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Deutsches Reich.
Darmstadt. Die Kanzleiinspektoren Schultz und Gerhardt in Darmstadt wurden auf Nach— suchen, unter Anerkennung ihrer Dienste in den Ruhestand versetzt und denselben das Ritterkreuz 2. Kl. des Philippsordens verliehen; die Kanzlei— gehilfen Spamer und Hainz von Darmstadt, sowie der Kanzlist Korell wurden zu Ministerial— kanzlisten ernannt.
Berlin. Nach den bis jetzt getroffenen Bestimmungen gedenkt der Kaiser am 22. d. M. von Baden abzureisen und mittelst Extrazuges am nächsten Tag in Berlin einzutreffen. Die Kaiserin begibt sich auch in diesem Jahre wieder erst noch auf mehrere Wochen nach Coblenz. Dem Vernehmen nach trifft die kronprinzliche Familie von ihrer italienischen Reise am 17. Okt. wieder in Berlin ein. Der Prinz und die Prinzessin Wilhelm, welche zum Besuch der Ausstellung in Pest verweilten, sind heute über Breslau nach Berlin abgereist.
— Dem Bundesrath ist eine Vorlage zu— gegangen, wonach die von den Postkassen in diesem Vierteljahr vorgeschossenen Beträge fur die Unfallentschädigungen erst am Schlusse des Jahres 1886 zur Verrechnung für die Genossen— schaften gelangen sollen.
— Die Ernennung des Grafen Hatzfeldt zum Botschafter in London ist zugleich mit der Ernennung des Grafen Münster zum Botschafter in Paris erfolgt.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ dementirt in den letzten Tagen durch die Blätter gegangene Mittheilungen über Aenderungen in der Organi— sation des Reichsgesundheitsamts.
— 15. Okt. Der„Temps“ meldet, Giers habe bei Bismarck die Herstellung des Status quo beantragt, Bismarck unterbreitete den An— trag Qesterreich, welches denselben von Deutsch— lands Zustimmung abhängig machte.
— Die technische Commission für das See— wesen dürfte Ende nächster Woche mit ihren Berathungen über die Unfall-Versicherung der Seeleute fertig werden. Bisher sind keine wesent— lichen Aenderungen des Entwurfs vorgenommen, jedoch ist es wahrscheinlich, daß bezüglich der Beitragspflicht beschlossen wird, daß die Ver— sicherten einen mäßigen Beitrag leisten, was im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit um so mehr geboten erscheint, als die Seeleute ja keine Krankenkassenbeiträge zu zahlen haben. Es ist noch keinerlei Beschluß gefaßt, ob die Pen— sionsgesetze wieder eingebracht werden sollen. Es scheint, als ob in dieser Beziehung noch nicht alle Meinungsverschiedenheiten ausgeglichen sind; im Uebrigen liegt dem Bundesrath zur Zeit noch wenig Berathungsmaterial vor.
Schwerin, 13. Okt. Der Großherzog und die Großherzogin haben heute eine Reise nach Italien über Baden-Baden angetreten.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 14. Okt. Abgeordnetenhaus. Der Finanzminister legte das Budget pro 1886 vor und gab ein längeres Finauz⸗Exposé, wonach nach Berücksichtigung sämmtlicher ordentlicher u. außerordentlicher Ein⸗ nahmen und Ausgaben der Abgang 6,642,922 fl. beträgt, welcher aus den Kassabeständen gedeckt werden soll, so daß pro 1886 die Nothwendig⸗ keit einer Kreditoperation entfällt. Wenn man die Beträge für Investitionen und die Ausgaben exceptioneller Natur aus dem diesjährigen Er— forderniß eliminirt, so wäre pro 1886 kein Abgang, sondern ein Ueberschuß don 260,956 fl. vorhanden.
— 15. Okt. Die„Neue freie Presse“ meldet aus Berlin, die Verhandlungen Oesterreichs mit Rußland hätten eine Verständigung in der bul— garischen Frage herbeigeführt.
Pest. Die ordentlichen Einnahmen des Staats⸗ voranschlages pro 1886 sind auf 321,060,572, die ordentlichen Ausgaben auf 316,502,871 fl. veranschlagt; das Ordinarium weist sonach einen Ueberschuß von 4,557,701 fl. auf.
Belgien. Brüssel. Nach einer langen Berathung mit dem bevollmächtigten belgischen Minister in Paris hat König Leopold sich ent— schieden, der Hochzeit der Prinzessin von Orleans im Schlosse zu Eu nicht beizuwohnen, um den monarchistischen Blättern Frankreichs keine Ge— legenheit zu unliebsamen Erörterungen zu geben.
Spanien. Madrid, 13. Okt. Der spanische Commandant von Fernando Vo unternahm eine Expedition an den Küsten Guineas, fuhr die Flüsse Urini und Na hinauf und schloß mit den Häuptlingen der Eingeborenen Verträge ab.
