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industriellen die österreichisch-ungarische Regier— ung zur Einführung eines Ausfuhrzolls auf Rundholz, Grubenholz und Faßdauben, welcher die große Differenz zwischen dem Einfuhrzoll auf rohes und bearbeitetes Holz ausgleicht, zu veranlassen.
Holland. Luxemburg, 10. Febr. Kam⸗ mer. Simons interpellirte die über die Gründe der letzten Ministerkrisis, ob die Ministerkrisis endgiltig beigelegt oder ob die Regierung des König-Großherzogs definitiv darauf verzichte, das durch europäischen Vertrag garantirte Thronfolgerecht zu modificiren.
Frankreich. Paris, 9. Febr. Die für heute Abend durch Anarchisten beabsichtigte Versammlung unbeschäftigter Arbeiter auf dem Opernplatze hat nicht stattgefunden, nur einige Neugierige fanden sich ein. Die Polizei hatte alle erforderlichen Vorsichtsmaßregeln getroffen. Heute früh fanden drei neue Verhaftungen von Anarchisten statt.
— 10. Febr. Kammer. Bei der fort— gesetzten Berathung der Zolltarife trat der Ackerbau-Minister für den Zuschlagszoll ein, dabei hervorhebend, alle Großmächte, außer
England, seien gegenwärtig Anhänger des Schutzzollsystems. — 10. Febr. Gestern Abend zertrümmerte
ein Haufen von ca. 100 jungen Leuten das Schaufenster eines Waffenhändlers in der Rue Lafayette, drang in den Laden ein und raubte mehrere Gewehre und Revolver. Die Polizei verhaftete mehrere der Plünderer, darunter den 18 jährigen Fuhrer. Die Fenster eines Optikers
auf dem Boulevard poissonidre wurden eben— falls von Ruhestörern eingeschlagen. Im Ver— laufe des Abends wurden weitere zahlreiche
Verhaftungen vorgenommmen, etwa 30 Jndi— viduen wurden in Haft behalten, die Uebrigen wieder freigelassen. Mitternachts war die Ruhe überall vollständig ungestört.
Großbritannien. London, 9. Febr. Wie verlautet, sind 8000 Mann Verstärkungen unter den Befehl Newdegate's für Egypten bestimmt und sollen über Suakin nach Berber dirigirt werden. Eine gestern Nachmittag eingegangene Depesche Wolseley's sagt, daß über das Schicksal Gordon's noch nichts weiter ermittelt sei; Wol— seley hoffe, daß sich Wilson auf dem Rüͤckwege in Sicherheit befinde.— Eine Meldung aus Gubat vom 2. Febr. ist über Korti gestern ein— gegangen und besagt, die Truppen des Mahdi seien beschäftigt, die Gebäude außerhalb Me— tamneh's durch Schießscharten zur Vertheidigung einzurichten. Ein englischer Convoi wurde am 30. Jan. 3 Meilen von Gakdul durch circa 1000 Mann angegriffen. Englischerseits wurde der Angriff mit Geschützfeuer zurückgewiesen, wo— rauf der Marsch fortgesetzt wurde. Der Convoi befindet sich jetzt in Elhowiijat in Sicherheit.
Italien. Rom, 9. Febr. Der Ministerrath hat beschlossen, 20,000 Mann nach dem Sudan zu senden und einen Credit von 20 Million Lire von den Kammern zu verlangen. Die italienischen Occupationen an der Ostkuͤste Afrikas werden, sobald die neue Expedition an Ort und Stelle sein wird, eine wesentliche Erweiterung erfahren. Es sollen in der That sämmtliche Hafenplätze besetzt werden und hält man auch die Ersetzung der englischen Garnisonen in Alexandrien und Kairo durch italienische nicht für unmöglich und zwar zu dem Zwecke, damit England seine Garni— sonen im Sudan verwenden könne, wohin Italien keine Truppen senden wird.
— Die„Agenzia Stefani“ meldet: Die italienische Regierung erklärte, daß sie den letzten französischen Vorschlägen zur Lösung der egyp— tischen Finanzfrage zustimme.
Türkei. Costantinopel. Die Pforte über⸗ gab den Mächten eine Erklärung des Khedive, worin sie über die italienische Occupation am rothen Meere klagt. Auch hätte die Pforte neuerdings in Rom Beschwerde erhoben.
