Ausgabe 
19.2.1885
 
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beiterschutzeommission beschloß zu§ 105 a der Gewerbeordnung die Bestimmung, wonach die Dauer der Sonntagsarbeit von Gehilfen und Lehrlingen in Handelsgeschäften nur eine fünf stündige sein darf.

16. Febr. Die Commission der Congo Conferenz setzte die Berathung über die Form der Schlußacte fort. Der Vertrag der Congo Gesellschaft mit Portugal, vom 14. Februar datirt, ist bereits unterzeichnet.

Hamburg, 15 Febr. Die hiesige Polizei behörde lieferte dieser Tage auf Grund der Re quisition seitens der englischen Behörde einen an Bord des New-⸗Vork-⸗DampfersBohemia ver hafteten Mann aus, welchen nach hier gekom mene englische Detectivs als einen gefährlichen Dynamit-⸗Verschwörer recognoscirten.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Es wird bestätigt, daß das Kronprinzenpaar, anläßlich eines bevorstehenden Ausfluges zur See, Athen besuchen, und daß, außer der Begegnung mit dem griechischen Königspaare, auch eine solche mit dem montenegrinischen Fürstenpaare gelegent lich des Besuches des Hafens von Cattaro statt finden werde.

Frankreich. Paris, 16. Febr. Das Be⸗ gräbniß des ehemaligen Mitgliedes der Commune, Jules Vallé, gestaltete sich zu einer colossalen Communarden-Manifestation. Beim Abzuge aus dem Sterbehause auf dem Boulevard St. Michel befanden sich mindestens 50,000 Theilnehmer im Zuge, welche bis zum Kirchhofe sich verdoppelt haben mögen.

Eine Depesche des Generals Brisre de l'Isle aus Langson vom 13. Febr. meldet: Heute Mittag wurde auf der Citadelle von Langson die fran zösische Flagge gehißt. Der Fluß wurde über⸗ schritten. Die chinesische Armee befindet sich seit letzter Nacht nach einem heißen Kampfe, welcher 8 km vor dem Orte stattfand, auf der Flucht. Ueber die Einnahme Langsons meldet ein weiteres Telegramm: Die französischen Truppen brachen am 10. d. aus dem Lager von Dongson auf, rückten, ohne Widerstand zu finden, bis Vanoi vor, wo die Chinesen am 11. d. vollständig geworfen wurden. Die Franzosen übernachteten auf dem Kampfsplatze, zersprengten am 12. d. die Chinesen trotz heftigen Widerstandes gänzlich, und erstürmten mehrere Forts Am 13. d. trafen die Franzosen nach einem Eilmarsch vor Langson ein, welches sie geräumt und in Brand gesteckt fanden, und besetzten vorgeschobene Stellungen. Die Franzosen erbeuteten eine Menge Waffen und Munition und Vorräthe an Reis. Die Chi nesen erlitten bedeutende Verluste und ziehen sich nach der Grenze zurück. Das Wetter ist neblig und kalt. DerTemps meldet aus Shanghai vom 15. d.: Courbet eröffnete gestern früh Feuer auf 3 chinesische Kriegsschiffe, welche sich auf den Ringpo Fluß geflüchtet hatten. Der Ausgang des Ge fechtes ist unbekannt. Es herrschte dichter Nebel.

Großbritannien. London. Außer Canada und Neusüdwales, welche sich erboten, Truppen zu senden, erklärte auch die Colonie Victoria sich bereit, auf eigene Kosten 250 Mann Infanterie für die Expedition nach dem Sudan zu stellen. Die Regierung beschloß jedoch, das Anerbieten abzulehnen, da voraussichtlich die Truppen doch nicht zeitig genug in Suakin eintreffen würden, um an den Operationen theilzunehmen.

17. Febr. Gestern fand auf dem Themse quai ein von der demokratischen Föderation ver anstaltetes Massenmeeting statt, an welchem vier tausend arbeitsloser, der niedrigsten Volksklasse angehöriger Personen Theil nahmen. Die Ver sammelten marschirten in demonstrativer Weise nach der Downingstreet, wo der Unterstaats sekretär Russel eine Deputation derselben em pfing, welche Beschäftigung für die arbeitslosen Arbeiter verlangte.

