Ausgabe 
7.7.1885
 
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VI. Konkurrenzeröffnung. Erledigt ist: Die evan gelische Pfarrstelle zu Leeheim.

Post⸗Personalnachrichten. Versetzt sind der Post⸗ kassierer Kutter von Darmstadt nach Posen behufs Uebernahme einer Postinspektorstelle, der Ober-Post direktionssekretär Kobelt von Bromberg nach Darmstadt behufs Uebernahme der Postkassiererstelle, der Postsekretär Wittich von Darmstadt nach Kassel behufs Uebernahme einer Bureaubeamtenstelle 1. Kl. und der Postsekretär Tietz von Mainz nach Wesserling im Elsaß behufs Ueber nahme der Postmeisterstelle daselbst. In den Ruhestand getreten ist der Ober-Postassistent Sassenfeld in Kastel. Gestorben ist der Ober-Postkommissarsus Welcker in Darmstadt.

Militärdienstnachrichten. Keppler, Prem. Lieut, vom 4. Gr. Inf. Regt. Nr. 118 wurde unter Stellung à la s. des Regts als Adjutant zur 41. Inf.⸗Brig. kommandirt; Wagner, Sec.⸗Lieut. von dems. Regt., zum Prem. Lieut. befördert.

Jugenheim. Der Fürst von Bulgarien trifft am 12. Juli dahier ein. Von hier aus wird sich der Furst mit seinen Eltern zur Hoch zeit des Prinzen Heinrich nach Englaud begeben.

Berlin, 3. Juli. Fürst Bismarck ist heute in erwünschtem Wohlsein von Kissingen zurück gekehrt. Die Kur hat kräftigend gewirkt, be sonders aber hat Kissingen der Fürstin genützt. Der Kanzler reist übermorgen nach Kröcheln dorf, wo Montag die Hochzeit des Grafen Wil helm stattfindet.

3. Juli. Im Bundesrath stimmten gestern Mecklenburg-Strelitz und Reuß ältere Linie gegen den Antrag des Justizausschusses über die braunschweigische Erbfolgefrage, Meck lenburg-Schwerin und beide Lippe dafür, unter Abgabe von besonderen Erklärungen, während Oldenburg ebenso wie Braunschweig sich der Abstimmung enthielten.

4. Juli. Der Bundesrath hat heute die Beschlußfassung über die Zollbehandlung der Petroleumfässer ausgesetzt, sodann von dem Aus schußbericht über die Festnahme v. Vollmar's und Frohme's Kenntniß genommen, und sich demnächst bis zum 15. September vertagt. DieKreuz zeitung bespricht den Beschluß des Bundesraths in der braunschweigischen Frage und betont, daß derselbe ausdrücklich zwei Gründe in präciser Formulirung anführt, wegen welcher die Regier ung des Herzogs von Cumberland mit den Grund prinzipien der Bündnißverträge und der Reichs verfassung nicht vereinbar sei. Würden diese Gründe beseitigt, so werde offenbar der Beschluß des Bundesraths gegenstandslos werden. Das genannte Blatt will die Beschlußfassung des braun schweigischen Landtags abwarten, Cumberland habe dann die Eutscheidung immer noch in der Hand.

4. Juli. Der Reichskanzler hat gestern den Vertrag mit dem Norddeutschen Lloyd in Bremen, betr. die Dampfersubvention, vollzogen.

Ems, 3. Juli. Prinz Wilhelm von Preußen traf heute zum Besuche des Kaisers hier ein und wurde vom Flügeladjutanten Grafen Lehndorff am Bahnhofe empfangen. Der Prinz reist heute Mittag nach Coblenz zur Kaiserin. Bischof Roos von Limburg traf ebenfalls heute hier ein und wurde vom Kaiser zur Tafel gezogen. Der Kaiser besuchte gestern zum ersten Male das Theater.

5. Juli. Prinz Wilhelm traf aus Cob lenz kommend heute wieder hier ein und ver weilt bis morgen. Fürst Leopold von Hohen zollern, welcher heute Morgen hier ankam, wurde vom Kaiser empfangen und mit dem Prinzen Wilhelm zur Tafel geladen.

