Ausgabe 
15.10.1885
 
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eines Feldzuges nach gemeinsamem Plan vorge gangen werden soll Das Amtsblatt veröffent licht die königliche Mobilmachungsordre behufs Completirung des Effectivbestandes der Armee.

Der griechische Gesandte zeigte der Pforte an, daß, wenn der Status quo in Rumelien nicht hergestellt werde, die Griechen in Mace donien einrücken würden.

Aus Stadt und Land.

m. Kloppenheim. Der Landwirth Joh. Schaaf dahler erntete eine Kartoffel, welche genau 4 Pfd. wiegt; an demselben Busch befanden sich noch 2 Stück von je 2 Pfd. Erstere liegt in der Restauration am Bahnhof hier zur Ansicht der Interessenten.

Gießen, 10. Oet. Die Familie des hier wohnen den Oberförsters Heyer ist in tiefe Trauer versetzt worden. Laut einer gestern hier eingetroffenen Nachricht aus Gera ist nämlich einer der belden hier studirenden Söhne Heyers, welcher sich auf einer Ferienreise befand, dort verunglückt. Derselbe war zu Besuch bei einem Freunde, dem Referendar Sorgen. Beide kehrten vorgestern Abend von einem Spaziergang aus Dorf Giblach zurück und stürzten in der Nähe des letzteren in einen Steinbruch. Heyer blieb sofort todt, während sein Freund schwer verletzt in fast hoffnungslosem Zustande gestern Morgen von Landleuten aufgefunden wurde.

Mainz, 11. Oct. Gestern Nachmittag ist ein Haus bursche, welcher am Freitag sich beim Abfüllen von Spiritus schrecklich verbrannte, im Hospital seinen furcht baren Leiden erlegen. Es ist festgestellt, daß der Unglück liche, obwohl mit einer Sicherheitslampe versehen, im Keller ein Zünd hölzchen in Brand steckte und nachsehen wollte, ob genügend Spiritus abgefüllt sei. Der Sptritus entzündete sich und das Unglück war gescheben.

Mainz, 12. Oet. In der Mordaffaire Herbst Wothe wurde heute Nachmittag eine wichtige Entdeckung gemacht. Bei dem Entleeren des Abortes in der Brauerei zurStadt Mainz fand man nämlich in ein Lederfell eingehüllt den rechten Oberschenkel eines Menschen. Der Knochen des oberen Theiles desselben war zu drei Vter theilen abgesägt und das andere Viertel abgebrochen. Daß der Schenkel zu dem seiner Zeit aufgefundenen Rumpf gehört, wurde sofort zur Evidenz dadurch fest gestellt, daß Bruch und Schnitt des Schenkels genau auf den Knochen des gefundenen Rumpfes passen. Die in dem Abort sofort vorgenommenen weiteren Untersuch ungen haben vorerst noch ein Lederfell, ein Geldtäschchen mit einem Schlüssel und einem Ring, sowie ein bei der Familie Wothe vermißtes Halstuch zu Tage gefördert. Der Verbrecher hat sich, wie es nunmehr den Anschein hat, der verschiedenen Körpertheile, die er an dem Rumpf abgeschnitten hat, nach und nach entledigt und in die Aborte geworfen, denn erwiesen ist es, daß Herbst nach dem Morde mit der Reisetasche verschiedene Wirthschaften besucht hat.

Allerlei.

Kaiserslautern e. Oet. Hier wurde ein ziem⸗ lich bedeutender Postdiebstahl verübt. Eine am Donners tag⸗Abend aufgegebene Werthsendung des hiesigen Neben zollamts an das Hauptzollamt in Landau im Betrag von gegen 7000 M. verschwand spurlos und es ist bis heute über den Verbleib derselben, sowie über den etwaigen Dieb trotz der sofort eingeleiteten Untersuchung nichts ermittelt worden.

