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jedoch erfolglos geblieben ist. Die in Ningpo weilenden Fremden werden durch die Haltung der Eingeborenen beunruhigt.
— 7. Maͤrz. In informirten Kreisen ver— lautet, Graf Herbert Bismarck werde auf seiner Rückreise nach Paris kommen.
— General Bridre meldet aus Tuyenquan vom 3. Maͤrz, daß er mit der ersten Brigade daselbst eingetroffen sei und die Belagerung auf— gehoben habe.
Großbritannien. London, 5. Maͤrz. Im Unterbaus erwiederte Gladstone auf eine Anfrage Wolff's, wie Lord Grauville's Erklär ungen über Egypten mit der Rede des Fürsten Bismarck am 2. d. in Einklang zu bringen seien, er konne nur sagen, daß seine Eindrücke dieselben wie diejenigen Granville's gewesen, könne aber jetzt nicht näher darauf eingehen, weil Lord Granville darüber Erklärungen im Oberhause ab zugeben beabsichtige. Ein diplomatisches Engage— ment, die Souveränetaͤt über die Nordküste von Neuguinea nicht zu übernehmen, sei England Deutschland gegenüber nicht eingegangen. Die Besitzergreifung Deutschlands auf Neugumea habe nicht in Uebereinstimmung mit England stattge— funden, folglich seien daselbst auch keine Rechte Englands an Deutschland abgetreten worden. Samoa und Tonga anlangend, habe Deutsch— land seine Verpflichtung, diese Juseln nicht zu besetzen, vollstaͤndig erfüllt und das Vorgehen seines Consuls auf Samoa nicht gutgeheißen. — Oberbaus. Granville erklärte bezüglich der Rede Bismarck's, er wolle die Bemerkungen Bismarck's betreffs der Depeschenwahl und der Depeschen, welche überhaupt nicht hätten ver— öffentlicht werden sollen, nicht berühren, er hoffe aber, der Reichskanzler werde auf regelmäßigem Wege Erklärungen übermitteln, welche zeigen würden, daß dem Vorgehen der enzlischen Re— gierung eine sehr verschiedene Faͤrbung gegeben werden könne. Hinsichtlich der Rede aber, die er im Oberhause unter dem Drucke eines hef tigen parlamentarischen Angriffes gehalten habe, und die, zu seinem aufrichtigen Bedauern, Fuͤrst Bismarck aus einem Mißverständniß ihrer Trag— weite Verdruß bereitet habe, so handelte es sich dabei im Wesentlichen darum, den Angriff Rich mond's zurückzuweisen, daß unsere Politik so schlecht sei, daß der große auswärtige Staats— mann sie verurtheile. Statt vom Rathe Bis— marck's, bätte er vielleicht von der Ansicht des— selben sprechen sollen; wenn er hinzugefügt habe, daß Richmond nicht erwarten solle, daß England alle Actionsfreiheit in fremden und colonialen Fragen aufgeben solle, so sei dies gegen Rich mond, keineswegs aber gegen Bismarck gerichtet gewesen.— 7. März. Unterhaus. Cowen kündigt an, daß er demnächst auf Deutschlands Vorgehen in Kamerun die Aufmerksamkeit des Hauses lenken und eine Resolution beantragen werde. Fitz— maurice erklärt, die Regierung betrachtet Nord— borneo als nicht unter britischer Souveränetät stehend. Gladstone antwortete Bartlett und sagt: Die Regierung babe es hinsichtlich ihres Vorgehens in Egypten und unter den schwierigen Verhältnissen für wünschenswerth gehalten und halte es noch für wünschenswerth, die Sou— veränetät des Sultans anzuerkennen. Dies sei das Prinzip, worauf Englands Vorgehen basire, aber die Anwendung dieses Prinzips müsse von den Umstaänden abhängen. Auf Anfrage Gorst's erwiedert Fitzmaurice: Die Regierung hält Bis— marck's Versprechen für völlig hinreichend, daß keine Absicht bestehe, Samoa zu annectiren oder daselbst ein Protectorat zu errichten.