Weimar, 5. Juli. Das Befinden der Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar, welche gestern bei einem Spazierritt mit dem Groß herzog das Unglück hatte, mit dem Pferde zu stürzen und bewußtlos in das Schloß getragen werden mußte, hat sich gebessert. Dem Vernehmen nach liegt keine gefährliche Verletzung vor.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Nach einer Gasteiner Privatdepesche ist die Disposition be treffs der Ankunft des deutschen Kaisers fallen gelassen. Das Reiseprogramm wird erst ge legentlich des Kaiserbesuches auf der Mainau festgesetzt. Die Kaiserreise nach Gastein ist da her noch zweifelhaft.

Fraukreich. Paris. DasMemorial diplomatique meldet, das englische Cabinet habe die unverzügliche Ersetzung des Khedive Tewfik durch den Exkhedive Ismael Pascha in Aussicht genommen.

Spanien. Madrid, 3. Juli. Die Kammer hob, als sie erfuhr, daß sich der König nach Aranjuez begeben, unter Hochrufen auf den König die Sitzung auf. Als der König Nach mittags zurückkehrte, erwartete ihn am Bahn hofe eine sehr große Meuschenmenge, welche ihn mit enthusiastischen Kundgebungen bis zum Palais begleitete.

Griechenland. Athen. Kalliphornas von der ministeriellen Partei ist mit 146 gegen 60 Stimmen zum Präsidenten der Kammer gewählt worden.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 4. Juli. Gestern Abend wurde Lieske per Bahn von Frankfurt hier durchgebracht. Er war stark gefesselt, von einem Polizeieommissär und mehreren Schutz leuten begleitet. Ueber das Endziel der Fahrt konnten wir nur in Erfahrung bringen, daß die Billete nach Kassel lauteten. Dies läßt annehmen, daß er wohl nach dem Zuchthause zu Wehlheiden gebracht wurde. Falls der Kaiser das Todesurtheil bestätigt, woran wohl kaum zu zweifeln ist, wird die Hinrichtung in etwa 4 Wochen erfolgen.

h. Friedberg. Die Delegirtenversammlung der 23 Nereine des Mainthalsängerbundes findet am 22. Aug. d. J. im Hötel Trapp dahler bei Gelegenheit der gol denen Jubelfeier unseres GesangvereinsNederkranz statt. Auch dadurch wird diese Feier eine erhöhte werden. Aus der Tages ordnung für die Delegirtenversammlung heben wir hervor: das Aufnahmegesuch eines Vereins, der Sängertag in 1886, Rechnungsablage, Wahl von Mit⸗ gliedern zum Controlausschuß, Referate über die Thätig keit der Vereine, Rückblick auf den Sängertag in Offen⸗ bach u. s. w.

H. Friedberg. In Nr. 417 des Frankf. Journals hat ein Berichterstatter unsere Stadt und unser Geschäfts und Verkehrsleben einer derartigen Kritik unterzogen, daß er wirklich eine öffentliche Rüge verdient, zumal derselbe völlig unwahre Angaben gemacht hat, um seine Zwecke zu erreichen, nämlich die projeetirte Bahn aus dem Vogelsberg und der oberen Wetterau in Nieder⸗ Wöllstadt und um keinen Preis in der Kreisstadt Friedberg einmünden zu lassen. Und doch ist der weitaus größte Theil der interessirten Bevölkerung für eine Einmündung in Friedberg. Nieder-Florstadt wird z. B. in jenem Artikel als ein sehr wohlhabender und sehr bevölkerter Ort bezeichnet im Gegensatz zu Friedberg, das jagar keinen Güterverkehr hat. Diese geradezu lächerliche Be hauptung zu widerlegen, wird wohl Niemanden einfallen. Wenn der Arttkelschreiber aber gerne einmal wissen will, welch kolossaler Güterverkehr hier statifindet, dann möge er einmal auf hiesigem Bahnhofe nachfragen, die Be amten sind sehr höfliche Leute und geben gerne Auskunft. Hoffentlich wird jenem Berlchterstatter demnächst im Frankfurter Journal von berufener Seite nach Gebühr geantwortet.

