Ausgabe 
8.12.1885
 
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beginnen. Reichseisenbahnamtes

1885.

Dienstag den 8. Dezember.

M45.

Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Areis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 P

f. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf.

Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Beitreibung der Communalintraden, hier Einsendung der Mahn- und Pfandlisten über das erste und zweite Zlel Umlagen für 1885/86.

ö 1 Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Der Einsendung der Mahn- und Pfandbefehle des ersten und zweiten Zieles Umlagen fur 1885/86 sehen wir längstens binnen 14 Tagen entgegen.

Das Großherzogliche Kreisamt

Dr. Braden.

Bekanntmachung.

Friedberg den 5. December 1885.

5 In Gemaͤßheit der Justruction vom 2. September 1875 zur Ausführung des Reichsgesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Durchschnittspreise der nachbemerkten Artikel für den Monat November 1885 sich folgendermaßen und zwar fur je 100 Kilogramm berechnen: Hafer M. 6.65, Heu M. 3.25, Stroh M. 2..

Friedberg den 5. December 1885.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.

Lorenz Kreuz III. von Nieder-Erlenbach wurde als Nachtwächter dieser Gemeinde ernannt und verpflichtet.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 3. Dec. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat sich heute mit den Kliniken der Universität Gießen wiederholt be schäftigt und sich, wie man vernimmt, schlüssig gemacht, die Vorlage im Allgemeinen, jedoch unter Abstrich von 10% der vorgesehenen Bau summe und unter einigen anderen Einschränk ungen, der Kammer zur Annahme zu empfehlen.

Berlin, 4. Dec. Der Reichstag setzte heute die Berathung der Arbeiterschutzgesctze fort. Abgeordneter Czegielski. hält eine Reform der auf die Vorlagen bezüglichen Gesetze für noth wendig und beantragt Commissionsberathung. Abg. Baumbach ist gegen die Vorlage, welche direct auf den socialistischen Zwangsstaat hin führe und geeignet sei, die Einzelkraft des Men schen zu schwächen. Man könne die sociale Frage durch Gesetzesfragen nicht lösen. Ueber die Be schränkung der Kinderarbeit und der Frauen arbeit ließe sich in der Commission ausführlicher discutiren, doch solle man die Sache nicht so weit treiben, dadurch den Erwerb zu schmälern. Der Normal- Arbeitstag sei undurchführbar; übrigens sei durch die Fabrikinspectoren die Mög lichkeit geboten, in besonders dringenden Fällen gegen zu lange dauernde Arbeitszeit einzuschreiten. Abg. Kropatschek tritt für die Beschränkung der Arbeitszeit, namentlich bei Kindern, jedoch gegen die Einführung eines Normalarbeitstages ein. Staatssecretär Bötticher empfiehlt möglichste Vorsicht bei der Beschränkung der Arbeitszeit, um die Löhne nicht herabzudrücken. Abg. Halben tritt Namens der Minorität der Freisinnigen für die Arbeiterschutzanträge ein, ebenso Abg. Grohe Namens der Volkspartei. Nach einem Schlußwort des Antragstellers Abg. Auer wur den sämmtliche Anträge einer Commission von 28 Mitgliedern überwiesen. 5. Dec. Der Reichstag genehmigte den Reichsjustizetat nach den Commissions anträgen. Der Commissions⸗ berichterstatter theilte dabei mit, eine Ermäßigz ung der Gerichtskosten sei gegenwärtig von 12 00 Bundes regierungen in Erwätzung gezogen. Die für das Reichsgericht eingestellte Mebrforderung wurde auf Erklärung des Staatssecretärs Schel⸗ ling, daß er demnächst eine Nachforderung für die Errichtung eines sechsten Civilsenats ein bringen werde, von der Tagesordnung abgesetzt. Der Bau des Reichsgerichtsgebäudes soll nach einer Erklärung des Bundescommissärs demnächst Die Etats des Reichsschatzamtes, des und des Nechnungshofes wurden alsdann nach einer unerheblichen Debatte

genehmigt. Auch heute wurde vom Centrum, diesmal durch den Abg. Franckenstein, dem An trage der Polen, ihre Interpellation wegen der Ausweisungen auf die Tagesordnung vom Don nerstag gesetzt zu wissen, widersprochen.

Die Commission zur Berathung der Uufall versicherung der Beamten hat die§F. 2, 3 und 4 angenommen, mit Amendements, dahin gehend, daß die Ascendenten Verunglückter 20% des Dienst einkommens erhalten, ferner, daß ein Monatsge halt für die Beerdigungskosten gezahlt wird.

Seitens des Reichsjustizamts sind Er hebungen wegen Ermäßigung der Gerichtskosten eingeleitet und die Einzelregierungen aufgefor dert worden, über die Frage sich zu äußern.

