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Deutsches Reich.

Darmstadt. dem Fuͤrsten von Bulgarien das nachstehende Telegramm erhalten: Sofia den 27. Dez. Die außerordentlich große Theilnahme und reiche Hilfe, welche wahrend des Krieges den verwun deten und kranken Soldaten meiner tapferen Armee aus vielen Theilen Deutschlands und insbesondere aus meiner hessischen Heimath zu Theil geworden, haben meinem Herzen sehr wohl gethan und spreche ich hiermit allen denjenigen, welche sich an dem Liebeswerk betheiligt haben, meinen wärmsten Dank aus. Alexander.

Dem Rechner des Provinzialschulfonds für Oberhessen, Grüneberg, wurde der Charakter als Rendant verliehen, der Ministerialregistrator Jaͤger auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienste in den Ruhestand versetzt und demselben der Charakter als Steuerrath verliehen, sowie der Finanz-Aspirant Bätz aus Wernges zum Kalkulator bei den Oberh. Eisenbahnen ernannt.

Berlin, 28. Dez. Das Befinden des Fürsten Bismarck ist langsam bessernd, doch ist der Kanzler noch sehr am Gehen gehindert und muß meist liegend arbeiten.

Ausland.

Frankreich. Paris, 28. Dez. Sämmt⸗ liche 6 radikale Candidaten wurden hier ge wählt; die Opportunisten mit Derouldde sind gründlich durchgefallen.

29. Dez. Im heutigen Ministerrathe wurde Brisson von dem Präsidenten Grevy und den Ministern ersucht, auf seinem Posten zu verbleiben.

Versailles, 28. Dez. Die Nationalver sammlung wurde heute eröffnet. Präsident Leroyer verliest das Dekret der Einberufung. Bona partist Cuneodomano ruft:Es ist eine Ver sammlung von Usurpatoren!(Große Unruhe.) Der Deputirte des Departements Tarn et Ga ronne, Trabert, dessen Wahl ungültig erklärt war, der aber wiedergewählt, tritt in den Saal, von der Rechten laut und lebhaft begrüßt. Die Linke antwortet mit dem Rufe:Es lebe die Republik!(Anhaltender Lärm.) Kerdrel(Rechte) verlangt das Wort; er will eine Vertagung der Nationalversammlung beantragen, damit für den Ersatz der Deputirten, deren Wahl für ungültig erklärt worden, Vorsorge getroffen werde.(Die Rechte stimmt zu, die Linke pratestirt dagegen.) Paul de Cassagnac ruft:Der Congreß ist illegal; es sind dabei vier Departements unvertreten! Kerdrel will die Tribüne besteigen, wird jedoch durch Huissiers daran verhindert(Lebhafte Pro teste der Rechten.) Leroyer erklärt, er sei Ver treter des Gesetzes und könne Kerdrel das Wort nicht gestatten. Die Nationalversammlung sei augenblicklich ein einfaches Wahlcolleg. Ein Mitglied der Rechten verlangt die Anwendung der Geschäftsordnung. Leroyer erklärt, es gebe keine Geschäftsordnung, er hätte dieselbe andern falls bereits angewendet.(Andauernder Lärm.) Cassagnac ruft:Dann ist dies ein Jahrmarkt! Michelin(Intransigent) verlangt das Wort, um die Wahl einer constituirenden Versammlung vorzuschlagen, was Leroyer unter Tumult und Protesten verweigert, Suspendirung der Sitzung, worauf endlich um

vor Karosko.

4 catalonischen Provinzen hat bei seiner An wesenheit in Madrid dem Kriegsminister ange zeigt, daß er, da die Ruhe in den Provinzer

über dieselben aufgehoben habe.

zeitung meldet von Zwistigkeiten im Schooß

Prinz Alexander hat von

Leroyer droht mit der

2 Uhr die Abstimmung beginnt. Die National- versammlung wählt hierauf mit 457 von 592 Stimmen Grevy wieder zum Präsidenten der Republik. Die Rechte enthielt sich der Abstimmung.

