Ausgabe 
23.4.1885
 
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entwickelnden Debatte ergreifen die Abg. Jockel, Weith, Ellenberger, Pfannstiel, Jost und Mi nisterialpräsident Weber wiederholt das Wort und werden schließlich die angeforderten 75,000 M. bewilligt. 22. April. In heutiger Sitzung wurde der Neubau eines Kreisamtsgebäudes in Friedberg einstimmig bewilligt. Den Kam mern ist ein Gesetzentwurf zugegangen, betr. die Wahlen zu den Vertretungen der Gemein den, Kreise und Provinzen, in welchem um den keine Einkommensteuer zahlenden, aber der Ge meindesteuer unterliegenden Personen das Wahl recht zu wahren, das letztere an die Gemeinde steuerpflicht geknüpft wird.

Berlin, 20. April. Reichstag. Fortsetzung der zweiten Lesung der Zollnovelle. Nachdem die Disecussion der Positionen 25g(Fleisch ꝛc.) und 26(Oel) vorläufig verschoben worden, beantragt Frege, die Postition 38 (Thonwaaren) wegen der zahlreich eingegangenen Peti tionen an die Holzzoll-Commisston zu überweisen. Der Antrag wird angenommen. Es folgt die Berathung der Viehzölle und zwar nach dem Antrage Schorlemer's zu⸗ nächst Lit. A.(Pferde, Maulthiere, Esel). Der Antrag der freien Vereinigung wird durch Auszählung mit 126 gegen 94 Stimmen angenommen, wonach für Pferde der Zoll 20 M. pro Stück genehmigt wird, Maulthlere und Esel aber zollfrei sind. Es folgt Berathung von Lit. B., C., D., E.(Stiere, Kühe, Ochsen, Jungvieh, Kälber). Der Zoll von 9 Mark für Stiere und Kühe wird ge⸗ nehmigt. Ueber den Zoll von 30 M. für Ochsen wird namentlich abgestimmt. Der Ochsenzoll von 30 M. wird mit 122 gegen 111 Stimmen angenommen. Auf Jung⸗ vieh wird ein Zoll von 6 M., auf Kälber unter sechs Wochen ein solcher von 3 M. gelegt und hierauf die Weiterberathung vertagt. 21. April. Fortsetzung der Berathung der Zolltarifnovelle. Die freie Vereinigung beantragt Schweine pro Stück mit 6 M., Spanferkel mit 1 M. zu verzollen. Der Antrag, wird in nament⸗ licher Abstimmung mit 133 gegen 106 Stimmen ange nommen Für Fleisch, ausgeschlachtetes, frisches und zu bereitetes, für Fleischextraet und Tafelbouillon bean⸗ tragen Kardorff und Genossen einen Zollsatz von 20 M. pro 100 Kilogramm. Der Antrag wird wird angenom men. Es folgt Berathung des Antrages Loewe und Genossen, wonach die im bisherigen Zolltarif für Gnappe-, Mobair⸗ und Alpaccagarn geltenden Zollsäße auch auf hartes Glanzgarn aus Wolle(in Oel und Fett gespon nenes enzlisches Westgarn) ausgedehnt werden solle. Der Antrag wird an eine Commission verwiesen.

Für die neuen deutschen Colonien sind, wie derHamb. Corr. erfährt, folgende Er nennungen erfolgt: Frhr. v. Soden, früher in der Havana, zuletzt Consul in Petersburg, als Gouverneur für Kamerun; demselben wird Re ferendar v. Puttkamer, der Sohn des Ministers, als Adlatus beigegeben. Nach Angra Pequena ist Landrichter Göhring aus Metz designirt, und Assessor Falkenthal verläßt demnächst Berlin, um sich nach Togo zu begeben.

21. April. Der König von Schweden ist heute hier eingetroffen und wurde von dem Kaiser, dem Kronprinzen und dem Prinzen Wil helm am Bahnhofe empfangen und auf das Herzlichste begrüßt. Der Kaiser geleitete den König in seinem Wagen nach dem königlichen Schlosse, wo Letzterer sein Absteigequartier nahm. Der braunschweigische Staatsminister Graf Görtz-Wrisberg ist zu kurzem Aufenthalte aus Stuttgart hier eingetroffen.

Hamburg. Nach den bisherigen Besprech ungen ist anzunehmen, daß die Bürgerschaft die staatliche Uebernahme von 3 Million Actien der eventuell subventionirten Dampferlinie Ostasien genehmigen wird.

Karlsruhe, 19. April. Die Kaiserin von Oesterreich und Erzherzogin Valerie er wiederten gestern den Besuch des badischen Hofes in Karlsruhe und verweilten zwei Stunden im Schlosse.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 20. April. Das Herrenhaus nahm die Nordbahnvorlage ohne Debatte unverändert an.

