Ausgabe 
29.1.1885
 
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das Prinzip einer procentualen Steuer. Oechel haͤuser hielt in erster Linie die Ermittelung noth⸗ wendig, ob Arbitrage- und ahnliche große Ge schaͤfte einen hohen procentualen Stempel tragen können und befürwortet die Zuziehung von Sach verständigen zu der Commission, was Siemens unterstützte. Der Regierungscommissär Neumann meinte, die Bedenken gegen die procentualen Satze des Wedell'schen Entwurfs ließen sich für die Arbitrage sehr herabmindern. 28. Jan, Die Dampfersubventions-Commission nahm die von der Subeommission aufgestellten Bestimm ungen, betreffeyd Fahrgeschwindigkeit, Prüfung der Dampfer durch Sachverständige, Bestrafung ungerechtfertigter Verzögerungen, Führung der deutschen Postflagge, Beginn regelmäßiger Fahrten, Sicherstellung der Erfüllung der Vertragsver bindlichkeiten an. Ferner den Antrag des Cen⸗ trums, wonach die Regierung, wenn den Unter nehmern dauernd größere Gewinne erwachsen, befugt sein soll, denselben großere Leistungen aufzuerlegen, oder die Subventionssumme ent sprechend zu kürzen. 5 72

26. Jau. Die Eisenbahncommission des Abgeordnetenhauses genehmigte den Vertrag, betr. den Bau der Eisenbahnen Braunschweig-Hildes heim und Braunschweig-Gifhorn und das gauze Gesetz über den Erwerb von Privatbahnen für den Staat.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Von be vorstehenden Vorlagen wegen Einführung einer Börsensteuer, worüber auswärts Gerüchte um liefen, ist an unterrichteter Stelle Nichts bekannt.

Frankreich. Paris. Nach den definitiven Ergebnissen der Senatswahlen leinschließlich der im zweiten Wahlgange Gewaͤhlen) sind 67 Re⸗ publikaner und 20 Conservative gewählt worden. Die Republikaner haben 22 Sitze gewonnen.

27. Jan. Die Kammer begann die Be rathung des außerordentlichen Budgets und ge nehmigte dasjenige des Kriegsministertums.

DieTimes will wissen, daß zwischen Frankreich und Portugal ein Arrangement zu Stande gekommen sei, wonach Portugal die fran zösische Oberhobeit über die nördliche Mündung des Congo anerkenne, während Frankreich den Anspruch Portugals auf die Küste bis zum Süd ufer des Congo anerkenne.

Großbritannien. London. Das Cabinet hat nicht nur den französischen Vorschlag, betr. die internationale Garantie des englischen An lehens, angenommen, sondern auch die projectirte Enquete nicht zurückgewiesen. Doch soll diese Enquete erst nach Ablauf von zwei Jahren zu sammentreten, um zu untersuchen, ob die Kürz ung des Coupons noch für einen weiteren Zeit raum erforderlich sei. Die Aufnahme der eng lischen Antwort ist überall eine günstige.

26. Jan. Ein am Samstag in der Um gegend von London verhafteter, der Theilnahme an dem Dynamitattentat verdächtiger Mann wurde heute dem Polizeigericht zu Bowstreet vorgeführt. Er gab an, Gilbert zu heißen, 23 Jahre alt zu sein, und unter dem Namen Cunningham aus den Vereinigten Staaten her über gekommen zu sein. Die Verhandlung wurde um 8 Tage verschoben. Nach von der Polizei eingezogenen Erkundigungen stammt der Ange klagte aus der Grafschaft Kork, lebte 5 Jahre in Amerika und kehrte im letzten Herbst nach England zurück.

27. Jan. In Folge wichtiger Enthüll ungen, welche der im Tower Verhaftete den Behörden gemacht haben soll, begleiten Geheim polizisten alle von London nach den Hafenstädten abfahrenden Züge. Die Polizeiwachen vor allen Regierungsgebäuden wurden vermehrt. Die Besichtigung des Schlosses Windsor ist vor läufig untersagt.