Der Landeseisenbahnrath hat seine drei jährige Sitzungsperiode beendet. Nach Erneuerung der Bezirkseisenbahnräthe, deren Mandat gleich falls abgelaufen ist, wird er neu zu wählen sein.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. Dec. Heute empfing der Kaiser Khevenhüller in längerer Audienz. Später empfing ihn der Kronprinz. Khevenhüller reist morgen nach Belgrad.

DieN. Fr. Pr. meldet: Sehr bestimmt wird versichert, daß die Mission Khevenhüllers nicht allein wissentlich, sondern unter ausdrück licher Zustimmung Deutschlands erfolgte.

Schweiz. Bern. Der Bundesrath hat bei der Bundesversammlung die Genehmigung der am 6. v. M. in Paris mit Frankreich, Griechen land und Italien abgeschlossenen Münzverträge beantragt.

Frankreich. Paris. DasJournal des Deébats meldet, es werde eine neue Conferenz in Berlin beabsichtigt, welche eine Grenzberich tigung Serbiens und eine neue Organisatien Ost⸗Numeliens beschließen soll.

Großbritannien. London. Es sind nun mehr 571 Abgeordnete gewählt, von welchen 283 der liberalen, 228 der conservativen und 60 der irländischen Partei angehören. Die Liberalen besitzen die absolute Mehrheit noch immer nicht, da den 283 Abgeordneten ihrer Partei 288 Ab geordnete der conservativen und irländischen gegen überstehen. Es sind nunmehr noch ungefähr 100 Abgeordnete zu wählen. Auch im besten Falle können die Liberalen nur auf eine ganz kleine Mehrheit von wenigen Stimmen rechnen.

Spanien. Madrid. Nach einer Depesche desTemps soll Ruiz Zorilla seitens der Be hörden des Departements Basses-Pyrénces ver⸗ stäudigt werden sein, daß seine Auwesenheit in

Bayonne für Frankreich unliebsame internatio nale Schwierigkeiten schaffen könne. Zorilla sei daraufhin sofort nach Bordeaux zurückgekehrt. Die ZeitungEl Resumen glaubt zu wissen, daß Don Carlos bereits die Führer seiner Partei gänger in Navarra, Aragonien, Catalonien und iu den Basken ernannt habe.

Türkei. Constantinopel. Die Pforte no tifieirte den Mächten, daß nur die Pforte und nicht der Fürst von Bulgarien die Bedingungen des Waffenstillstandes regeln dürfe. Es heißt, die Pforte sei gegen den neuesten englischen Vorschlag bezüglich des Zusammentritts einer neuen Conferenz in London.

Serbien. Belgrad, 4. Dec. DerN. Fr. Pr. wird aus Nisch gemeldet: Es wird be hauptet, die Bulgaren wollten neue Feindselig keiten provociren. Petrovic bleibt Kriegs minister.

Der Kriegsrath beschloß, den Ausnahme zustand über das ganze Land zu verhängen. Die Bildung eines Coalitionsministeriums findet keinen Anklang. DerP. Ll. meldet über die Ergebnisse des Nischer Ministerrathes, daß die Bulgaren den Antrag Serbiens, den Waffenstillstand auf Grundlage der Räumung des gegenwärtig be setzten Terrains abzuschließen, zurückwiesen. Bul garien verlangte, die Serben sollten das bul garische Terrain räumen; Serbien wollte West bulgarien räumen und von den Bulgaren nur einen bestimmten Räumungstermin verlangen. Serbien beschloß, da Bulgarien nicht nachgab, die Wiederaufnahme des Krieges, doch will Ser bien die Feindseligkeiten nur, falls die Bulgaren angreifen, wieder aufnehmen.

Von allen Seiten mehren sich die Nach richten, daß König Milan vor einer Katastrophe steht; überall im serbischen Lande zeigen sich die Spuren einer weitverbreiteten revolutionären Be wegung; ja, man nimmt in gut unterrichteten Kreisen als Thatsache an, daß diese revolutionäre Bewegung bereits vor zwei Monaten so kraͤftig gewesen ist, daß der König sich gegen seinen Willen zur Kriegserklärung gezwungen gesehen habe, um seinen Thron mit dem Blute der Feinde zu befestigen.

Bulgarien. Sofia, 4. Dec. Die Ant⸗ wort des Fürsten von Bulgarien auf ein Schreiben des Großveziers vom 1. December betont, daß der Fürst, seinem Worte getreu, die Entschließ ungen des rumelischen Volkes in keiner Weise beeinflussen werde und empfiehlt dringend, die Absendung eines kaiserlichen Commissärs nach Philippopel bis nach Abschluß des Friedens zu verschieben.

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