Ausgabe 
14.4.1885
 
Einzelbild herunterladen

Aus Stadt und Land.

d. Bad⸗Nauheim. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde der Versuch gemacht, in den J. Pfeffer'schen Laden einzubrechen, die Einbrecher müssen aber gestört worden sein; dagegen gelang es denselben in den R. Wörner'schen Laden einzubrechen, aber auch hier konnte ein Raub durch die Dazwischenkunft des Elgenthümers glücklich verhindert werden.

r. Schwalheim. Zur Geburtstagsfeier des Fürsten Bismarck vereinigte sich auch in unserem Orte die Ein⸗ wohnerschaft in dem Gefühle der Treue und Anhäng⸗ lichkeit zu Kaiser und Reich und gaben diesem Gefühle dadurch Ausdruck, daß sie dem Kanzler desselben be geisterte Hochs ausbrachte.

Pfungstadt. Die Firma J. Hildebrand hier ließ dieser Tage die erste Sendung Exportbier nach dem Kamerungebiet abgehen.

Bieber. Ueber eine Blutvergiftung wird gemeldet: Vor einigen Tagen verstrickte eine Frau rothgefärbtes Wollengarn; dabei achtete sie nicht, daß dasselbe in eine Schnittwunde an dem kleinen Finger der rechten Hand kam. Kurz darauf verspürte sie heftige Schmerzen im linken Arm. Am folgenden Tage schwoll derselbe an und verbreitete sich die Geschwulst über die ganze Brust. Zwei herbeigerufene Aerzte versuchten ihre Kunst ver⸗ gebens. Am fünften Tage verstarb die Aermste unter den schrecklichsten Schmerzen. Auf die jüngste Tochter, welche die Pflege der Mutter übernommen, hatte sich die Vergiftung ebenfalls übertragen, doch wurde erstere durch eine sofort ausgeführte Operation gerettet.

Allerlei.

Metz. Bei einer in der Umgegend von Remilly ab⸗ gehaltenen Treibjagd gelang es einem Bürger von Ars ein Nest mit 6 jungen Wölfen aufzufinden. Der Finder beabsichtigt, dieselben von Hündinnen groß ziehen zu lassen.

Hamburg. Die Zahl der in den Monaten Januar und Februar d. J. aus Deutschland Ausgewanderten beträgt 6580(im Januar 2342 und im Februar 4238). In den Monaten Januar und Februar des vorigen Jahres wanderten zusammen 10,504 aus. Das Jahr 1885 hat also mit einer nicht unerheblichen weiteren Abnahme der Auswanderung begonnen.

Das Leben im Meere.

Die Vorstellungen von der Tiefsee gestalten sich dermalen wesentlich anders wie in früherer Zeit. Der Forscher, der dem Laien diese für ihn unentschleierbaren Räthsel enthüllt, tritt nun vor ihn hin und zeigt ihm den Boden schlamm des Meeres, der mittelst eigener Apparate aus den größten Tiefen herausgeholt wird. Mit diesem Schlamm vermag der Laie freilich nichts anzufangen. Der Fachmann aber gibt willig die Erklärung. Was enthält also dieser Schlamm? Nicht mehr und nicht weniger als den gemeinsamen Stammbaum aller Organismen. Unter dem Mikroskop löst sich der Schleim oder Schlamm in winzige Gebilde auf, welche man Protisten nennt. Sie sind die lebenden Zeugen eines Lebensprozesses, der der Gegen wart um Hunderttausende von Jahren voraus- ging. Ununterbrochen lagern sie ihre Ueberreste auf dem Meeresboden ab, führen submarine Berge und Bänke auf. Sie haben in vor⸗ historischer Zeit ganze Gebirgsschichten mit ihren Leichen(den Schalen) gebildet, wozu eine Individuenzahl nöthig war, der unser Fassungs⸗ vermögen nicht gewachsen ist. In einem ein⸗ zigen Kubikcentimeter des Stoffes, aus dem die Kreidegebirge zusammengesetzt sind, befinden sich Millionen jener mikroskopischen Schalen, was eine eben so große Individuenzahl der be treffenden winzigsten Organismen bedingt. Die Tiefen der Ozeane sind also nicht unbelebt, wie man bislang annahm, sondern reich an niederen Organismen, deren Existenz die immense Lücke zwischen dem Thierleben der Vorzeit und der Gegenwart ausfüllt. Der geistige Horizont hat sich demnach durch derlei Resultate der Forschung unendlich erweitert. Die große Mehrheit der Menschen, welche mit dem Meere in keiner Be rührung steht, wird aber noch durch andere Dinge überrascht. Mit der Vorstellung von Verödung, Gefahren und Schrecken verbindet der Binnenländer in der Regel auch die An nahme, daß das Meer verhältnißmäßig große Räume besitzt, in denen das organische Leben kaum eine Rolle spielt. Es ist aber gerade das Gegentheil der Fall. Im Vergleiche mit dem Festlande ist das Meer die Welt der Frucht⸗ barkeit gegen die Welt der Sterilität. Eine Alge, welche Humboldt aus dem Meere fischen sah, hatte die Länge von 5000 Meter! Die