Italien. Rom. In der Kammer ist das Gerücht verbreitet, mehrere Deputirte hätten Briefe aus Paris erhalten, in welchen die Absicht Frankreichs, Tripolis zu occupiren, mitgetheilt wird.

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17. Febr. Deputirtenkammer. Sonnino Sidney bringt eine Juterpellation über die Ant wort Mancini's ein, welche derselbe auf eine Beschwerde des türkischen Geschäfsträgers in Rom wegen der Besetzung Massauhas durch Italien ertheilt hat. Die Interpellation be antworteud, erklärt Maneini, er würde gegen die Pflicht parlamentarischer Gepflogenheit ver stoßen, wenn er bei noch schwebenden Verhand lungen ein von einer Telegraphenagentur ver öffentlichtes Resums bestätigen oder richtig stellen würde. Wenn die Regierung ein Actenstück vor legen werde, hoffe sie, die Kammer werde ihr Verhalten als richtig und klug und den Interessen des Landes entsprechend erachten.

Griechenland. Athen, 17. Febr. Die Deputirtenkammer nahm mit 108 gegen 104 Stimmen ein Mißtrauensvotum gegen das Ca binet an; dasselbe demissionirte.

Rußland. Petersburg. Die Gerüchte über einen Vormarsch der Russen auf Herat und die Absicht, Herat unter russisches Protektorat zu stellen, werden von bestunterrichteter Seite als durchaus unrichtig bezeichnet. 0

DasJournal de St. Petersbourg dementirt das Geücht von dem Rücktritt des Botschafters Fürsten Orloff, dessen Genesung erhebliche Fortschritte mache.

Egypten. Kairo, 15. Febr. General Wolseley hat telegraphisch einen ausführlichen Bericht eines Augenzeugen aus Khartum hierher gemeldet. Nach demselben drangen die Aufstän dischen am 26. v. Mts. bei Tagesanbruch in Khartum ein. Gordon wurde durch eine Salve der Aufständischen erschossen, als er sich nach dem österreichischen Consulat begab. Der öster reichische Consul wurde in seiner Wohnung ge tödtet, der griechische Consul wurde gefangen genommen. Ein weiterer Augenzeuge berichtet, entgegen den anderen Angaben, daß nach dem Angriff auf Gordon und dessen Begleiter kein Kampf stattfand, daß Weiber und Kinder nicht getödtet wurden und daß Alle, welche ihre Werth sachen auslieferten, abziehen durften.

Prinz Hassan wird, entgegen einer Meld ung vonReuters Bureau, wonach derselbe das Commando eines egyptischen Cavallerie corps annähme, als Civilcommissär des Khedive dem Stabe Wolseley's beigegeben. Spione melden eine beträchtliche Concentrirung von Stämmen aus dem Süden bei Tamia. Der Feind hat von den britischen Siegen bei Abu Klea und Gubat gehört, er legt denselben aber wenig Bedeutung bei im Vergleich mit dem Fall von Khartum, auf welchen er sehr stolz ist.

Reuter's Bureau erfährt, die englische Regierung habe endgültig den Bau der Eisenbahn von Suakin nach Berber beschlossen, die bezüg lichen Arbeiten würden sofort begonnen werden.

Afrika. Kapstadt, 4. Febr. Die englischen Truppen werden gegenwärtig in Taungs con centrirt und man hat begonnen, Befestigungen zu errichten. Es gehen Gerüchte, daß in Basutoland geheime Versammlungen abgehalten werden.

Asien. Kalkutta. DerPioneer meldet, daß der Emir von Afghanistan wahrscheinlich im Frühjahr Indien besuchen und eine Begegnung mit dem Vicekönig haben wird.

