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Der Papst hat die ihm angebotene Ver⸗ mittelung zwischen Deutschland und Spanien angenommen, falls die zwischen beiden Regier ungen schwebenden Verhandlungen zu einer Ver ständigung nicht führen sollten. Vorläufig werden diese Verhandlungen fortgesetzt und es ist durch aus nicht ausgeschlossen, daß die Regierungen durch directe Beziehungen zu einer Einigung gelangen.

Es bestätigt sich, daß sämmtliche Machte bestrebt sind, die durch den Füͤrsten Alexander hervorgerufenen Wirren in einer für den Welt frieden ersprießlichen Weise zu ordnen, wobei allseitig die Mäßigung anerkannt wird, welche die Pforte an den Tag gelegt und Blutvergießen vermieden hat.

Homburg, 24. Sept. Der Kronprinz traf gestern Abend in bestem Wohlsein hier ein.

Baden-Baden, 23. Sept. Der Kaiser ist heute Abend in bestem Wohlsein hier einge

Delegirte für die Grenzeommission in Tonkin ernannte. Die Arbeiten der Commission be ginnen am 9. November.

Großbritannien. London. Nach einem Telegramm derAgence Havas hätte die eng lische Regierung den Vorschlag Frankreichs an genommen, bei Rumänken, Serbien und Griechen land geeignete Schritte zu thun, um jeder Agi tation in anderen Theilen des türkischen Reiches vorzubeugen, und werde angenommen, daß alle Mächte ihren bezüglichen Vertretern bereits ent sprechende Instructionen haben zugehen lassen.

Spanien. Madrid, 26. Sept. Deutsch⸗ land hat sich durch die von der spanischen Re gierung wegen der Angriffe des Pöbels auf die deutsche Gesandtschaft abgegebene Erklärung für befriedigt erklärt. Das Kriegsgericht in Madrid verurtheilte aus Anlaß der vor vier zehn Tagen in der Madrider Kaserne vorgekom

troffen. Er wurde von den Spitzen der Behörden menen Vorgänge wegen Ungehorsam und Meuterei

und dem Stadtrath in corpore empfangen und den Korporal

zum Tode, die Soldaten zu

vom Oberbürgermeister mit einer Anrede begrüßt. Zwangsarbeit.

Karlsruhe, 25. Sept. Die Großherzogin und die Kronprinzessin von Schweden haben vorgestern die Kaiserin in Baden besucht. Gestern sind Prinz Nikolas von Nassau(Bruder des Herzogs) und die Fürstin-Mutter von Wied hier eingetroffen, um an den morgigen Ein zugsfeierlichkeiten theilsunehmen. Die Prinzessin

Wilhelm von Preußen traf Nachmittags hier ein. Der Kronprinz kommt heute Abend von

Homburg, der Erbprinz von Nassau Morgen rüh hier an. Die Vorbereitungen in der Stadt sind großartig. 26. Sept. Das Erbgroß herzogliche Paar traf um 3 Uhr mit einem Extrazug von München hier ein; auf dem Bahn hof wurden dieselben empfangen von dem Groß herzog, der Großherzogin, den Ministern, der Generalität, den Behörden und einer Ehren Compagnie. Nach der Begrüßung und Vor stellung verließen der Großherzog und die Groß herzogin den Bahnhof und kehrten durch Seiten straßen in's Schloß zurück. Das erbgroßher zogliche Paar durchfuhr die Hauptstraße in feierlichem Zuge; den Anfang und Schluß bildete Cavallerie. Die Glocken läuteten, Salutschüsse ertönten, eine riesige, jubelnde Menschenmenge bildete Spalier. Vor dem Rathhaus fand die Begrüßung seitens der Stadt statt, im Marmor saale des Schlosses seitens des großherzoglichen Paares, der badischen und fremden Fürstlich keiten und der Hofstaaten.

Ausland.

Oesterreich⸗-Ungarn. Wien, 25. Sept. Prinz Wilhelm von Preußen ist gestern Abend aus München eingetroffen. Er wurde vom Kaiser, vom Kronprinzen, den Mitgliedern der deutschen Botschaft und den zugetheilten Offizieren empfangen und vom Kronprinzen in die Hofburg geleitet.

26. Sept. Die Thronrede sagt: Unsere Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind durchaus befriedigende und besteht volle Ein müthigkeit in dem Bestreben nach der Erhaltung des Friedens, dessen Bedürfniß wir Alle empfin den.Es wird die unwandelbare Aufgabe der Regierung bleiben, unter Wahrung der Einheit und der Machtstellung des Reiches, alle meinen Ländern und Völkern die gleiche Pflege ihrer geistigen und wirthschaftlichen Interessen Theil werden zu lassen.