Lindau, 10. Oet. Dahier ist am 3. Oet. zwischen 3 und 4 Uhr ein Postbeutel auf räthselhafte Weise ent wendet worden. Derselbe hatte neben gewöhnlichen Briefen und Mustersendungen viele eingeschriebene und Geldbriefe enthalten, war hier mit der Bahnpost Nürnberg-Lindau angekommen und hier von einem Schweizer Postbeamten für die Bahnpost Lindau-Romanshorn Genf übernommen worden. Wie es scheint ist der umfangreiche Beutel in der sehr dunklen Nacht zwischen dem Bahnhof und dem Seehafen abhanden gekommen, doch soll der Abgang erst in Romanshorn beim Ausladen der Poststücke aus dem Schnelldampfer bemerkt worden sein.

Rom. Dem Fanfulla wird unter dem 3. Oetober aus Catania geschrieben: Zwei furchtbare Erdstöße haben die Gemeinde Nicolosi vollständig zerstört. Der Schaden ist unberechenbar, da der ganze Ort zusammengestürzt ist. Die Verwüstung ist grenzenlos; die Ueberlebenden sind trostlos. Zwei Compagnien Genie-Soldaten sind abgegangen, um für die Unglücklichen, welche ohne Ob dach geblieben, Holzbaracken zu bauen.

Rom, 12. Oet. In der Provinz Palermo kamen gestern an Cholera 100 Erkrankungen und 52 Todesfälle vor; davon entfallen auf die Stadt Palermo 54 Er krankungen und 42 Todesfälle. In den Provinzen Genua, Massa, Parma und Rooigo betrug die Zahl der Erkrank ungen 9, diejenige der Todesfälle 2.

Fürst Alexander von Bulgarien.

Ein ungarischer Gelehrter, Professor Tolloczy, der sich geraume Zeit in den Balkanländern aalfgehalten hat, entwirft von dem regierenden Fürsten Alexander von Bulgarien, dem einst maligen Prinzen von Battenberg, und seiner Nesidenz folgende Schilderung, die gegenwärtig auf ein besonderes Interesse Anspruch machen darf. Er schreibt:

Das dankbare Volk Bulgariens hat seinem

stadt Sofia eine merkwürdige Residenz errichtet, ein ebenerdiges Haus, das sich blos durch Reinlichkeit von den übrigen hüttenähnlichen Gebäuden unterscheidet. Die innere Einrichtung ist geschmackvoll, aber einfach. Man suche dort nicht fürstliche Pracht; wir finden blos ein hübsches Generals-Quartier. Der Knez, wie die Bulgaren ihren Fuͤrsten nennen, verlebte hier mit geringen Unterbrechungen einige Jahre, Er besitzt drei Wohnräume; einen Empfangs salon, ein Schreibzimmer und ein Schlafgemach. Damit basta! Zwei Dienerzimmer und im rück wärtigen Theil des Hofes ein Zimmer für den Sekretär des Fürsten, Dr. Stojlov, sowie einige Ställe, vervollständigen diese Residenz eines Herrschers. Die Hofhaltung ist gleichfalls sehr bescheiden; sie besteht aus vier Dienern, die der Fürst noch von seinen Eltern übernommen hat. Sie sind natürlich Deutsche und ihre hessische Mundart zu verstehen, ist nicht viel leichter, als das Ueberschreiten des Balkanpasses. Ein Thürsteher und der in Nationaltracht ein herstolzierende Riste Baja, ein martialischer Montenegriner mit kühn aufgedrehtem Schnurr bart, vervollständigen die Dienerschaft. Als Flügeladjutanten umgeben den Fürsten seine früheren Kameraden, Baron Corvin, sein einstiger Hauptmann und einige höhere Stabsoffiziere. Privatsekretär des Fuͤrsten ist dessen Jugend freund Menges. Ununterbrochene Arbeit ist das Leben des Herrschers. Vom Morgen bis zur Mittagsstunde verhandelt er mit seinen Ministern, Nachmittags werden militärische An gelegenheiten verhandelt und selbst der Abend ist kaum der Erholung gewidmet. Die Hofetikette ist weder die spanische, ceremoniöse der west lichen Höfe, noch eine satrapenmäßige; es ist eine trauliche, soldatische Haushaltung, in welche eingeführt zu werden gar keiner Umstände be darf. Da der Südslave keine Aristokratie be sitzt, besteht der Rangunterschied höchstens in der mehr oder minder großen Anzahl von Rubeln, die man besitzt, und deßhalb kann jeder Bulgare frei und ungezwungen mit seinem Herrscher verkehren. Nur eines wirkt störend; dieses schöne demokratische Gefühl steht im um gekehrten Verhältniß zu dem Reinlichkeitsgefühl, so daß man die beschwerdeführenden vorsprechen den Bürger erst dann einläßt, wenn ihr Aeußeres halbwegs annehmbar ist. Fremden gegenüber ist das Entgegenkommen ein ungemein an heimelndes. Seine türkischen Unterthanen be zeichnete der Fürst als die Ideale von Bürgern. Sie seien ehrlich, gehorsam, treu. In Bezug auf Erfüllung der Steuerpflicht und auf die Ausführung von Forderungen seien sie geradezu einzig. Die Geschicklichkeit der Bulgaren ent wickele sich nur schwer, und die Scheu der Ein geborenen den Fremden gegenüber wolle nur langsam weichen. Schließlich kam die Rede auf das Militär, auf welches der junge Fürst am stolzesten blickt.

