Steckbrief.
Weiß, Katharine, Taglöhnerin von Maar, Kreis Lauterbach, ist wegen Landstreicherei und Bettelns zu verhaften und Großh. Amts⸗
gericht Butzbach vorzuführen.
Der Großherzogliche Amtsanwalt. Wagner.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Dr. Heim in Frankfurt wurde zum Lehrer an der Viktoriaschule und dem Lehrerinnenseminar zu Darmstadt ernannt.
— Der Professor Muller aus Darmstadt wurde zum Lehrer an der Baugewerkschule zu Darmstadt und der Ingenieur Wagner aus Billings zum Sekretariats-Assistenten bei der Centralstelle für die Gewerbe und den Landes- gewerbverein ernannt.
Berlin, 10. Juni. Vom Führer der letzten Berliner Expedition in Ostafrika, Regier⸗ ungsbaumeister Hoernicke, ist Nachricht aus La⸗ mun unterm zweiten südlichen Breitegrad vom 11. Mai eingetroffen, wonach die Expedition am 5. Mai in Zanzibar anlangte, worauf die Karawane mit 160 Eingeborenen und Trägern und fünfmonatlicher Ausrüstung in das Innere aufbricht.— Ein Sergeant und zwei avancirte Grenadiere vom Garde-Alexander-Regiment be— geben sich am 17. nach Toga in Westafrika zur Verwendung als Justructeure und Polizebeamte. Dieselben sind bis 1. April 1886 beurlaubt, alsdann steht denselben der Rücktritt in ihr früheres Dienstverhältniß wieder frei.
— 11. Juni. Das Borsensteuergesetz ist heute amtlich publicirt worden.— Der Bundes— rath beschloß, den Anträgen auf Einführung einer Doppelwährung keine Folge zu geben.
Köln, 10 Juni. Die Generalversammlung des westdeutschen Colonialvereins fand heute statt und war von 400 Mitzliedern besucht.
Eisenach, 11. Juni. Heute und morgen findet hier eine Conferenz der Minister der thüringischen Staaten statt zum Zwecke der Ver— einbarung über gegenseitige Rechtshilfe in Ver— waltungssachen.
Ausland.
Frankreich. Paris, 10. Juni. In der Commission für die Madagascarcredite gaben Brisson, Freycinet und Galibert Erklärungen ab. Ersterer sagte, die Regierung beabsichtige auf Madagascar deu Status quo vollkommen auf— rechtzuerhalten, so lange die Tonking-Angelegen— heit nicht vollständig geregelt sei. Wolle man weiter gehen, so sei dies Sache der neuen Kam— mer, welche sagen werde, welche Politik sie in den colonialen Fragen befolgen wolle. Freyeinet erinnerte an das Votum, wodurch die Kam— mer ausgesprochen, daß Frankreich Rechte auf Madagascar habe und dieselben auch geltend machen wolle. Die Regierung werde das Vo tum achten und Nichts thun, was den Be— schlüssen der Kammer zuwiderlaufe. Die Re— gierung erkenne an, man könne nicht auf unbe— stimmte Zeitdauer in der gegenwärtigen Lage bleiben, die neue Kammer werde die Frage ent— scheiden müssen.
— 10. Juni. Das Wahlcomité der An— hänger des Prinzen Victor erließ ein Mani— fest, worin jede Gemeinschaft mit den revolutio— nären Tendenzen zurückgewiesen und an alle Gegner der Repulik appellirt und denselben der entsprechende Antheil an den Wahllisten zuge— sagt wird. Das Programm gipfelt in der Auf— forderung zur Bekaͤmpfung der republikanischen Partei.
Großbritannien. London. Die„Times“ meldet, die Königin habe die Demission des Ca— binets nicht bedingungslos angenommen.— „Standard“ glaubt, die Königin werde eventuell in erster Reihe Northeote mit der Bildung des neuen Cabinets betrauen. Lord Salisbury soll damit einverstanden sein, daß Northeote an der Spitze der conservativen Regierung stehe.— Die„Pall Mall Gazette“ schreibt: Da Salis— bury wenig geneigt scheint, die Regierung im gegenwärtigen Augenblick zu übernehmen, werde die Königin Gladstone ersuchen, von seiner De— mission Abstand zu nehmen; man glaubt jedoch nicht, daß Gladstone darein willigen wird.—
Neuerdings verlautet gerüchtweise, daß Gladstone sein Demissionsgesuch zurücknehmen und als Premierminister an der Spitze des Cabinets verbleiben werde, dessen Programm jede be— schränkende Regressivgesetzgebung für Irland ausschlösse.
— 10. Juni. Der diplomatische Schrift— wechsel zwischen Deutschland und England, be— treffend die deutschen Landreklamationen in Fidschi, ist heute veröffentlicht worden. Es geht daraus hervor, daß die gemischte Com— mission, deren Ernennung beiderseits vereinbart worden, gewissen deutschen Reichsangehörigen 10,620 Pfund Endschädigung zuerkaunte, welche am 19. Mai dem deutschen Botschafter in Lon— don ausgezahlt wurden.