Egypten. Kairo, 9. Febr. Der Khedive erhielt erst heute die Nachricht von der Besetz⸗ ung Massauahs. Auf verschiedene, augesichts
Regierung
der bevorstehenden Besetzung Massauahs nach Constantinopel gerichtete Anfragen wegen Ver— haltungsmaßregeln hatte der Sultan nur er— klärt, man dürfe die egyptischen Truppen aus der Stadt nicht zurückziehen. In Folge dessen werden eine italienische und eine egyptische Gar— nison dort bleiben.
— Obwohl über das Schicksal Gordon's die verschiedenartigsten Gerüchte umlaufen, so stimmen doch viele derselben darin überein, daß Gordon nach langem, heldenmüthigen Kampfe gegen die von allen Seiten eindringenden Araber gefallen ist. Der Correspondent der„Daily News“ berichtet hierüber:„Fünf Eingeborene, welche in Khartum waren, als es sich übergab, sagen aus, daß die Rebellen durch den Verrath zweier Paschas, welche früher einmal von Ge— neral Gordon bestraft worden waren, in die Stadt eingelassen wurden.
— Das„Reuter'sche Bureau“ meldet ans Korti vom 9. ds.: Wilson und seine Begleiter wurden durch einen Dampfer des Lord Beresfort von der Jusel bei dem Cataract von Schabluka, wo sie Schiffbruch gelitten, gerettet. Wilson wird hierher kommen, um Wolseley detailirten Bericht über die Recognoscirung nach Karthum zu geben. Während der Fahrt nach Gubat wurde der Dampfer durch Rebellen angegriffen, dieselben aber zurückgeworfen.— Ungefaͤhr 10,000 In— surgenten sind von Agig nach dem Lager Osman Digma's in Tamai herangezogen.
Amerika. Ottawa. Die canadische Re— gierung beabsichtigt besondere gesetzgeberische Maßnahmen zu treffen, um zu verhindern, daß sich in Canada eine Basis für Operationen von Dynamitarden gegen England und fremde Staaten bilde.
Aus Stadt und Land.
i. Friedberg. Die letzte Monats versammlunz des Lokalgewerbevereins, welche bei starker Betheiligung der Mitglieder am Samstag im Burck'schen Lokale abgehalten wurde, bot für sämmtliche Anwesende viel Interessantes. Als erster Punkt der Tagesordnung stand der Bericht der hierzu ernannten Commission über Submissions wesen. Die Commission entledigte sich ihres Auftrags, indem sie das Resultat ihrer Berathung verlas, welches dahin geht:„Bei Arbeitsvergebunz auf dem Submissionswege das bei der königl. preuß. Bahnverwaltung eingeführte Verfahren zu empfehlen, nach welchem nicht nach Pro— centen, sondern nach Detailpreisen die Angebote zu er— folgen haben, ohne daß vorher die Preisansätze des Hauptvoranschlags bekannt getzeben werden; ferner die Arbeit oder Lieferung nur leistungsfähigen Bewerbern zu übergeben und bei Abnahme der Arbeit oder Lieferung auf das Genaueste die eontraktlichen Bedingungen zu prüfen“. Die Versammlung tbeilte mit beinahe Stimmen— einheit die Ansicht der Commission. Nach einigen münd— lichen Verhandlungen wurden ferner mehrere Artikel aus Fachblättern über diesen Gegenstand verlesen, aus welchen zu ersehen war, daß außer unserem Lokalverein noch Viele bemüht sind, den richtigen Weg bei Arbeitsver⸗ gebungen zu finden. Den zweiten Punkt der Tages⸗ ordnung bildete ein interessanter Vortrag des Archttekten und Lehrers unserer Handwerkerschule, Bronner, uber Baustyle. In leicht verständlicher Weise und durch viele Beispiele und Abbildungen veranschaulicht, gab der Vor— tragende in großen Umrissen eine interessante Beschreibung der Baustyle. Bezinnend mit den ersten Anfängen der Baukunst, 3000 v. Chr., fuhrte er stufenweise das Charakteristische der später entstandenen Baustyle bis auf unsere Zeit vor und verweilte eingehender mit seinem Vortrag auf dem augenblicklich gebräuchlichsten Styl der deutschen Renaissance, was er noch durch prachtvolle Zeichnunzen der hervorragendsten Gebäude Deutschlands erläuterte. Mit großer Aufmerksamkeit folgten ihm die Zuhörer und dankten ihm am Schluß für den interessanten Vortrag. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung war die Vorlage einer von Bronner für den Verein gefertigten Zeichnung eines Schrankes, welcher unter den Mitgliedern des Vereins auf dem Submissionsweze zur Anfertigung vergeben werden soll. Am Schluß des Versammlungs⸗ abends boten noch die verschiedenen Fachblätter, als: Deutsches Baugewerkblatt, Die Werkstatt(Meister Konrads Wochenzeitung), Zeltschrift des Kunstgewerbevereins in München, Gewerbeschau, Deutsche Industriezeitug u. A., den Mitgliedern Gelegenheit, sich über manche Neuerung und Erfindung zu unterhalten und zu belehren. Wieder hat die Versammlung von einem zuten Geist unserer Handwerker und Industriellen und einer Neubelebung unseres Vereins Zeugniß abgelegt. Der zahlreiche Besuch und die lebhafte Betheiltgung an den Verhandlungen zeigte das zur Genüge. Schmäh⸗
artikel aber, welche dem Verein und der Handwerkerschule zu schaden suchen, werden von unseren gutgesinnten Mit⸗ gliedern und Freunden so behandelt, wie sie es verdienen. Die wenigen Feinde der zuten Sache und die Miß⸗
zünstigen sind längst erkannt und längst moralisch gerichtet.
n. Friedberg. lischen Verein“ veranstalteten Vorträge hielt am letzten Freitag Pfarrer Bauer aus Frankfurt a. M. über„Ulrich
Den zwelten der vom„Evange⸗
Zwingli“. Mit kräftigen Strichen zeichnete der Redner die Kerngestalt des edlen Reformators und begleitete den— selben von dem stillen Helimathhaus in den Bergen auf die Arena des weltgeschichtlichen Kampfes, den er ge— kämpft, bis zum frühen Heldentod, den er auf dem Schlachtfeld bei Cappel gefunden. Mit feinem Verständ⸗ niß und sorgsamer Auswahl des Wesentlichen gab uns Redner ein plastisch abgerundetes Charakterbild und licht⸗ volles, ergreifendes Lebensbild, das um so mehr an⸗ sprechen mußte, als der warme, gemüthvelle Ton des Vortragenden hindurchfühlen ließ, wie sein ganzes In⸗ teresse dem Helden gehoͤrte, dessen Andenken er unter uns auffrischte. Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte denn auch dem Vortrage mit der wärmsten Theilnahme und wirb dem verehrten Gaste dankbar sein, wenn er demnächst uns mit weiteren Gaben erfreuen würde.
h. Friedberg. Das Bankett der 88. Geburtstags⸗ feier unseres Kaisers wird diesmal veranstaltet vom Veteranen⸗ und Militärverein, den beiden Gesangvereinen Frohsinn und Liederkranz, dem Turnverein durch seine Gesangsabtheilung und dem Dilettantenverein und findet am 22. März, Abends 8 Uhr, im Hotel Trapp statt. Auch diesmal werden Gesang, Instrumentalmufik und Reden miteinander abwechseln und die Feier zu einer schönen und angemessenen gestalten. Elin Comité, be— stehend aus Mitgliedern der genannten Vereine, hat es übernommen, die nöthigen Vorbereitungen nach voraus⸗ gehender Berathung zu treffen.
h. Friedberg, 11. Febr. Gestern Abend fand im Hötel Trapp die erste Comité Sitzung bezüglich einer würdigen Feier des 70. Geburtstags unseres Reichs kanzlers, Fürsten Bismarck, in unserer Stadt statt. Soviel steht fest, daß man sich sowohl an der Samm— lung zu einer Ehrengabe bethetligen, als auch den Tag in volksthümlicher, festlicher Weise begehen wird. Einig war man besonders darin, daß eine allgemeine Be⸗ theiligung wuͤnschenswerth sei, ohne Unterschled der Partei⸗ und Confessionsstellung. Bezüglich der Gabe war man der Meinung, daß eine Bethätigung ächt nationaler Gesinnung auch durch eine kleine Gabe dokumentirt werden könne.