Italien. Rom, 26. Jan. Deputirten⸗ kammer. Berathung der Interpellation, betr. die Colonialpolitik. Derenzis und Camporeale sind gegen die Occupation von Assab und an deren Punkten des Rothen Meeres, welche Ita lien nur von dem Mittelmeere abziehe. Terenzo

Wien.

ist gegen jede Colonialpolitik. Italien entbehre der dazu erforderlichen finanziellen und mlli lärischen Grundlage. Oliva will Auskunft haben, wie man die colonialen Interessen Italiens na mentlich in Afrika zu schützen gedenke. 27. Jan. Mancini erklärte, Italien könne im Kampfe der Clvilisation gegen die Barbarei nicht unthätig bleiben; die Regierung sei eutschlossen, innerhalb bescheidener Grenzen coloniale Politik zu be treiben, vorausgesetzt, daß dieselbe für die öko nomische und politische Entwickelung nützlich sei. Die Regierung würde die bestehenden Rechte anderer Nationen respeetiren, rechne auf die thaͤtige Miwirkung des Handelsstandes und die Versuche würden durchaus im Verhältniß zu den Kräften Italiens stehen. Der Minister wies auf die hohe Wichtigkeit des Rothen Meeres für Italien hin, namentlich mit Ruͤcksicht auf die Behauptung der Stellung Italiens am Mittel meer und Erhaltung des Gleichgewichts daselbst. Jede Störung desselben wurde Italien entschie den ablehnen. Der Minister widerlegte die An nahme, daß Italien eine gefährliche Eifersucht Englands hervorrufen könne. Das Cabinet habe, ohne der Allianz mit den Centralmächten untreu zu werden, und ohne großes Risiko zu über nehmen, es verstanden, die Freundschaft mit Eng land herzustellen, die sich auf einer Gemeinsam keit der Anschauungen und Action im gegensei tigen Juteresse stütze. Die Congocxpedition sei für einige Wochen aufgeschoben. Die Regierung bedürfe der warmen Unterstützung der Kammer, andernfalls würde sie entgegengesetzten Beschlüssen sich zu fügen wissen. Der Kriegsminister glaubt, die erste Expedition werde genügen. Sollte eine Expedition ins Innere nothwendig werden, so würde noch ein Bataillon nach Assab geschickt.

Der Nichtanschluß Italiens an die in London gemachten Schritte der anderen Cabinete in der egyptischen Angelegenheit wird hier da durch erklärt, daß die italienische Regierung über die bezüglichen Verhandlungen der Cabinete unter einander von Frankreich nicht genügend au fait gehalten worden sei.

Agenzia Stefani meldet aus Perun vom 26. d., daß am Tage zuvor ein Detache ment des PanzerschiffesCastelsiderdo in Beilul landete, den Ort besetzte und die italienische Flagge aufhißte. Die Häuptlinge der Einge borenen empfingen die Abtheilung freundlich. Einige in Beilul zurückgebliebene egyptische Sol daten werden sich morgen auf dem italienischen DampferCorsica nach Massauah einschiffen.

Rumänien. Bukarest. Der Justizminister Woinow demissionirte.

Rußland. Petersburg. In Pultawa feuerten am 18. d. M. zwei Individuen, Namens Pischelinzew und Leonow, auf den Polizeichef Kollert, aber ohne ihn zu treffen. Die Attentäter sind verhaftet. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Mordversuch ein Racheact der Nihi listen war.

Kiew, 27. Jan. Die Universität wurde gestern wieder eröffnet. Der Curator des Lehrbezirks hielt eine Ansprache, die Vorfälle bedauernd, welche die Schließung hervorriefen, dabei die Hoffnung aussprechend, die Männer der Wissenschaft würden sich künftighin aus schließlich den Interessen der Weissenschaft hin geben und mit diesen Interessen Ordnung und Ruhe in der Universität einbürgern.