Italien. Rom, 11. Juni. Die Depu— tirtenkammer nahm den ersten Artikel des Ge— setzentwurfs betr. die Verantwortlichkeit der Arbeitgeber für Unfälle bei der Arbeit mit 119 gegen 116 Stimmen an. Der Ackerbauminister und der Justizminister hatten die Vertrauens— frage gestellt.
Bulgarien. Sofia, 9. Juni. Die Nationalversammlung ist heute von dem Fürsten mit einer Thronrede eröffnet worden, in welcher derselbe hervorhebt, daß er auf seiner letzten Reise durch das Fürstenthum neue Beweise der Ergebenheit der bulgarischen Bevölkerung er— halten habe.
Rußland. Petersburg. Die„Deutsche Zeitung“ erfährt, eine außerordentliche abes⸗ synische Gesandtschaft werde im Laufe des Sommers in Petersburg eintreffen.„Grash— dauin“ vernimmt, die Gesandtschaft werde vor— ber in Athen vorsprechen. Ihr Zweck sei vor⸗ nehmlich, die Glaubeuseinheit der abessynischen Kirche mit der orthodoxen Kirche weiterzuent— wickeln zu suchen; hernach werde auch von rus⸗ sischer Seite eine Gesandtschaft nach Abessynien mit Geschenken und zur Erforschung des Landes entsandt werden.
Amerika. New Pork, 10. Juni. Einige Eisenwerke in den westlichen Staaten haben die Arbeit wieder aufgenommen, da die Striken— den durch andere Arbeiter ersetzt werden konnten.
Aus Stadt und Land.
? Friedberg. Der„Wetterauer Zweig⸗ verein der Gustav Adolf-Stiftung“ beabsichtigte sein diesmaliges Jahresfest am 21. Juni ein Bönstadt, wo er herzlich willkommen geheißen wurde, zu feiern. Leider aber wird dies durch die auch in Bönstadt zum Ausbruch gekommene Masern-Epidemie für den genannten Termin zur Unmöglichkeit gemacht; denn die Schulen werden auf längere Zeit, wenigstens 14 Tage über den 21. Juni hinaus, geschlossen bleiben müssen. Daß dadurch gesangliche u. a. Vorbereitungen für das Fest verhindert werden und überhaupt angesichts einer solchen Epidemie Möglichkeit wie Freuvigkeit zur Be⸗ thelligung an der Festfeier für Eltern und Kinder be⸗ einträchtigt wird, dies liegt auf der Hand. Der Vereins⸗ vorstand hat daher beschlossen, das Fest auf die zweite Hälfte des August, bis wohin die Masern zu Bönstadt erloschen sein dürften, zu verschieben.
Allerlei.
Kissingen, 11. Juni. Die Fürstin Bismarck ist heute, begleitet von Professor Schweninger, hier ein— getroffen.
Basel, 9. Juni. Durch den Anprall eines Schiffes gegen ein Brückenjoch im Rhein verunglückten heute viele Menschen. Die„Straßb. Post“ schreibt darüber: Bis jetzt werden 12 Personen vermißt, die unzweifelhaft der Katastrophe zum Opfer gefallen sind. Es befanden sich in den beiden zusammengebundenen Kähnen 32 oder, wie einige der Geretteten behaupten, 34 oder 35 Personen, in dem Unglückskahn 16 oder 17. Das Unglück ist das Ergebniß bodenlosen Leichtsinns der beiden Kahnführer und Ruderer, die um so strafbarer sind, als sie als ver— pflichtete Fährleute sich betrunken hatten, die warnenden Zurufe der auf der Brücke gestandenen Mitglieder des Rheinclubs höhnisch verlachten, gegen alle Erfahrung die Kähne zusammenbanden und quer statt längs durch die Pfetler fahren wollten.
Paris, 11. Junk. Nachrichten aus Thiers zufolge sind heute bei dem Einsturz einer Treppe des Justiz⸗ palastes 24 Personen getödtet und 164 Personen ver⸗ wundet worden; unter letzteren befinden sich vierzehn
Schwerverwundete.
Madrid, 9. Juni.
Todesfälle vor.
Rom. Sämmtliche italtenischen Journale sind mit Berichten erfüllt über das Hagelwetter und den großen Sturm, der vorige Woche im nördlichen Italien wüthete. In Mantua schlug der Hagel 30,000 Fenster ein, so daß die Glaser zur Reparatur des Schadens Gläser und Ge⸗ hülfen aus Mailand kommen lassen mußten. In Vicenza lagen fußhoch die Hagelsteine; sämmtliche Getreidefelder und Weinpflanzungen sind verwüstet. In Bologna fielen Steine in der Größe von Hühnereiern, wodurch viele Personen verwundet wurden. Aller Orten treffen Nach⸗ richten über die Verwüstungen ein, welche der Sturm an Bäumen, Pflanzen und besonders an den Weinpflanz⸗ ungen angerichtet hat.
Petersburg, 11. Juni. Gestern früh brach in Grodno eine große Feuersbrunst aus, welche erst heute bewältigt wurde. Dreiviertel der Stadt sind vernichtet, hierin die schönsten Straßen. Viele Kirchen und Re⸗ gierungsgebäude sind zerstört. Der Schaden wird auf Millionen von Rubeln geschätzt. Menschenverluste sind nicht zu beklagen.
