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sation für Serbien jenes eine stete Bedrohung bilden würde. Daher sei es für Serbien eine Lebensfrage, daß das Kraftgleichgewicht auf der Balkanhalbinsel erhalten bleibe.
Rumelien. Philippopel, 17. Okt. Die administrative Vereinigung der beiden Bulgarien dürfte in 14 Tagen beendet sein.— Der von der provisorischen Regierung von der Filiale der Ottomanbank verlangte größere Vorschuß wurde wegen Geldmangels verweigert.— Der bulgarische Exarch in Constantinopel verweigerte den Empfang der bulgarischen Delegirten.
Montenegro. Cettinje, 16. Okt. 300 Montenegriner haben sich nach der serbischen Grenze begeben.
Griechenland. Atben, 17. Oct. Eine Meldung des„Reuter'schen Bureaus“ aus Candia vom 16. d. erklärt alle Gerüchte über eine in— surretionelle Bewegung auf der Insel für voll— ständig unbegründet.
Asien. Bombay, 16. Okt. Die einheimische Presse bespricht und verurtheilt die vorgeschlagene Vergrößerung der militärischen Ausgaben. Sie glaubt, daß Nichts beweist, daß diese Vermehr— ung nothwendig ist, um die effective Stärke aufrecht zu erhalten.
— 17. Oct. Die„Times“ veröffentlicht ein von der indischen Regierung formulirtes Ulti— matum an den König von Birma; dasselbe verlangt, der König solle den Abgesandten des Ober-Commissärs von Britisch-Birma ehren— voll empfangen und alle Maßregeln gegen die Bombay-Birma Handels-Compagnie ein— stellen lassen, bis der Abgesandte den Streit zwischen der Compagnie und der birmanischen Regierung untersucht haben werde. Würden diese zwei Punkte nicht zugestanden, so werde eine Action gegen Oberbirma sofort ohne weitere Ankündigung erfolgen. Drittens wird gefordert, der König solle die Niederlassung eines ständigen britischen Agenten in Mandalay mit einer Schutz— wache gestatten.
Aus Stadt und Land.
2 Friedberg. Der hiesige ev. Stadtkirchen⸗ bauverein hat sich nunmehr definitiv gebildet, seine genehmigten und gedruckten Statuten veröffentlicht und durch die in§. 4 vorgeschriebene Wahl(„zum ersten Mal durch den ev. Kirchenvorstand, später durch die General⸗Versammlung“) für drei Jahre seinen Vor— stand erhalten. Denselben bilden: Kirchenrath Baur, Hofmaler Hieronimus, Kreisbaumeister Schneller, Bürgermeilster Steinhäußer, Dr. August Trapp, Seminarlehrer Wahl, Professor Dr. Weiffen bach. In seiner kürzlich abgehaltenen ersten Sitzung wählte der genannte Vorstand: Professor Dr. Weiffen bach zum Präsidenten, Kirchenrath Baur zu dessen Stellver⸗ treter, Dr. Trapp zum Schriftführer und Seminarlehrer Wahl zum Rechner. Außerdem wurde beschlossen, daß demnächst ein Aufruf an die Bewohner der Stadt und des Kreises Friedberg erlassen und zum Beitritt von Mitgliedern aufgefordert werden, sowie daß in Kürze eine Liste zur Einzeichnung elreultren solle. Endlich theilte der neuerwählte Rechner noch mit, daß der Kassenvorrath schon jetzt sich über 250 M. belaufe. Wir zweifeln nicht, daß der neue Verein die ungetheilte Sympathie der Bevölkerung in allen, auch den nicht-evangelischen, Kreisen finden wird: gilt sein Werk doch der Erhaltung eines so„herrlichen Denkmals gothischer Baukunst!“ Um allen den Beitritt zu ermöglichen, wurde der Minimal⸗ Jahresbeitrag, unbeschadet der daruber hinausgehenden Opferwilligkeit der Begüterten, auf blos 50 Pf. angesetzt.
sch. Friedberg. Endlich ist der Platz für das neu dahier zu errichtende Kreisamtsgebäude defintiv bestimmt. Das Gebäude wird eine Zierde der Stadt und der Bismarckstraße werden, und wird erstere hier— durch einigen Ersatz für die hierzu erbrachten Opfer finden.