Großbritannien. London, 28. Dez. Die Position der englischen Truppen im Sudan ist

gefährdet. Die Rebellen planen eine Invasion Unter⸗Egyptens. 29. Dez. Die Sudanrebellen erschienen

Spanien. Madrid. Der Commandant der

eine vollständige sei, den Belagerungszustand

Der hiesige Correspondent derKreuz

der königlich spanischen Familie und deutet auf Differenzen zwischen der Königin-Wittwe und Isabella II.

Italien. Rom. Marquis Jaffini d'Acceglio, Generaladjutant des Königs, wird sich anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers Wilhelm im Auftrage des Königs nach Berlin begeben. 28. Dez. Die Comtesse Mirafiore, mor⸗ ganatische Gemahlin des verstorbenen Königs Victor Emanuel, ist gestern in Pisa gestorben. Don Carlos ist in Viareggio eingetroffen, wo er die Festtage im Familienkreise zubringen will. Anfang Januar wird er nach Venedig zurückkehren. Serbien. Belgrad, 28. Dez. Die Mann schaften des ersten Aufgebots sind bis zum 24. Januar beurlaubt, ferner sind die Armee lieferungen bis auf die Uniformen und die Munition eingestellt worden. Die serbischen Behörden nahmen gestern von Pirot Besitz.

Von gut unterrichteter Seite wird die Lage im Lande als sehr ernst angesehen. Der Waffenstillstand wurde allgemein mit Mißver- anügen aufgenommen. Die Truppen und das Volk äußern offen ihre Unzufriedenbeit mit der Regierung, und es werden maßgebende Stimmen laut, welche die Einberufung dergroßen Skupschtina verlangen, um dem Volkswillen gerecht zu werden.

Bulgarien. Sofia. Am 25. d. Mts. kamen serbische Parlamentäre im District Vranja bei den Doͤrfern Novoselo und Krivofea zu dem Befehlshaber der dort stehenden bulgarischen Truppen und erklärten, daß die Serben sich in Gemäßheit der Waffenstillstands-Bestimmungen 3 Kilometer weit zurückziehen würden. en

Gegen 10 Uhr Vormittags aber näherten sich die Serben unter dem Schutze des Nebels den bul⸗ garischen Vorposten und feuerten von drei Seiten auf die Bulgaren, wodurch ein Offizier und einige Soldaten verwundet wurden. Wie es heißt, sollen dieser und der am 24. d. Mts. vorgekommene Fall eines serbischen Angriffs von

der bulgarischen Regierung zur Kenntniß der Mächte gebracht werden.

Rußland. Petersburg. Neuerdings ver lautet, Kaiser Alexander sei wenig geneigt zur persönlichen Verständigung mit dem Fürsten von Bulgarien, wenngleich eine diplomatische Action Rußlands zur Herstellung der Union zu erwarten

Aus Stadt und Land. Friedberg. Wie in früheren Jahren so auch dies⸗ mal wird die Dilettantenkapelle in der Neujahrsnacht einige Choräle vom Rathhaussaale aus spielen. Friedberg. Auch dieses Jahr möchten wir unseren Lesern in Erinnerung bringen, in dieser frohen Festzeit und beim Jahres wechsel der Briefträger freundlich zu gedenken. Diesen vielgeplagten und mindergut bezahlten Leuten, denen von ihrer Behörde überdies verboten ist, zu Neujahr zu gratuliren, ist ganz besonders eine Extragratifikatton zu gönnen. Da es nun vorzukommen pflegt, daß zur Bewältigung der massenhaften Neujahrs briefe öfters Aushülfsbriefträger zum Austragen, die eigentlichen Briefträger aber zum Sorttiren verwendet werden, so ist es wohl nur selbstverständlich, daß den jenigen Briefträgern, welche während des ganzen Jahres die Bestellungen besorgen, auch die ihnen zugedachte Gratifikation zukommt.

