Kairo befindet. ratstellen eingetheilt, als man Straußenpaare
beschloß man, einen Versuch en gros mit der Züchtung dieses interessanten und kostbaren Vogels zu machen. Die ersten Einrichtungen
für derartige Etablissements gingen von der eng— lischen Kolonie am Kap aus, und bald folgten
Algerien und Aegypten dem Beispiel. Es war das eine glückliche Spekulation und eine der interessantesten Unternehmungen der Neuzeit. Schreiber kann es aus eigener Anschauung schildern,
da er Gelegenheit hatte, die von einer italie—
nischen Gesellschaft neu eingerichtete Kolonie für Strauße zu sehen, die sich in der Ebene, wo früher die Stadt Heliopolis sich erhob, unfern Der Park ist in soviel Sepa⸗
hat; oft gibt man einem Strauß auch zwei Weibchen. In den großartigen Anlagen am
Kap, wo es an Raum nicht fehlt, findet eine
andere Einrichtung statt. Der weite Park, sagt ein Reisender, der die englischen Kolonien in
Zentral-Afrika besuchte, ist wie ein Wildpark, mit
einem großlöcherigen Drahtgitter umzogen, das
den Zweck hat, das Entfliehen der kostbaren
Vögel zu verhindern. Da sie aber nicht fliegen,
nur schnell laufen können, so ist die Gefahr
durch das Gitter beseitigt; nur will man ihnen
durch die weite Ausdehnung soviel wie möglich gestatten, nach ihrer Bequemlichkeit zu leben, sich ihre Nahrung nach Gefallen zu suchen, und sich ihre Nester da anzulegen, wo ihnen die Oert—
lichkeit passend erscheint und sie von der Nach— barschaft der Menschen nicht beunruhigt werden.
Alle Jahre gehen die Pächter und ihre Ge— hilfen um die Mauserzeit auf die Auswahl der zu rupfenden Strauße. Sie verstehen es, die Thiere durch ungefährliche Schüsse vor sich her zu jagen, bis sie sie zu einem eingeengten Ge— hege bringen, in das sie hineinflüchten, und wo man sie alsdann fassen kann, um sie ihres schönsten Schmuckes zu berauben. Ist das ge— schehen, so gibt man ihnen die Freiheit wieder und läßt sie bis zum nächsten Jahre laufen, rupft sie auch wohl dreimal innerhalb zweier Jahre.
Ein völlig ausgewachsenes Straußenpaar kostet am Kap 12,000 Francs. Seine Ernähr— ung kostet in einem gut verwalteten Etablis— sement gegen 225 Fres. jährlich und der Werth seiner Federn ist auf circa 2500 Fres. abge— schätzt. Somit ist wie man sieht, der Vortheil schon ein sehr bedeutender, aber er repräsentirt doch nur einen kleinen Theil des Gewinns, den die Anlage durch den alljährlichen und be— ständigen Zuwachs der Herde einbringt, also das Kapital selbst mehr als verdoppelt. Die Steigerung erreicht oft in einem Musteretablis— sement die fabelhaftesten Ziffern. So bringen
B. 10 ausgewachsene Straußenpaare, die gut verpflegt werden, im Durchschnitt 30 Eier pro Paar, das macht 300 Eier das Jahr. Hierzu tritt die natürliche und künstliche Aus— brütung; man kann also die sämtlichen Eier verwershen und erhält dann im 8. Jahre der Anlage eine Brutto-⸗Revenüe von 500,000 Fres. von den Federn, während die Herde einen Werth von 5 Million Fres, repräsentirt. Die ländlichen Etablissements sind gewöhnlich mit 150 bis 200 Straußen bevölkert; man läßt die Eier nicht durch die Strauße ausbrüten; man benützt dazu künstliche Brutmaschinen, die ganz vortreffliche Resultate geben. Die Ausbrütung findet im Monat Juni und Juli statt und dauert 43 Tage. Man ernährt die kleinen Strauße dadurch, daß man sie auf einen sehr zarten, feinen Nasen bringt; merkwürdiger Weise aber verleugnen sie ihre Natur so wenig, daß sie so⸗ fort, nachdem sie ausgekrochen, kleine Kieselsteine verschlingen, die zu ihrer Verdauung durchaus nothwendig sind.