Handel und Verkehr. Friedberg, 13. Oct. Fruchtbericht. Walzen M. 16.75 bis 00.00, Korn M. 14.7500., Gerste M. 14. 16. Hafer M. 12.50 13.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Ko.= 200 Zollpfund. Friedberg, 14. Oet. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.850.95, Eier 1 St. 78 Pf. Butzbach, 10. Oet. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.10, Käse per Pfund 4546 Pf., Eier 2 Stück 12 Pf. Gießen, 13. Oetober. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.90 1.05, Eter per St. 7 Pf., Käse per St. 47 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 0.60, Hühner per Stück M. 0.85 1.20, Hahnen per Stück M. 0.500.80, Enten per Stück M. 1.80 1.80, Ochsenfleisch per Pfund 68 Pf., Kuh⸗ und Rind⸗ leisch 5660 Pf., Schweinefleisch 5060 Pf., Hammel⸗ fleisch 6070 Pf., Kalbfleisch 4850 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.00 3.50, Zwiebeln per Ctr. M. 4.50 bis 6.00, Zwetschen M. 6.508. Homburg, 13. Oct. Marktpreise. Kartoffeln per Malter M. 3.504, per Gescheid 8 9 Pf., Eier per Stück 6 und 7 Pf., Butter per Pfd. 1. Qual. M. 1.00, 2. Qual. 90 Pf. Frankfurt, 12. Oct. Fruchtbericht. Hiesiges Welzen⸗ mehl Nr. 0 M. 32.33., Nr. 1 M. 26.50 27.50, Nr. 2 M. 25.26., Nr. 3 M. 23.24., Nr. 4 M. 16.50 17.50, Nr. 5 M. 15.50 16.50, Milchbrod⸗ und Brod⸗

Herrscher im einstigen Türkenviertel der Haupt

Nr. 0(hiesiger Marke) M. 28.24., do. 0/1 M. 21. 22., do. 1 do. M. 19.50 20.50, do. 2 do. 17.25 17.50. Welzen ab unserer Umgegend M. 16.75 17., frei ab Bahnhof hier M. 17.25, do, fremder je nach Qualität M. 17.75 18.50. Roggen hiesiger M. 14.75 15., Gerste, Brauerwaare neue M. 15.5019., do. zu Mahlzwecken M. 12. Hafer je nach Qualität M. 13.25 14.25, Raps M. 22 50 22.75. Mais, bunter(mixed) M. 12. 12.25. Kartoffeln M. 2. 2.50. Aepfel(Kelterobst) je nach Qualität M. 9. 10. Heu M. 3. 3.25 per Centner, Roggenstroh M. 2. per Centner. Roggenklete M. 4.75, Welzenkleie M. 4.25 per Centner. Rüböl im Detail M. 52. 53. Stimmung ruhig.

