Generaldebatte der Vorlage, betreffend die Bild— ung einer Colonialarmee, und beschloß mit 441 gegen 39 Stimmen, zur Berathung der einzelnen Artikel überzugehen. Die vier ersten Artikel, welche von der Organisation der Armee iu Afrika handeln, wurden debattelos angenommen. Bei Artikel 5, betreffend die Heranziehung der Marinetruppen zum Kriege, erklärte der Marine— minister, daß er der Heranziehung zustimme, wenn dieselbe erst nach Beendigung der Expe— ditionen in entfernte Gegenden in Anwendung gebracht werden solle. Der Kriegsminister er— klärte es für unrichtig, daß zwischen ihm und dem Marineminister Meinungsverschiedenheiten bestünden. Artikel fünf wurde schließlich an— geuommen.
Großbritannien. London, 18. Mai. Unterhaus. Ashly erklärte, die deutschen und englischen Commissäre zur Berathung der Frage bezüglich der Südsee-Juseln haͤtten ihren Re— gierungen über die von ihnen gemachten Vor— schläge berichtet und empfohlen, daß beide Re— gierungen in ihren speciellen Territorien gegen— seitig völlige Freiheit des Handels, der Schiff— fahrt und des Domicils gewähren sollten. Hin— sichtlich des Sklavenhandels würde empfohlen, daß Deutschland ahnliche Bestimmungen erlasse, wie solche von England in den Colonien in dieser Beziehung eingeführt seien. Ferner sei die Frage angeregt worden, die anderen Seemächte aufzufordern, ein ähnliches Verhalten bezüglich ihrer Unterthanen einzuschlagen. Soweit die Regierungen Englands und Deutschlands in Betracht kämen, sei begründete Aussicht vor— handen, daß ein Einvernehmen über die zwischen ihnen besprochenen Angelegenheiten zu Stande kommen. ziellen Verhandlungen mit Spanien seien in Folge der neuesten Haltung der spanischen Re— gierung resultatlos abgebrochen worden.
— 19. Mai. Unterhaus. Die Bill, treffend die Pachtgüter der Kleinbauern Schott— lands, wurde in erster Lesung angenommen. Behufs etwaiger Vergrößerung der Pachtzüter sollen Staatsvorschüsse zu 3½ pCt. verzinslich gewährt werden. Die Vorschüsse dürfen aber den fünfjährigen Pachtzins der Vergrößerung nicht übersteigen.
18. Mai. Der wegen Hochverraths, Brandstiftung und Theilnahme an den Dynamit— Attentaten angeklagte Burton Cunningham wurde heute von dem Criminalgericht ven Oldbaily zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt. „Standard“ zufolge bezöge sich die Schwierigkeit bei den Verhandlungen über die afghanische Grenze auf den Besitz von Zulfikar, indem der Emir verlaugt, Zulfikar solle zu Afghanistan gehören, während die militärischen Autoritäten Rußlands das Verbleiben der Position Zulfikar bei Rußland wünschten. Es verlautet ferner, Rußland beanstande die Anwesenheit englischer Offiziere in Herat und verlange da— gegen die Zulassung eines russischen politischen Agenten in Kabul.
— 19. Mai. Der ruhmlose Feldzug im Sudan ist zu Ende und die britischen Truppen kehren so schnell als möglich nach England zurück. General Wolsely reiste heute mit seinem Stabe ab. General Greavas übernahm gestern das Comando in Suakin.
Serbien. Belgrad, 18. Mai. Der König übertrug für die Dauer seiner Abwesenheit die volle Regierungsgewalt auf den Ministerrath. Der König trifft morgen in Wien ein.
Italien. Rom. Der„Polit. Corresp.“ wird von hier berichtet, man gebe in den Kreisen der italienischen Diplomatie der Ueberzeugung Ausdruck, daß das britische Cabinet einen Antrag in Konstantinopel zu machen gedenke, Suakin durch italienische Truppen besetzen zu lassen, und es heißt sogar, daß derselbe der Pforte bereits gemacht ser; doch gilt seine Annahme seitens der letzteren als sehr zweifelhaft.
Aus Stadt und Land.
