1885.
Dienslag den 7. Uovember.
2 136.
hberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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Amtlicher Theil. Aten m cn g.
Unter Beziehung auf unsere Bekanntmachung vom 28. October 1878— Oberhessischer Anzeiger Nr. 129— bringen wir zur allge—
meinen Keuntniß, daß der Schmied Johann Baptist Karl Fertig zu Assenheim vom 3.
October 1884 bis zum 17. September 1885 in der
Militar⸗Lehrschmiede Gottesau einen Lehrcursus absolvirt und hierbei die Prüfungen dortselbst mit dem Prädicat„gut“ bestanden hat.
Friedberg den 14. November 1885.
Der unten näher bezeichnete Rekrut Conrad Heinrich Wagner des 2. Batalllons(Friedberg)
Steckbrief,
Großherzogliches Kreisamt Friedberg— Dr. Braden.
1. Großherzoglich Hessischen Landwehr-Regiments Nr. 115 hat sich
der Gestellung entzogen. Sämmtliche Civile und Militärbebörden werden dienstergebenst ersucht, gefälligst auf denselben ein wachsames Auge zu haben, ihn im Ergreif— ungsfalle zu arretiren und an die nächste Militärbebörde abliefern zu lassen.
Signalement.
6. Religion: evangelisch; 7. Stand oder Gewerbe: Schreiner; 8. besondere Kennzeichen: keine.
Friedberg den 13. November 1885.
1. Name: Conrad Heinrich Wagner; 2. Geburtsort: Ober-Nosbach; 3. Kreis: Friedberg; 4. geboren: 26. März 1863; 5. Größe: 1,66 m;
Roemheld, Major z. D. und Bezirks⸗Commandeur.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Finanzaspirant Thierolf aus Höchst wurde zum Registratur-Assistenten bei der Main-Neckar⸗Bahn, der Finanzaspirant Lang aus Gießen zum Ministerialkalkulator 2. Kl. ernannt.
— 12. Nov. Prinz Franz Joseph v. Batten— berg, seither Sekonde-Lieutenant in dem 1. K. Pr. Garderegiment, st mit Zustimmung des Kaisers gestern in die Bulgarische Armee eingetreten, da er sich verpflichtet hielt, bei der jetzigen ernsten Lage der Verhältnisse in Bulgarien seinen Bru— der, den Fürsten Alexander, nicht zu verlassen.
Berlin, 14. Nov. Erkältung und Heiserkeit genöthigt, das Zimmer zu hüten. Der Kronprinz und Prinz Heinrich machten, von der Hofjagd kommend, dem Kaiser spät Abends noch einen Besuch. Die Aerzte sind
mit dem Befinden des Kaisers zufrieden.
— Der dem Bundesrathe zugegangene Ent—
wurf des Gesetzes, betreffend die Feststellung
des Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1886/87, beziffert seine Gesammtausgabe auf 709,268,860 M., wovon 626,929,302 M. auf
„0
fortdauernde, 82,339,558 M. auf einmalige
Ausgaben entfallen.
— Zur Karolinenfrage schreibt der römische Berichterstatter des„Standard“:„Die gegen-
wärtig im Umlauf befindlichen Meldungen über die Vermittelung des Papstes zwischen Deutsch— land und Spanien beruhen auf einem Mißver— ständniß. Die Mittheilung vom Vatican nach Berlin und Madrid, die allgemein für die end— gültige Ansicht des Papstes gehalten wird, war nur dazu bestimmt, zu einem allgemeinen Ein— vernehmen und einem Zugeständniß von That— sachen zu gelangen. Dies ist erzielt worden, und der Papst ist jetzt mit dem Entwurf seines Gutachtens beschäftigt, welches nicht vor dem Ablauf von acht bis zehn Tagen an seinen Be— stimmungsort abgehen dürfte; aber ich erfahre im Vatican, daß die beiden Mächte inzwischen durch directe Unterhandlungen so ziemlich zu einem Einverständniß gelangt sind.“ Wolfenbüttel, 13. Nov. Prinz Albrecht ist heute Vormittag hier eingezogen und von
der Bevölkerung mit enthusiastischen Kundgeb—
ungen empfangen worden. Die Stadt ist fest⸗
lich geschmückt.
Karlsruhe, 14. Nov. Das Großherzog
liche Paar reiste heute nach Amsterdam ab zum
Besuche der dort erkrankten schwedischen Kron— prinzessin. München, 12. Nov. Abgeordnetenkammer.
