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1885.
Famstag den 17. Januar.
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Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in
Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag
Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Die einspaltige Petitzeile wird bei
Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben
Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., „welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf.
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Betreffend: Die Gemeindekrankenkassen.
Das Großherzogliche Kreisamt
Diejenigen von Ihnen, welche selbstständige Gemeindekrankenkassen Arbeiter unter Angabe der Arbeitgeber vorlegen.
Dezember 1884 versicherten und dasselbe ebenfalls einzusenden.
Betreffend: Die eingeschriebenen Hülfskassen.
Amtlicher Theil.
Friedberg am 14. Januar 1885.
Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
J. V.: Dr. v. Gemmingen.
errichtet haben, wollen binnen 8 Tagen eine Liste der im Monat Ueber etwaige Rückstände ist ein Rückstandsverzeichniß anzufertigen, In dem Bericht ist anzugeben, ob und in welcher Hoͤhe die Auszahlung eines Krankengeldes erforderlich war.
Friedberg am 14. Januar 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Harheim,
Sie wollen alsbald die Vorstände der in Ihrer Gemeinde domizilirten
der gedruckten Statuten veranlassen.
Betreffend: Die gemeinschaftlichen Ortskrankenkassen.
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Ka Sie wollen alsbald berichten, wieviele Mitglieder der
Nauheim, Nieder-Moͤrlen und Ilbenstadt.
Heldenbergen, Büdesheim, Ober-Mörlen, Ober-Erlenbach, Ober-Wöͤllstadt, Vilbel, Bad—
eingeschriebenen Hülfskassen zur Vorlage von 5 Exemplaren
Dr. v. Gemmingen.
S N 1 J
Friedberg am 14. Januar 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg ssenbezirke von Assenheim, Reichelsheim, Groß-Karben und Vilbel. Ortskrankenkasse im Monat Dezember 1884 bei Ihnen angemeldet worden sind.
Ueber etwaige rückständige Beiträge ist ein Rückstandsverzeichniß anzufertigen und uns dasselbe ebenfalls vorzulegen.
Dr. v. Gemmingen.
J. V.:
Deutsche. Reich.
Darmstadt. Der den Ständen zugegangene Gesetzentwurf über die Kosten des Unterbalts der Sträflinge in dem Landeszuchthause und den Gefängnissen ändert den seither geltenden Grundsatz, daß die Sträflinge für ihren Unter— halt in den Strafanstalten Nichts zu vergüten haben, dahin, daß sie künftighin die Kosten ihres Unterhalts ersetzen sollen.
Berlin, 14. Jan. Reichstag. Berathung des An trages Hertling wegen Vorlegung des Arbeiterschußzgesetzes in Verbindung mit den bezüglichen Anträgen Lohren's,
Kropatscheck's und Buhl's. Hertling schildert die Uebelstände auf dem Gebiete des Gewerbewesens und
wünscht möglichst bald die Vorlegung eines Gesetzes zum Schutze der Sonntagsruhe, zur Beschränkung der Kinder- und Frauenarbeit und zur Normirung der Maxtmalar- beitszeit, und bittet die begonnene Socialreform nicht unter der neuen Colonialpolitik, die jetzt die Situation beherrsche, zu vernachlässigen. nicht schutzlos auf das Wohlwollen und die gute Gesinn ung der Arbeitgeber anweisen und müsse letzteren durch das Zwangsgesetz ein gewisses Minimum von Schutz fur die Arbeiter abverlangen. Lohren befürwortet seinen Antrag und will nicht die Regierung um die Vorlegung eines Arbeiterschutzgesetzes ersucht, sondern gleich selbst den§. 