sch. Friedberg. Kürzlich wurde von der Königl. Eisenbahndirektion zu Hannover das Ersuchen an unsere Stadt gestellt, behufs Entlastung des Bahn-Uebergangs am Fauerbacher Thor die Genehmigung zu einer projek— tirten Unterführung der Straße, durch Vergrößerung des kleinen Viadukts am Haingraben, zu ertbeilen. Die Stadt hat nach reiflicher Ueberlegung mit Zustimmung der oberen Bau- und Verwaltungs behörden dem Pro- jekte nicht zugestimmt, vielmehr bezugnehmend auf früher stattgehabte Verhandlungen wiederholt zur Ent— lastung jenes Uebergangs beantragt, die Verlängerung der neuen Straße von der Ecke des Ulrich'schen neuen Hauses an am Haingraben vorüber dem Mainzer Thor⸗ weg entlang durch den Viadukt vor Fauerbach zu be⸗ werkstelligen, jedenfalls aber die von der Direktion der Main-Weser-Bahn bereits in Aussicht gestellte Ver⸗ legung der Rangirarbeiten und des Güterbahnhofs nach dem südwestlichen Theile der Bahnhofsanlagen in Aus— führung zu hringen.
Mainz. Eine eigenthümliche Erscheinung konnte man am 13. Oet. in unserer Stadt wahrnehmen; gegen 2 Uhr Nachmittags bei ziemlich heiterem Himmel zog es plotzlich wie starkes Schneegestöber von Nord- Westen kommend über unsere Stadt, über den Schillerplatz zog eine ganze Wolke, die sich später lichtete und durch alle Straßen und Gassen verbreitete. Diese dem Schnee ähnliche Erscheinung waren Milltarden von winzig kleinen Mücken mit weißen Flügeln und grünen Leibern; vor den Thoren der Stadt flogen diese Mücken an manchen Stellen so dicht, daß man das Taschentuch vor den Mund und die Nase halten mußte, um keine dieser Thierchen beim Athmen zu verschlucken.
Mainz, 16. Oet. Der Oberstabsarzt Dr. Hennicke, der aus dem Militärbefreiungsprozeß bekannt ist, wurde heute in das Zuchthaus nach Wehlheiden bei Cassel übergeführt.
Allerlei.
Frankfurt, 15. Okt. Heute paffirte einem Frauen- zimmer auf der Zeil die Unannehmlichkeit, daß ihr der mächtige Cul de Paris heraäbrutschte, so daß sie ihn hinter sich her schleppen mußte, auch nicht sofort ent— fernen konnte. Es gab unter dem Publikum ob dieses Ereignisses eine allgemeine Heiterkeit, welche die Betreffende mit Resignatlon unter steter Nachschleppung ihres An— hängsels ertragen mußte.
Frankfurt. Das neue Schlachthaus wird am 15. November durch einen Festzug vom alten zum neuen Schlachthaus eröffnet und dann das erstere seiner noch vorbehaltenen späteren Bestimmung zugeführt. Im Jahre 1302 hat dieses Haus schon bestanden. Es be— stand früher aus zwei Häusern, in deren einem die Ochsen und in deren anderem das Kleinvieh geschlachtet wurde; später fand eine Vereinigung statt, bis mit der Ausdehnung der Stadt Anfangs der 70er Jahre und später die unteren Räume des Leinwandhauses für das Schlachten von Kühen und von Kleinvieh erst zu Anfang des 8. Jahrzehntes dieses Jahrhunderts hinzugenommen wurden. In dem alten Schlachthaus befindet sich noch die Kette aufgehängt, über welcher der historische Kaiser— Ochse gebraten wurde. Dieselbe wird im neuen Schlacht— haus als Erinnerung an längst vergangene Zeiten auf— gehängt. Der Festzug wird ganz den Charakter eines alten Innungszuges an sich tragen. Alle im Archiv aufbewahrten Embleme, die Metzger in ihrer malerischen Tracht werden am ersten Schlachttag das festlich ge— schmückte Vieh in das neue Haus geleiten. Ochsen, Bullen, Kühe, Rinder, Stiere, Kälber, Hämmel, Schweine, Spanferkeln und auch das edle Pferd werden im Festzug mitgeführt, letzteres wird jedoch die Todes— stätte wieder verlassen, da der Raum zu seiner Schlachtung noch nicht fertiggestellt ist. Einzug und Uebergabe wird feierlichst erfolgen, worauf die Metzger ihres Berufes walten.
Nürnberg, 14. Oet. In der verwichenen Nacht, kurz vor 12 Uhr, stieß Courierzug 3(München-Hof) in der Station Doos auf den im Nebengeletse über den Kreuzungspflock stehenden Stationswagen, wodurch nach dem„Fränk. Cour.“ dieser Wagen zertrümmert, Maschine, Dienstwagen und Postambulanz, dann ein Personenwagen des Courterzuges beschädigt wurden. Verletzt wurde Nie— mand. Der genannte Zug erlttt durch diesen Unfall jedoch eine zweistündige Verspätung, Untersuchung ist eingeleitet.