Bei Berathung des Etats des Ministeriums des Auswärtigen vertheidigte der Minister des Aus—
treten. Der Kaiser ist durch
wärtigen gegenüber den Ausführungen der Ab— geordneten Frankenburger, Geiger, Marquardsen und Kopp eingehend den baierisch-russischen Aus— lieferungsvertrag, der in Folge des preußisch— russischen Auslieferungsvertrages nothwendig sei, solange der Reichskanzler den Reichsvertrag für inopportun halte. Er übernehme als alleiniger baierischer Unterzeichner die Verantwortung für den Vertrag. Die neuen Abmachungen seien durch das Auftreten der Anarchisten nothwendig geworden. Da die Reichscompetenz nicht aus— geübt werde, müsse die Staatscompetenz ein— Der Vertrag sei analog mit dem preu— ßischen Vertrage abgeschlossen, welcher vom Bundesrath eiustimmig gebilligt wurde.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 13. Nov. Meldungen britischer Blätter aus Cattaro über österreichische Truppenconcentrationen in der Herzegowina werden zuständigerseits als voll— ständig unbegründet bezeichnet, mit dem Hinweis auf die bestimmteste Erklärung Kallay's, daß die Occupationstruppen nicht vermehrt würden und durchaus kein Nachtragscredit nothwendig sei.
— 14. Nov. Die ungarische Delegation nahm das Budget des Ministeriums des Aeußern an.
Frankreich. Paris, 15. Nov. Dem„Vol— taire“ zufolge waren im gestrigen Ministerrathe über die Amnestiefrage Meinungverschiedenheiten hervorgetreten. Brisson, Allain-Targé und die Majorität des Kabinets wollen den Fürsten Krapotkin, sowie Louise Michel und zwei Anar— chisten aus Lyon begnadigt wissen. Die Minister Sarrien, Goblet, Demole und Freycinet, sowie der Präsident Grevy seien für eine Amnestie und gingen dabet von der Ansicht aus, daß die Con— centrirung aller Republikaner durch die Amnestie erleichtert werden würde. Gestern Abend ging das Gerücht, Ministerprästdent Brisson und der Minister des Innern Allain-Targs seien ent— schlossen, zu demissioniren.
Türkei. Constantinopel, 12. Nov. Im Arsenal und in der türkischen Marine herrscht die größte Thätigkeit. Hunderte von Arbeitern sind Tag und Nacht beschäftigt.— Auf Ersuchen des Sultans hat Hobart Pascha, der nach England abzureisen im Begriff war, seine Abreise ver— schoben.— In Salonichi herrscht eine außer— ordentliche militärische Thätigkeit, und es kommen sehr beträchtliche Truppenmassen an, die in Eile an die grlechische Grenze gesendet werden.
— 14. Nov. Die Minister traten, nachdem der Pforte die Nachricht von der Kriegserklärung Serbiens an Bulgarien zugegangen war, alsbald
zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Der Großvezier Kiamil Pascha hatte eine längere Unterredung mit dem deutschen Botschafter v. Rado— witz; hierauf begaben sich die Minister nach Bil— diz-Kiosk zum Sultan.
Serbien. Nisch, 14. Nov. Officiell. Der Minister des Aeußeren, Garaschdanin, wies den Geschäftsträger in Sofia, Rhangabe, an, der dortigen Regierung zu erklären, daß die serbische Regierung auf die seitherigen bulgarischen Her— ausforderungen mit der Kriegserklärung ant— worte. Der König ist Nachts nach Pirot ab⸗ gereist, um als Obercommandeur den Truppen— befehl zu übernehmen. Die Grenzüberschreitung erfolgte ohne starken Widerstand um 1 Uhr Nachts. Bei Trin, Blasina und auf der Straße nach Rosar fanden scharfe Gefechte statt. Die Bulgaren weichen überall zurück. Die serbische Armee ist bereits ganz auf bulgarischem Boden.
Bulgarien. Sofia. Die Meldung, daß der Fürst Alexander Aeußerungen gethan habe, welche verletzend für russische Offiziere gewesen seien, wird von unterrichteter Seite als unbe— gründet erklärt.
— 14. Nov. Fürst Alexander hat folgenden Tagesbefehl erlassen:„Unsere serbischen Brüder erklären uns den Krieg, anstatt uns zu helfen, und wollen unser Vaterland vernichten. Muth, Soldaten! Vertheidigt Eure Frauen und den heimathlichen Herd. Verfolgt den Feind, welcher uns feige und verrätherisch angreift bis zur völligen Vernichtung. Möge Gott uns helfen und den Sieg verleihen.“ Der Fürst wird Abends hier erwartet. Derselbe meldete tele— graphisch dem Sultan, daß er den bulgarischen Truppen befohlen habe, den serbischen Angriff zurückzuweisen und fragte an, welches die Ab— sichten des Sultans als Souverän hinsichtlich der Vertheidigung der Reichsintegrität seien. Die Truppen sind Morgens nach der Grenze abmarschirt. Die Nachrichten von der Grenze reichen bis 5 Uhr heuke Abend. Der Haupt— angriff der Serben erfolgte im Laufe des Tages gegen Zaribrod.
Rumänien. Bukarest.„Monitorul official“ veröffentlicht die Einberufung der Kammern zum 27. November.
Montenegro. Cettinje, 12. Nov. Die Türkei verbot die Ausfuhr von Getreide aus Albanien, wie es heißt wegen Rüstungen in
Montenegro. In Skutari werden Truppen concentrirt. Rußland. Petersburg. Die„Nowoje
Wremja“ meldet, falls die Conferenz für Ruß— land eine ungünstige Wendung nehme, gebe Ruß— land seine Theilnahme auf und suche sich eine
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