Ausgabe 
21.7.1885
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt, 18. Juli. Der Großberzog mit Familie wird Montag sich nach England begeben. Ein Extrazug wird die hohen Herr schaften von Darmstadt nach Bingerbrück bringen.

Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 17, enthält:

J. Bekanntmachung, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betr.

11. Bekanntmachung, die Umlagen für die israel. Religlonsgem. Dietzenbach für 1885/86 betr.

III., IV., v. und vI. Uebersichten der für 1885/86 genehmigten Umlagen der isral. Religlonsgemeinden der Kreise Offenbach, Bingen, Erbach und Groß-Gerau betreffend. 2

VII. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

VIII. Namens veränderung.

IX. Abwesenheitserklärung.

Militärdienstnachrichten. v. Herff, Oberstlieutenant und Flügeladjutant S. K. H. des Großherzogs wurde zum Oberst, Wernher, Major und Flügeladjutant S. K. H. des Großherzogs, zum Oberstlieutenant befördert.

Berlin, 17. Juli. Der Kaiser ist, wie aus Constanz gemeldet wird, dort eingetroffen und mittelst Dampfschiff in Begleitung des Großherzoglichen Paares nach der Mainau ge

fahren.. Der bisherige Ministerresident für Ma

rokko, Weber, hat nach Ueberreichung seines;

Abberufungsschreibens Tanger verlassen. Er sollte ursprünglich durch Dr. Nachtigal ersetzt werden; die Ernennung lag dem Kaiser zur Unterschrift vor, als die Todesnachricht eintraf. Jetzt wird der bisherige hochverdiente erste Dolmetsch der Botschaft in Constantinopel, Testa, der Nachfolger Weber's werden.

Dem Vernehmen nach ist man gegen wärtig im Verkehrsministerium mit der Auf stellung des Canal-Gesetzentwurfs beschäftigt.

18. Juli. Der deutsche Botschafter Fürst Hohenlohe wird heute von seiner Urlaubsreise zurückerwartet. Der Fürst hatte sich seit einer Woche in Baden-Baden aufgehalten. Graf Paul v. Metternich, dritter Secretär der deut schen Botschaft, ist zum Secretär der preußischen Legation in Dresden an Stelle des kürzlich ver storbenen Grafen von Waldenburg ernannt.

DieKreuzzeitung läßt sich aus Wien melden, daß die Nachricht von einer Zusammen kunft des österreichischen und des russischen Kai sers auf bloßen Combinationen beruhe, sowie daß über die Zusammenkunft des deutschen und des österreichischen Kaisers auch noch keine authentische Mittheilung vorliege, ebensowenig als über eine Zusammenkunft Kalnoky's mit Bismarck. Man könne letztere Begegnung nur als wahrscheinlich bezeichnen.

Nach derKreuzzeitung ist das Cultus ministerium gegenwärtig mit einer Vorlage be schäftigt, welche Pensionsbestimmungen für Lehrer an Mittelschulen betrifft. Die Berathungen dar über befinden sich aber noch im ersten Stadium.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Die socia listische Agitation unter der österreichischen Ar beiterbevölkerung macht bedenkliche Fortschritte, wie die aus Trebitsch, einer Bezirkshauptstadt mit bedeutenden industriellen Etablissements, ge meldeten Vorgänge beweisen. In Folge der Verhaftung zweier Socialisten versammelten sich am Montag Abend gegen 2000 Arbeiter vor dem Trebitscher Amtsgebäude, um die Verhaf teten zu befreien. Die Gendarmerie, welche von den Arbeitern mit einem Steinhagel angegriffen wurde, machte, nachdem eine dreimalige Auffor derung zum Auseinandergehen erfolglos geblieben war, einen Bajonettangriff, der die Menge aus einandertrieb und wobei einige Verwundungen vorkamen. Das hierauf aus Iglau requirirte Militär stellte die Ruhe vollständig wieder her. Es steht zu erwarten, daß es gelingt, der delsführer der Emeute habhaft zu werden und daß denselben eine exemplarische Bestrafung zu Theil wird.

Frankreich. Paris, 16. Juli. Eine De⸗ pesche des Generals Courcy aus Hüe von gestern meldet, daß die königliche Familie nach Hüe zu rückgekehrt sei und Dohsnan, den Oheim Tudues, als ersten Regenten designirt habe. Der Re

gierungsrath sei aus den früheren Ministern, den Anhaͤngern Frankreichs und mehreren Nota beln neu gebildet worden. Das Kriegsministe rium sei Champeaux anvertraut. Der neue Regent werde morgen eine Proclamation erlassen, durch welche allen Beamten von Annam und Tonkin vorgeschrieben wird, die Ruhe wieder herzustellen und die französische Armee in der Bestrafung der Plünderer zu unterstützen. Thuyet befinde sich in der Citadelle von Camlo nur mit 1500 Mann. Der Gesundheitszustand sei ein guter.