Belgien. Brüssel, 21. April. Repräsen⸗ tantenhaus. Bernaert verlas ein Schreiben des Königs worin derselbe die Ermächtigung ver langt, den Titel:Souverän des Congostaats anzunehmen. Das Schreiben hebt hervor, daß der neue Staat vollkommen unabhängig sein werde und es sich zwischen beiden Staaten nur um ein persönliches Band handeln solle. Belgien solle mit Rücksicht auf den Congostaat weder besondere, noch militärische Lasten tragen.

Bernaert schlug Namen des Cabinets vor, dem Könige die verlangte Ermächtigung zu ertheilen. Die Kammer überwies den Antrag zur Prüfung an die Sectionen.

Großbritannien. London, 20. April. Daily News erfahren, daß die Gerüchte über die Abtretung Pendjehs völlig erfunden sind und hegen Besorgniß, daß militärische Vor bereitungen noch durchaus nothwendig sind. Standard sagt, die Grenzverhandlungen hätten ein weniger günstiges Aussehen angenommen, weil Rußland Fragen wieder aufgenommen habe, welche als endgültig geregelt betrachtet wurden.

20. April. Unterhaus. Gladstone theilt mit, daß wegen der Unterdrückung desBos phore egyptien in Kairo ein Schriftenwechsel zwischen der englischen, der französischen und der egyptischen Regierung stattfinde. Die Re⸗ gierung wünsche nur, daß die egyptische Regierung den Gesetzen gemäß verfahre. Möglich sei, daß es sich in dieser Angelegenheit um eine völcer rechtliche Frage handele. Die egyptische Re gierung sei in dieser Sache nicht allein vor gegangen, England könne die Verantwortlichkeit hierfür nicht ablehnen. Die Angelegenheit hat gespannte Beziehungen zwischen England und Frankreich hervorgerufen. Oberhaus. Gran ville brachte eine Creditforderung von 11 Million Pfund Sterling ein, wovon für den Sudan und der Rest für allgemeine, nicht auf den Sudan bezügliche Vorbereitungen bestimmt ist.

21. April.Standard sagt, die neuesten Schwierigkeiten seien dadurch entstanden, daß die britische Regierung verlangte, Rußland solle über die neu zu fixtrende afghanische Grenze unter keinen Umständen hinausgehen. Rußland habe hierüber allgemeine Versicherungen ertheilen, aber keine bestimmte Verpflichtung eingehen wollen. Ein Telegramm desStandard meldet aus Tirpul: Lumsden constatirt, daß der Angriff Komaroff's völlig unprovocirt ge wesen sei; Komaroff habe vielmehr die Afghanen gezwungen, die nöthigen Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen.

21. April. Eine neue Depesche Lumsden's, deren Eintreffen Gladstone als bevorstehend be zeichnete, ist heute eingegangen. Der Cabinets rath ist sofort zusammengetreten. Es verlautet, die Depesche ändere materiell den Eindruck der ersten Depesche Lumsden's nicht; genauere Nach richten liegen über den Inhalt derselben nicht vor, da in officiellen Kreisen Stillschweigen darüber beobachtet wird. Lumsden und die Officiere seiner Begleitung verweilen noch in Tirpul.

19. April. Der Prinz und die Prin⸗ zessin von Wales befinden sich seit zwei Tagen am See von Killarney, als Gäste des Lords Kenmare. Das Fegefeuer ihrer Reise, die Stadt Cork, wurde ungewöhrlich glücklich über standen, weil sich die Wuth der Parnelliten in Mallow ausgetobt, oder weil der Haß der Be völkerung die königliche Familie unangetastet läßt. Vergebens versuchte das Parlamentsmit glied John O'Connor, den Pöbel aufzuhetzen. Man hißte einige schwarze Flaggen auf, warf gelegentlich mit Apfelsinen, schrie sich an dem Gott erhalte Irland heiser, aber zu einer eigentlichen Kundgebung kam es nicht, denn die Reichsgetreuen überschrieen die Parnelliten und der Erfolg blieb bei dem Prinzen.

Italien. Rom, 21. April. Gestern sind an alle Mächte Einladungen zu der am 15. Mai in Rom stattfindenden Sanitätsconferenz ver sendet worden. Alle geladenen Mächte werden durch einen Bevollmächtigten und durch tech nische Delegirte vertreten sein. a

Serbien. Nisch, 19. April. Die Skupsch⸗ tina ist heute vom Könige mit einer Thronrede eröffnet worden, welche zunächst der Reise des Königs zu den Manövern in Oesterreich und der demselben vom Kaiser Franz Joseph gewährten Gastfreundschaft gedenkt, was nur dem Ansehen Serbiens förderlich gewesen sei. Die Thronrede erwähnt ferner den Besuch des Königs von

