Ausgabe 
9.7.1885
 
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lichen Maßregeln getroffen. Um allen Eventua- seien aber von Haiphong der frühere Gouverneur von Berber, in einer

litäten vorzubeugen, aus Verstärkungen verlangt und abgegangen. 7. Juli. Eine Depesche General Courcy's aus Hue von gestern meldet, es herrsche Ruhe und die anamitischen Truppen seien vollständig de sertirt. Der Palast des Königs sei nicht nieder⸗ gebrannt. In demselben befänden sich große Kunstschätze. Der Regent Thuhong befinde sich in der Gewalt der Franzosen, welche 10 Todte und 62 Verwundete verloren. Die Citadelle, welche einen Flächenraum von 480 Hectaren einnehme, könne leicht 15,000 Truppen auf⸗ nehmen; dieselbe sei vom 3. Zuavenregiment besetzt. Aus Tonkin sei alle dort befindliche Marine⸗Infanterie herbeibeordert.

7. Juli. Die Annahme des chinesischen Friedensvertrages ist gestern in der Kammer beinahe einstimmig erfolgt, nachdem Freyeinet die Einwürfe der Rechten und der radikalen Linken, namentlich Clemenceau's unter großem Beifall der Majorität widerlegt hatte. Jules Ferry war während der Debatte nicht anwe⸗ send und wurde hauptsächlich durch Clemenceau scharf angegriffen.

Großbritannieu. London. Dem Ver nehmen nach würde über den Zeitpunkt der Ab reise Drummond Wolff's nach Egypten und über den Zweck seiner Sendung nicht früher Entscheidung getroffen werden, als bis General Wolseley nach seiner Rückkehr aus Egypten der Regierung seine Ansichten persönlich dargelegt habe.

7. Juli. Das Unterhaus nahm mit 263 gegen 219 Stimmen einen von Gladstone bekämpften Antrag des Ministers Hicks-Beach auf Ausschließung Bradlough's von der Eides leistung und Kammer an. Oberhaus. Lord Salisbury erklärt: In der afghanischen Frage müsse die Regierung die von ihren Vorgaͤngern eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. Dem Emir sei das Verbleiben Zulfikars innerhalb der Grenzen von Afghanistan zugesagt. Ueber die Ausführung dieser Zusage entstanden mit Rußland Differenzen, worüber die Verhand lungen im Gange und eine freundschaftliche Lösung zu erwarten sei. Die Verhandlungen seien aber noch nicht so weit vorgeschritten, um sich darüber zuversichtlich aussprechen zu können. Salisbury erörtert dann die egyptische Frage und betont, daß vor der Lösung der militärischen und politischen Frage zunächst die Finanzfrage geregelt sein müsse. Diplomatische Schwierig keiten verhinderten die Operation auf Grund der abgeschlossenen Finanz-Convention. Diese Schwierigkeiten seien auf dem Wege der Lösung, aber noch nicht gelöst. Bis dahin sei strengste Sparsamkeit nothwendig; vor Herstellung des Gleichgewichts im Budget könne Nichts geschehen.

Spanien. Madrid. An der französisch spauischen Grenze treibt sich Zorilla mit anderen spanischen Revolutionären herum, um Revolten und Verschwörungen anzuzetteln. DieNational⸗ Zeitung läßt sich unterm 5. ds. aus Paris telegraphiren:Wie ich erfahre, hat der hiesige spanische Botschafter in letzter Zeit wiederholt, aber anscheinend erfolglos, wegen der Toleranz der Behörden gegenüber dem Treiben der spanischen Nepublikaner reclamirt, welche in Paris und an verschiedenen Grenzorten Comités gebildet und beinahe offen die Vorbereitungen zu einem Einfall in Spanien treffen sollen. Zorilla soll ebenfalls sich in Frankreich aufhalten, obgleich die durch Ferry verfügte Ausweisung officiell nicht zurückgenommen ist.

Rumänien. Bukarest. Laut ministerieller Verfügungen sind die vor dem 13. Juli be stellten Waaren von der Beibringung von Ur sprungszeugnissen befreit, wenn dieselben binnen längstens 40 Tagen nach diesem Termin in Ru⸗ mänien eintreffen.

Griechenland.

Athen. Der König be⸗

gibt sich demnächst zum Gebrauch der Badekur nach Wiesbaden, während seiner Abwesenheit wird der Ministerpräsident Delyannis die Re gentschaft führen.

Egypten. Kairo. Die jüngst in Umlauf

befindlichen Gerüchte, daß Hussein Pascha Khalifa,

Mission des Mahdi an den Khedive nach Kairo unterwegs sei, haben jetzt ihre Bestätigung ge funden. Der Zweck seiner Reise ist indeß noch nicht bekannt. Der Mudir von Kassala ist vom Khedive in Anerkennung seiner tapferen Vertheidigung der Stadt zum Pascha ernannt worden.