„In der Nacht,“ schreibt ein Mann, der vier Jahre bei der Aufzucht der Strauße thätig war,„werden die Kleinen ins Zimmer genommen, und die besonders zart und schwäch—⸗ lich erscheinen, werden warm zugedeckt; wenn sie einige Monate alt sind, bringt man sie in einen abgegrenzten Raum, wo sie ihre regel—
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mäßige Nahrung in feinen Gräsern und Klee erhalten. In einem daneben liegenden Park befinden sich ältere, ein-und zweijährige Strauße. Jede Umzäunung hat einen kleinen Schutz— schuppen, im Fall, daß es regnet oder hagelt, und der Boden ist dick mit Sand oder kleinen Kieselsteinen bestreut, damit die kleinen Kost— gänger ganz nach ihrer Phantasie und ihrem Geschmack ihren Hunger stillen können,
Die männlichen Strauße sind es, welche die schönsten und theuersten Federn liefern. Einzelne Federn erreichen oft ein Meter Länge und werden pro Stück im Lande selbst mit 75 Fres. bezahlt. Die großen Mittel- und kleinen Federn, welche nach England expedirt werden, finden auf dem Markt von London oft Preise, die ins Große gehen, oft über 2000 Fres. das Pfd. für die schönsten Qualitäten. Ein stattlicher Strauß liefert im Durchschnitt 40 Federn aus den Flügeln und 100 Federn aus dem Schwanz.
Anerkennend muß man es hervorheben, daß Frankreich seit 1857 die Idee erfaßte, den Strauß in Algerien zu züchten, und England 1864 es praktisch durch die Kolonie am Kap ausführte; seit jener Zeit hat die Zähmung des Straußes Riesenschritte gemacht. Die Statistik zeigt uns durch eine einfache Zahlenzusammen— stellung die Bedeutung dieser neuen Industrie. Nach einer im Jahre 1865 gemachten Zählung waren zu jener Zeit nur 83 gezähmte Strauße im ganzen Umfange der englischen Kolonie. Nach der Zählung von 1879 übersteigt die Zahl der dort gegenwärtig gezüchteten 70,000, und der bloße Werth der nach England ge— sandten Federn ist auf die runde Summe von 15 Million Franks zu fixiren.
Es ist in der That ein staunenswerthes Re— sultat, zu welchem ein Volk mit praktischem Geist und unermüdlicher Ausdauer gelangen kann, wenn es die Dinge mit jenem Ernst er— faßt, wie sie, einmal ins Leben gerufen, auch erfaßt werden müssen.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 4. Juli. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.75— 0.80, Eiter 1 St. 6 Pf., 2 St. 11 Pf.
Gleßen, 4. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfd. M. 0.70— 0.75, Eier per St. 5—6 Pf., Käse per St. 5—9 Pf., Tauben per Paar M. 0.60— 0.80, Hühner per Stück M. 0.80— 1.20, Hahnen per Stück M. 0.60— 1.00, Enten per Stuck M. 1.50—1.80, Ochsenfleisch per Pfund 68 Pf., Kuh- und Rind⸗ fleisch 56 60 Pf., Schweinefleisch 5060 Pf., Hammel fleisch 64—70 Pf., Kalbfleisch 48—50 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.00, Zwiebeln per Ctr. M. 5— 7, Kirschen per Pfd. 1018 Pf.
Frankfurt, 3. Juli. Auf dem Heu⸗ und Stroh⸗ markt waren 48 Wagen zugefahren. Heu kostete 100 Ko. M. 6.—6 60, Stroh M. 4.— 5.20.