Port⸗Sald, 11. Juni. In der Nähe von Kan⸗ tara wurde ein großes Baggerschiff von dem Dampfer „Melville“ mitten im Suezeanal in den Grund gefahren. Die Passage des Canals dürfte in Folge dessen für einige Zeit wesentlich erschwert oder gänzlich gestört sein.
Das Baden.
Wiederum stehen wir vor der schönen Bade- u. Schwimm saison, abermals ist es uns vergönnt, unsere Glieder in die klare Fluth zu tauchen und neues, frisches Leben und blühende Gesundheit aus dem Wasser zu schöpfen. Von Jahr zu Jahr wird von ärztlicher Seite das Baden und Schwimmen als Hauptvolksgesundheitsmittel auf's Dringenste empfohlen und Viele werden auch bekehrt; denn Stadt und Land wetteifert, um ganz besonders der Jugend ein wohlthätiges Bad während der Sommer⸗ monate zu verschaffen. Aber der größte Theil des Volkes steht dieser Wohlthat noch fern, theils aus Bequemlich⸗ keit, theils aus Verkennung des Guten. Es ist deßhalb Pflicht eines jeden Menschenfreundes, ganz besonders Pflicht der Eltern und der Lehrer, die Jugend auf die großen Vortheile eines erfrischenden Bades aufmerksam zu machen; denn nicht nur wird der Körper dadurch ge⸗ stärkt und erfrischt, nicht nur wird er gegen die ihm drohenden Gefahren mancherlei Art abgehärtet, sondern auch der Geist wird in Mitleidenschaft gezogen und die geistige Kraft durch die Gesundheit des Körpers gehoben und gekräftigt. Allerdings muß der Jugend gelehrt werden, wie man baden und schwimmen soll; denn ge⸗ rade durch falsche Anwendung des Bades wird Er— kältung und dadurch mancherlei Krankheit erzeugt. Da fällt uns denn ein Buch in die Hand von dem bekannten Schwimmlehrer H. Ladebeck, ein Lehrbuch der Schwimm⸗ kunst für Anfänger und Geübte, welches eigentlich in der Hand eines jeden Vaters, eines jeden Lehrers, überhaupt eines jeden Menschen, der es mit seiner und seines Nächsten Ge⸗ sundheit wohl meint, zu finden sein sollte. Dieses vor⸗ treffliche Bade- und Schwimmbuch enthält die bis jetzt beste volksthümliche, mit vielen guten Instruetions bildern versehene Anleitung, auch ohne Lehrer, sogar in kurzer Zeit das Schwimmen zu lernen; es enthält ferner Ver⸗ haltungsmaß regeln für die Stellung Ertrinkender und giebt eine vorzügliche Zusammenstellung von Baderegeln, die schon an und für sich das Buch zu einem der werth⸗ vollsten machen; denn durch diese knapp gefaßten Bade⸗ regeln, welche für jedes Kind verständlich gegeben sind, werden alle die nachtheiligen Folgen aufgehoben, welche ein falsch angewandtes Bad mit sich bringt. Außerdem ist aber auch dieses Bade; und Schwimmbuch jedem geübten Schwimmer auf' Wärmste zu empfehlen; denn man findet darin eine Menge der neuesten und besten sog. Schwimmkunststücke, welche jeden Kunstschwimmer erfreuen werden. Schaffe sich darum ein Jeder dieses vorzüg⸗ liche Volksgesunvhetitsbuch an; denn wer regelmäßig und genau nach dem Buche badet und schwimmt, der kräftigt seinen Körper so, daß alle Krankheiten, die besonders im Herbst und Frühling am heftigsten auftreten, ihm Nichts anhaben und Arzt und Apotheke fremde Namen bleiben. Sagt doch schon ein alter griechischer Weiser, daß im Wasser die Quelle der Gesundheit zu finden set, wenn es nur außen und innen recht angewendet werde. (Das betr. Büchelchen ist zu M. 2. in der Buchhand⸗ lung von Carl Bindernagel in Friedberg zu haben.)
Handel und Verkehr.
Butzbach, 10. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.80, Käse per Pfund 45—46 Pf., Eier 1 Stück 5 Pf.
Gießen, 9. Mai. Auf dem heutigen Viehmarkt waren aufgetrieben: 1492 Stück Rindvieh und 885 Stück Schweine. Der Handel war lebhaft und die Preise bet Schweinen höher als am letzten Markt. Nächster Markt Dienstag den 23. d. Mts.
Frankfurt, 10. Juni. Wochenmarkt. Es kostete Butter das Pfd. 80 Pf. bis M. 1.10, Eier das Hundert M. 4—5. Kopfsalat 4—6 Pf., Zuckerschoten das Pfd. 4050 Pf., Kern⸗Erbsen 30—35 Pf., Kirschen 30 bis
50 Pf., Meerrettig 20 Pf., neue Kartoffeln das Pfd.
je 6 Personen an der Cholera. Heute kamen 3 Cholera⸗
Gestern und heute erkrankten
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