Alexandrien, 4. Juli. Einige britische Unter thanen hatten heute ein Meeting in der Börse einberufen, nach dessen Schluß ein Telegramm an Lord Salisbury abgesandt wurde, worin in dringenden Worten um die Zahlung der Schad loshaltungssumme gebeten wurde.

Amerika. Ottawa. Big Bear, einer der bedeutendsten Führer der Insurgenten, welcher an dem Aufstande Riel's theilnahm, wurde mit seiner ganzen Schaar gefangen genommen, als er im Begriff war, sich wegen Mangels an Lebensmitteln zu ergeben.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Am 2. Juli war eine Commission der Oberpostbehörde von Darmstadt hier und besichtigte die Klosterkaserne. Entgegen dem Antrage des Handels- vereins soll die Absicht bestehen, das Gebäude behufs Einrichtung eines neuen Postamts zu erwerben.

Allerlei.

Frankfurt, 6. Juli. Wie das Frankf. Journal erfährt, hat der Vertheidiger Lieske's heute die Revision angemeldet. Frau Leopoldine Camphausen, welche in dem Prozesse Lieske als Zeugin erschten, hat sich durch den Drohbrief bestimmen lassen, zu verreisen. Auch verdächtige Gesellen sollen sich bereits in ihrem Hause gezeigt haben. Die in der Stadt verbreitete Nachricht, daß der Zeuge Nau verhaftet worden sei, entbehrt der Begründung. Lieske hat in der Strafanstalt zu Wehl⸗ helden nur eine Nacht zugebracht. Am Samstag früh wurde er auf der Eisenbahn nach Halle a. d. S. geschafft, um im Zuchthause das. sein weiteres Schicksal abzuwarten.

Wiesbaden, 5. Juli. Gestern früh gegen 3 Uhr wurde hier ein Erdstoß verspürt.

Ems, 5. Juli. In Folge wolkenbruchartiger Nieder schläge, welche seit vergangener Nacht bis heute Mittag fielen, waren die Bäche, welche in die Lahn münden, bedeutend angeschwollen. Der Braunebach sprengte den Canal und richtete großen Schaden an, das Fundament des Conditorei Pavillons, sowie eine Wand des Pavillons desHotel Gutenberg wurden weggerissen. Man ist fortwährend mit Wegräumung des angeschwemmten Ge rölls beschäftigt.

Karlsruhe, 6. Juli. Eine mächtige Windhose hat Samstag Abend nach 5 Uhr im Schloßgarten und im Großh. Park gegen 300 der schönsten und kräftigsten Bäume, vornehmlich Linden und Eichen, theils völlig entwurzelt, theils in der Mitte des Stammes abgebrochen, theils zersplittert, all' dies in nicht mehr als 2 Minuten. Das Dach des Forsthauses wurde hart mitgenommen. In der Stadt war von der Windhose, abgesehen von etwas stärkerem Luftzuge, nichts zu bemerken.

Köln, 7. Juli. Das Schwurgericht erkannte heute in dem Prozesse wider Tillmann Hans nach sechstägiger Verhandlung den Angeklagten des am Weihnachtsabend 1883 an der Wittwe Stockhausen und deren Sohn Bernhard begangenen Todtschlages schuldig. Das Urtheil lautete auf lebenslängliche Zuchthausstrafe.

Berlin. Das Auswärtige Amt erläßt eine Warnung gegenüber den Vorspiegelungen, die noch immer mit niederländischen Erbschaften gemacht werden.

Madrid, 6. Juli. Die Cholera nimmt noch immer zu. Gestern kamen in Spanien im Ganzen 1616 neue Erkrankungen und 785 Todesfälle, in Madrid 5 neue Erkrankungen, 3 Todesfälle vor.

Die Verdaulichkeit unserer Nahrunsmittel und Speisen.

Alle Nahrungsmittel und Speisen sind leicht verdaulich, die sich schnell und ohne Rückstände zu lassen in den Verdauungssäften lösen; schwer verdaulich dagegen sind Solche, die den Verdau ungssäften gegenüber sich umgekehrt verhalten. Die Verdaulichkeit ist aber noch von gewissen Nebenumständen abhängig, unter deren Einfluß leicht verdauliche Speisen unverdaulich werden und schwer verdauliche verbessert werden können. Einen solchen Einfluß übt die Dichtigkeit einer Substanz aus; fest geronnenes Eiweiß wird schwerer verdaut als locker geronnenes, daher sind hart gekochte Eier schwerer verdaulich als weich gekochte; frisches oder wasserstreifiges Brot schwerer als altes; altes, holziges Gemüse schwerer als junges. Der Dichtigkeit schließt sich die Zertheilung an; je feiner zertheilt eine Substanz in den Magen gebracht wird, desto leichter kann sie verdaut werden; daher sind

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durchgerüͤhrte Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Möhren, Kastanien in Breiform, geschabtes Fleisch ꝛc. ꝛc. verdaulicher, als dieselben Substanzen in nicht präparirtem Zustande; daher verdauen Leute, die gesunde, vollzählige Zähne besitzen, als solche mit fehlerhaftem Gebiß.