— Die liberale Presse behauptet, daß am letzten Dienstag eine Note nach Berlin abge— gangen sei, welche im Principe und unter großer Reserve die Vermittelung des Papstes annehme, jedoch mit Bestimmtheit die von der deutschen Note rücksichtlich der spanischen Souveränetät über die Karolinen- und Paloas-Inseln erhobenen Einreden bestreitet. Ebenso habe man dem Papste ein erstes Document zugehen lassen, welches die spanischen Rechte und Forderungen auseinander— setzt und die Argumente erläutert, welche man den deutschen Prätensionen über die Hauptfrage der spanischen Ansprüche entgegenstellt. Die Re— gierung in Madrid bestehe unwandelbar auf dem Boden des historischen Rechtes. Mittlerweile laufen hier zum Theil widersprochene Gerüchte um, wonach in den Gewässern der Karolinen ernsthafte Kämpfe zwischen spanischen und deut— schen Schiffen stattgefunden hätten.
Rumänien. Bukarest. Das Parlament ist auf den 1. November zusammenberufen.
Serbien. Belgrad, 15. Okt. Die Haltung Serbiens ruft im übrigen Europa die größten Besorznisse hervor und die Lage spitzt sich mehr und mehr zu einer baldigen Action zu. Der strategische Aufmarsch Serbiens dürfte am Sams— tag vollendet sein; dann wird König Milan den Oberbefehl übernehmen und zum Haupt— quartier abgehen, dessen Ort noch geheim ge— halten wird, und im Laufe nächster Woche sollen dann die Angriffs-Bewegungen beginnen, wenn Europa Serbiens Stellung nicht Rechnung trägt. Nach getroffenen Anordnungen ist die Bildung dreier Armee-Commandos wahrscheinlich. Der Aufmarsch wird derartig sein, daß sowohl Alt— Serbien als Bulgarien bedroht wird; die Mein— ungen, wohin der Angriff zu richten sei, sind nämlich in der Umgebung des Königs noch getheilt.
Türkei. Constantinopel. Die umlaufenden Gerüchte von einem beabsichtigten Complote gegen den Sultan sollen durchaus begründet sein. Der größere Theil der Verschwörer be— finde sich im Auslande; die zu Constantinopel befindlichen Verschwörer stünden in intimem Ein— verständnisse mit dem zu Tschernagan internirten Exsultan Murad. Man warte nur einen günstigen Zeitpunkt ab, um Abdul-Hamid zu stürzen und Murad als Sultan zu proclamiren, welch' Letzterer sich der besten Gesundheit erfreue. Das Complot sollte bereits Mitte September aus— geführt werden, jedoch wurde Dank der Vor— sicht Map rogeni's, des Arztes des Sultans, ein Attentat vereitelt und das Verbrechen entdeckt. Murad soll nunmehr in Arabien detinirt werden. Die Häupter der Verschwörung, Kleantes, Skalieri und ein Graf Keratry, vermochten sich ihrer Verhaftung durch die Flucht zu entziehen.
— 14. Okt. Die Botschafter der Groß— mächte in Constantinopel haben, dem„Temps“ zufolge, ein Protokoll unterzeichnet, welches den Beschluß enthält, in Ostrumelien den status quo wieder herzustellen. Mit der Ausführung wird die Pforte betraut, welche event. ihre Truppen der Aufsicht von Commissarien der Großmächte unterstellt. Die Mächte sollen das Protokoll bereits telegraphisch ratificirt haben.
Griechenland. Athen, 14. Okt. Es ver⸗ lautet, dem Kriegsministerium seien 11 Million zum Ankauf von Kriegsmaterial überwiesen. Der Marineminister hat wegen Meinungsverschieden— heiten mit seinen Collegen demissionirt. Der Londoner Gesandte Trikupis erklärte, Griechen— land nehme seine Interessen in die eigene Hand und werde sich zunächst Janina nicht entgehen
lassen. berufung nach Athen.
— 15. Okt. Der englische Gesandte hier hat zu verstehen gegeben, daß die Mächte, wenn Griechenland gegen den dringlichen Rath seiner besten Freunde zum Kriege schreite, einen etwaigen Gebietsgewinn Griechenlands nicht anerkennen würden.— Wie die Abendzeitungen melden, proclamirten die Kretenser ihre Union mit Griechenland. Eine offizielle Bestätigung liegt noch nicht vor.
Rußland. Petersburg, 14. Okt. Kaiser Alexander, welcher heute von Kopenhagen nach Rußland zurückkehrt, wird in Riga an's Land gehen. Er wird hierbei das am Eingange des Rigaer Hafens gelegene Dünamünde besichtigen, welches mit großartigen Vertheidigungswerken umgeben werden soll. Verschiedene Kanonen— boote und das Panzerschiff„Peter Weliki“ haben Ordre erhalten, wahrend des Winters vor Düna— münde zu stationiren. Libau soll, wie es heißt, zum Kriegshafen eingerichtet werden.