Keime der thierischen Organismen im Meere zählen wir nach Hunderttausenden, die Zahl der gesellig lebenden Individuen nach Millionen und Millionen. Die meilenlangen und meilenbreiten Medusenzüge vereinigen Billionen Individuen in sich. Vollends unfaßbar und unberechenbar sind die Mengen der Individuen aus der Klasse der Protisten. Eine der zaubervollsten Er scheinungen der See das Meeresleuchten ist nichts Anderes, wie Humboldt trefflich sagt, alsdie Lebensregung einer unsichtbaren Thier welt. Die im Phosphorlicht schimmernde Ober fläche des Meeres ist nichts Anderes als eine Ansammlung von Myriaden von winzigen Leucht thieren. Ungeheure Flächen werden von ihnen bedeckt, und Schiffe steuern bei Tage stunden lang durchmilchige See. Das sind aber nur einige Beispiele. Wir können die Zahl derselben vermehren, wenn wir der ungeheueren Massen von gefangenen Seethieren gedenken, welche fast ausschließlich die Küsten- und Insel⸗ bevölkerungen nähren. Hier gelangt der Segen des Meeres zu greifbarer Form, und er ist so groß, daß aller Reichthum des Festlandes, die Tropenländer mit inbegriffen, dagegen ver schwindet. Um diese Thatsache dem Leser zu vermitteln, bedarf es der Ziffer. In dieser Beziehung ist in der That ganz Unglaubliches zu verzeichnen. Welche Massen von Seethieren auf dem ganzen Erdenrund derWasserwüste des Weltmeeres abgejagt werden, ist selbst verständlich nicht zu ermitteln. Dagegen liegen über den europäischen und amerikanischen Fisch⸗ fang ausreichende Daten vor, und diese dürften zur Beleuchtung des Meeressegens vollauf ge nügen. Wir halten uns au das bekannteste Jagdwild der See den Häring, den Stock fisch, die Sardelle, die Auster. Jedes hollän dische Schiff, das auf den Häringsfang aus geht, pflegt gewöhnlich eine Million dieser Thiere als Beute heimzubringen. Die Ge sammtbeute der holländischen Häringsfänger dürfte sich aber allein auf 100 Million Stück belaufen. Nun verzehrt aber London allein jährlich an 1200 Million Häringe! Das Defieit wird gedeckt durch die Thätigkeit englischer, norwegischer, deutscher und amerikanischer Fisch züge. Das gibt aber eine Massenbeute von mindestens 10,000 Million Fischen. Von den ungeheueren Häringszügen zur Laichzeit macht sich der Binnenländer schweclich einen Begriff. Alle diesfälligen Schilderungen dünken ihn uͤber trieben. Und dennoch ist es wahr, daß solche Züge Meilen lang und breit sind und Böte durch die wimmelnden Thiere viele Centimeter in die Höhe gehoben werden.

Etwas kleiner, aber noch immer bedeutend genug, ist die Stückzahl der jährlich gefangenen Kabeljaus und Schellfische. Sie dürfte etwa 600 Million betragen. Der Kabeljau er scheint im Frühjahr auf den Newfoundlands bänken und lagert sich dortselbst in einer oft einen Meter dicken Schicht von 10 Meilen Länge und 30 Meilen Breite. Aus dieser lebendigen Masse holen sich die Engländer allein über eine Million Zentner Stockfische(so nennt man den geköpften Kabeljau, wie er in den Handel kommt), und eine einzige Gesellschaft, welche an Frankreich etwa 10,000 Zentner Fisch⸗ rogen liefert, beschäftigt ca. 2000 Fahrzeuge mit 30,000 Menschen. Der jährliche Ertrag der Sardinenfischerei beträgt an den Küsten der Bretagne allein 600 Million Stück. Eine nicht minder eindringliche Vorstellung von dem überwältigenden Reichthum des Meeres liefern andere Zweige des Fischereigewerbes, so bei spielsweise der Austernfang. Die Auster ist seit den ältesten Zeiten ein hervorragendes Ge nußmittel der Menschen. Die gegenwärtige Ausbeute übersteigt aber Alles ähnliche auf dem Gebiete der Beschaffung animalischer Nahrung. In New-⸗Pork existiren 7000 Austernlokale, welche circa 20,000 Menschen beschäftigen und jährlich einen Gewinnst von etwa 50 Million Dollars erzielen! Eine Fischerflotille aus Balti⸗ more liefert zu Zeiten 11 Million Faͤsser