Die Verdaulichkeit wird ferner beeinflußt durch die Menge des in der eingeführten Süb stanz enthaltenen Fettes.

besser

Deshalb gehört das

weiße, zarte, aber fettreiche Schweinefleisch zu

den schwer verdaulichen, das dunkle, aber ge wöhnlich sehr magere Wildpret zu den leicht verdaulichen Speisen, obschon es, wenn man vom Fettgehalte absieht, feststeht, daß weißes Fleisch verdaulicher ist als dunkles. Auch die Schwerverdaulichkeit mancher Fische, so des Aals, Lachses ꝛc. wird durch den Fettgehalt ihres Fleisches bedingt. Der Unterschied im Fettge halt ist auch die Ursache, daß manche Theile eines Thieres, ja eines und desselben Organs eines Thieres schwerer verdaulich sind als an⸗ dere. So wird die magere Spitze einer ge räucherten Ochsenzunge viel leichter verdaut als der fettreiche Untertheil; so ist der fettreiche Bauchtheil der meisten Fische weit schwerer ver daulich als der magere Nücken. Pflanzenfette wirken in derselben Weise, deßhalb wird der Kakao entölt, um sie verdaulicher zu machen; deßhalb sind Mandeln, Nüsse und namentlich die Kokosnuß schwer verdaulich, denn sie ent halten reichlich Oel. Den Speisen künstlich bei⸗ gemengte Fette wirken nicht anders. Butter⸗ teige, Bratensaucen, Mayonnaisen mögen hierfür als Beispiel dienen.

Der Grund, weßhalb Dichtigkeit, Zertheil⸗ ung und Fettgehalt der Nahrungsmittel und Speisen ihre Verdaulichkeit beeinflussen, ist un⸗ schwer einzusehen. Die Verdauungssäfte müssen, um ihre Wirkung auszuüben, die eingeführten Massen durchdringen, und sie werden dies um so leichter bewerkstelligen, je lockerer und feiner zertheilt diese sind und je weniger Fett sie ent⸗ halten. Eine Hebung der Verdaulichkeit unserer Speisen üben manche Zusätze aus, und zwar dadurch, daß sie, wie Pfeffer, Salz, Ingwer, Senf, Meerrettig ꝛc., eine vermehrte Absonder⸗ ung der Verdauungssäfte bedingen oder, wie Salz, Essig ꝛc., die Auflösung der Eiweißkör⸗ per erleichtern. Wie diese Gewürze wirkt auch der Alkohol in mäßiger Menge anregend auf die Ausscheidung der Verdauungssäfte. Daher die sehr richtige Methode, auf schwer verdauliche Speisen einen Schluck Branntwein zu trinken, oder ein reichliches, lang ausgedehntes Mittag⸗ essen mit einem Gläschen scharfen Liqueurs zu beschließen. Einen ferneren Einfluß auf die Ver⸗ Verdaulichkeit übt auch alles das aus, was den Nahrungsbedarf des Körpers steigert, oder mit anderen Worten, alles, was die Aufnahme des gebildeten Speisebreies befördert. Ein ruhen der Mensch hat weniger Nahrungsbedarf; der in seinem Magen hergestellte Speisebrei wird weniger schnell verbraucht, als dies beim ar⸗ beitenden Menschen der Fall ist. Endlich hat auch die eigenartige Körperanlage eines Men⸗ schen einen unverkennbaren Einfluß auf die Ver⸗ daulichkeit der Speisen und Nahrungsmittel. Was dem einen Nahrung ist, ist dem andern Gift, sagt sehr richtig das Sprichwort, und dieser Ausspruch hat eine größere Tragweite, als man auf den ersten Blick vermuthen sollte. Der reiche Schlemmer, der ohne jede Beschwerde 50 bis 100 Austern zum Abendessen verspeist, bekommt sicher arge Verdauungsstörungen, wenn er etwa auf einer Reise in einer Dorfschenke an Speck mit Klößen sich sättigen muß; anderer seits wieder kann sich ein nur an grobe Kost Gewöhnter nicht leichter den Magen verderben, als wenn er Austern ißt. Dies ist eine Folge der Gewöhnung.

Auf der Individualität der eigenartigen Kör⸗ peranlage beruht es, wenn einzelne Menschen gewisse Speisen durchaus nicht verdauen können und deshalb eine Gewöhnung an diese niemals stattfindet. So gibt es Menschen, die nach dem mäßigen Genuß von roher oder gekochter Milch,

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