H. Friedberg. Zur Schlachthausfrage freut sich Einsender dieses vor allem darüber, daß sich aus den Kreisen des Metzgerhandwerks eine Stimme hören läßt, die selbstredend gegen das erwähnte Projeet spricht. Aber welche Gründe führt der geh.-Correspondent an? Sind sie doch alle durchaus nicht stichhaltig! Aus unserem ersten Artikel ist auch nicht im Enferntesten zu ersehen, daß Friedberg nach dem Muster einer Großstadt verwaltet werden soll. Aber es sind doch nicht zu leug neude Thatsachen, daß wir die erwähnten zwel Vorzüge einer Großstadt besizen. Zwar sind wir, selbst wenn wir den dritten Vorzug, ein Schlachthaus, besitzen, immerhin noch keine Großstadt, haben auch kein Gelüste darnach. Aber die Behauptung des geb.-Correspondenten, Friedberg sei in geschäftlicher Beziehung zurückgegangen, zeugt von vollständiger Unkenntniß der hiesigen Verhält⸗ nisse. Räumen wir auch ein, daß einige Geschäfte, ja sogar einige Branchen, Noth gelitten haben, so sind doch die Gründe hierfür ganz anderer Art, da sich die Verhältnisse im Allgemeinen eben geändert haben. Gerade das Gegentheil von jener Behauptung ließe sich leicht erweisen. Der weiteren Bemerkung, daß in den letzten Jahren bedeutend weniger als vor einem Decenium ge schlachtet worden sei, stellen wir die amtliche Zahl des im vergangenen Jahre geschlachteten Viehes entgegen, welche 742 Stück Großvieh und 4058 Stück Kleinvieh ergibt. Betreffs des neuen Polizeireglements muß, wie schon erwähnt, der Erfolg erst abgewartet werden, aber bet uns steht es zweifellos fest, daß, wenn eine strenge Handhabung jener Verordnung erfolgt, die Metzger bald selbst den Wunsch nach einem Schlacht haus laut werden lassen werden. Doch was will der geh.-Einsender eigentlich mitnoch weiteren theueren städtischen Anlagen und mit seinem Satze:Sparen, wo es irgend geht? Wähnt er etwa, das Schlacht haus würde eine Anlage werden, die die Stadtkasse schädlgen und die Communal-Steuern erhöhen würde? Da ist der Einsender leider gar schlecht in unsere finanziellen städtischen Verhältnisse eingeweiht. Das Schlachthaus würd, wie die Gas- und Wasserleitungs

Anstalten, eine Rente für die Stadt abwerfen, außer

den übrigen Wohlthaten und Annehmlichkelten, die mit

seiner Eylstenz eintreten dürften. Sobald sich das Profekt

als solches gestalten wird, wollen wir dem geh.-Corre⸗ spondenten über diesen Punkt nähere Eklärungen geben, vorerst halten wir es für überflüssig.

n. Vilbel, 2. Jull. Heute Vormittag fand eine Siz⸗

ung des Verwaltungsrathes des Mathildenstifts Vilbel in hiesigem Rathhaussaale statt. Nach dieser tagte die dies; jährige Generalversammlung des Mathildenstifts. Die Ver⸗ treter der betheiligten Gemeinden waren bis auf zwei alle erschtenen, die übrigen Mitglieder dagegen nicht minder zahlreich. Gestützt auf das Prinzip, die Ueberschüsse der Kasse, soweit als möglich oder thunlich immer den im Mathlildenstiftsbezirk etablirten Anstalten ꝛc. ꝛc. an: gedeihen zu lassen, mußte der Verwaltungs rath mehrere Gesuche um Unterstützung von Anstalten außerhalb des Bezirks unberücksichtigt lassen, dagegen wurden alle Ge⸗ suche von Anstalten ꝛc. innerhalb des Bezirks(z. B. Ge⸗ werbeschule und Bezirkskrankenhaus zu Vilbel) mit ent⸗ sprechenden Unterstützungen bedacht. Die von dem Ver⸗ waltungsrath gefaßten und der Generalversammlung zur Genehmigung vorgelegten Beschlüsse wurden mit großer Majorität angenommen. Für die austretenden 5 Mit⸗ glieder des Verwaltungsrathes wurden von 46 Ab⸗ stimmenden: Karl Guth mit 37 Stimmen, Karl Friedrich Brod mit 33 Stimmen, Buͤrgermeister Weitzel von Kaichen mit 32 Stimmen wiedergewählt, neugewählt Bürgermeister Hinkel dahier mit 43 Stimmen und Bürgermeister Herling zu Rendel mit 23. Stimmen.