Rumänien in Belgrad als einen Beweis der guten, zwischen den beiden Nachbarstaaten be⸗ stehenden Beziehungen. Was die getrübten Beziehungen zu Bulgarien anbelange, so liege es leider nicht an dem Könige und an der serbischen Regierung, wenn eine Beseitigung der Ursachen zu dieser Trübung noch nicht stattte⸗ funden habe. f Rumänien. Bukarest, 20. April. Der frühere Präsident der Kammer und Minister Rosetti ist heute gestorben. Egypten. Kairo, 21. April. Heute früh erklärte der diplomatische Agent Frankreichs Nubar, daß die französische Regierung von der Antwort Egyptens auf ihre Forderung einer Genugthuung, wegen der Unterdrückung desBos phore Egyptien, nicht befriedigt sei. Er lasse

der egyptischen Regierung bis 4 Uhr Nachmit⸗

tags Zeit zur weiteren Antwort. Hierauf theilte Nubar Nachmittags um die angegebene Zeit dem diplomatischen Agenten Frankreichs mit, daß die Pforte das Verfahren der egyptischen Regier ung gebilligt habe. Nubar fügte hinzu, er stehe noch in telegraphischem Verkehr mit der eng ischen Regierung und bitte um Verlängerung der Frist.

Amerika. New Vork, 21. April. Reuter's Bureau meldet aus Ottowa: Es cursirt das Ge rücht, Fort Pitt, nördlich von Battleford, sei in die Hände der Insurgenten gefallen; man befürchtet, daß alle Vertheidiger niedergemetzelt se ien.

Asien. Tientsin, 19. April. Die Unter⸗ handlungen zwischen China und Japan führten zu einem gestern unterzeichneten Protokoll, wo nach die chinesischen und japanischen Truppen von Corea zurückgezogen werden. Japan hat auf eine Entschädigung verzichtet. Zur Auf⸗ rechthaltung der Ordnung in Corea wird eine Gendarmerie unter fremden Offizieren ge bildet werden.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 22. April. Der Gesammtvorstand des Vereins zur Gründung einer Arbeitereolonie für das Groß⸗ herzogthum Hessen, Frankfurt a. M. und Nassau hat in Frankfurt a. M. gestern eine Sitzung abgehalten, in welcher diese gemeinnützige Angelegenheit in entscheidender Weise gefördert worden ist. Nachdem nämlich die fort⸗ gesetzten Bemühungen, ein für die einzurichtende Arbeits⸗ stätte geeignetes Gut anzukaufen, wegen der besonderen, im Vereinsgebiete obwaltenden Verhältnisse ohne Erfolg geblieben waren, ist es dem genannten Vorstande Dank dem Entgegenkommen der Großh. Hess. Domänen⸗ Verwaltung fetzt gelungen, für die Errichtung der Anstalt, in welcher arbeitsfähige und arbetts willige, aber zur Zeit arbeltslose Männer landwirthschaftlich vorübergehend beschäftigt werden sollen, das hessische Domänengut Neu-Ulrichstein pachtweise zu erwerben. Dasselbe sst in der Provinz Oberhessen bei Homberg an der Ohm, unweit Kirchhain, belegen, ist 320 Morgen groß, gewährt die Möglichkeit späterer Vergrößerung des landwirthschaftlichen Betriebes, sowie die Gelegenhelt zur Ausführung von Cultur-⸗Arbeiten auf der Pachtung und außerhalb derselben und erscheint daher für die Errichtung einer Arbeitsstätte nach dem Vorbilde der Colonie Wilhelmsdorf in Westphalen gut geeignet. Im Falle der Genehmitzung durch die Generalversammlung soll die Anstalt am 1. Juli d. J. ins Leben treten. Als ihr Leiter ist ein technisch gebildeter Landwirth in Aus: sicht genommen und wird, wie wir hören, die Inspeetor⸗ stelle, mit welcher außer freier Station(auch für die etwaige Familie) ein Anfangsgehalt von 800-1000 M. verbunden sein soll, ungesäumt öffentlich ausgeschrieben werden. Meldungen sind an den Vereinsvorsitzenden, Wirkl. Geh. Rath Dr. Goldmann zu Darmstadt, zu richten.

Ph. Friedberg, 22. April. Während der gestrigen Musterung der Gestellungspflichtigen entwendete ein Bursche einem anderen das Portemonnaie mit M. 9.. Sofort arretirt, entsprang er am Arresthause seinem Vorführer, wurde dann von reitenden Gendarmen verfolgt und geschlossen von Ossenheim, bis wohin er entkam, wieder eingebracht. Als eine große Wohlthat wird es empfunden und seitens der Einwohner unserer Stadt dankend anerkannt, daß das Umherziehen der jungen Leute und deren mitunter recht wüster Gesang und das Schreien auf der Straße nicht mehr gestattet wird.

v. Rendel. Nächsten Sonntag den 26. April, Nachmittags 3 Uhr, findet dahier im Leonhardt'schen Saale die diesjährige Delegirtenversammlung der Krieger⸗ vereine des Bezirks Vilbel statt. Wichtige Fragen sind Gegenstand der Tagesordnung. Es wird deßhalb er⸗ wartet, daß alle Vereine durch mehrere Delegirten ver treten sind. Auch Nichtmitglieder sind willkommen.

Grünberg, 16. April. Gin schreckliches Unglück ereignete sich heute in der ersten Klasse der hiesigen Bürger⸗

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