Frankfurt, 4. Juli. Wochenmarkt. Der Centner Erbsen kostete M. 10—15, der Ctr. Zwiebel M. 14— 16, das Gescheid 50 Pf., das Viertelhundert neue Zwiebel 60—70 Pf. Butter im Großen 70 80 Pf., im Detail 90 Pf. bis M. 1.10, Tafelbutter M. 1.20— 1.30. Eier das Hundert M. 4—5. Neu Wirsing und Weißkraut 15—20 Pf., Kohlrabi 3—4 Pf., das Hundert Gurken M. 10-20, das Stück 12—25 Pf., das Pfd. Erbsen 12— 15 Pf., das Pfd. Zuckerschoten 20—25 Pf., Heldel—⸗ beeren der Liter 12— 15 Pf., Walderdbeeren der Liter 60—70 Pf., Stachelbeeren das Pfd. 20 Pf., Schwämme 25—30 Pf., Blumenkohl 20—70 Pf., Schneidbohnen das Hundert 80 Pf. bis M. 1, das Pfd. gewöhnliche Beockelbohnen 40 Pf., Kirschen 6—8 Pf., im Kleinen 10-20 Pf., Orangen das Hundert M. 18— 20, Melonen das Pfd. M. 1, Himbeeren das Pfd. 50—60 Pf., Johannisbeeren, rothe 18—25 Pf. Fleisch- und Gefluͤgel— preise unverändert.
53737 12484 3086 157336 141377 151965 52746 147233 155274 122327 und 112181; je 200 Thaler fielen auf Nr. 7098 132814 2977 20258 124965 130137 85719 102546 51904 und 20676; je 400 Thaler fielen auf Nr. 89940 91807 60365 89048 und 21685; je 1000 Thaler fielen auf Nr. 89038 122328 und 149492; je 1500 Thaler fielen auf Nr. 43242 und 571813 2000 Thaler fielen auf Nr. 146313, 4000 Thaler auf Nr. 58563, 8000 Thaler auf Nr. 41303 und 32,000 Thlr. auf Nr. 164343.
Oesterreichische fl. 250.⸗Loose von 1854. Serienziehung vom 1. Juli 1885. Ser.⸗Nr. 130 160 212 764 803 881 942 1182 1228 1230 1257 1265 1330 1475 1480 1594 1758 1797 1861 1920 1998 2019 2082 2233 2397 2575 2738 2805 2822 2847 2982 3039 3121 3193 3264 3304 3310 3371 3372 3497 3551 3676 3751 3906. Die Gewinnziehung findet am 1. Oktober 18885 statt.
Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. Gastspiel der Münchener. Dienstag den 7.: Im Austragstüberl. Mittwoch den 8.: Zum ersten Male: Die Zwiderwurzen. Volksstück in 5 Akten von Dr. Hermann Schmidt. Donnerstag den 9.: Der Schlagring. Freitag den 10.: Zum ersten Male wiederholt: Die Zwiderwurzen. Samstag den 11.: Herrgottschnitzer. Sonntag den 12.: Die Zwiderwurzen.
Literarisches.
Daheim Nr. 40 enthält: Sigrit. Eine Geschichte aus Finnland von E. Berg.— La mina de los Padres. Von A. Niemann. Mit Illustr.— Richard Böhm, der Afrikareisende. Von R. Andree. Mit Porträt.— Von den Samoa-Inseln. Nach Briefen von G. v. Brauchitsch. Mit 4 Illustr.— Am Familientisch: Generalfeldmarschall v. Manteuffel. Mit Porträt.— Abgeschätzt und unter⸗ schätzt. Von W. Hügel.— Berliner Theaterenthusiasmus vor 100 Jahren.— Briefkasten.— In unserer Sptelecke. Mit 1 illustr. Beilage.