Italien. Rom.„Memorial“ meldet, Ita— lien offerirte der Pforte, im italienischen Par— lamente eine formelle Erklärung abzugeben, durch welche der Charakter und die Dauer der Be— setzung Massauahs begrenzt und die Souveränetät des Sultans auerkannt wird.
— 7. März. Die Kammer nahm sämmt— liche Eisenbahn-Conventionen nach Ablehnung aller zu dem letzten Artikel gestellten Amende— ments in geheimer Abstimmung mit 226 gezen 203 Stimmen an. Von der Regierung war
die Ablehnung der Amendements zur Cabinets— frage gemacht.
Rußland. Petersburg. Die Polizei hat kürzuuch. wie aus Moskau berichtet wird, die sensationelle Entdeckung gemacht, daß der vom Staate angestellte Henker Iwan Froloff in nihi— listischen Diensten stehe. Froloff wurde ver— haftet, einem scharfen Verhöre unterzogen und gestand nach langem Sträuben ein, daß er be— reits seit der Hinrichtung der Kaisermörder Ryssakoff, Michajloff, Klbaltschitsch u. s. w. im Dienste der russischen Nihilisten gestanden sei, von denselben monatlich 200 Rubel erhalten habe und für besondere Dienstleistungen, wie Befreiung von Nihilisten aus den Gefängnissen, Entwendung wichtiger Polizei- und Gerichtsacten und Ausfolgung derselben an die Nihilisten u. dgl. noch besondere Remunerationen erhalten habe. Froloff wurde dann in Ketten gelegt und in eine Einzelkammer des Moskauer Gefaͤngnisses gebracht.
Egypten. Kairo. In Folge der Weiger— ung des englischen Präsidenten des Gesundheits— rathes, die durch letzteren vorgeschlagenen Maß— regeln zur Berathung zu stellen, werden die Generalconsuln die Forderung stellen, daß die Regierung den Präsidenten zur Befolgung des Reglements anhalte.
Allerlei.
st. Frankfurt. Nach neuerlicher endzültiger Ab— machung wird Mierzwinskt außer Donnerstag den 12. im„Troubadour“, noch Samstag den 14. als Raoul in den„Hugenotten“ auftreten. Bezüglich der für die früber unter Mitwirkung Mterzwinski's angezeigt ge⸗ wesene Vorstellung des„Troubadour“ gemachten Be— stellungen, sei hier besonders bemerkt, daß dieselben für die nunmehr am 12. stattfindende Aufführung des„Trou— badour“, um mogliche Irrthümer zu vermeiden, erneuert werden müssen. Bestellungen für die SamstagsVor⸗ stellung der Hugenotten werden von jetzt ab schon ent— gegengenommen.
Hanau, 7. März. Gestern Morgen zwischen 10 und 11 Ubr richtete eine Windhose in der Gegend vom Academtegebäude bis zur Leipziger Straße ungeheuren Schaden an. Auf dem Beck'schen Felsenkeller wurde das Dach des Fruchtmagazins ganz abgehoben, ferner eine Faßhalle vollständig umgeworfen. Die Felsenkeller von Gauf und Orschler sind erheblich am Dach beschädigt; in der Nicolay'schen Brauerei ist das Dach des Hopfen— bodens demolirt. Der Orkan war so stark, daß er ge— schlossene Fenster in den Rahmen durchbrach. Ferner sind der Bebraer Bahnhof und noch mehrere im Ostwpiertel gelegene Häuser mehr oder wenigter beschädigt.
Carlsbad, 4. März. Dem Haus besitzer Mader in dem benachbarten Zettlitz wurde von frevelhafter Hand Dynamit in den Vordergarten gelegt; die Explosion war fürchterlich, sämmtliche Scheiben zersprangen, Wände und Bäume wurden beschädigt, obwohl der strömende Regen die Kraft der Explosion vermindert hatte. Der Hausbesitzer hatte Tags zuvor zwei Arbeiter entlassen und mehreren Miethern gekündigt.
Olmütz, 6. Maͤrz. Heute Morgen um 1½ Uhr fand im Jobannisschachte des Grafen Larisch in Karwin eine Gaseyplosion statt. Bei Eintritt der Katastrophe waren 147 Bergleute im Schacht, von denen 113 ge— tödtet wurden.