Egypten. Kairo, 27. Januar. General Wolseley meldet aus Korti von heute: Ich erhielt gestern einen Bericht von Earl, wonach der Marsch der Truppen den Nil stromaufwäris glücklich von Statten geht.

Amerika. New Pork, 26. Jan. Bei einer gestern in Chicago stattgehabten Socialistenver sammlung wurden die jüngsten Dynamitattentate in London von mehreren Rednern gepriesen und der Gebrauch des Dynamits gegen die besitzen den Klassen anempfohlen.

27. Jan. In den Legislaturen der Staaten New-Vork und Pensylvanien sind An träge auf Regelung der Anfertigung und des Verkaufs von Dynamit eingebracht worden.

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Aus Stadt und Land. Friedberg. Unsere Leser dürfte es ünteressixen,

daß Fürst Bismarck, bekanntlich Ehrenbürger der Stadt

Worms, sich auf Ansuchen bereit erklärt hat, bei dem jüngsten Söhnchen des Bürgermelsters Küchler in Worms, früheren Kretsassessors dahler, Pathenstelle zu versehen.

b. Friedberg. Der Veteranen und Millitärverein hlelt am 24. d Mts. seine Generalversammlung im Ver⸗ einslocale in der Reichskrone ab. Nach Eröffnung der selben und Verlesen der Mitglieder durch den Präsidenten, erstattete der Kassier Rechnungsablage über das ver flossene Jahr, aus welcher hervorging: Die Einnahmen bellefen sich in's Gesammt auf M.

732.22, die Aus⸗

gaben auf M. 669.85, wonach ein Ueberschuß von M. 72.41 verblteb, welcher mit dem Bestand des Vor

jahres ein Vereinsvermögen von M. 1497.41 ergibt.

Der Inventarwerth beträgt M. 515. An Unterstützungen,

Kranken- und Sterbegelder wurden im verflossenen Jahre M. 162., seit Bestehen des Vereins die Summe von M. 1050. bezahlt. Die Zahl der Mitglieder ist 125. Verstorben sind im letzten Jahre 4 Mitglieder, neu einge treten 10. Nachdem durch den Präsidenten eine Ueber sicht über das Gesammtvereinswesen gegeben war, wurde zu den statutengemäßen Neuwahlen geschritten. Dleselben erstreckten sich auf Präsident, Vieeprästdent, Schriftführer, Kassier und drei Belsitzer des Vorstandes, Prüfungs- Commission für die Rechnung, Ehrengericht bel Streitig keiten, bestehend aus Richter mit drei Beisitzenden und zwei Ersatzmännern, Fahnenträger, Fahnenjunker und Capitain d'armes, sowle Bestimmung der Mannschaft für's Ehrenfeuer bei Beerdigungen.

blicken kann, noch recht vieler, gleich günstiger Jahres abschlüsse sich erfreuen, zum Besten seiner Mitglieder, zur Förderung des deutschen Patrlotismusses, zur Be festigung der kameradschaftlichen Werkthätigkeit, treu seinem Wahlspruche:In Treue fest, im Sturme treu!

5. Friedberg. Seit dem 1. Januar d. J. ist auf

Möge der Verein, der mit Befriedigung auf sein letztes Vereinsjahr zurück!