Pest, 26. Sept. Beide Häuser des ungari schen Reichstages sind heute ebenfalls eröffnet worden. Im Unterhaus brachte Iranyi eine Interpellation ein über die auswärtige Politik der Regierung, insbesondere mit Rücksicht auf die Kaiserbegegnung in Kremsier und die Ereig nisse in Ostrumelien. Der Deputirte Helsy meldete eine Anfrage an die Regierung über den Besuch des Kaisers in Bosnisch-Brod an.

Schweden. Stockholm. An Stelle Hoch schilds wurde der Provinzial-Gouverneur Graf Ehrenswaerd zum Minister des Auswärtigen ernannt.

Frankreich. Paris, 25. Sept. Eine Meld⸗ ung aus Peking besagt, daß China nunmehr

Italien. Rom, 26. Sept. Der König ist gestern Abend von Monza nach Rom abgereist.

Der preußische Gesandte beim Vatikan, v. Schlözer, ist heute hier eingetroffen. Türkei. Constantinopel. DieTimes

meldet von hier: Kiamil Pascha wurde an Stelle Said Paschas zum Großvezier ernannt. Der türkische Botschafter in Berlin, Said Pascha, wurde zum Minister des Aeußern ernannt. Ferner ist Edhem Pascha zum Botschafter in Paris, Essad Pascha zum Botschafter in Berlin ernannt worden.

25. Sept. Die Türken besetzten zur Wahrung ihrer Rechte ein rumelisches Dorf unweit der Grenze, beabsichtigen aber, nicht vor Verständigung mit den Mächten in Rumelien weiter vorzugehen. Der Präsident der Mace donischen Gesellschaft desavouirt die ohne sein Wissen veröffentlichte Proklamation, welche die macedonischen Bulgaren zur Erhebung auffordert.

Der Zusammentritt der Botschaftercon ferenz in Constantinopel ist gesichert, allein es wird behauptet, daß sich die Mächte bereits über ihr Vorgehen geeinigt haben und daß die Con ferenz nur der formelle Ausdruck dieser Einig ung sein wird. Man nimmt an, daß die jetzigen Wirren so geordnet werden, daß Ostrumelien von der Pforte abhängig bleiben, aber in eine lebhaftere Verbindung mit Bulgarien gebracht werden wird. Näheres ist über die Abmach ungen der Mächte nicht bekannt.

27. Sept. Von der macedonischen Grenze wird ein Zusammenstoß türkischer Nizams und Arnauten bei Borani gemeldet, wobei die Nizams über 100 Tode verloren; der Verlust der Alba nesen ist beträchtlich.

Montenegro. Cettinje, 26. Sept. Es werden auch hier Vorkehrungen für eine event. Mobilisirung getroffen.

Serbien. Belzrad, 25. Sept. Der Ber⸗ liner serbischen Gesandischaft ist der Befehl zu gegangen, alle in Deutschland befindlichen, der ständigen Armee und dem zweiten Aufgebot an gehörenden Serben zur sofortigen Stellung bei ihren Commandanten aufzufordern, widrigenfalls sie als Deserteure behandelt werden. Die Nach richt von Unruhen im Zajcarer Kreise ist erfunden.

26. Sept. In hiesigen politischen Kreisen macht sich die Ansicht geltend, daß eine Gebiets ausdehnung Bulgariens ohne Compensation für Serbien nicht zulässig sei. Zwischen Rumänien, Serbien und Griechenland soll ein vollständiges Einverständniß über ein gemeinschaftliches Vor gehen bestehen. Gegenwärtig sind 22,000 Mann bereit, ins Feld zu ziehen. Die Effectivstärke der bei Nisch zusammengezogenen Truppen soll auf 4000 Mann gebracht werden. König Milan wird den Oberbefehl übernehmen.

Bulgarien. Sofia, 25. Sept. Der Fürst von Bulgarien telegraphirte an den Zaren, daß, wenn die Abberufung der russischen Officiere gegen ihn gerichtet sei, er für das Wohl der bulgarischen Nation bereit sei, die Krone zu opfern, wenn Rußland die Union schütze.