Innsbruck, 16. Okt. Das rapide Steigen des Inns und seiner Nebenflüsse verursachte mehrfach Be— triebsstörungen der Bahnen. Es drohen Ueberschwemm— ungen und muß daher Militär zur Hülfe aufgeboten werven.
Hamburg, 16. Okt. Das Landgericht verurtheilte heute den Direktor der Transatlantischen Handelsgesell— schaft Petersen zu 8 Million Mark Geldstrafe, wegen Ausgabe von 800,000 Mark unverzinslicher Schuldscheine.
Rom, 16. Oct. Die Etsch bei Verona ist im Steigen, mehrere Straßen sind bereits überschwemmt. Aus der Pro— vinz Belluno wird das Wachsen des Piaveflusses gemeldet.
Literarisches.
Daheim Nr. 3 enthält: Unser Neffe.(Forts.)— Bauern aus einem Dorfe bei Leipzig schauen der Schlacht bei Leipzig zu. Bild von Mende.— Der gestörte Apfel—⸗ dieb. Bild.— Das Schriftstellerelend. Von Th. H. Pantenius.— Berlin Ostende mit zehntägigem Retour⸗ billet. Lustige Reiseerinnerungen von H. Arnold.— Der erste Aufsatz. Bild.— Am Famllientisch: Die Hol— bein'sche Madonna des Bürgermetsters Meyer. Von A. Rosenberg. Mit Bild.— Eine neue Parzivalüber— setzung(G. Bötticher). Von Dr. Coste.— Die Thräne. — Taubenthürme in Itallen.— Nückfällig. Von Pastor Cremer.— Briefkasten.— In unserer Spfelecke.— Mit zwei illustr. Beilagen.
„Die Werkstatt“!, Meister Konrads Wochenzeit— ung, Nr. 3 enthält: Die Verletzungen, welche in den Werkstätten vorkommen und wie solche am besten bis zur Ankunft des Arztes zu verbinden sind.— Aus der Welt. — Fur die Werkstatt: Kinder-Sklaverei.— Belohnte Lehrlinge.— Bohne in Kamerun.— Allerhand Nütz— liches für den Handwerker.— Für den Abendschoppen: Wo das Handwerk krankt.— Wilde Menschen in Frank— reich.— Allerhand Neues und Merkwürdiges.— Für Haus und Herd: Nach 13 Jahren.— Was man am Schnaps sparen kann, nota bene, wenn man ihn nicht teinkt.— Guter Gartendünger.— Meiner Frau Küchen— zettel für den Herbst.— Was ein Berliner Buchdrucker täglich braucht.— Wie man Pilze zubereiten soll.— Wie man aus 15 Meter Leinwand ein halbes Dutzend Frauenhemden schneidet.— Für den Feierabend: Die gestohlene Geldkatze.
Aufruf.
Wie bekannt hat die Dekanatssynode Friedberg, die 20 Pfarreien und 31 Gemeinden in sich befaßt, am 26. August d. J. einstimmig beschlossen, hier in Fried⸗ berg elne„Herberge zur Heimath“ zu errichten. Dieselbe, wenn auch von der evangelischen Kirche ge⸗ gründet, soll doch den Bekennern aller Confessionen und Religionen, ohne den religiösen Anschauungen der Einzelnen zu nahe zu treten, also jedem Wanderer in christlicher Liebe und Weitherzigkeit offen stehen Daß eine solche Anstalt, von welcher der Branntwein, Streit und Unzucht ausgeschlossen sind, gerade an dem hie⸗ sigen Orte, in der Mitte zwischen den mit„Herbergen zur Heimath“ versehenen Städten Frankfurt und Gießen, eine dringende Nothwendigkeit ist, darüber braucht an dieser Stelle kein weiteres Wort gesagt zu werden. Nur an die warmherzige Nächstenliebe der Menschenfreunde soll noch einmal kräftig appellirt werden. Denn ohne nachhaltige Unterstützung, große Gaben und wirkliche Opfer seitens der Begüterten und Wohlhabenden kann das schwere und verant⸗ wortungsvolle, aber auch so heilbringende Werk nicht begonnen, geschweige denn durch⸗ geführt werden. Darum helfet ihr Menschenfreunde in Stadt und Land, helfet ihr Gemeinden und Ein⸗ zelnen, ihr Anstalten und öffentliche Fonds, helfet alle, damit ein Werk zu Stande komme, das für Tausende und auf viele Jahrzehnte hinaus ein Werk des Segens werden kann. Helfet ganz besonders nachdrück⸗ lich am Anfang, wo Hülfe ganz besonders noth thut. Ist die Herberge nur einmal im Gange, dann wird sich dieselbe, auf Grund der anderwärts gemachten Erfahr— ungen, nach menschlicher Voraussicht ganz oder doch in der Hauptsache durch sich selbst erhalten können. Dies wird um so mehr der Fall sein, da nach Versicherungen von zuständiger Seite begründete Aussicht vorliegt, daß durch das Wohlwollen der Verwaltungsbehörde die Na⸗ turalverpflegung für die Handwerksburschen im Kreise Friedberg der zu errichtenden Herberge zugewiesen wird. Darum helfet, helfet ihr Menschenfreunde, helfet nach— drücklich, helfet nach dem vollen Maaß euerer Kräfte, helfet willig und selbstlos! Dann wird abermals ein Stück„socialer Frage“ für unsere Gegend von der Tagesordnung verschwinden und Gottes Segen unserem Unternehmen nicht fehlen.