2 Friedberg. Getreu der Losung Göthe's:Evel sei der Mensch, hülfreich und gut, hat der Gesang vereinFrohsinn, wie bereits kurz berichtet, am 27. Dez. eine ebenso gut besuchte wie wohlgelungene Aufführung zum Besten des Stadtkirchenbauvereins ver⸗ anstaltet und damst bewlesen, daß er auch für edele, ideale Zwecke ein warmes Herz und eine offene Hand hat. Alle Mitwirkenden und alle, die sonstwie das Unternehmen durch Rath und Mithilfe gefördert hatten und förderten, haben den größten Eifer und das leben digste Interesse für die gute Sache an den Tag gelegt und dadurch allseitig Gutes und Befriedigendes geleistet; man fühlte ihnen förmlich an, mit welcher inneren Wärme, Freude und Lust sie bei ihrem schönen Werke bethelligt waren. Reizvoll war der anmuthige Wechsel und die erfrischende Mannigfaltigkeit des Programms. [Die von bekannter Meisterhand gemalte Kirche(im Hintergrund der Bühne mit davorstehendem Genius) u versetzte, nachdem der von einem hlesigen Dichter ver faßte schöne und herzerhebende Prolog gesprochen war, gleich anfangs in die rechte weihevolle Stimmung. Die theils religiös-ernsten, theils tief gefühlvollen, theils

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des Vereins-⸗Dirigenten sehr flott und versetzten alle An⸗ wesenden in gehobene und geweckte Stimmung, führten sie uns doch bald in die frssche, köstliche Alpenluft, bald an die klaren Fluthen des Rhelnstroms, bald in das Leben des Hauses und der Familie mit ihrem Leide, ihrer Liebe, ihrer Lust. Die beidenlebenden Bilder entzückten durch die Anmuth ihrer Stellungen und die Schönheit der Kostüme. Zwischen den einzelnen Ge⸗ sängen oder Bildern erklangen seelenvolles Cellospiel, sowie die herrlichen Töne, die ein junger Gelgen-Künstler von hier seinem Instrumente zu entlocken wußte. Auch die jugendlichen Klavier-Splelerinnen, die sich keine leichte Aufgabe gestellt hatten, sowie Diejenigen, welche auf Flügel und Harmonium die Begleitung einzelner Piècen übernommen hatten, trugen das Ihrige zum Gelingen des Ganzen bei. Nicht vergessen werden darf endlich das gewandt und mit innerem Behagen gespielte Lustspiel(Die Dienstboten), das alle Anwesenden rasch in die munterste Stimmung versetzte und reichen Beifall fand. Wir hoffen, daß auch der finanzielle Er⸗ folg den gemachten Anstrengungen und gehabten Ge⸗ nüssen des schönen Abends entsprechen wird. An die Aufführung selber schloß sich noch ein ziemlich lange dauerndes, aber sehr vergnügtes und gemüthliches ge⸗ selliges Zusammensein, das durch zahlreiche ernste und hetltere Toaste gewürzt wurde, nachdem der Vorsitzende des hiesigen Stadtkirchenbauverelns in längerer Ansprache dem herzlichen Danke des Vorstandes gegen den Ge⸗ sangvereinFrohsinn und alle sonst mitgewirkt haben den Damen und Herren Ausdruck gegeben hatte. Von den Toasten sei hier nur erwähnt, daß einer derselben einer Familie in der Usagasse, die an dem 27. Dezember gerade ihre silberne Hochzeit feierte und mit ihren Kindern anwesend war und deren Chef der Verein mehr als einen fröhlichen Abend verdankt, galt, während ein anderer den scherzhaften Vorschlag machte, den Künstler, derso rasch und mit so billigem Material eine wunder⸗ schöne Kirche vor unseren Augen aufgebaut habe, zum Dombaumeister von Friedberg einstimmig zu ernennen.