der Strecke Friedberg Hanau Vollbahn Betrieb zur Ein

führung gekommen, welche Einrichtung vom relsenden Publikum mit Freude begrüßt wird. Statt den früheren gemischten Zuͤgen, verkehren auf genannter Strecke bin und zurück 8 Omnibuszüge und 2 gemischte Züge. Die Omnibuszüge, nur aus Locomolive ohne Kohlenwagen

und 3 comfortable eingerichteten Personenwagen bestehend,

legen die Strecke von Friedberg bis Hanau-Ost in ca. 1 Stunde zurück, während die beiden gemischten Züge (Hanau ab 6.0 Vm., Friedberg 8.4 Nm.) wie seither fast 2 Stunden Fahrzeit gebrauchen. fänglich der Befürchtung hingeben, daß die Omnibuszüge nur schwach besetzt sein würden, vor allem in der Winter zett, so darf bereits eonstatirt werden, daß, trotzdem dle neue Elnrichtung noch nicht allseits bekannt geworden ist, von solcher doch bereits im durchgehenden Verkehr hin⸗

länglich Gebrauch gemacht wird, da für die Reisenden aus Bayern und Württemberg und umgekehrt für die aus dem

Norden kommenden, durch die Friedberg Hanauer⸗Eisen⸗ bahnstrecke im Anschluß nach Aschaffenburg und Eberbach hin eben der Umweg über Frankfurt gespart wird. Sollten die betr. Eisenbahn-Directionen sich entschließen konnen, fern von jeglicher Nebenrücksicht einheitlich vor zugehen und einen günstsgen Anschluß nach genannten Richtungen stets im Auge zu behalten, dann dürfte die, wenn auch kurze Strecke Friedberg Hanau sich nicht als eine Linieuntergeordneter Bedeutung, sondern als ein verbindendes Glied im Verkehr zwischen Nord und Süd unseres Vaterlandes erweisen, wie bei⸗ sptelsweise ein Blick auf die Karte uns über folgende direete Verbindung zwischen Nordsee und Bodensee be

Mochte man sich an⸗

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lehrt: Bremen FCassel Friedberg Hanau Eberbach Heilbronn Stuttgart Horb Rott-

weil Immendingen Singen Zürich und Constanz. Friedberg. Wie in vor. Nummer des Anzeigers schon mitgetheilt wurde, gedenkt derEvang. Verein

auch in diesem Winter wieder einige Vorträge religlös⸗

ktrchlichen Charakters in dem gütlgst zur Verfügung gestellten Rathhaussaale zu veranstalten. Den ersten der selben, der gerade für unsere Provinz ein ganz besonderes Interesse hat, wird unser Superin⸗ tendent, Ober Consistortalrath Dr, Habicht von Darm stadt am 30. lauf. Mts.(Freitag) überZinzendorf und die Herrnhuter in Oberhessen balten. Hierauf soll am 6. Februar der Vortrag von Stadt pfarrer Dr. Bauer(nicht Bruner) von Frankfurt a. M.

überUrrich Zwingli, also ein sehr erfreuliches und dankenswerthes Seitenstück zu den 1888er Lutber⸗

Vorträgen, folgen. ein Vortrag von Ober ⸗Consistorlalrath Ur. Sell aus

Und den Beschluß wird am 7. Febr.

Darmstadt(wahrscheinlich) über E. M. Arndt bilden,

also über ein Thema, dem gerade in unseren natkonal

tlef bewegten Tagen ein allgemeines Interesse entgegen⸗

kommen dürfte. DerEvangelische Verein

üst den

Genannten für ihre Bemühung und ihre bereitwillig entgegenkommende Freundlichkeit aufrichtig dankbar und hofft, daß dieselbe durch einen eifrigen Besuch der Vor-

träge seitens der Evangelischen nicht nur, sondern aller

für religiös kirchliche Fragen sich interessirenden Be⸗ wohner Friedbergs auch äußerlich Anerkennung finden

werde. vorerst Abstand genommen werden; dagegen werden an den Thuͤren Teller aufgestellt sein, in welche die Aus

gebenden freiwillige Gaben zum Besten des zu

Von Erhebung eines Eintrittsgeldes soll

gründenden evang. Stadtkirchenbauvereins eins

zulegen freundlichst gebeten werden. An Mitglieder desEvang. Vererns werden auf Wunsch Karten zu

reservirten Plätzen(bet Seminardlener Haber) unent⸗

geltlich abgegeben. N

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