Ueber den Inhalt der signalisirten Note des Fürsten Alexander von Bulgarien an die Mächte wird aus Philippopel telegraphisch berichtet: Das Document constatirt, daß in Folge des Sturzes der Regierung in Ostrumelien die Unjon zwischen Bulgarien und dieser Provinz proklamirt und Fürst Alexander von der ostrumelischen Bevölker⸗ ung zum Fürsten von Südbulgarken gewählt wurde. Diese Proklamation und Wahl habe die enthusiastische Zustimmung des ganzen Lan⸗ des gefunden und daß er in Folge dessen beiden Thatsachen zustimmte. Der Füͤrst erklärt, daß sein Beschluß keinen der Pforte feindlichen Zweck verfolge. Er anerkennt die Suzeränität der Pforte und verbürgt sich für die Aufrechthaltung der Ruhe. Er bittet die Mächte um deren Inter vention, daß die Union als vollzogene Thatsache anerkannt werde. Andernfalls sei das bulgarische Volk entschlossen, Alles für die definitive Ver⸗ wirklichung der Union zu opfern. Der Fuͤrst richtete auch an den Sultan mit dem Ausdrucke der Ergebenheit die telegraphische Bitte, die vollzogene Thatsache anzuerkennen. Die Mo hamedaner nehmen an den fortgesetzten, dem Fürsten dargebrachten Huldigungen Theil. Das türkische BlattHilal erkennt den Fürsten als Souverän an, lobt dessen Haltung gegenüber den Mohamedanern und appellirt an den Sultan, die Union zu sanctioniren. Der Artilleriehaupt⸗ mann Nikifowo wurde zum Kriegsminister er nannt. Cantacuzeno bleibt als russischer Mili⸗ tärattache in Sofia. Die Sobranje genehmigte einen außerordentlichen Credit von 10 Million für einen Kriegsfall, nahm ferner das Budget für dieses und für das nächste Jahr an, und ermächtigte die Regierung, falls nothwendig, die für die übrigen Ministerien votirten Credite für die Bedürfnisse des Kriegsministeriums zu ver wenden. Die Sobranje wurde nach Votirung des Creditbudgets noch am gestrigen Tage ge schlossen. Ministerpräsident Karaweloff geht nach Philippopel zurück.

Fürst Alexander ist am 25. d. von der an der Südgrenze übernommenen Inspections⸗ reise wieder in Philippopel eingetroffen. Er traf alle Truppentheile in den ihnen vorge schriebenen Positionen und wurde von ihnen sowohl als von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt.

Griechenland. Athen, 25. Sept. Der Standard meldet von hier: Die Regierung beschloß, die Kammern einzuberufen und die Re serve zu mobilisiren. Unter den Griechen in den türkischen Provinzen herrscht große Aufreg ung, und es verlautet, daß Kreta Vorbereitungen trifft, um seine Unabhängigkeit zu erklären.

In Griechenland schreiten die Rüstungen fort. Der Marineminister hat die Armirung aller Schiffe der Flotte, einschließlich der Torpedo⸗ boote, angeordnet. Die Truppen der Garni⸗ sonen im Peloponnes sind feldmäßig ausgerüstet worden und werden nach den Grenzen befördert werden.

Rußland. Petersburg, 25. Sept. Ein heute veröffentlichter Beschluß des Minister comité's verlängert die über mehrere Orte Ruß lands verhängte verschärfte Sicherheitsaufsicht.

26. Sept. Der Botschafter Graf Paul Schuwaloff ist heute nach Berlin abgereist.

Indien. Simla, 26. Sept. Die Ver⸗ ordnung, nach welcher das erste Armeecorps zu activem Dienste bereit gehalten werden mußte, ist aufgehoben worden.

Aus Stadt und Land.

Gießen. Schwurgerichtsverhandlung am 24. Sept. gegen 1) Johann Balthaser Peppel aus Ober-Seemen, wegen Nothzucht, Raubs und Mordversuchs und 2) gegen dessen Ehefrau, wegen Anstiftung ihres Mannes zu den belden letztgenannten Verbrechen. Die beiden Angeklagten waren beschuldigt und zwar: 1) Joh. Balth. Peppel: a. daß er sich in der Nacht vom 28. zum 29. Mai l. J. im Walde zwischen Bönstadt und Altenstadt an der Jakob Kegels Ehefrau von Lorsch eines Sittlichkeitsverbrechens schuldig gemacht habe, b. daß er zu der vorstehend ange gebenen Zeit und an dem vorstehend erwähnten Orte durch eine und dieselbe Handlung aa. den Entschluß, ein Verbrechen zu begehen, nämlich die Jakob Kegels Ehe frau zu tödten, durch vorsätzliche, mit Ueberlegung aus⸗

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