Ausgabe 
18.6.1885
 
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An die Großherzoglichen

Der Aufenthaltsort des Wagnergesellen Justus Bagus,

Friedberg den 15. Juni 1885.

Bei der heutigen Wahl der sachverstär

Bürgermeistereien und die Großh

Betreffend: Entwässerung der Grundstücke zu Wölfersheim,

Der Civilvorsitzende der Großh Dr.

digen

derselben: 1. Johannes Müller IV., 2. Chr. Hofmann, 3. Ad. Rückeisen; und als Stellvertreter:

erzogliche Gendarmerie des Kreises. geboren am 2. Juni 1864 zu Flieden, Kreis Fulda, ist zu ermitteln und anzuzeigen.

erzoglichen Ersatzeommission Friedberg. Braden.

1. Anton Huber, 2. Friedrich Reitz, 3. Heinrich

Dr. Braden.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Juni. Wie bereits mitge-] Salisbury hat die Bildung des Cabinets an theilt, wurde Prinz Friedrich Karl am Sonn- genommen. J 35 tage auf Jagdschloß Glienicke von einem Schlag 15. Juni. Das Unterhaus nahm mit

anfall betroffen, wodurch halbseitige Lähmungs erscheinungen hervorgerufen wurden. In Folge des Schlaganfalls ist Prinz Friedrich Karl heute gestorben. Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen war geboren am 20. März 1828 als Sohn des Prinzen Karl von Preußen und der Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar. Der Prinz war seit 29. November 1854 vermählt mit Prinzessin Maria Anna von Anhalt, aus welcher Ehe 4 Kinder hervorgingen. Prinz Friedrich Karl war einer der hervorragendsten Heerführer der Deutschen Armee. Im deutsch⸗ französischen Kriege befehligte er dieZweite Armee und errang bedeutende Siege. Der am heutigen Abend stattgehabten Leichenfeierlich keit wohnten die Gemahlin des Entschlafenen, der Kronprinz, Prinz Friedrich Leopold, der Hofmarschall, die Adjutanten und die Haus dienerschaft bei. Der einfache, offene Eichensarg war in dem Arbeitszimmer des verstorbenen Prinzen aufgebahrt, die Leiche mit dem rothen Attila der Ziethenhusaren bekleidet. Hofprediger Rogge hielt die Leichenrede. Darauf erfolgte die Ueberführung des Sarges in die Glienicker Dorfkirche. Der Kronprinz, Prinz Friedrich Leopold, der Hofmarschall, die Adjutanten und der Hofstaat folgten zu Fuß. Hier fand dann eine weitere Trauerfeierlichkeit statt, welcher außer den oben Genannten auch die Kronprinzessin mit ihren Töchtern, die Prinzessin Wilhelm, Prinz Günther von Schleswig-Holstein, der Stadt- commandant und andere Offiziere beiwohnten. Hofprediger Rogge hielt ein längeres Gebet, segnete darauf die Leiche ein, worauf der Schluß⸗ gesang folgte. Die militärische Leichenfeier findet in den nächsten Tagen in der Garnisonkirche zu Potsdam statt; von dort wird die Leiche in aller Stille nach Nikolskoe übergeführt.

München, 15. Juni. Wie derAllgem. Ztg. aus Kissingen berichtet wird, treffen die Minister v. Lutz und Crailsheim Donnerstag dort ein, um den Fürsten Bismarck zu begrüßen.

Ausland.

Frankreich. Paris, 15. Juni. Admiral Courbet ist am Gallenfieber auf Makung(Fischer inseln), plötzlich gestorben. Der Marineminister theilte den Tod Courbets, welcher an Bord des Bayard am 11. d. erfolgte, in der heutigen Kammer mit. Auf Antrag des Ministers wird die Sitzung zum Zeichen der Trauer aufgehoben. 15. Juni. Die Budgetcemmission ge⸗ nehmigte mit 8 Stimmen bei 24 Stimmenent haltungen das rectifirative Budget Sadi Car- not's, welches die Emission von 319 Million in 30 Jahren zu amortisirender Obligationen bezweckt. 16. Juni. Deputirtenkammer. Band⸗ ryasson(Rechte) schlägt für Admiral Courbet eine nationale Leichenfeier vor und bezeichnet den Antrag als dringlich. Seitens der Regier ung wird der nationalen Leichenfeier zugestimmt, doch sei es vorher nöthig, das Testament und den Willen der Familie kennen zu lernen. Die

Dringlichkeit wurde schließlich mit 292 gegen 94 Stimmen verworfen. Die Kammer nahm hier

zur Wahlbezirksbill an und genehmigte in dritter

Großbritannien. London, 14. Juni.

kleinen Modificationen das Oberhausamendement

Lesung die Bill betreffs Gewährung der Jahres gelder für die Prinzessin Beatrice.

Italien. Rom, 16. Juni. Kammer. Bei der Berathung des Budgets des Auswärtigen erklärte Mancini, daß die Lage seit dem dem Ministerium am 8. Mai ertheilten Vertrauens- votum unverändert sei.

