Ausgabe 
12.2.1885
 
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gerg.

uche.

fler

Donnerstag den 12. Fehruar.

M. 9.

berhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der

berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 1

4 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf.

Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

Betreffend: Auslieferungsvertrag zwischen Hessen und

Amtlicher Theil.

den Niederlanden, hier das Verfahren wegen

Erwirkung der vorläufigen Festnahme flüchtiger Verbrecher.

Das Großherzogliche Kreisamt

Wir beauftragen Sie, Anträge wegen unverweilter vorlaͤufiger

Weiterbeförderung vorzulegen.

Betreffend: Unrichtig geaichte Maße und Gewichte.

Das Großh. Kreisamt Friedberg an die Großh. Bürgermeistereien

Indem wir Sie darauf aufmerksam machen, daß gegen Gewerbtreibende, welche, obwohl sie den Vorschriften der Aichordnung in Bezug auf Form oder sonstige Beschaffenheit nicht entsprechen,

lichen Aichungsstempel versehen sind, nur dann

wenn die Maße und Gewichte über die Verkehrs-Fehlergrenzen hinaus unrichtig sind, letzteren Punktes in jedem einzelnen Falle derartige Maße und Gewichte bei polizeilichen dem nächstliegenden Großherzoglichen Aichungsamte zur Prüfung zu übergeben. nach als über die Verkehrs Fehlergrenzen hinaus unrichtig, so ist auf Grund des allegirten

Friedberg an die Großherzoglichen

Festnahme von nach den

auf Grund des§. 369 Nr. 2 des Strafgesetz

Erweisen sich

Friedberg den 9. Februar 1885. Bürgermeistereien des Kreises. Niederlanden geflüchteten Verbrechern uns zur

Dr. Braden.

Friedberg den 9. Februar 1885.

sowie an die Großh. Gendarmerie des Kreises. bei denen solche Maße und Gewichte vorgefunden werden,

dennoch mit dem gesetz⸗ buches strafrechtlich eingeschritten werden kann,

weisen wir Sie hierdurch an, behufs Feststellung dieses Revisionen vorläufig mit Beschlag zu belegen und

dieselben hierbei ihrem Inhalte oder Gewichte

§. 369 Nr. 2 gegen die Besitzer Anzeige zu erheben.

Im anderen Falle ist die Beschlagnahme aufzuheben und hat die Ruͤckgabe der betreffenden Maße oder Gewichte an die Besitzer zu erfolgen.

In Gemaͤßheit der Instruction vom 2. September 1875 zur Ausführung des Reichsgesetzes über die Macht im Frieden wird hiermit zur öffentlichen Keuntniß gebracht, daß die Durchschnittspreise der nachbemerkten 1884 sich folgendermaßen und zwar für je 100 Kilogramm berechnen: Hafer M. 14., Heu M.

Friedberg den 9. Februar 1885.

Dr. Braden.

Bekanntmachung.

Naturalleistungen für die bewaffnete Artikel für den Monat Januar 6., Stroh M. 4..

Großherzogliches Kreisamt Friedberg.

Dr. Braden.

Veutsches eich.

Darmstadt. Den Oberförstern Königer zu Richen, Preuschen zu Darmstadt, Klüpstein zu Laubach, Georgi zu Gießen, Löwer zu Nieder Ramstadt, Klipstein zu Groß-Gerau, Irle zu Heppenheim, Seeger zu Lörzenbach, Trautwein zu Seligenstadt, Schleuning zu Bingen, Dr. Präͤ torius zu Langen, Bott zu Höchst, Theobald zu Jugenheim, Morneweg zu Groß-Bieberau wurde der Charakter als Forstinspektor verliehen und denselben das Tragen der Uniform der Forst meister gestattet. Dem Schullehrer Storck zu Hetschbach wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Juschrift:Für langjährige treue Dienste und dem Schullehrer Ritter zu Hopfmannsfeld das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: Für fünfzigjährige treue Dienste verliehen, ferner der provisorische Lehrer an der Realschule zu Michelstadt, Sturmfels, zum Lehrer an dieser Anstalt ernannt.

10. Febr. Heute nahm die evangelische Landessynode ihre Arbeiten wieder auf und er klärte zunächst das Kirchenregiment, daß der nächsten Synode eine Vorlage wegen Abänder ung der Wahlordnung für die Decanatssynode und Landessynode unterbreitet werden solle. Weiter wurde eine Interpellation in der Richt ung eingebracht, ob das zugesagte Gesetz über die Mitwirkung der Gemeinden bei Besetzung erledigter Pfarreien nunmehr zu erwarten stehe. Hierauf trat man in die Berathung des Kirchen budgets für die Jahre 1885 1890 ein.

Berlin, 10. Febr. Reichstag. Erste Berathung der Zolltarlfnovelle. Rickert wendet sich gegen die Ge trelbde⸗ und Holzzölle und führt auf Grund des vom Minister Luelus erstatteten Berichtes über die Ergebnisse ber Land wirthschaft von 1881-1888 aus, daß die dort gegebenen Zahlenangaben durchaus nicht einen Rückgang der Land wirthschaft und Waldwirthschaft bewelsen. Ohne den Bewels einer Nothlage dürfe aber auf Kosten Drltter niemals ein Schutzzoll bewilligt werden, namentlich nicht ein solcher, der progressiv nach unten wirke. Statt Zoll erhöhungen wolle man lieber die Reform der Brannt welnsteuer und Zuckersteuer in Angriff nehmen. Bundes⸗