Großbritannien. London, 17. Juli.

Das Unterhaus nahm gestern ohne Abstimmung in zweiter Lesung die Budgetbill an. Im Laufe der Debatte erklärte Hicks-Beach, die Regierung habe die Erhöhung der Alkoholstärke von 26 auf 30 Grad aufgegeben, weil die commerciellen Unterhandlungen mit Spanien gescheitert seien. Er wolle die Behandlungsweise Englands von Seiten Spaniens nicht mit starken Ausdrücken charakterisiren, obschon es kaum mit zu starken Worten charakterisirt werden könne. Sollte übrigens die Möglichkeit entstehen, den Handel Englands mit Spanien auf einen besseren Fuß zu stellen, so werde die Regierung ihr Bestes thun, um dies zu erwirken. Das Unterhaus nahm mit 279 gegen 20 Stimmen in zweiter Lesung die Bill an, welche die Bestimmung der jüngst angenommenen Wahlrechtsbill, nach welcher Personen, die ärztliche Verpflegung aus der Armenkasse erhalten haben, das Wahlrecht nicht ausüben dürfen, wieder aufhebt. 17. Juli. Oberhaus. Die Bill über die indische Zehn-Million-Anleihe wurde in dritter Lesung angenommen und die Bill, betr. die Beschaffung besserer Wohnungen für die Arbeiter, in zweiter Lesung genehmigt. Im Unterhause erklärte Unterstaatssecretär Bourke, die Regierung werde ihr Möglichstes thun, um die baldige Emission der egyptischen Anleihe her beizuführen. Die Unterhandlungen seien noch im Gange. DieTimes erfährt, daß nun mehr auch Rußland seine Zustimmung zur Emis sion der egyptischen Anleihe ertheilt habe. Hicks Beach theilte mit, daß betreffs Afghanistans keine weiteren Nachrichten eingegangen seien.

17. Juli.Pall Mall Gazette sagt: Es existire keine Schwierigkeit hinsichtlich Zul fikars, welches längst an Afghanistan abgetreten sei. Die Frage sei lediglich, ob die Afghanen als einen Theil des Zulfikarpasses einen Land strich reclamiren könnten, der im Norden Zul fikars liege, Brunnen und Weiden enthalte, die anerkannt russisches Gebiet seien, und welche abzutreten Giers kurz vor dem Rücktritt Glad stone's rundweg abgelehnt habe. Rußland be stehe auf einer Grenze, welche den ganzen Zul fikarpaß den Afghanen, die vom Zulfikarpasse ausgehende Straße aber den Russen lasse. Gran ville sei thöricht gewesen, daß er diesen Land strich verlangt habe. Von Salisbury würde es verbrecherisch sein, wenn er um dieses Landstriches willen Krieg führen würde. DemDaily Telegraph zufolge fand kein wirklicher Vor stoß der Russen in der Nähe von Zulfikar statt; der Paß selbst sei von den Russen nicht besetzt; die Berichte über die numerische Stärke der russischen Truppen bei Zulfikar seien übertrieben. Die britische Regierung erbat sich von der rus sischen Regierung Erklärungen und hob hervor, jede Vermehrung ihrer Streitkräfte in dieser Richtung konnte unmöglich als freundschaftliches Vorgehen bezeichnet werden.

Der Gesandte Morier ist von Madrid hier angekommen und geht uuverzüglich nach Petersburg zur Uebernahme der dortigen bri tischen Botschaft, während Thornton sich sofort als Botschafter bei der Pforte nach Constan

tinopel begibt. Spanien. DerPost wird

Madrid.

von hier telegraphirt: Es wird befürchtet, daß Angelo, der Mörder Prims, der sich zur Zeit wieder in Spanien befindet, ein Attentat auf den König Alfons plane.

Rumänien. Bukarest. Hier herrscht Miß franzöfischen Gesandten,

stimmung gegen den

weil dieser zusammen mit der Opposition die Regierung verdächtigt habe, daß sie auf Betreiben Deutschlands ihre Zollpolitik gegen Fraukreich kehre. Eine Bukarester Zuschrift an dieNordd. Allg. Ztg. protestirt gegen diese Unterstellung.

Griechenland. Athen. Das Verhältniß zwischen der Pforte und Griechenland ist gegen wärtig nicht das beste. Den Anlaß dazu scheint diesmal die Pforte gegeben zu haben, indem sie die Ertheilung des Exequatur für mehrere griechische Consulate verweigerte. Durch diese Weigerung fühlt sich die griechische Regierung verletzt und hat, wie von hier gemeldet wird, dieser Verstimmung dadurch Ausdruck gegeben, daß sie die sämmtlichen griechischen Consulate in der Türkei aufgehoben hat.