Paris, 6. März. Die„Agence Havas“ sagt, die außerhalb verbreiteten Gerüchte über Cholerafälle in Toulon und Marseille entbehren jeder Begrundung.
Rede des Reichskanzlers über die Kornzölle in der Reichstagssitzung vom 10. Februar. (Schluß.)
Es itt mir kürzlich vorgeworfen worden, ich unter— schätze die Majestät des Volkes. Es war keine Unter— schätzung der Majestät des Volkes oder, so will ich nicht sagen, denn fuͤr mich extistirt blos die Majestät des Katsers und keine andere, das war ein ungerechter Vor— wurf! Sicher über den Erfolg kann Keiner sein, man muß sich auf Urtheile verlassen und ich verlasse mich auf mein Urtheil am meisten. Man ist hierbei in der Lage, wie der Arzt einer inneren Krankheit gegenüber.
Der Vorredner hat künstliche Berechnungen angestellt über die Rentabilität des Bodens und er hat gemeint, daß nur die gegenwärtige Conjunktur ungänstig ist. Ich glaube das nicht. Wir befinden uns einem Zusammen⸗ bruch eines großen Theiles der Landwirthschaft gegenüber und ich kann da auf künstliche Berechnungen nicht ein— gehen. Daß die Preise wieder steigen werden, glaube ich nicht, denn die auswärtige Production ist lange nicht erschöpft. Der indische Weizen wird jetzt so umfangreich produeirt, daß er sogar dem amerikanischen gefährlich wird. Die Entwickelungsfähigkeit Indiens und das Klima ist so günstig, daß Amerika vielleicht noch in der Lage sein wird, seine Getreidezölle, deren Vorhanden— seln seinerzeit vom Abg. Richter nicht geglaubt wurde, Indien gegenüber zur Geltung zu bringen. Doch ich will nicht prophezeihen, ich habe hier schon zu viel
mit falschen Propheten zu thun gehabt. Wenn auch
die Mißernten in den großen Ebenen Rußlands und
Amerikas eher vorkommen können, als bei uns, so wird doch ein Nachlaß am Zoll Nichts an einer Theuer⸗ ung ändern. Der Zoll ist nicht zu hoch, er beträgt etwa 30 M. für den Wispel, während die Prelsschwank⸗ ungen innerhalb eines Jahres sich zwischen 130 bis 200 Mark bewegen. Ein Hungertyphus ist also nlcht wahrscheinlich. Dazu ist auch das Klima der verschle— denen Produetkonsländer ein zu verschledenes, als daß sie alle in einem Jahre Mißernten haben sollten. Deutsch— land baut annähernd selbst genuz Getrelde für den eigenen Consum.
Nehmen Sie an, daß man die Einfuhr von Getreide einmal verböte, so würden in demselben Jahr 30 bis 40 Mill. Centner mehr hier gebaut werden. Wir bauen doch mehr Getreide als wir essen. Wir essen bei Weitem nicht die Hälfte. Zuerst wären also bel einem Getreide— mangel die Thiere, die mit Getreide gefüttert werden und die Fabriken, die es verarbeiten, gefährdet, nicht der essende Mensch. Der Vorredner ist im Irrthum, wenn er meint, das deutsche Getreide sei minder— werthiger als das ausländische. Er mag dabei vielleicht böhmisches Getrelde oder mährische Gerste, die von den Brauereien vorgezogen wird, gemeint haben. Im All— gemeinen und in der Regel ist es hochwerthiger, so daß man z. B. russischen Roggen mit deutschem vermischt und dann als deutschen verkauft. Der russische Roggen wird dadurch aufgebessert.
