Ausgabe 
8.12.1885
 
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Die Waffenstillstands Verhandlungen machen keine Fortschritte. Die Bulgaren sind zur Wiederaufnahme der Feindseligkeiten bereit.

Rumelien. Philippopel, 3. Dec. Bei dem biesigen Bischof fand eine Versammlung von Notabeln statt, welche erklärte, daß die Bewohner jeden Vorschlag ablehnen, der nicht die Union enthält und beschloß, die türkischen Delegirten zu ersuchen, ihre Mission zu ver schieben und die Provinz zu verlassen.

5 Dec. Die türkischen Delegirten be suchten den Bischof und wiesen auf das be waffnete Einschreiten hin, falls die Wunsche des Sultans unberücksichtigt blieben, worauf ihnen erwiedert wurde, es sei unmöglich, solchen Vor⸗ schlägen nachzugeben. Die Delegirten möchten sich nach Sofia wenden, die Rumelioten seien bereit, zu acceptiren, was Fürst Alexander gutheiße.

Rußland. Petersburg, 4. Dec. Der gestrigen Versammlung des slavischen Wohlthätig⸗ keitsvereins wohnten Tschernajeff und Ignatieff bei. Der Vorsitzende, General Durnowo, gedachte mit Bedauern der Umwälzung in Rumelien und des Bruderkrieges, wozu König Milan anscheinend stachele, und sieht in dem jüngsten Tagesbefehl des Kaisers den Beginn einer neuen Aera.

Moskau. DieMoskauer Zeitung erklärt, anläßlich der Drohung Khevenhüllers, die bulgarische Armee könne beim Weiterrücken auf österreichische Truppen stoßen, daß Bulgzarien nicht so verlassen sei, wie man glaube. Die heldenmüthig erkauften Siege seien aus der po litischen Rechnung zwischen Serbien und Bul garien nicht zu streichen.

Egypten. Kairo. Es hat wieder den An schein, als würden im Sudan neue Kämpfe be vorstehen. In Kairo wollte man bereits vorige Woche wissen, daß Wady-Halfa in die Hände der Mahdisten gefallen sei; thatsächlich war die Telegraphenverbindung unterbrochen. Von den Engländern werden in aller Stille, doch in un genügender Anzahl, Verstärkungen an die Grenze geschickt.

Aus Stadt und Land.

st. Friedberg. Die in voriger Nummer des Anzeigers stattgehabte Veröffentlichung des Resultats der Volkszählung im Zählbezirk Burg Friedberg bedarf einer Berichtigung, indem nicht 304 sondern nur 302 orts- anwesende Personen constatirt waren. Die ortsanwesende Bevölkerung der ganzen Stadt Friedberg beträgt, wenn nicht nachträglich noch Fehler bei der Revision der Controlliste festgestellt werden, 4997 Seelen.

si. Friedberg. Wie in früheren Jahren wird der hiesige Lokalgewerbverein abwechselnd mit dem Volks

bildungsvereln öffentliche Vorträge im Laufe des Winters veranstalten, zu welchen ebenfalls der Zutritt unentgeltlich und Jedermann gestattet ist.

h. Friedberg. Den zweiten Vortrag von den in diesem Winter veranstalteten Vorträgen des Volks bild ungsvereins dahter, hat am letzten Freitag Professor Dr. Köstlin gehalten. Obgleich man für annähernd ein halbes Hundert Sitzplätze mehr als sonst gesorgt hatte, so konnte unser geräumiger Rathhaussaal doch wohl uur die Hälfte derjenigen aufnehmen, die den beliebten Redner hören wollten; die Thuͤr des Saales war ausgehoben und sogar der Vorplatz noch besetzt, und doch hatten noch Viele weggehen muͤssen. Der Vorstand hatte wohl erwogen, ob nicht etwa ein größerer Saal zu nehmen sei, aber das hatte Schwierigkeiten, wie jede sonstige Aenderung, die man hier und da bezüglich der Vor lesungen wünscht. Die Anziehungskraft zu diesem Vor trag hatte in zweierlei ihren Grund: einmal darin, daß Redner jederzelt gerne gehört wird, und weiter darin, daß das Thema seines Vortrags allgemeinen Anklang gefunden hatte. Es lautete:Ein Winter im Feldlager. Der Vorstand des Volksbildungsvereins hatte den Wunsch gehabt, daß die große, heilige Zeit unseres Vaterlandes von 1870 71 wieder anschaulich vor dem Publikum aufgerollt und vorgeführt werde, und sofort war er sich klar, daß dazu Professor Dr. Köstlin der rechte Mann sei, zumal er den Krieg als Feldprediger selber mitgemacht und zwar so ehrenvoll, daß ihm das eiserne Kreuz verliehen worden ist. Professor Dr. Köstlin hat seine Aufgabe so gelöst, daß der Berlchterstatter es nicht unternehmen darf und will, das Sachliche des Vortrags auch nur