Aus Stadt und Land.

z. Friedberg, 14. Febr. Prinz Carneval hat auch in unserem ruhigen Friedberg frohen Einzutzz gehalten. Wie in früheren Jahren hielt der Junggesellenverein auch in diesem Jahre eine Faschingskneipe mit reich haltigstem Programm ab, welches die Mitglieder, ver heirathete wie unverheirathete, in fröhlichster Narren stimmung bis zum frühen Morgen zusammenhielt. Von den zahlreichen Pieeen, die zum Vortrage gelangten, er wähnen wir dasConcert des Chevalier Brindis de Salas, der, in Nattionaltracht auftretend, das Publikum diesmal nicht zum Narren hielt, ferner denBürgermeister von Matches und seine Unterredung mit dem Herrn Excellenz, das Auftreten desjüngsten Vereinskindes, dieRaritätensammlung und diekranke Frau. Die Zwischenpausen füllte die 17 Mann starke Vereinskapelle mit launigen Coneertstüͤcken aus. Besondere Erwähnung verdient die treffliche Regie des HerrnMaschinenmeisters Lukes⸗Wolkenschieber, der mit den zu Gebote stehenden geringen Mitteln wahrhaft Erstaunenswerthes leistete.

? Ober-Mörlen. In der letzten Nummer des Anzeigers unterlief ein Irrthum. Der verstorbene Lehrer König hat überhaupt noch kein Jubtläum gefelert. Wir constattren jedoch gern, daß Lehrer König ein pflicht⸗ treuer, elfriger Lehrer war und sich hlerorts und auswärts der größten Achtung und Sympathie erfreute. Die zahl⸗ reiche Leichenbegleitung legte hiervon Zeugniß ab.

Butz bach. Bel der am 14, Februar staktgehabten Neuwahl eines Abgeordneten für den 3. Oberhessischen Landtagswahlbezirk erhielt Apotheker 1 ogt dahler 19 Stimmen. Johs. Diehl zu Münzenberg erhielt 9 Stimmen und Wilh. Joutz dahier 1 Stimme.

Gleßen. Amtmann Nover dahier ist zum ständigen Referenten für die Bearbeltung der ersten Entwürfe ver⸗ schiedener Gesetze uber Landescultur und Wasserrecht für eine zu diesem Zwecke besonders gebildete Commisston ernannt worden. Die Arbeiten dieser Commisston sollen die Grundlage für die den Landständen vorzulegenden Gesetzentwürfe bilden.

Allerlei.

Frankfurt. Unter aller Reserve gibt das Frankf. Journal das in der Stadt verbreitete Gerücht wieder, der Mörder des zu Anfang der Stebenziger Jahre auf dem Domplatze ermordeten Fräulein Fey set in einer hiesigen, verrufenen Wirthschaft aufgegriffen worden. Vor einem Jahre hieß es, wie man sich erinnern wird, ein in Darmstadt Verstorbener habe vor seinem Tode sich zu der Blutthat bekannt.

Mannheim, 15. Febr. Am Donnerstag wurde auf der Breitenstraße ein gut gekleideter Handwerks bursche verhaftet, welcher, wie dieRh. N.⸗Ztg. hört, dringend verdächtig scheint, am 9. ds. bei Gutach den Gendarmen Huber auf dessen Patrouillengang mittelst zweier Revolver⸗ schüsse schwer verwundet zu haben.

Gerichtssaal.

Bad⸗ Nauheim. In der Donnerstag den 19. Febr. stattfindenden Schöffengerichtssitzung kommen folgende Fälle zur Aburthellung: 1) Strafsache gegen Wilhelm Meyer von Bad⸗Nauheim, wegen Beleidigung und Wider stands; 2) Strafsache gezen Adam Bea und Joseph Geck von Ober-Mörlen, wegen Diebstahls, bezw. Hehlerei.