H. V. Friedberg. In den letzten Wochen sind dem Verein für Handels- und gemeinnützige Zwecke 43
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neue Mitglieder beigetreten, so daß der Gesammt-Mit⸗ gliederbestand z. Zeit 230 beträgt.
w. Bad⸗Nauheim. Wle wir aus zuverlässiger Quelle vernehmen, beabsichtigt eine Frankfurter Firma eine Vergrößerung der seitherigen Wirthschaftsgebäude im Nauheimer Hochwald durch Anbau einer Restaurations— halle herzustellen. Das Unternehmen wird nur allseitig begruͤßt werden, indem dadurch nicht nur einem schon seit langen Jahren fühlbaren Mangel abgeholfen, sondern auch die dahin gehenden Wuͤnsche unserer Kurfremden endlich befriedigt werden. Das Gebäude soll nicht nur an der Wetterseite, sondern auch an den beiden an— grenzenden Seiten mit Wänden versehen und so ein— gerichtet werden, daß auch die Vordersekte bet kühler Witterung geschlossen werden kann. Dle Räumlichkeiten werden so groß, daß bei eintretender ungünstiger Witterung auch eine größere Gesellschaft ganz gemüthlich darin Schutz finden kann. Mit der Herstellung wird sofort nach der betreffenden Genehmigung begonnen werden, so daß das Gebäude schon am 7. Juni bei der Abhaltung des Volksturnfestes des Gaues Hessen seinem Gebrauch übergeben werden könnte. Wir glauben, daß durch diese bauliche Herrichtung die Frequenz unseres Hochwaldes, einer der schönsten Ausflugsplätze in der ganzen Umgegend, wesentlich gehoben wird.
Allerlei.
Frankfurt. Dem des Mordes an dem Poltzei— rath Dr. Rumpff angeklagten Lieske wurde der Ver— weisungsbeschluß sammt der Anklageschrift zugestellt. Die Verhandlung dürfte drei Tage dauern und sind über 50 Zeugen dazu geladen.
s. Frankfurt. Die Truppe Australneger, welche augenblicklich im Zoologischen Garten weilt, hat so viel Anklang gefunden, daß sie ihre Weiterreise bis nach Pfingsten verschteben mußte. Unsere Aufmerk- samkeit wird auch im höchsten Grade in Anspruch ge⸗ nommen durch diese so niedrig stehende Menschenrace, die sowohl was ihren Körperbau anbetrifft, noch mehr aber durch ihre geringen geistigen Eigenschaften weit hinter dem weißen Kaukasier zurückstehen. Ihr Gesicht besitzt durch das starke Hervorspringen des Mundes etwas Affenartiges, welcher Eindruck noch verstärkt wird durch die dicke, platte Nase und durch das wildwuchernde Haar. Ihre Bedürfnisse sind äußerst gering, sowohl
Fitzmaurice erklärte: Die commer- was Nahrung als auch was Kleidung anbelangt. Auf
Schmuck dagegen sind sie sehr versessen, doch ist derselbe ein höchst eigenartiger. Die Männer haben die Nasen— scheidwände durchbohrt und ein etwa 10 cin. langes Stück Holz von der Dicke eines Bleistiftes hindurch— gesteckt. Da sie ferner wegen Mangel an Oberkleidern diese nicht schmücken konnten, so haben sie derartige Zier rathe direct auf der Haut angebracht, welche zahlreiche Tätowirungen der verschiedensten Gestalt aufweist. Leider ist dieser merkwürdige Menschenstamm im Aussterben be— griffen und es ist dies wohl das einzige und letzte Mal, daß Ureinwohner von Australten den europäischen Con— tinent bereisen.
Jobannisberg a. Rh., 13. Mail. In der hlesigen Maschinenfabrik von Klein, Forst u. Bohn Nachfolger (aus welcher auch unsere Schnellpresse stammt. Die Epped.) wurde heute die 2000ste Schnellpresse fertiggestellt. Aus diesem freudigen Anlasse versammelten sich nach der Feier⸗ abendstunde sämmtliche Angestellte und Arbeiter des Eta— blissements, um aus zwei stattlichen Fässern„Johannis— berger“ die neue Maschine entsprechend„einzuölen“.
Bremen. Die Rettungsstation Koppalin der Deut— schen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt am 16. Mai: Von dem deutschen Schuner Johanna, Capitän Ermelin, gestrandet bei Lübtow, drei Personen gerettet durch den Raketen-Apparat der Statlon Koppalin. Sturm aus Norden mit Regen.
Neapel, 19. Mai. Gestern spät am Abend fand eine stärkere Eruption des Vesuvs auf der Seite gegen Pompeit statt.