Mainz, 28. Dez. Der Journalist Rudolph Röttger, welcher Ende März dteses Jahres wegen des Verdachts des Verbrechens des Landesverraths verhaftet und nach Berlin übergeführt worden-war, ist nunmehr gegen eine Kaution von 5000 M. provisorisch aus der Haft entlassen und gestern hier eingetroffen. Die Angelegenheit Röttger's wird im Februar des nächsten Jahres vor dem Reichs⸗ gericht in Leipzig zur Verhandlung kommen.

Allerlei.

Kestert, 23. Dez. Geländet wurden heute aus dem Rhein oberhalb unseres Ortes die Reste einer menschlichen Leiche, bestehend aus einem Ober- und Unterschenkel. Der letztere, anscheinend von einer männ⸗ lichen Leiche herrührend, scheint schon lange Zeit(min⸗ destens einige Monate) im Wasser gelegen zu haben, da die äußeren Theile des Fleisches und der Knochen schon stark verkalkt sind. Ob dieser Fund mit dem Wothe'schen Morde in Verbindung gebracht werden kann, bleibt abzuwarten. Das Amtsgericht von St. Goars⸗ hausen war zur Feststellung des Thatbestandes heute bereits hier.

zertrümmert.

Opladen, 24. Dez. Heute Mittag fand auf der hlesigen Rheinischen Dynamitfabrik eine Eyplosion statt, wobei zwei Arbeiter den Tod fanden. Die Exploston war von sehr großer Heftigkeit und machte Thüren und Fenster erzittern.

g Handel und Verkehr.

Friedberg, 30. Dee. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00 1.10, Eier 1 St. 78 Pf.

Friedberg, 29. Dee. Fruchtber. Waizen M. 16.50, Korn M. 14.50 14.75, Gerste M. 14.00 15.50, Hafer M. 12.5013. Alle Preise verstehen sich auf 100 Ko.= 200 Zollpfund.

Greßen, 29. Dee. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.10- 0.00, Eter 1 St. 7-8 Pf., Käse per St. 58 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 0.60, Hühner per Stück M. 0.80 1.00, Hahnen per Stück M. 0.60 1.40, Enten per Stück M. 1.30 1.40, Ochsenfleisch per Pfund 6264 Pf., Kuh- und Rind⸗ fleisch 54 56 Pf., Schweinefleisch 5060 Pf., Hammel⸗ flelsch 5062 Pf., Kalbfleisch 4850 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50 3.90, Zwiebeln per Ctr. M. 4.50, Weißkraut per Stück 58 Pf. l

Homburg, 29. Dez. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 3.504, per Gescheld 89 Pf., Eier per Stück 89 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.20, 2. Qual. M. 1.10. 5

Frankfurt, 28. Dez. Fruchtmarkt. Hiesiges Weizen⸗ mehl Nr. 0 M. 3132, Nr. 1 M. 26 27 Kr. 2 M. 24 bis 25, Nr. 3 M. 22 23, Nr. 4 M. 16 17, Nr. 5 M. 15 16. Milchbrod- und Brodmehl im Verband M. 49 51. Norddeutsche und Westfälische Weizen⸗ mehle 00 M. 23 23.50. Roggenmehl 0/1 still, N. 18 bis 19 ab Berlin, Null allein ea. M. 1.50 darüber. Schwarze Sorten nur genannt. Noggenkleie M. 4.50 bis 4.75 und Weizenkleie M. 4.(Die Preise verflehen sich bei Abnahme von mindestens 200 Centner). Rüböl

heiteren Chor-Gesänge, Quartette und Solt gingen es unter der anerkannt tüchtigen und anregenden Lestung

im Detail M. 31. Frankfurt, 28. Dez. Viehmarkt. Angetrieben waren 354 Ochsen, 7 Bullen, 308 Kühe, Stsere und

Rinder, 205 Kälber, 84 Hammel und 297 Schweine.

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