Rußland. Petersburg. DasJournal de St. Petersbourg bezeichnet die Nachricht der Times von einer russischerseits erfolgten Be setzung des Hafens von Korna als gänzlich un begründet.

Aus Stadt und Land.

h. Friedberg, 16. Juni. Heute ist Lehrer Volk dahier gestorben. Es gebührt sich, daß wir diesem von uns geschiedenen Manne, der nahezu fünfzig Jahre unter uns gelebt hat und nahezu vierzig Jahre als Lehrer in unserer Stadt wirksam war, ein Denkmal in diesem Blatte setzen, wenn auch nur durch Anführung der aller⸗ wichtigsten Umstände aus seinem langen und thätigen Leben. Sein Alter hat er auf nahezu 76 Jahre ge bracht; im 29. Lebensjahre, bei Errichtung der Muster⸗ schule, wurde er gleichzeitig mit seinem noch im besten Andenken unter uns stehenden, vor elf Jahren verstor benen treuen Collegen Störger hier angestellt. Viele unserer Mitbürger hat er durch Unterricht, Zucht und Vorbild zum Betreten des rechten Weges zum Glück und Wohlergehen verholfen und ihnen Mittel und Kräfte gezeigt, auf diesem Wege zu bleiben. Die Wichtigkeit und Verantwortlichkeit seines Berufes stand ihm stets lebendig vor Augen. Volk ging ganz in seinem Berufe auf, war unermüdlich fleißig, sah vor Allem auf Zucht und Ordnung, er war ein einfacher, gerader und fester Charakter, ein zuverlässiger, treuer College, ein guter Haushalter, ein liebevoller Gatte und Vater, ihn zierten Gottesfurcht, ungeschminkte Frömmigkeit und innige Vaterlandsliebe. Er war ein Freund alles Guten, ein Feind alles Bösen. Auch außer seinem Amte war er noch besonders im Gewerbeverein und an der Hand⸗ werkerschule erfolgreich thätig. Liebevolle Beweise von Dankbarkeit seiner Schüler sind ihm in seinem Leben vielfach gegeben worden. geschiedenen ist auch vom Großherzog durch eine ebren volle Ordensauszeichnung belohnt worden. Pensionirt wurde Volk vor etwa 10 Jahren, da er sich in Folge einer Lungenentzündung angegriffen fühlte. Möge ihm die Erde leicht sein.

h. Friedberg. Am 22. und 23. August dieses Jahres wird unser Gesangverein Liederkranz die Feier seines fünfzigjährigen Bestehens festlich begehen. Der Verein wurde am 19. August 1835 mit 27 Mitgliedern gegründet und ging aus der Bürgerschaft ganz natürlich und mit innerer Nothwendigkeit hervor. Es hatten sich nämlich vorher schon begabte Sänger zusammen gethan, um sich und andere durch Gesang zu erfreuen. Der Llederkranz hat stets in Vorstand, Dirigent und Mit⸗ gliedern unverrückt und rastlos dem Ziele eines guten Gesangvereins zugestrebt und unsere Stadt durch seine Leistungen in den fünfzig Jahren des Bestehens gar manchmal erfreut und die Wirkung eines schönen Männer⸗ gesangs auf Sinn und Gemüth verspüren lassen. Theil⸗ genommen hat der Liederkranz an drei und zwanzig größeren Gesangfesten, bei denen er freudige und eh ren⸗ volle Anerkennung gefunden und auch die Auszeichnung eines Ehrenpreises erfahren hat. Die Fahne ist mit zahlreichen Erinnerungsbändern geschmückt. Das im Jahr 1842 zu Friedberg gefeierte großartige und glänzende Gesangfest war sein Werk. Deputationen der etwa zwanzig Vereine des Mainthalsängerbundes, den er 1858 mit in's Leben gerufen und dem er seitdem auch angehört, werden die Festlichkeit des Tages erhöhen und gewiß dürfen wir mit Bestimmtheit annehmen, daß die Bürger unserer Stadt dem Feste volle Sympathie entgegen zu bringen bestrebt sein werden.

d. Friedberg. Der projeetirte gemeinschaftliche Familienausflug des Taunusclubs und des Dülettanten⸗

Abfahrt von hier Nachmittags 1 Uhr 52 Minuten, An⸗ kunft in Erbstadt⸗Kaichen um 2 Uhr 14 Minuten. Von da Gang auf die Naumburg und die Hainmühle, wo⸗ selbst für eine kleine Erfrischung gesorgt ist. Um 5 Uhr 2 Minuten Rückfahrt nach Assenheim in die Gartenwirth⸗ schaft des Herrn Haas. Um 8 Uhr 24 Minuten zurück nach Friedberg. Fahrpreisermäßigung ist bewilligt und beträgt der Preis eines Billets für Hin⸗ und Rückfahrt 50 Pf. Diejenigen Mitglieder und Freunde der Ver⸗ eine, welche sich an diesem Ausflug betheiligen wollen, werden freundlichst gebeten, sich in die eireulirenden Llsten einzeichnen zu wollen und spätestens eine halbe Stunde vor Abgang des Zuges sich an der Bahn einzufinden. Schönes Wetter, einen guten Humor und es gibt eine herrliche Partie.