B. Bad- Nauheim. Von Seiten des Central⸗ Comité's in Berlin ist der Eingang der dahier für Spanien veranstalteten Collekte mit 200 M. dem hiesigen Local Comits notifieirt worden.— Gelegentlich des Geburtsfestes des Kalsers soll dahier, gleichwie in fruͤheren Jahren, ein Festmahl im neuen Kurhause stattfinden.
Allerlei.
Frankfurt. Aus Bern geht der„Neuen Züricher Zeitung“ nachfolgendes Telegramm zu, das wir unter allem Vorbehalt wiedergeben:„In Frankfurt a. M. wurde der Anarchist Kuttmann arretirt, wahrscheinlich weil er im Verdacht steht, an dem Mord des Polizei— raths Rumpff betheiligt zu sein. Kuttmann wurde vor einigen Monaten wegen Verbreitung des Stellmacher⸗ Plakats in Burgdorf gerichtlich bestraft und dann aus dem Gebiet der Eidgenossenschaft auszewiesen.“
Mannheim. Die Verdachtsgründe gegen den muth⸗ maßlichen Mörder der Margaretha Ries werden immer belastender. Es siellt sich namlich, dem„M. A. zufolge, heraus, daß der verhaftete Jean Kief zur Gründung seines Geschäftes von der Ermordeten 1400 M. lieh, mit dem Versprechen, die Ries zu heirathen. Als jedoch das Geschäft im Gang war, heirathete er ein anderes Mädchen, wovon die Ries erst länzere Zeit nach der Verheirathung Kenntniß erhielt. Es liegt also sehr nahe, daß Kief, in der Absicht, sich seiner Geliebten und seiner Schuld zu entledigen, das Mädchen aus dem Wege räumte.
Gerichtssaal.
Bußbach. Bei der Freitag den 13. Febr. am hles. Amtsgericht stattfindenden Schöffengerichtssitzung kommen folgende Strafsachen zur Verhandlung: 1) gegen Fritz und Karl Schmidt zu Butzbach, wegen Körperverletzung; 2) gegen Konrad Zerb II. und Gen. von Münzenberg, wegen Uebertretung des§ 366 Pos. 9 und 10 des R.⸗St.⸗G.; 3) gegen Heinr. Ratz von Gambach, wegen Körperverletzung; 4) gegen Christoph Suppes Wwe. und ihren Sohn Louis, belde von Kirch⸗Göns, wegen Dieb⸗ stahls; 5) gegen Georg Bender von Gambach, wegen Uebertretung des§ 366 Pos. 9 des R.⸗St.⸗G.⸗z 6) gegen Heinrich Heim von Trais⸗Muͤnzenberg, wegen Diebstahls; 7) gegen Gr. Bürgermeister Jäger von Münzenberg und Genossen, wegen Uebertretung des § 366 Pos. 9 des R.⸗St.⸗G.
Verloosungen.
Nassauische 25⸗fl.⸗Loose vom Jahre 1837. Ziehung am 2. Febr. Auszahlung am 1. Mai 1885. Bei der heute fortgesetzten Ziehung wurden folgende Oewinne gezogen: Nr. 43740 à 20,000 fl. Nr. 15145 36722 49487 61098 95722 99701 u 65 fl. Nr. 4648 e 26909 51598 80404 89799 96203 102311 A 1
Sachsen-Meiningen 7 fl. Loose von 1870. Gewinn⸗Ziehung am 1. Februar 1885. Serie 2905 Nr. 39 4000 fl. S. 2457 Nr. 34 2000 fl. S. 5269 Nr. 17, S. 8068 Nr. 10, S. 9436 Nr. 33 8 300 fl. S. 994 Nr. 49, S. 1156 Nr. 50, S. 1416 Nr. 30, S. 1738 Nr. 10, S. 2905 Nr. 50, S. 3088 Nr. 16, S. 3874 Nr. 42, S. 4622 Nr. 15, S. 4890 Nr. 13,
S. 6051 Nr. 41, S. 8284 Nr. 33, S. 8660 Nr. 46,
S. 8841 Nr. 18, S. 9509 Nr. 16, S. 9852 Nr. 34
1
Fee
Freiin