136 der Gewerbeordnung dahin ergänzt wissen, daß weibliche Personen in Fabriken weder an Sonntagen noch zur Nachtzeit von 8¼ Uhr Abends bis 5½ Uhr Morgens beschäftigt werden dürfen. Buhl befürwortet eine Resolutlon, welche die Regierung zu Ermittelungen auffordert, wie weit die Sonntagsarbelt einzuschränken set und ob bei der Frauen- und Kinderarbeit sich Unzu⸗ träglichkeiten herausgestellt haben, welche eine Abhilfe erfordern. Endlich soll auch die Bedürfnißfrage nach einer Normirung der Maxlmalarbeltszeit für erwachsene männliche Arbelter geprüft werden. Schließlich wird die Debatte auf morgen vertagt.— 15. Jan. Das Haus beschließt die Sistiruag des gegen die Abgeordneten Dietz, Auer und v. Vollmar anhängigen Strafverfahrens, nach dem Llebknecht dieselbe begründet hat. Es folgt Fort setzung der Berathung der soelalpolttischen Anträge. Baumbach vertritt die Haltung der Deutsch Frei innigen gegen alle polizeilichen Bevormundungen. Bei allem Wohlwollen für die Arbeiter müsse man sich sehr vorsehen, damit nicht die beabsichtigten Maßregeln ihnen mehr Schaden als Nutzen bringen. Redner bittet das Haus, seine gestern und heute bewiesene arbeiterfreund— liche Gesinnung auch dann zu bethätigen, wenn es sich vemnächst um die Erhöhung der Getreidezölle handeln wird. Fürst Bismarck: Da soeben die Frage der Erhöhung der Getrelbezölle berührt worden ist, will ich doch erwiedern, daß dle verbündeten Regierungen bel dieser Erhöhung gerade von der Fürsorge für die land wirthschaftlichen Arbeiter geleitet worden sind nach dem alten Spruch:„Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt.“ Unterftützen Ste die Regterunz in dieser Frage,
Man dürfe die Arbeiter
so unterstützen Sie alle Arbeiter. Ueber die Unmoöͤglich 36,527,000 M., die Brausteuer mit 16,392,200
keit des Normalarbeitstages bin ich mit dem Vorredner hat den
Eine Maximalarbeitszeit Nachtheil, daß sie völlig ausgenutzt wird; sind 14 Ar beitsstunden als Maximum gestattet, werden auch die Industrten, die jetzt nur 11 Stunden arbeiten, 14 Arbeits
völlig einverstanden.
stunden ausnutzen. Wie der Normalarbeitstag gemacht
die Antrag ent⸗
werden soll, weiß ich nicht. Wie wollen steller die Arbeiter für ausfallende Arbeitszeit schädigen. Wollen Sie die Arbeitgeber dazu heran— ziehen, dann gefährden Sie die Industrie und damit die Lage der Arbeiter, denn Sie konnen nicht verlangen, daß die Fabrikanten mit Nachtheil arbeiten. Unsere ganze Industrie würde darunter leiden, besonders die Exportindustrie. Unterrichten Sie mich, wie es gemacht werden muß. Legen Sie uns bald einen Gesetzer wurf Können Sie den Normalarbeitstag in Deutschland
vor durchführen, ohne den Arbeitslohn zu verringern, und wenn Sie es können, haben Sie erst die Hälfte der
Aufgabe erfüllt und müssen eine chinesische Mauer um Deulschland ziehen, um den Import zu bindern. man auch versucht hat, den Normalarbeitstag einzu führen, bat man es für schädlich und unmöglich erkannt, Versprechungen zu geben, ohne sie erfüllen zu dazu können die verbündeten Regierungen sich nicht ent schließen. Die Sistirung des Strafverfahrens auch be züglich Bebel's, Frohme's und Viereck's wird beschlossen. Abg. Stöcker: Wir halten die Herbeiführung eines Maximalarbeitstags für unbedingt erforderlich, glauben
aber, daß die Ausführung nur in den einzelnen B trieben und unter Mitwirkung der in denselben Be schäftigten und der Betriebsinhaber möglich sein wird Abg. Grohe(Volkspartei)!? Wir machen die Ein führung des Normalarbeitstages nicht abhängig von
internationalen Vereinigungen, ihn möͤglichst bald einzuführen. Frauen- und Kinderarbeit halten Nothwendigkeit. Die Berathung mals vertagt.