Austern in einem einzigen Jahre. Man nimmt an, daß in Europa allein jährlich bei 3 Milli⸗ onen Austern verzehrt werden. Berücksichtigt man nun diese immense Ausbeute, so wäre man zu der Annahme berechtigt, daß der Reichthum der Austernbänke früher oder später versiegen müßte. Dieser Eventualität arbeitet aber die Natur selber entgegen, indem sie in ausgiebiger Weise für den Nachwuchs sorgt. Nach Baker setzt die Auster jährlich 100,000, nach Poli 1,200,000, nach Leeuwenhoek vollends 10 Mil- lion Junge in die Welt. Um übrigens dem Leser eine Vorstellung von dem Keimreichthum macher Seethiere zu geben, machen wir nur auf folgende Thatsachen aufmerksam. Der Rogen eines ausgewachsenen Hausen wiegt nicht selten 8 Centner und enthält etwa 3 Million Eier. Da nun der Rogen(alsKaviar) ein Nahrungsmittel für sich bildet, gehen beispiels weise allein in Rußland 3000 Million, im Berreiche von ganz Europa aber mindestens 10,000 Million Hauseneier für die Fort⸗ pflanzung verloren. Das Meer bietet indeß noch andere Schätze, welche den Menschen reichen, ja überreichen Ertrag liefern. Wir wollen nur der Perlenfischerei gedenken. Gegenwärtig zählt man im persischen Golf allein circa dreihundert Perlenbänke mit einem durchschnittlichen Jahres- Erträgniß von zwei Million Dollars. Auch in Bezug auf die Seevögel und Seesäugethiere ist die Beute zum Theil unermeßlich. Im Jahre 1870 beispielsweise fing eine norwegische Flotille von 18 Schiffen im Ganzen circa 86000 Seehunde. Weiter beziffert man die Zahl sämtlicher innerhalb eines Zeitraumes von 37 Jahren(1835 bis 1872) erbeuteten oder doch vernichteten Wale und Pottfische auf 290,000. Nicht alle Wale erliegen der Har⸗ pune; ganze Herden derselben werden von der Fluth ans Ufer geworfen. An den Shetlands⸗ inseln strandeten einmal 300 dieser Riesenthiere, im Walfjord auf Island vollends 1100 Stück innerhalb eines einzigen Jahres. Speck, Thran und Fischbein sind die gewinnbringenden Gegen⸗ stände, welche den Menschen veranlaßten, dem größten und stärksten Geschöpfe unserer Erde auf den Leib zu rücken und seinen geschlossenen Herden förmliche Vernichtungsschlachten zu liefern. (Aus dem anziehenden und lehrreichen Werke von A. v. Schweiger⸗Lerchenfeld:Von Ozean zu Ozean, welches wir uunseren Lesern besonders empfehlen.)

Verloosungen.

Hessische Ludwigs Eisenbahn⸗Gesellschaft. Ziehung am 1 April 1885. Heimzahlung am 1. Juni 1885. 4 pCt. Prioritäts⸗Obligattonen. Nr. 54 89 260 667 736 1105 423 513 873 2641 904 05 06 3317 18 76 3431 3235 62 4004 06 56 4269 70 94 4562 4688 4811 5243 44 5386 87 5512 5904 20 6717 7002-08 58 78 140 90 7334 35 7529 66 7827 7942 8187 8298 8329 75 8453 96 851821 9025 9247 952932 9615 18 9756 9876 10249 10678 92 10862 11015 40 246 49 328 636 830 12095 119 461 68 75 573 74 95 608 20 21 960 13562 315 80 925 14250 330 54 574 614 893 94 98 15111 53 475 580 622 819 46 16148 87 674 74447 902 03 17024 85 103 422 24 635 959 1816163 470 71 573 513 18 865 66 90 à 600 M.

Karlsruhe, 31. März. Gewinnziehung der ba⸗ dischen 35 fl.⸗Loose. 68571 M. fielen auf Nr. 124211, 25714 M. auf Nr. 14566, je 6857 M. auf Nr. 147182 und Nr. 301806, je 3428 M. auf die Nrn. 33760 214401 277103 und 335434, je 1740 M. auf die Nrn. 39633 141636 222009 237279 241825 299469 319941 340682 342911 347580 347968 und 371353, je 428 M. auf die Nrn. 11668 39609 39642 58218 67354 87356 89510 89546 130219 184907 140283 149596 150639 153090 156162 202830 208083 230046 304342 327711 329328 331425 333908 333912 333915 333934 344792 373301 387078 und 388206.

Karlsruhe, 1. April. Serienziehung der badischen 100 Thlr.⸗Loose: 32 103 132 186 347 553 579 641 647 685 878 906 1012 1027 1133 1168 1324 1327 1407 1463 1483 1520 1563 1575 1673 1747 1773 1829 1836 1838 1906 1916 2016 2111 2144 2226 2296 2299.

Badische 4pCt. 100 Thlr.⸗Loose von 1867. Serien⸗Ziehung am 1. April 1885. Nr. 32 103 132 186 347 553 579 641 647 685 878 906 1027 1133 1163 1324 1327 1407 1463 1483 1520 1563 1575

1673 1747 1773 1812 1829 1836 1838 1906 1916

2016 2111 2144 2226 2296 2299. Die Gewinn⸗Ziehung findet am 1. Juni 1885 statt.

ö

OGewünn⸗ 30, Jun 306 402

1290 fe

2463 20% 3070 31

3819 40 6, 2785

5 . Wien f

Butter Käse per

her 100

D zeitung Werksta Reinige Ladenle

Her