s. Groß⸗Karben. Am 14. l. Mts. fand auf dem benachvarten Selzerbrunnen eine Versammlung des landw. BezirksvereinsSection Vilbel statt, welche die Er⸗ richtung von Wasenmeistereien zum Gegenstand ihrer Berathung auf der Tagesordnung hatte. Obwohl die Bethelligung eine geringe war, so wurde doch die Sache gründlich besprochen. Kreisthierarzt Pr. Gebb hob die Wichtigkeit einer geordneten Wasenmeisterei in Bezug auf die Gesundheit und das Leben von Menschen und Thieren, sowie die wirthschaftlichen Vortheile einer solchen hervor. Der Zustand der meisten Ortswasenmeistereien steht gegenwärtig nicht in Uebereinstimmung mit den diesbezüglichen polizeilichen Vorschriften. Nach diesen muß der betreffende Platz von einem jederzeit fahrbaren Wege aus zugänglich sein, eine gegen den Zugang von Hunden, Füchsen, Rehen u. s. w. schützende Einfriedigung haben, der Boden darf weder felsig noch naß sein, sodaß eine Grube von Meter tief aufgeworfen werden kann; jede Gemeinde muß einen eigenen Karren zum Transport der Thierleichen anschaffen, welcher inwendig mit Zink beschlagen, keinerlei Flüssigkeiten beim Transport durchläßt und dicht verschließbar ist. Wenn nun diese Vorschriften in jedem Ort des Kreises durchgeführt werden, so veranlaßt das einen sehr hohen Kostenpunkt. Wird hierbei noch berücksichtigt, daß, wenn auch all diese Kosten aufgewendet werden, es dann immer wieder an geeigneten Personen in den einzelnen Orten fehlt, welche den Obliegenheiten eines gewissenhaften Wasenmeisters nachkommen, wenn man ferner berechnet, daß sehr viele Theile der Thierleichen durch Auskochen und Zerstören der Ansteckungsstoffe wirthschaftlich benutzt werden können, welche jetzt verscharrt werden, so liegen die Vortheile größerer gemein samen Wasenmeistereien klar zu Tage. Hierbei hat die einzelne Gemeinde weniger und der Eigenthümer der gefallenen Thiere nicht mehr Kosten, im Allgemeinen wird aber für Gesundheit und Leben

von Menschen und Thieren ein besserer Schutz erreicht.

Die Tüchtigkeit des Dahln⸗ Nach der Lage unseres Kreises dürften drei größere

Wasenmeistereien, welche sich nach Maßgabe der Ent⸗ fernungen der Ortschaften in den südlichen, mittleren und nördlichen Theil des Kreises theilten, wohl den Bedürfnissen entsprechen. Die Anschassung und Ein⸗ friedigung von drei Plätzen mit je einem schuppenartigen Baue, der Ankauf von je 2 Wagen für einen Platz und die Indienststellung eines gut instrutrten und leicht zu beaufsichtigenden Wasenmeisters, der durch die Benutzung der jetzt ganz in Verlust kommenden thierischen Theile beinahe vollständig seine Bezahlung findet, ist viel billiger und besser, wie sämmtliche Anlagen in den einzelnen 72 Orten des Kreises zusammen. Man sollte sich dieser besseren Einsicht nicht verschlteßen durch die Redensart: All' diese neuen Sachen kosten nichts wie Geld, es mag beim Alten bleiben. Man nehme nur das Bleistift und rechne!

deßhalb nicht an unserer heimathlichenSchindkaut.

h. Vilbel, 16. Juni. Bel der heute stattgehabten Wahl eines Bürgermeisters erhielt, trotz aller Agitationen gegen unseren sestberigen Bürgermeister, derselbe 345 Stim⸗ men. Der Gegencanditat erhielt nur 54 Stimmen.

s. Vilbel, 15. Juni. Vor einigen Tagen trafen sich zwei Handwerksburschen in der hlesigen Herberge. Beide hatten nicht viel Geld und übernachteten in einem Strohhaufen auf dem Felde. Hier stach der Eine seinen Kameraden mit kaltem Blute nieder, um sich in den Besitz von dessen Notizbuch zu setzen, in welchem er einige Notizen für sich verwerthen zu können glaubte. Mit Recht fragt man, wie soll das enden und wo soll das hinaus, wenn wegen solcher geringfügigen Gegen⸗ stände sich Einer nicht scheut, einen Mord zu begehen? Denn daß das Messer keine edleren Theile traf, dies lag nicht in der Hand des Thäters. Der Verwundete liegt im Hospitale in Friedberg und kommt wahrschein⸗

auf die Berathung des Recrutirungsgesetzes auf.

Vereins wird nächsten Sonntag den 21. Juni stattfinden.

lich davon. Dem Thäter ist man auf der Spur.

Auch wir sind sparsam und conservativ, doch hängen wir

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