Gleßen. Als Geschworene für die Sitzungen des Schwurgerichts im ersten Quartal wurden ausgeloost: 1) Kühn, Fr., Schreibmhändl. in Gießen. 2) Nahrgang, H., Müller in Ruppertenrod. 3) Wortmann, Th., Agent in Gießen. 4) Groh, Johs. VI., Bürgerm. in Nieder⸗ Rosbach. 5) Klein, Th. IV., Gastw. in Ilbenstadt. 5) Sandmann, Fr. II., Kaufm. in Lauterbach. 7) Hoos, Fr., Kaufm. in Lauterbach. 8) Dieffenbach H. XI., Beigeordn. in Berstadt. 9) Kratz, K. VII., Landw. in Ober-Qhmen. 10) Philippi, H. W. H., Landw. in Obbornhofen. 11) Nern, K., Landw. in Pohl⸗Göns. 12) Schellenberg, J., Instrummach. in Gleßen. 13) Katz, Fr. II., in Nieder⸗ Ohmen. 14) Väth, A., Landw. in Bauernheim. 15) Grunewald, Chr. III., Beigeordn. in Bad⸗Nauheim. 16) Fleischhauer, G. V., Landw. in Bad⸗ Nauheim. 17) Thylmann, H., Landw. in Altenstadt. 18) Görtz, K., Apoth. in Friedberg. 19) Koch, Fr., Rentner in Bad⸗ Nauheim. 20) Lipp, Th., Rentm. in Lauterbach. 21) Michel, A., Kaufm. in Gießen. 22) Gros, A., Landw. in Reichelsheim. 23) Kratz, Fr., Kaufmann in Laubach. 24) Kammer, K., Pachter in Birklar. 25) Montanus, W., Kaufm. in Gießen. 26) Braun, W. II., in Nidda. 27) Höres, O. A., Landw. in Kalbach. 28) Koch, H. II., Landw. in Lindheim. 29) Haub, C. XVII., Beigeordn. in Nieder-Weisel. 30) Baumann, Fr., Uhrm. in Gießen.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 18. Febr. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.700.90, Eier 1 St. 6 Pf.,

Friedberg, 17. Feb. Fruchtber. Walzen M. 18.00, Korn M. 16.50, Gerste M. 16.25, Hafer M. 14.00, Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Butzbach, 14. Febr. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.80 0.85, Käse per Pfd. 4546 Pf. Eier 1 Stück 7 Pf.

Grünberg, 14. Febr. Fruchtpreise. Welzen M. 18.00, Korn M. 17.00, Gerste M. 16.00, Hafer M. 14.20. Erbsen M. 17.00, Wicken M. 16.00.

Gießen, 17. Febr. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.70 0.85, Eier 1 Stück 57 Pf., Käse per Stück 48 Pf., Tauben per Paar M. 0.85 1.00, Hühner per Stück M. 0 85 1.20, Hahnen per Stück M. 1.20 1.60, Enten per Stuͤck M. 2.00 2.30, Ochsenfleisch per Pfd. 6668 Pf., Kuh⸗ und Rind- fleisch 54 60 Pf., Schweinefleisch 50 60 Pf., Hammel⸗ fleisch 6470 Pf., Kalbfleisch 4854 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.704, Zwiebeln per Centner M. 4.

Frankfurt, 16. Febr. Viehmarkt. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren: 373 Ochsen, ca. 11 Bullen, ca. 357 Kühe und Rinder, ca. 253 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 6567, 2. Qual. M. 5860, Kühe und Rinder 1. Qual. M. 56, 2. Qual. M. 40 50, Kälber 1. Qual. M. 62 65, 2. Qual. M. 5456 per 100 Pfd. Schlachtgewicht.

Frankfurt, 16. Februar. Fruchtmarkt. Mehl Nr. 0 M. 3334, Nr. 1 M. 26¼27½, Nr. 2 M. 25½ bis 261/, Nr. 3 M. 23½24½, Nr. 4 M. 17½ 18, Nr. 5 M. 15½ 16 ½, Milchbrod- und Brodmehl im Ver⸗ band M. 50 53, norddeutsches und westfälisches Welzen⸗ mehl 00 M. 24½25½, Sruppengries je nach Qual. M.., Roggenmehl Nr. 0(Berliner Marke) M. 25/268/, do. 0/1 do. M. 23½¼24½, do. 1 do.

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