Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Locomotivpführer bei der Main-Neckar-Eisenbahn Merle wurde in den Ruhestand versetzt und der Pedell am Gymna— sium in Darmstadt Ewald zum Kreisdiener in Darmstadt ernannt.
Berlin. Sämmtliche 433 Wahlen zum preußischen Landtage sind jetzt bekannt. Gewählt sind im Ganzen: 141 Conservative, 60 Freicon— servative, 99 Klerikale, 70 Nationalliberale, 44 Freisinnige, 14 Polen, 2 Dänen und 3 Welfen.
— Die Verfolgungen der lutherischen Kirche in den russischen Ostseeprovinzen nehmen zu. In Livland allein sind 14 lutherische Prediger angeklagt wegen angeblicher Beleidigung der griechisch⸗-orthodozen Kirche.
— Der Etat der Reichsschuld pro 1886/87 enthält gegen das Vorjahr einen Mehrbedarf von 1,200,000 M. zur Verzinsung der vier— procentigen Reichsschuld. Laut der diesem Etat beigefügten Denkschrift werden durch die in Aussicht genommene Deckung von einmaligen Ausgaben des Etats für 1886/87 und Anleihe— mitteln die bisherigen Anleihecredite sich um 39,428,457 M. erhöhen
— Die„Kreuzzeitung“ enthält ein Telegramm aus Rom, wonach Deutschland in der Karolinen— Angelegenheit einen Gegenvorschlag gemacht habe.
— Die beleidigende Art und Weise, wie Rußland den Fuͤrsten von Bulgarien durch Ent— hebung von seinen militärischen Würden blos— gestellt hat, erregt in hiesigen politischen und militärischen Kreisen berechtigtes Aufsehen. Fürst Alexander ist auch königlich preußischer General— major und wird als solcher à la suite des Re— giments der Garde du Corps und des 2. Großh. Hessischen Dragoner-Regiments Nr. 24 geführt. Außerdem zählt der Fürst zu den Rittern des russischen St. Georgs-Ordens, den er sich im russisch⸗türkischen Kriege, während dessen er bei der Cavalerie-Division des Generals Gurko Dienste that, vor dem Feinde erworben hatte. Man wird nun gespannt darauf sein können, ob die russische Regierung, oder richtiger der russische Kaiser— denn darüber, daß dem ganzen Vorgehen gegen den Battenberger vor Allem persönliche Motive zu Grunde liegen, kann kein Zweifel sein— den Füursten auch aus den Listen der Ritter dieses berühmten Kriegsordens streicht. Rußland fordert nunmehr bestimmt von den Großmächten die Absetzung des Fürsten Alexander von Bulgarien
Cassel. Der Communallandtag der Re— gierungsbezirke Cassel und Wiesbaden wird zum 17. November einberufen.
Straßburg, 6. Nov. Nachdem Fürst Hohenlohe gestern seinen Einzug in seine Resi— denz gehalten, fand heute Vormittag Vorstellung der Beamten statt, bei der der Statthalter eine Ansprache hielt. Heute Nachmittag fand die Auf— fahrt der Studentenschaft statt, in 22 Vier— bezw. Sechsspännern mit berittenem Musikcorps an der Spitze. Der Statthalter empfing die Vertreter der Studentenschaft und sagte ihnen
sein Erscheinen zum heutigen Commerse zu.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 7. Nov. In der heutigen Sitzung der österreichischen Delegation erklärte Graf Kalnoky bei der Be— rathung des auswärtigen Budgets, Oesterreich— Ungarn stimme mit allen Vertragsmächten über— ein, daß der status quo ante in Ostrumelien hergestellt werden müsse.
Frankreich. Paris. Präsident Grevy hat das Entlassungsgesuch des Ministeriums abgelehnt; dasselbe wird daher vor den Kammern erscheinen.
Großbritannien. London, 7. Nov. Die hiesigen Diplomatenkreise halten die Conferenz für aussichtslos und glauben, daß nur mehr eine Sitzung stattfinden werde. Salisbury in— struirte übrigens den englischen Gesandten White, keinesfalls für die Absetzung Alexanders oder eine türkische Action zu stimmen. Die Autonomie Bulgariens müsse ungeschmälert bleiben.
Türkei. Constantinopel, 7. Nov. Die türkischen Bevollmächtigten werden in der heutigen Sitzung der Conferenz den Antrag auf die Wiederherstellung des status quo ante stellen.
— Ghazi Mulhktar Pascha ist zum Ober— commissär für Egypten ernannt worden.
Rumänien. Bukarest, 6. Nov. Der Minister des Aeußeren, Campineano, demissio— nirte. Der Ministerpräsident Bratiano über— nahm interimistisch das Auswärtige Amt.