Vortrags für's Nachempfinden und Nacherleben nicht wiedergeben kann. Das Geschichtliche der Sache kann man ohnedies verschiedentlich nachlesen. Redner knüpfte an an die Thaten des Füͤrsten in dem fernen Osten, der nicht nur die Sympathie der Hessen habe, weil er unserem Fürstenhause entstamme, sondern wegen seiner Ritterlich keit auch die von ganz Deutschland, und führte uns so dann in das Kriegsleben von 1870 71 mitten hinein. Dies geschah so intensiv und anschaulich, daß es den Zuhörern war, als seien sie in dem Kriegsleben selber darin, oder als habe es Jeder selber mitgemacht. Es hat an der Darstellung des Humors, der auch im Kriege vorkommt, nicht gefehlt, aber auch nicht an dem Ernst und den Leiden, die derselbe mit sich führt. Den Sol daten im Felde hat's an Ertragung von Hunger, Nässe und Kälte und Strapazen nicht gefehlt und der Bau des deutschen Kaiserreichs ist auch mit Blut und Tod gekittet worden. Bei der Vorführung solcher Thatsachen konnte man fast das Athmen der einzelnen Personen hören, so gespannt haben sie den Worten des Redners gelauscht und Thränen konnte man in vielen Augen perlen sehen. Der Redner hat nicht nöthig gehabt, all

gemeine Lehren an seinen Vortrag anzuschließen, d. h. besonders zusammenzustellen und hervorzuheben. Die Tapferkeit, Hingebunz nnd Ausdauer, mit welcher Liebe, Begeisterung und Aufopferung für Kaiser und Vater land unsere Soldaten, unsere heldenmüthigen Armeen gekämpft haben, trat durch den Vortrag ganz und voll vor unser geistiges Auge. Der echte Sinn der Kamerad schaftlichkeit, Gemelnsamkeit und rechten Gütergemein schaft entwickelt sich nirgends besser als in einem solchen Kriegsleben, wie es die Deutschen geführt und führen, wo neben strenger Manneszucht, Aufrechterhaltung der Ordnung und Reinlichkeit, noch deutsche Gemüthlichkeit

skizzirt wiederzugeben, da er das Eigenthümliche des

und naturwüchsiger Humor Raum hat. Sowie aber der Vortrag von echter Vaterlandsliebe zeugte, so hat er auch die Vaterlandsllebe und die Liebe zum Kaiser gefördert und gehoben. Ganz besonders aber wollen wir hervorheben, wie jedem Zuhörer deutlich und zur Ueberzeugung gekommen ist, welcher Trost den Ver⸗ wundeten und Sterbenden religiöser Zuspruch und Hilfe⸗ leistung des Feldgeistlichen gewähren kann. Der ganze Vortrag hatte Geist und Gemüth der Hörer mächtig ergriffen und sich mit deren besten und höchsten Ideen, Gedanken und Empfindungen verbunden, kein Wunder, daß den Redner am Schlusse desselben allgemeine leb⸗ hafte Beifalls- und Dankes bezeugungen lohnten. Wir dürfen hoffen, daß der Vortrag dem Druck übergeben werden wird, und zwar nach dem Wunsch des Redners, zum Besten unserer Herberge zur Heimath.