München, 16. Mai. Einen jammervollen Anblick boten gestern Nachmittag die Anlagen und Alleen in München und seiner Umgebung. Der herrliche Blätter— schmuck der Bäume und Sträucher bot nämlich dem 9 Stunden hindurch so reichlich, wie kaum im Winter fallenden Schnee so ausgiebigen Lagerraum, daß die Schneemassen schwächere Bäumchen und Gesträuche ganz umbogen und von den Alleebäumen zahlreiche und dabei ganz starke Aeste abdrückten.
Wien, 16. Mai. Bei dem bereits gemeldeten Els— und Schneesturm kamen 9 Personen um's Leben. Zwei Personen sind erfroren. In Dornach stürzte Nachts ein Haus in Folge Schneedrucks ein, sämmkliche 25 Be— wohner wurden indeß gerettet.
Linz, 16. Mat. In Folge des gestrigen und Nachts über in ganz Oberssterreich herrschenden Schneefalles sind heute Morgen alle Berge bis tief herab dlcht mit Schnee bedeckt, ebenso die Dächer der Häuser. Die Um— gebung von Linz bietet bei einer Temperatur von drei Wärmegraden ein vollständiges Bild einer Winterland— schaft. Die Saaten und die Obsteultur haben empfind⸗ lichen Schaden gelitten. Auch aus Württemberg wird von vielen Orten starker Schneefall gemeldet.
Bern. Bei dem Bundesrath ist ein Gesuch von Dr. Bartling in London eingegangen um Coneession für den Bau einer Vierwaldstättersee Bahn Luzern-Altorf.
Verloosung. Hess. Ludwigs ⸗Eisenbahn, Prioritäts⸗ Obligatlonen. Bei den am 2. Mal stattgehabten Verloosungen der Apt. Prioritäts⸗Obligatlonen der An—
92 387 396 467 1751 2000 2191 3926 4064 4332 5172 5288 5316 6175 6194 6318 6926 7052 7114 7174 7731 7762 7839 8188 8914 8916 à fl. 350 Anlehen von 1865.
701 708 729 925 967 1254 1333
2413 4573 5406 6348
2999 3032 4579 4736 5447 5454 6359 6490 7210 7287 7358 7388 8243 8274 8475 8516 M. 600. B. Vom Prloritäts⸗
3300 3757 4960 4986 5513 5683 6517 6588
6033
Nr. 9221 9246 9268 9277 9524
3849 5000
6898 7391 8815
4
9602 9677 9684 9888 9918 9996 10272 10308 10364
10459 10478 10641 10688 10749 10767 10792 10940 11287 11296 11438 11699 11983 12191 12794 12925 12965 13043 13475 13555 13613 13789 14014 14126 14230 à fl. 350 M. 600. C. Vom Prioritäts⸗An⸗ lehen von 1881.
8892 9007 9043 96219691 à M. 500. Lit. B. Nr. 10189 10670 10675 11210 12460 13697 13770 14820 14958 à M. 1000. Die Obligationen unter 4 und B sind am 1. Juli d. J. und jene unter C am 1. August l. J. rückzahlbar.
Ansbach⸗Gunzenhausen 7 fl.⸗Loose vom Jahre 1857. Ziehung am 15. Mai. Gezogene Serien: Nr. 488 1026 1088 1403 1437 1524 1572 1758 1888 1934 2075 2081 2135 2381 2489 2531 2558 2742 3165 3183 3241 3254 3543 3613 3660 3850 3854 4080 4174 4300 4396 4399 4413 4461 4470 4497 4762 4771 4807 4884. Die Prämlen⸗Ziehung findet am 15. Juni d. J. statt.
Theiß ⸗Regultrungs 100 fl. ⸗Loose vom Jahre 1880. Ziehung am 15. Mai. Auszahlung am 15. August 1885. Gezogene Serien: Nr. 290 364 1299 1679 2502 2613 2806 2976 3104 4186 4393. Hauptpreise: Serie 3104 Nr. 48 à fl. 100,000. S. 290 Nr. 36 à 4500 fl. S. 1679 Nr. 16 54 79, S. 2806 Nr. 88 à 1000 fl.
Schwedische 10 Thlr.⸗Loose vom Jahre 1860. Ziehung vom 1. und 2. Mal. Auszahlung am 1. Aug. 1885. Außer den bereits mittzethellten Hauptpreisen wurden noch folgende Treffer gezogen: Nr. 65379 5000 Thaler. Nr. 4512 7774 16315 149531 je 150 Thlr. Nr. 12033 25308 30089 105574 129003 138556 143868 147629 202105 211483 je 60 Thlr. Nr. 20127 37939 74218 91631 119321 120284 120977 145588 153296 158941 158966 178316 179886 186181 193117 194338 202785 208716 217424 219725 je 35 Thlr. Nr. 1126 1991 9306 48914 52360 56622 60570 64184 64337 91047 95831 102119 116861 126381 126694 136145 147325 147478 154740 157008 161362 161498 162666 163844 163941 149446 173642 174943 177281 178908 180478 192278 212114213557 228172 230538 238610 je 25 Thür
Handel und Verkehr.