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14. Jan. Die Budgetcommission be rieth die Zoͤlle und Verbrauchsteuern und ge
Die Beschränkung der fur eine sodann
wir
wird aber
nehmigte für Zölle den eingestellten Betrag von die Tabaksteuer mit Ausgaben für das Jahr 1885/86 berechnet die Aus
199,820,000 M., 10,673,300 M.
sowie An den Titel der Rübenzucker
steuer knüpfte sich eine längere Debatte über die Steuerreform, die schließlich vertagt wurde. Im Laufe derselben erklaͤrte der Staatssecretär Burchard, die Regierung sei nicht in der Lage,
Wo
können,
sondern streben danach,
absolute
M., an und bewilligte die Averse für Zölle und Verbrauchssteuern, nämlich Zölle: Tabaksteuer 4.486,700 M., Rübenzuckersteuer und Salzsteuer 172.090 M., Branntweinsteuer 768,420 M., Brausteuer 454,590 M. Im Ganzen bewilligte
die Commission die Einnahmen aus den Zoͤllen
und der Verbrauchssteuer mit 339,452,500 M. gegen 346,235,420 M., und aus den Aversen mit 346,984,240 M. gegen 353,874,110 M. im Vorjahre.— Der erste Artikel des von den Polen des Reichstags eingebrachten Gesetzent— wurfs, wonach in ehemals polnischen Landes—
theilen die polnische Sprache neben der deutschen
gleichberechtigt sein soll, wurde von der Com⸗ mission mit 9 gegen 4 Stimmen abgelehnt.
2 4. Jan. dem Bundesrathe nun— mehr zugegangene Zolltarifnovelle betrifft nicht allein die Erhöhung der Getreidezoͤlle, sondern eine ganze Reihe von Gebrauchsgegenständen. Es sind im Ganzen etwa 20 Positionen; dar— unter Erhöhungen der Zölle auf Holz, Schmalz, Honig, Cognac, Schaumweine, Branntwein in Flaschen, Leinen und Baumwolle ze. Der Roggen— zoll soll 2 M., der Weizenzoll 3 M. betragen.
* Die
— 15. Jan. Der Preußische Landtag wurde beute, nach voraufgegangenem Gottesdienst im Dom und in der St. Hedwigskirche, im Weißen
Saale des koͤniglichen Schlosses eroͤffnet. Etwa 180 Abgeordnete waren anwesend. Minister Viceprästdent v. Puttkamer verlas die Thronrede, aus welcher der Passus über die angestrebte Auf hilfe der Landwirthschaft mit Beifall aufgenommen zeinnahmen und
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wurde. Der Voranschlag der Staat
gaben im Ordinarium auf 1,221,175,788 M., die jenigen im Extraordinarium auf 36,549,212 M., die gesammte Ausgabe demnach! 257,725,000 M. Dieser Ausgabe stehen an ordentlichen Einnahmen 1.234,711,125 M., an außerordentlichen Ein
während der jetzigen Zuckerkrisis eine Reform der nahmen 922,875 M., mithin überhaupt nur Zuckersteuer zu beschließen.— Die Commission1,235,634,000 M. an Einnahmen gegenüber. für die Dampfervorlage berieth heute die Zweig Der sich hiernach ergebende Fehlbetrag von linie von Australien nach Samoa und Tonga. 22,091, 00 M.,— welcher dadurch herbeige nen dd Budget- Commission nahm fü rt ist, daß der von Preußen an das Reich
bei fortgesetzter Berathung die Salzsteuer mit und die Uebergangsabgabe des Branntweins mit ü gegen das Vorjahr um
37,777,000 M., die Branntweinsteuer
zu zahlende Matricularbeitrag nach dem Ent wurf des Reichshaushaltsetats für 1885 86 sich 24,584,641 M. erhoͤht


