlende Seele und ein kindliches Gemüth verband,

Er arbettete noch einmal so munter und leichk,

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