Amerika. Montreal, 14. Okt. Louis Riel, der am nächsten Freitag gehenkt werden sollte, hat einen neuen Aufschub der Execution bis zum 26. Oktober bewilligt erhalten.
Aus Stadt und Land.
2. Friedberg. Dem früheren Friedberger Arzt Dr. Wagner, der jetzt in Königshütte angestellt ist, wurde der rothe Adlerorden IV. Classe verltehen.
i. Friedberg, 16. Oct. Heute wurde das erste Zifferblatt unserer neuen Thurmuhr am Stadtkirchthurm
angebracht. Das Zifferblatt mißt 3½ Meter im Durchmesser. Darmstadt. Am 25. d. Mts. wird hier der
46. Turntag des Mittelrheinkretses zusammentreten und sich mit besonders wichtigen Beschluͤssen in Bezug auf die Turnordnung und Organlsatton des mittelrheintschen Turnkreises zu befassen haben. Die jüngst in Frankfurt getagte Commission zur Begutachtung über Abänderungen des Kreisgrundgesetzes, der Preisturn- und Musterturn⸗ Ordnung wird mit bestimmten Anträgen vor den Turntag treten und auch die Anträge des Frankfurter Gaues aus vorigem Jahr in Betreff der Fechterangelegenheiten des Kreises und Abhaltung von Preisfechten auf den jedes⸗ maligen mittelrheinischen Turnfesten kommen zur Beschluß⸗ fassung. Von den weiteren Punkten der sehr aus⸗ gedehnten Tagesordnung ist ferner noch der Antrag der Turngemeinde Worms hervorzuheben, ihr gestatten zu wollen, daß sie zu dem im Juli 1886 zu Worms statt⸗ findenden 16. mittelrheinischen Turnfeste auch die Turner des 10.(Oberrhein-) Kreises einladen und zum Preis⸗ turnen zulassen dürfe. Dem Turntage geht Tags vorher eine Sitzung des Kreisausschusses voran.
Allerlei.
st. Frankfurt. Um vielfachen an die Intendanz des Opernhauses gelangten Wünschen zu entsprechen, wird die am Montag den 19. im Opernhause statt⸗ findende Aufführung der„Meistersinger“ mit Emil Götze als Gast, ausnahms weise um 6 Uhr ihren Anfang nehmen. Der Tenorist Meenz, der sich in seinem jetzigen Engagement in Mainz als ein junger Sänger von un⸗ gewöhnlichem Stimmmaterial erwiesen hat, ist nunmehr definitiv für dret Jahre dem Frankfurter Theater ver—⸗ pflichtet worden. Dem Engagement geht natürlich das übliche Gastspiel voraus.
Berlin. Eine Massenverhaftung von Buchmachern und Spielern ist erfolgt; dieselbe betrifft fast durchweg Personen, die von Wekten bei Rennen resp. vom Hazard⸗ spiel leben.
Hamburg, 14. Oet. An der Ecke von Caffa⸗ macherreihe und Specksplatz stürzte, dem„Hamb. Corresp.“ zufolge, heute ein großer Neubau zusammen und begrub unter seinen Trümmern mehrere der noch dort beschäf⸗ tigten Arbeiter. Einige sind bereits hervorgezogen und zur Klinik geschafft.
London, 13. Oet. Gestern Abend lief das englische Kanonenboot„Warf“ auf einer Klippe bel Holyhead auf. Das Schiff, welches jetzt trocken liegt, wird für ernstlich beschädigt gehalten. Die Mannschaft ist außer Gefahr
Port Said, 13. Oet. Der Dampfer„Perlm“ ist gestern auf den Grund gestoßen. Die Passage im Canal ist unterbrochen. Der Dampfer wird jetzt gelichtet.
New⸗Nork. Die Sprengung des Flood⸗Felsens im Hell⸗Gate⸗Kanal des New⸗Norker Hafens ist, wie bereits berichtet, vollständig gelungen. Tausende von Menschen hatten sich längs der Ufer versammelt und alle Dächer der Häuser, von welchen man die Seene überschauen konnte, waren von Zuschauern besetzt. In der Stadt wartete Jedermann auf den Stoß, viele in Aufregung wegen etwaiger schlimmer Folgen. Um 11 Uhr 13 Min. drückte die elfjährige Tochter des Generals Newton auf den Knopf des elektrischen Drathes, durch welchen von dem Gestade von Long Island aus die Minen entzündet wurden. Man sah, daß sich eine Wassermasse im Um⸗ fange von 1200 Quadratfuß wie ein 200 Fuß hoher Elsberg erhob und daß sich dann nach dem Fall des
Wassers eine Menge Wirbel bildeten, während Wolken gelblicher Gase für einen Augenblick die Sonne ver—
Trikupis erwartet stündlich seine Rück—
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