Gießen, 3. Juli. In der Rechtssache Hinze e. Jöckel, die heute behandelt wurde, setzte das Landgericht seine Entscheidung bis zum 10. Juli aus.

Bingen, 4. Juli. Anläßlich des heute beginnenden amerikanischen Schützenfestes prangt die Stadt in vollem Flaggenschmuck. Um Uhr setzte sich der Zug in Bewegung und wurde überall von der Bevölkerung freudig begrüßt. Vor Beginn des Schießens ließ Haupt⸗ mann Diehl von den Independent-Newyorker-Schützen dret Ehrensalven für den Kaiser Wilhelm, den Präsidenten Cleveland und die Stadt Bingen abgeben.

Allerlei.

Frankfurt. Ein eingeschriebener Drohbrief wurde der Frau Camphausen, der bekannten Zeugin in dem Prozesse Lieske, zugestellt. Es wird ihr mit der Rache der Anarchisten gedroht.

Berlin, 3. Juli. Die diesjährige Uebungsreise des großen Generalstabes findet Mitte August statt und er⸗ streckt sich durch die Provinzen Posen und Westpreußen.

Wien, 3. Juli. In Horodenka(Galizien) sind über 600 Häuser abgebrannt; 5000 Menschen, meistens arme Juden, sind obdachlos und brodlos. Zwei Menschen verbrannten, mehrere Kinder werden vermißt; es herrscht große Noth.

London. Ein schreckliches Unglück ereignete sich am 1. Jull Mittags, wie derK. Ztg. aus Leeds ge⸗ schrieben wird, in der dortigen Ingham'schen Nagelfabrfk, indem ein Theil des Gebäudes einstürzte und sechs Ar beiterinnen auf der Stelle getödtet wurden. Das Ge⸗ wicht eines großen Vorraths an Nägeln und der schweren Maschinen soll den Einsturz bewirkt haben. Nur dem Umstande, daß das Unglück sich zur Mit⸗ tagszeit ereignete, wo der größte Theil der Arbeiterinnen die Werkstätte verlassen hatte, ist es zu danken, daß die Zahl der Opfer nicht bedeutend größer gewesen.

Madrid. In Spanien wüthet die Cholera fortge⸗ setzt in erschreckender Weise. Am 2. ds. kamen im ganzen Choleragebiete 1354 neue Choleraerkrankungen und 664 Todesfälle vor. Am meisten heimgesucht ist die Provinz Valeneta, in welcher am genannten Tage 366 Todesfälle vorkamen.

Die Zähmung des Straußes.

In ganz Afrika und in Arabien jagt man nach dem Strauß seiner prachtvollen Federn wegen, die fest, elastisch, graziös und wallend sich so wunderbar jeder Zubereitung fügen und alle Nuancen der Färbung annehmen. Die Strauße von Hoggar und aus der Berberei sind, inclusive der sich in Syrien findenden, die schönsten in der Welt. Die von Ober-Negypten, von Sennar und Darfour haben auch das Renommee, vorzüglich zu sein. Die Strauße am Kap geben hinsichtlich der Qualität geringere Federn, haben aber nicht ihres Gleichen hin sichtlich der Lange. Die rohen Federn kommen in großen Kisten nach London und nach Havre. Nach Millionen beziffern sich die Geschäfte in den Docks von London; die Einfuhr vom Kap be ziffert sich auf zwei Drittel der Summe. Der französische Handel der Straußfedern versorgt sich theilweise von Havre. Die Deutschen, die noch unlängst sich aus diesen beiden Städten damit versahen, kaufen jetzt ihre Federn in Hamburg; die Kommissionäre dieses Hafens hatten die Initiative ergriffen, und auch die Intelligenz, sich direkt mit dem Bezugslande in Verbindung zu setzen. Um den Fortschritten der Vernichtung der Strauße infolge der be ständigen Nachfragen nach Federn zu steuern,

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