Rußland. Petersburg. Das Gesetzblatt veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, welcher die Expropriation von 575 Desjatinen Land in der Umgebung von Grodno behufs Errichtung eines permanenten Lagers und einiger Befestig ungen anordnet.

DasJournal de St. Petersbourg präcisirt Zulfikar nach der Karte Peacocks als ein Thal zwischen Herirud und dem Fuß des Gebirges. Es müsse angenommen werden, daß England sich für diesen Punkt dem Emir gegen über engagirt habe. So wenigsteus verstand Rußland die Bezeichnung Zulfikar, als es ein willigte, diese Position dem Emir zu überlassen. Rußland kann dagegen nicht voraussetzen, daß England sich auch für die von dort ostwärts laufenden Pässe engagirt habe, die noch Gegen stand der Verhandlung zwischen beiden Regier ungen sind.

Egypten. Kairo. Der todtgesagte Mahdi ist den Engländern zum Trotz doch noch am Leben und soll sogar eine Expedition nach Ober Egypten vorbereiten. DieVoss. Ztg. läßt sich hierüber Folgendes berichten: Nach den neuesten Nachrichten stehen dort bedeutsame Er eignisse bevor. Unser Correspondent meldet: Der Mahdi soll sich mit seinen Anhängern auf den Oasenwegen der lybischen Wäste in der Richtung nach der oberegytischen Stadt Sint befinden und von den Engländern thatsächlich dort erwartet werden.

Aus Stadt und Land.

H. V. Friedberg. Nachdem die Kaiserl. Oberpost⸗ Direetion in Darmstadt die s. Z. in d. Bl. mitgetheilte Eingabe des Vereins für Handels- und gemein⸗ nützige Zwecke, die Verlegung der Post betr., ab⸗ schlägig beschieden hat, hat der Vorstand des genannten Vereins beschlossen, eine Petition in dieser Angelegenheit an den Staats-Seeretär des Reichs Postamts in Berlin zu richten, und dieselbe zur Unterschrift von Dienstag abin der Stadt eireuliren zu lassen. Die Petition hat folgenden Inhalt: Da es die Absicht Katserl. Ober⸗ post⸗Direetlon in Darmstadt ist, einen Theil des hiesigen Klosterkaserne-Grundstückes behufs Erbauung eines Post⸗ gebäudes zu erwerben und das Gesuch des hiesigen Vereins für Handels- und gemeinnützige Zwecke um Nicht Ausführung dieses Plans seitens genannter Behörde unter dem 24. Juni d. J. abgelehnt worden ist, erlauben sich die unterzeichneten Einwohner Friedbergs, welche den verschiedensten Berufskreisen angehören, Ew. Exeellenz ihre Wünsche im Hinblick auf diese die ganze Bevölkerung interessirende Angelegenheit kurz darzulegen. Eine ceen tralere, bessere, bequemere Lage als die des Gebäudes, worin sich die Post hier schon so lange befindet, ist bei elner Verlegung derselben so gut wie ausgeschlossen. Durch Umbau des Hauses, wozu seine jetzigen Besitzer wohl bereit sein würden, könnte eine solche Erweiterung und. bequeme Verbindung der Räume unter einander hergestellt werden, daß davon eine Abhilfe der jetzt be⸗ stehenden Mängel mit Sicherheit zu erwarten wäre. Der weitaus überwiegende Theil der hiesigen Einwohner würde dies für die glücklichste Lösunz dieser Frage halten. Die Unterzeichneten richten daher das ergebene Ersuchen an Ew. Excellenz:Die Verwirklichung dieses Vorschlags in erster Linie fördern zu wollen. Die Erwerbung eines Theils des Kloster⸗ kaserne-Grundstücks in der Absicht, darauf ein Post gebäude zu errichten, begegnet nur vereinzelt Sym⸗ pathien in unserer Stadt. Die dahin führende Straße ist abschüssig, vom Herbst bis zum Frühfahre oft schlecht zu passiren, vom Verkehrs- und Geschäftsmittelpunkte abgelegen, in einem sehr wenig belebten Theile Friedbergs. Die Erwägung, daß durch Verlegung der Post in die nächste Nähe des Bahnhofs der jetzt Päckereien ze. von und nach den Eisenbahnzügen fahrende Wagen gespart werden könne, kann die Unterzeichneten für dieses Project nicht günstiger stimmen, da dle Wahrung der Gesammt⸗ Interessen des mit der Post verkehrenden Publikums elnem Sparsamkeitsgrunde, wie dem angeführten, nur

Lehrer Stabt unsett

vürdig

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schäfti, legene arbeit Auger griff, eine Baul' nach D schen durch Bund geleit