Der geschäftsführende Ausschuß:
Meyer, Decan. Schwarz, Kaufmann. Wahl,
Seminarlehrer. Dr. Weiffenbach, Professor.
Walz, Pfarrer in Bad-Nauheim.
Arbeitercolonie für das Großherzogthum Hessen und den Regierungsbezirk Wiesbaden.
Der am 3. April 1884 von dem Vorstand unseres Vereins erlassene Aufruf, worin um Beiträge zur Gründ— ung einer Arbeitereolonie gebeten wurde, hat willige Herzen und Hände gefunden; mehr als 100,000 Mark wurden von Privaten, Vereinen und Behörden gespendet, und es war uns hierdurch möglich, die Colonie auf dem von dem Vereine gepachteten Großherzoglich Hessischen Domanialgut Neu-Ulrichstein bei Homberg a. d. O. zu errichten. Der Verein hat die Pachtung am 1. Juli l. J. angetreten, und am 28. v. Mts. nach Vollendung der nothwendigen Bauarbeiten konnte die Colonie mit einem Bestand von 11 Colonisten feierlich eröffnet werden. Die Herstellung der Gebäude, die Uebernahme der Pachtung, die Anschaffung des erforderlichen Inventars für die Guts wirthschaft und für die Colonie haben indessen die uns zur Verfügung stehenden Mittel sehr geschmälert, so daß nur noch ein Kapitalbestand von etwa 50,000 M. übrig bleibt, dessen Zinsenertrag zu den Kosten der Unter— haltung der Colonie verwendet werden kann. Allerdings ist in dem Staatsbudget des Großherzogthums Hessen für 1885/88 ein jährlicher Zuschuß von 2000 Mark be⸗ willigt, und ein gleicher Betrag ist von den Communal— verbänden des Regierungsbezirks Wies baden zu erwarten, indessen kann für dieses Werk der freiwilligen Liebes- thätigkeit auf größere Unterstützung von Seiten der staat⸗ lichen und communalen Organe nicht gerechnet werden. Von Vereinen, Corporationen, Sparkassen und Privaten wurden außer reichlichen einmaligen Gaben auch jährliche Beiträge zugesagt, und manche Freunde der gemeinnützigen Unternehmung glaubten ihre Entschließung über ihren regelmäßigen Beitrag vorerst aussetzen zu sollen, bis die Colonte gegründet sein werde. Dies ist nun geschehen, und wir können heute sagen, daß die uns zur Verfügung stehenden Mittel, auch wenn wir die bis jetzt gezeichneten jährlichen Beiträge im ungefähren Betrag von 4000 M. hinzurechnen, nicht hinreichen, um neben dem jährlichen Pacht von 1800 M. die Kosten der Colonie, welche auf einen Personalbestand von 100 bis 120 Colonisten be— rechnet ist, zu decken. Der unterzeichnete Verwaltungs—⸗ ausschuß sieht sich deßhalb veranlaßt, mit der Anzelge, daß er die Erhebung der gezeichneten jährlichen Belträge für 1885 nunmehr vornehmen lassen wird, die Bitte um weitere einmalige oder jährliche Beiträge zu verbinden, und die Arbeitereolonie dem Wohlwollen und der werk— thätigen Theilnahme der Bevölkerung des Vereinsbezirks zu empfehlen, damit der Zweck, den arbeitslosen aber arbeitswilligen Wandernden den Segen einer geordneten Arbeit und eines durch eigene Kraft erworbenen Unter— halts zu gewähren, erreicht wird.
Durch Zusendung getragener, aber noch verwend— barer Kleidungsstücke für männliche Arbeiter würde die Colonie in den Stand gesetzt werden, an der Ausgabe für Anschaffung von Kleidern wesentliche Ersparnisse zu machen, und würden wir für solche sehr dankbar sein;
die Ablieferung der Kleidungsstücke kann an jeden der
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