Serbien. Nisch, 6. Nov. Der strategische Aufmarsch an der bulgarischen Grenze ist beendet und das Hauptquartier nach Pirot vorgeschoben. In einzelnen Kreisen ist bereits das zweite Auf— gebot einberufen. Mehrere Personen wurden wegen einer unter den Anhängern Karageorgie— vich's entdeckten Verschwörung gegen das Leben Milans verhaftet. Wie die„Agence Havas“ meldet, äußerte König Milan gegenüber dem französischen Gesandten, Serbien könne sich mit der Wiederherstellung des status quo ante in Bulgarien nicht begnügen, wenn es nicht Garan— tien gegen eine Wiederkehr solcher Ereignisse, wie sie jüngst in Ostrumelien vorgekommen, erhielte.
Bulgarien. Sofia, 6. Nov. Einer Meld— ung der„Agence Havas“ zufolge sind die Zeit— ungsnachrichten, wonach der Fürst die Annahme der Conferenz-Entscheidungen versprochen hätte, unbegründet. Der Fürst versprach nur, wie die Collectivnote der Botschafter empfahl, die Ord— nung und Sicherheit aufrechtzuerhalten.
Rußland. Petersburg, 6. Nov. Hier werden die Folgen des Armee-Ausschlusses Alexander's als unberechenbar angesehen.„Swjet“ erblickt darin ein systematisches Vorgehen der Diplo— matie. Der russische Militärattachs in Philippopel wurde definitiv abberufen. Es wird angenom— men, der Zar wolle Alexander durch den Armee— ausschluß zur Abdankung zwingen, da die Can— didatur Alexanders zum ostrumelischen Gouverneur hierdurch ausgeschlossen wird.
— 6. Nov. Dondukow Korsakop ist gestern von Tiflis über Baku nach Askhabad abgereist.
Indien. Calcutta, 7. Nov. Hier einge—
gangenen Nachrichten aus Mandaley zufolge, berief der König von Birma sofort nach dem Empfange
des britischen Ultimatums den Ministerrath und fragte am folgenden Tage den französischen und den italienischen Consul um Rath. Diese riethen zur Annahme der britischen Forderungen.
Aus Stadt und Land.
f. Friedberg.(Verspätet.) Nach langer Pause hielt der Gesangvereln Concordia am 31. Oetober seine erste Abendunterhaltung. Die vorzügliche Wiedergabe der Chöre, Duette und Soli bewies uns die Strebsamkeit der Mit⸗ glieder einerselts und andererseits die Tüchtigkeit des neuen Dirigenten, Taubstummenlehrer Schneider, der es sich angelegen sein läßt, den alten guten Ruf des Vereins zu erhalten. Der Preis des Abends jedoch gebührt dem Planisten S. Herzog aus Frankfurt, der durch den herr— lichen Vortrag von Chopin's Nocturne und Etude, Lißt's zungarischer Rhapsodie“ und Weber's„Aufforderung zum Tanz“ die Zuhörer entzückte. Ebenso fanden die beiden lieblichen, klangvollen Baritonsoll Halm's aus Gießen allgemeine Anerkennung. Schließlich wurde ein von einem jungen Friedberger verfaßtes Lustspiel:„Zerstreutheit und Eifersucht“ aufgeführt, das dem Verfasser wie den Dar— stellern reichen Beifall eintrug. Der Abend war ein voll— kommen befriedigender und wünschen wir dem Verein auch fernerhin ein gutes Gedeihen.
b. Schwalheim. Am 5. November Abends ging ein bei einem Neubau in Bad-Nauheim beschäftigter hiesiger Arbeiter längs des Gestängs hierher nach Hause. Bei der herrschenden Dunkelheit verfehlte er den Steg über die Wetter am Kunstrad und fiel in den hier sehr tiefen Fluß. Er rief um Hülfe; bis solche aber kommen konnte, war er bereits ertrunken. Der Fall ist um so bedauerlicher, als er eine kränkliche Frau und 3 Kinder hinterläßt. Aehnlichen Unglücksfällen könnte sehr leicht vorgebeugt werden, wenn man rechts und links vor dem bewußten Steg ein nur wenige Fuß langes Abweis⸗ geländer anbringen würde.
Okarben, 4. Nov. Gestern Abend entrann Oeconom Fauerbach von hier einem schweren Unglück, und ist es geradezu ein Wunder, daß nicht er und ebenso die In⸗ sassen des herannahenden Omnibuszuges auf das Schwerste heimgesucht worden sind. F. fuhr mit einem mit zwei Pferden bespannten Pflug über einen Bahnübergang heimwärts. Es herrschte ein so dichter Nebel, daß es kaum möglich war, 10 Schritte weit zu sehen und der Bahnwärter also nicht bemerkte, daß ein Fuhrwerk auf der Bahn war. Als das Gefährte mitten auf dem Bahnkörper angelangt war, fielen die Zugbarrieren, welche von der etwa 450 Meter entfernt liegenden Bahn— wärterstelle Nr. 224 aus bedient werden und das Fuhr⸗ weik konnte weder rückwärts noch vorwärts. Schon brauste der Zug heran und F. stand im Begriffe die Pferde und den Pflug unter Aufbietung seiner ganzen Kraft von dem gefährlichen Geleise abzudrängen, als im letzten Moment eine Frau, welche sein Rufen gehört hatte, herbeigeeilt kam und durch rasches Oeffnen der Barriere Rettung brachte..