„Die Werkstatt“, Meister Konrads Wochenzeitung Nr. 27 enthält: Aus der Welt.—„Sollen die Meister in der Zahl der Lehrlinge beschränkt werden?“„Wo's dem Handwerk eigentlich fehlt.“— Für die Werkstatt: Wie es zu Zeiten des alten Fritz in Schlesien mit den
wandernden Handwerksburschen gehalten wurde.— Auf Stück gearbeitet.— Spruch.— Allerhand Nützliches für den Handwerker.— Für den Abendschoppen: Vor⸗
sicht mit dem Zunftzwang.— Malermeister und Agitator J. Klasse.— Wahrhaftig in's Garn gegangen.— Was die Zeitungen über den Meister Konrad schreiben.— Für Haus und Herd: Vom Wirthshausgehen.— Das Vogelnest.— Gegen die Fliegen.— Verschossenen schwarzen Tuchhosen wieder ein gutes Aussehen zu geben. — Formkuchen ohne Hefe.— Spruch.— Für den Feier⸗ abend: Doktor und Apotheker.— Briefkasten.— Fragen und Antworten.— Anzeigen.
Eingesandt.
Am 12. Juli nächsthin feiert„Onkel Dietrich“ mit seiner braven Frau den goldnen Hochzeitstag. Einsender dieses denkt sich, daß diese Mittheilung Vielen in unserer Stadt von Interesse sein und daß man vielfach Ver⸗ anlassung nehmen wird, dem„goldenen“ Paare eine Freude zu bereiten. w.
Wasserwärme der Usa.
5. Juli Abends 12 Grad Reaumur. 6. Juli Mittags 18 Grad Reaumur. Walter.
Herr Johann Maria Farina
gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln hat uns den Debit des
allein ächten Cölnischen Wassere
übertragen und empfehlen wir dasselbe
per Glas zu M. 1.50, „ ½ʒ Dutzend 1 e 8.50 „ Dutzend 18.78
Die Expedition des Anzeigers.
Verloosung.
Kassel, 1. Juli. Ziehung der Kurhessischen 40 Thlr.: Loose. Je 100 Thaler fielen auf Nr. 66973 51019 6232 138834 89535 155259 129490 54273 61853 130532 117608 33780 87363 34614 56109 147899 150690 20683 130527 130133 112184 61854 69963 51003 58379 73999 75137 96417 57196 88751 85704 41314 120208 50874 102828 94056 106311 44411 130138 57302 59745 70102 35517 55248 20682 58467 107078 117602 89036 48413 147247 68493 92157 130130 152267 133825 147245 120200 96205 22197 37063 91459 73567 49648 26655 69 155 106301 122339 69255 133810 151334 48788 74716 149651 69827 104633 37070 85720 109689 20818 89527 69252 47416 60356 26206 52747 64749 42964 161894 577 51921 147248 66970 139534 123674 33248 142373 134185 150493 69158 20271 68516 149681 112150
99944 und 111369; je 140 Thaler fielen auf Nr. 48422 58383 88770 89541 99229 118644 69826 94290 104389
Holzversteigerung.
Freitag den 10. d. Mts., von Morgens 9 Uhr ab, werden im Domanialwald Burgwald, Schlag XVIII (Zusammenkunft am Forsthaus) versteigert: Schäleichen: 110 Baumstützen, 4 Rm. Scheiter, 86 Rm. Knüppel, 12000 Wellen und 20 Rm. Spähne.
Ober-Ros bach, 2. Juli 1885.
Großherzogliche Oberfͤrsterel Ober-Rosbach. Strack.
Bekanntmachung.
Die am 22. Juni l. J. auf der fisealischen Mautzen⸗ wiese abgehaltene Grasversteigerung ist nicht genehmigt. Ober⸗ Rosbach am 3. Juli 1885.
2408
Großherzogliche Oberforsteret Ober⸗Rosbach. Strack.
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