Friedberg, 19. Mai. Fruchtber. Waizen M. 19.00, Korn M. 16.75—17, Gerste M. 17.25, Hafer M. 16, Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Friedberg, 20. Mai. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.05— 1.20, Eier 1 St. 5 Pf., 2 St. 9 Pf.
Butzbach, 16. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.10, Käse per Pfund 45—46 Pf., Eier 1 Stück 5Pf.
Grünberg, 16. Mal. Fruchtpreise. Weizen M. 18.70, Korn M. 17.10, Gerste M. 16.10, Hafer M. 15.20, Erbsen M. 17.60, Kartoffeln M. 3.60.
Gleßen, 19. Mal. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 1.00 1.10, Eier 1 Stück 4—5 Pf., Käse per St. 4—9 Pf., Tauben per Paar M. 0.60— 1.00, Hühner per Stück M. 1.20— 1.70, Hahnen ver Stück M. 1.50— 2.00, Enten per Stück M. 1.90 2.30, Ochsenfleisch per Pfund 68 Pf., Kuh- und Rind- fleisch 56 60 Pf., Schweinefleisch 50—60 Pf., Hammel⸗ fletsch 64—70 Pf., Kalbfleisch 50—54 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.00— 4.40, Zwiebeln per Ctr. M. 6, Kirschen per Pfd. M. 0.60 0.70.
Gießen, 13. Mai. Der gestern und heute abge⸗ haltene Viehmarkt war stark befahren. Es waren auf⸗ getrieben: 1573 Stück Rindvieh und 1663 Stück Schweine. Die Preise stellten sich durch den lebhaften Handel höher, als auf den vorhergehenden Märkten. Naͤchster Markt den 9. Juni d. J.
Homburg, 19. Mai. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 3.50—4, per Gescheid 8—9 Pf., Eier per Stück 5 und 6 Pf., Butter per Pfund 1. Qualität M. 1.30, 2. Qualität M. 1.20.
Frankfurt, 18. Mal. Fruchtmarkt. Hlesiges Mehl Nr. 0 M. 33.50— 34.50, Nr. 1 M. 28.— 29., Nr. 2 M. 26.50— 27.50, Nr. 3 M. 24.50— 25.50, Nr. 4 M. 18.—19., Nr. 5 M. 17.—18., Milchbrod- und Brod⸗ mehl im Verband M. 54.—56., norddeutsches und west⸗ fälisches Weizenmehl 00 M. 25.— 25.50, Roggenmehl Nr. 0(Berl. Marke) M. 25.— 25.50, do. 0/1 do. M. 22.75 bis 23.75, do. 1 do. M. 21.25— 21.75, do. 2 do. M. 17.50— 18.25, Weizen ab unserer Umgegend M. 19. bis 19.25, do. frei ab Bahnhof hier M. 19.2519 50, do. fremder je nach Qual. M. 18.5020. Roggen hies. M. 16.75, do. französischer M. 16.75—17., do. Königs⸗ berger M. 16.50, Nieolajeff M. 16.25— 16.50, Galatz⸗ Odessa M. 16.— 16.25, Gerste, Brauerwaare M. 17.—19., do. zu Mahlzwecken M. 13.— 13.50, Hafer je nach Qual. M. 15.50— 16.50, Raps M. 26.50—27., Mals, bunter (mixed) M. 12.50— 12.75, Wicken M. 16.— 16.50.(Alles per 200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo.) Roggenkleie M. 5.— 5.25, Weizenkleie M. 4.50 per 50 Kilo. Rüböl im Detail M. 60. Stimmung ruhig.
Frankfurt, 19. Mai. Auf dem Heu- und Stroh⸗
lehen von 1863, 1865 und 1881 wurden zur Rückzahlung gezogen: A. Vom Prlorltäts-Anlehen von 1868. Nr. 39
markt waren 60 Wagen zugefahren. M. 5.—6., Stroh M. 3.70— 4.20.
Heu kostete 100 Kilo
Lit. A. Nr. 173 192 409 470 2548 4219 5462 5537 6014 6419 7020 7115 8067 8817