Griedel, 3. Nov. Der 20jährige H. M., Sohn des hiesigen Landwirths M., fiel beim Maschinendreschen in die Trommel der Maschlne, in welcher der Bedauerns— werthe fast eine Stunde lang, wie in einer Falle, fest⸗ hing und nur mit großer Mühe und Anstrengung daraus befreit werden konnte, wobet ihm das ganze rechte Bein total zermalmt wurde, so daß selbiges schon eine kurze Zeit darauf amputirt werden mußte.
Mainz, 6. Nov. Der Schuhmacher Herbst ist nun bei der gestrigen Confrontation von der Verkäuferin jener im Abort des Wirthshauses„Zum Täubchen“ auf⸗ gefundenen Reisetasche bestimmt als diejenige Person wiedererkannt worden, an welche sie die Tasche am 26. August(dem Tage des Mordes) verkaufte, wle sie denn auch die Tasche selbst als die von ihr gekaufte wiedererkennt. Die Verkäuferin hatte damals in der Messe einen Verkaufsstand und gerade am letzten Tage der Messe hat Herbst die Tasche daselbst gekauft. Herbst scheint gerade die Messe gewählt zu haben, um sicher zu sein, daß er von Niemand erkannt würde; er gerieth aber gerade zu einer Verkäuferin, welche eine Mainzerin ist. Herbst leugnet natürlich auch das und behauptet, daß sich die Frau im Irrthum befände.
Geländeverpachtung.
Donnerstag den 12. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, läßt die Bahnverwaltung in Gemarkung Ossenheim bei Kilometer 3,2(in der Nähe der Wetterbrücke) eirea 100 Ar Ackergelände auf eine Reihe von Jahren öffent— lich meistbietend an Ort und Stelle verpachten.
Friedberg den 9. November 1885.
3873 Königl. Bahnmeisterei XXVII.
Frische Schellfische
5 in Eispackung 1 Wilhelm Fertsch. 38540 Prima junge fette Gänse per Pfund 60 Pf. empfiehlt Fr. Koch, Hof Hasselheck.
Bestellungen künnen abgegeben werden bei Essig⸗ fabrikant Leonhardt.
Für eine Familie in Darmstadt wird en braves Dienstmädchen
zum alsbaldigen Eintritt gesucht. Zu erfragen bei der Exped. d. Anz. 3818
Bäckerei-Vergebung.
Das hiesige Gemeindebackhaus wird durch Wegzug des seitherigen Bäckers bis zum 1. Januar 1886 leih⸗ fällig und kann deßhalb anderweit vergeben werden, mit Einwilligung des jetzigen Besitzers kann die Bäckerel auch sofort bezogen werden. Lusttragende wollen sich deßhalb innerhalb 8 Tagen unter Vorzeigung guter Zeugnisse bei hiesiger Bürgermeisterei melden.
Leidhecken den 5. November 1885.
Großherzogliche Bürgermeisterei Leidhecken. 3869 Selzam.
2 Zur Beachtung.
Es wird im Interesse des Handels und Verkehrs mit Schafen und Hämmeln hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß nach und zwar wiederholter Unter— suchung seitens der Thlerärzte die hiesige Schafheerde von Räude frei und überhaupt von reiner Abstammung ist und ihr daher das erforderliche Attest„räudefrei“ ausgestellt werden könne.
Köppern, 7. November 1885.
Der Buͤrgermelster 3872 Stamm.
9 7 0 1Korbweiden!
Die Gräfliche Gärtnerei zu Assenheim offertrt: Korb— weiden, für gewöhnliche graue Körbe und Futterkörbe geeignet, pro Centner M. 2.50; Stecklinge von 10 er⸗ probten Sorten, welche sich durch ihre vorzüglichen Elgen— schaften und hohe Ertragsfähigkeit zur Anpflanzung empfehlen, pro 1000 Stück M. 2.50 bis M. 3.50.
Sorten⸗Verzeichniß, sowie Kulturverfahren franedo
und gratis. NB. 1 Centner Weiden gibt 25 Stück graue Simmer⸗ Körbe. 3885
Meine Wohnung befindet sich Bismarckstraße in dem Hause des Herrn Bender.
A. Winkler, 5555 g Zahntechniker.
Die am 19. Oktober gethanene Aeußerung gegen den Gemeinderath Stoffel dahler nehme ich als unwahr zurück. f
Ober⸗Florstadt. 3870 Georg Wilhelm Hirsch.
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