bevollmächtigter Mintster Luetus: Die trüben Prophe zethungen Nsckertt würden sich ebensowenig erfüllen, als

von dem

bie Prophezelhungen im Jahre 1879 sich erfüllten, welche

damals berathenen Zolltarif den Untergang vieler Industriebranchen Deutschlands vorhersagten. Unter dem Einflusse einer Reihe mittelmäßiger und schlechter Ernten sei die deutsche Landwirthschaft in üble Lage ze rathen und durch die Einfuhr vom Ausland seien die Preise der landwirthschaftlichen Erzeugnisse aufs Bedenk lichste herabgedrückt; es gebe kein Untversalmtttel, welches den Klagen der Landwirthschaft mit einem Schlage ab helfen koͤnne. Es kommen dabei eine große Zahl Einzel factoren in Betracht, indessen wolle die Vorlage doch, soweit das die Steuerpolitik vermöge, der Landwirth schaft zu helfen suchen. Man konne eine mäßige Erhöh ung des Preises der landwirthschaftlichen Produete um so ruhiger ins Auge fassen, als erfahrungsgemäß von Zöllen das Aus land den größten Theil zahle. Holz mann ist gegen die Erhöhung der Getreidezölle unter Bezugnahme auf Sachsen, welches dem Boden nach auf einen bedeutenden Getreldeimport angewlesen sei und einer großen Arbetterbevoͤlkerung eine auch noch so geringe Be⸗ lastung der Lebensmittel nicht bleten dürfe. Von den Holzzoͤllen befürchtet Holzmann, sie würden dazu bei⸗ tragen den Bestand des deutschen Waldes zu devastiren. Der Reichskanzler erwiedert: Die Dabatte hat sich wesentlich auf die Getreide- und Holzzoͤlle beschränkt. Ich will nicht die Spezialdebatte über diesen Titel ab warten, sondern schon in der Generaldebatte mich äußern. Bismarck spricht nun in längerer Rede für Holz- und Rornzölle. Schließlich wird die Debatte vertagt. Berlin. Die Deutschfreisinnigen und das Centrum haben in der Budget-Commission große Fragebogen bezüglich der Colontalpolitik vorge lezt. DieNordd. Allg. Ztg. sagt bezüglich dieser Fragebogen:Die Antragsteller mochten gern zu jeder Regierungsvorlage, die sich auf Anknüpfung von überseeischen Verbindungen be zieht, Nein sagen. In dem Bewußtsein aber, daß die ganze öffentliche Meinung hinter den ganze U 5 verbündeten Regierungen steht, wagen sie es nicht, eine klare bestimmte Antwort zu geben, sondern ergreifen jedes Mittel, die Sache hin zuziehen. Dieselben müssen wissen, daß die Re gterungscommissäre die meisten der ihnen ge stellten Fragen zu beantworten gar nicht befugt sind. Zur Beantwortung derselben bedarf es zunächst der Beschlußfassung des Bundesraths, der seitens der Commission nicht präfudieirt werden darf. 9. Febr. Die Unfallversicherungs-Com misston begann die Specialdiscusston. Der Re gierungsvertreter haͤlt den Regierungsentwurf gegenüber allen Anträgen auf über den Rahmen U

der Vorlage hinausgehende Erweiterungen der Versicherung aufrecht. Bei der Post⸗, Tele⸗ grapheu⸗, Eisenbahn- und Militärverwaltang beschloß die Commission, für die nächste Sitzung Vertreter des Reichs-Eisenbahnamts und der Reichs-Postverwaltung einzuladen und Erklaͤr⸗ ungen uber die Ausdehnung der Versicherung in ihren Betrieben zu erbitten. Der Laudwirth⸗ schaftsrath beschloß nach langer Debatte fol⸗ gende Zollsätze zu beantragen: für Weizen und Roggen 3 M., für Gerste und Buchweizen 2, für Mais, für Hafer, Hülsenfrüchte und nicht besonders genannte Getreidearten Die heutige Versammlung von Vertretern der Seestaͤdte nahm Resolutionen an, welche sich gegen die Erhöhung der Getreidezölle, sowie gegen eine procentuale Börsensteuer aussprechen.

Hamburg, 8. Febr. Vorgestern wurden am Bord des von New Vork in Cuxhaven an⸗ gelangten DampfersBohemia durch hiesige Polizeibeamte 9,(nach anderen Mittheilungen 10 bis 11) anarchistischer Umtriebe verdächtige Per⸗ sonen verhaftet, darunter einige Frauen. Bei einer der letzteren fand man socialistische Schriften. Einige der Verhafteten wurden wieder in Frei⸗ heit gesetzt, die anderen aber per DampferHansa hierher trausportirt. Näheres ist noch nicht be kannt geworden.

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Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Zwischen der Regierung und der Majoritaͤt ist ein ernstes Zerwürfniß entstanden. Füͤrst Lichtenstein letzte sein Mandat nieder und es konnte nur mit Muͤhe die vorläufige Rücknahme des Demissions gesuchs erwirkt werden. Namentlich wollen die Slovenen weder die Gebührennovelle noch die Nordbahnvorlage und das Socialistengesetz erle digen, ehe ihre nationalen Wünsche erfüllt worden.

10. Febr. Im Abgeordnetenhause brachte die Regierung eine Vorlage betreffs Arbeiter Krankenversicherung ein. Sodann begann die

Wien.

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Geueraldebatte über die Gebührennovelle. Wie verschiedene Blätter melden, beab oͤsterreichischen

sichtigen die Kreise der Holz