v. Bönstadt. Nachdem die am 21. August d. J. stattgehabte hiesige Bürgermetsterwahl vom Kreisausschuß wegen eines Formfehlers kassirt worden ist, wurde auf Samstag den 5. d. M. eine abermalige Wahl angesetzt. Die Betheiligung war diesmal nicht so lebhaft, als das erste Mal. Von den 116 Wahlberechtigten gaben das vorige Mal gerade 100 ihre Stimme ab, und zwar 656 für Beigeordneten Hofmann, 28 für Landwirth Friedrich Wagner und 6 für Sparkassen-Rechner Gröninger. Diesmal stimmten nur 81 ab und erhielt Beigeordneter Hofmann 70 Stimmen, Landwirth Friedrich Wagner 11 Stimmen. Beigeordneter Hofmann ist also nunmehr gewählt. Die fast einstimmige Wiederwahl zeigt that sächlich, daß Hofmann, welcher schon seit Juli die Bürger meisterei verwaltet, das vollste Vertrauen und die An hänglichkeit der hlesigen Gemeinde sich erworben hat.

Laubach, 4. Dez. Heute fand im hiesigen Schlosse die Verlobung der Gräfin Elisabeth zu Solms Laubach, ältesten Tochter des Grafen, mit dem Prinzen Hein⸗ rich XXV. Reuß j. L., Sohn des Fürsten, statt.

Stadtkirchenbau⸗Verein.

Mit herzlichem Danke bescheinigen wir den Empfang von den weiteren Gaben: Von H. Diehl 2 M., L. Trapp in London 20 M., einigen Herren Spielgeld 1 M. 20 Pf., Forstmeister Herpel 10 M., Frau Megerle 10 M., Graf Leiningen Antheil eines Gewinnes 2 M. 27 Pf., Bürger meister Steinhäußer desgl. 2 M. 27 Pf., Dr. A. Trapp 20 M., M. Gauff 1 M., Prof. Dr. Welffenbach 10 M., Direetor Dr. Matthias 3 M., durch Gr. Amtsgericht von geeinigten Partheten 6M. und Zeugengebühren 6 M. Zinstragend angelegt sind bereits 600 M.

Dr. Weiffen bach. Wahl.

Für die Wittwe des verunglückten H. Kreuter un Schwalheim gingen ferner folgende Gaben ein und werden mit herz lichem Danke quittirt: Direktor Dr. Diegel 3 M. 50 Pf., Major Römheld 2 M., M. Netscher, Nachlaß von dessen Forderung im Betrag von 4 M., Adam Heß 1 M. 50 Pf., sämmtlich in Friedberg. Dekan Buchhold, Ossenheim, 3 M. Walz, Pfarrer in Bad⸗Nauheim. Winter, Lehrer in Schwalheim.

Briefkasten. Mehrere Correspondenzen und Mittheilungen mußten des mangelnden Raumes wegen für die nächste Nummer zurückgestellt werden.

Die Redaction.

Arbeits-Vergebung. Mittwoch den 9. d. Mts., Nachmittags um 2 Uhr, sollen nachstehend verzeichnete Arbeiten und Lieferungen auf dem Rathhause zu Assenheim öffentlich vergeben werden:

Chaussirarbeit, veranschlagt zu 400 Mark, Chaussirsteine anzufahren 11 Kies anzufahren 59 Lieferung von zugerichteten Wandsteinen 100 Aufsetzen der Steine und den Kies zu messen 0 0 Friedberg den 3. Dezember 1885. Zörb II., 4208 Bezirks⸗ Bauauffeher.

Versteigerung.

Mittwoch den 10. 4 15 Vormittags 9 Uhr anfangend, läßt Herr M. Blum auf dem Dorheimer Bergwerk wegzugshalber sämmtliches Pieh und Oekono⸗ mie⸗Gegenstände gegen Baarzahlung versteigern, als: 2 Pferde, 1 zwei- und 1 einjähriges Fohlen, 7 Stück Kühe, worunter 2 frischmilchende, 1 Rind, 1 trächtiges Mutterschwein, 11 Springer, 2 Ziegen, 7080 Stück Hühner, 3 Paar Pfauen, 2 Oekonomiewagen, 10 Stück Vorder- und Hinterpflüge, 5 Eggen, 1 Extirpatror (7schaarig), 1 Kartoffelhackpflug, 1 Aufstreichpflug, sowie eine große Parthie Heu, Stroh, Dickwurz und verschiedene Oekonomle- und Haushaltungsgegenstände.

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