Der Vorredner irrt ferner, wenn er glaubt, Amerika gehöre nicht zu den meist begünstigten Natlonen. Zwar besteht kein Vertrag mit Deutschland, aber wohl mit Preußen und mehreren deutschen Staaten. Praktisch be— trachten wir uns von Amerika meistbegünstigt. So werden z. B. uns aus den Verhältnissen von Amerika zu Cuba u dd Portorteo nach Abschluß des spanischen Vertratzes dleselben Vortheile erwachsen, wie fur die genannten Länder. Der spanische Vertrag mit seiner Klausel für die Einfuhr von Roggen ist auf 4 Jahre geschlossen und wir werden genöthigt sein, den spankschen Roggen zu den alten Zollsätzen bis zum Ablauf dieser Zeit zuzulassen gezen eln Ursprungszeugniß. Wir wer⸗ den die Manipulation mit russischen Roggen nicht hindern können, wie sie der Vorredner erwähnte, aber ich halte das doch für eine fehr kostspielige Verschiebung. Unter den alten Bedingungen bezüglich des Roggenzolles wer— den wir den Vertrag aber lieber nicht erneuern. Wir haben bei der Schließung des Vertrages nicht gewußt, daß eine Erhöhung des Zolles so nahe bevorstände. Die reißende und schnelle Nothwendigkeit bezüglich der Landwirthschaft hat uns dahin geführt.
Ich weiß nicht, warum die spanische Regierung mit solcher Hartnäckigkeit an der Klausel bezüglich des Roggens festgehalten hat, der Import spanischen Roggens nach Deutschland war ein minimaler. Es war aber so, daß wir nur die Wahl hatten, entweder die ganze Verhand— lung fallen zu lassen, oder die Klausel anzunehmen. Wenn der Vorredner befürchtet, das Angebot könnte der Anfrage einmal nicht genügen, so haben Rußland und Amerika einstweilen noch aus den Vorjahren große Vorräthe. Ich weiß nicht, ob den sieben fetten Jahren, wie in dem Josephinischen Traum, sieben magere Jahre folgen werden. In Bezug auf den Getreidebau der kleinen Grundbesitzer erwähne ich noch, daß, wenn der— selbe auch noch so gering ist, doch auch dem Selbsteon— sumenten der Getreidepreis nicht gleichgiltig sein kann. Er ißt das gewonnene Getreide ja nicht in natura, er abt es dem Müller und bekommt von dem dafür Mehl, je nach dem Werth des Getreides. Sodann ist auch auf dem Lande das Selbstbacken in Abnahme begriffen. Die Backöfen mit den alten Bäumen darüber ver⸗ schwinden immer mehr; der Bauer verkauft seinen Roggen und kauft sich dafür fertiges Brod. Die Bäcker fahren im Dorfe umher und bieten ihre Waare an und die Leute haben gefunden, daß sie dabet wohlfeiler und besser zu Brod kommen, als wenn sie selbst backen. Also die Behauptung ist unrichtig, daß nur der Großgrundbesitzer ein Intersse am Getreidepreise habe.
Ich hebe hervor, daß alles das, was in der Presse und in den Reden gesagt worden ist, als ob die Ge— treide- und Holzzölle nur Mittel zur Bereicherung des Großgrundbesitzers sein sollten, eine verlogene Ent⸗ stellung der Wahrheit ist, und elne ungerechtfertigte Auf⸗ hetzung, die um so gefährlicher und unmoralischer wirkt, als die Leute, die das lesen, nicht so genau unterscheiden können, daß das nur zur Schädigung der Regierung und aus Parteitaktik gesagt wird. Es ist erfunden und unwahr!(Zischen links.) Der Reichskanzler tritt einen Schritt vor: Ja, zischen Sie nur, es bleibt doch wahr! Sie beweisen dadurch, daß Sie sich getroffen fühlen. Es zischt nur, wer sich beunruhigt fuͤhlt!(Beifall rechts, erneutes Zischen links.) Ich erhebe von Neuem Protest dagegen, als ob irgend etwas Anderes von den verbündeten Regierungen ange strebt würde, als Schutz der nationalen Arbeit, Schutz des National vermögens, sowohl des Armen wie des Reschen!
Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.
Dienstag den 10.: Rlenzi.
Mittwoch den 11. geschlossen.
Donnerstag den 12.: Gastspiel des Herrn Ladislaw Mier⸗ zwinskt. Der Troubadour. Manrleo: Herr Mier— zwinski. Erhöhte Preise. Aufgehobenes Abonnement.
Freitag den 138. geschlossen.
Samstag den 14.: Bei aufgehobenem Abonnement: Letztes Gastspiel des Herrn L. Mierzwinski. Die Hugenokten. Raoul: Herr Mierzwinskt. Erhöhte Preise.
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