Frankfurt, 12. Oct. Der heutige Viehmarkt war mit 404 Ochsen, 24 Bullen, 424 Kühen, Stieren und Rindern, 346 Kälbern, 674 Hämmeln und 91 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qual. pro 100 Pfund Schlachtgewicht M. 68.69., 2. Qual. M. 54.64., Bullen 1. Qual. M. 40.42., 2. Qual. M. 34.36., Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 55.57., 2. Qual. M. 40.45. Kälber 1. Qual. pro 1 Pfund Schlachtgewicht 60 62 Pf., 2. Qual. 5052 Pf., Hämmel 1. Qual. 5557 Pf., 2. Qual. 3545 Pf., Schweine, inländische 6063 Pf.

Literarisches.

Nr. 2 enthält: Aus der Welt. Für die Werkstatt: Wie es den Taubstummen geht. Den elsäßischen Woll schuhmachern geht es schlecht. Jeder sein eigener Patent Anwalt. I. Drei aus der Innung Ausgeschlossene be⸗ schweren sich mit Erfolg. Allerhand Nützliches für den Handwerker. Für den Abendschoppen: Wählt keinen Advokaten. Sonntagsruhe oder Sonntagsarbeit! Von W. Schirmer, Pfarrer in Neiße. Allerhand Neues und Merkwürdiges. Für Haus und Herd: Eine rich⸗ tige und ordentliche Bandwurmkur(Schluß). Wiegen⸗ lied. Wider die Kröten im Keller. Spanferkel, ein Kirmeßessen. Die Mücke als Quellenfinderin. Für den Feierabend: Bureauspäße(Schluß).

Brodpreise vom 16. Oktober bis 1. November. Nach eigener Angabe der Bäcker. Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach

unverändert.

Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 16. Oktober bis 1. Nov.

a Nach eigener Angabe der Metzger. Fur Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach unverändert. In Bad⸗ Nauheim kostet das ½ Kilo Schweinefleisch 52 Pf.

0 35 Geld⸗ Cours.

Frankfurt am 13. Oktober 1885.

Geber. Nehmer

M. Pf. M. Pf.

20⸗-Frankenstücke., e e e do. ir%% Englische Sovereings... 20. 30 20. 26 Rüssische Impertales i g Daba ten 2 al map.... Dollars in Golde. 2 4.19 4.46

Israelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbathfeier vom 17. Oktober 1885. Beginn: Freitag Abends 4 Uhr 45 Min. Samstag Morgens 8 Uhr 15 Min. Samstag Nachmittags 3 Uhr 30 Min. Sabbathausgang 5 Uhr 50 Min. Wochengottesdienst von Sonntag den 18. Oktober an Morgens 6 Uhr 30 Min, Nachmittags 4 Uhr.

3185 Halbb.⸗Wagen, neu, lescht, sol., eleg., preisw. Abb. grat. J. G. Rumpf Ets. Hand 18, Frankfurt a. M.(1827.

Bekanntmachung.

Christian Wilhelm Armbrust von Vilbel beabsichtigt in seiner Hofralthe zu Vilbel eine Schlächterei zu er⸗ richten. Pläne und Beschreibung liegen 14 Tage auf unserer Registratur zur Einsicht der Interessenten offen und sind etwaige Einwendungen gegen die Anlage bel uns vorzubringen, widrigenfalls dieselben auf Berück sichtigung keinen Anspruch haben. Friedberg am 6. Oktober 1885.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. 3554 Dr. Braden.

Faselochs-Versteigerung. Freitag den 16. Oktober, Nachmittags 2 Uhr, soll ein fetter Faselochs aus dem Gemeindebullenstall in dem Gemeindehause meistbietend verstelgert werden. Rodheim v. d. H. den 13. Oktober 1885.

Großherzogliche eee Rodheim v. d. H. a co bi.

Empfeh lung.

Unterzeichneter empfiehlt sich den Bewohnern Fried⸗ bergs im Schlachten von Schweinen. Bestellungen können bel Herrn Bierbrauer Georg Steinhäu ßer und Metzger H. Schäfer gemacht werden. 5 Ockstadt den 4. Oktober 1885.

mehl im Verband M. 50.52., norddeutsches und west⸗

3448 Heinrich Gröninger II., Metzger.

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fälisches Weizenmehl Nr. 00 M. 28. 23.25, Roggenmehl

Die Werkstadt, Meister Konrads Wochenzeitung,