1885.
Bonnerstag den
7 3 31.
Oberhesssche
nzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Alreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag,
Donnerstag und Samstag.
Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen— Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei u
oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. ns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
Um Auskunft über den dermaligen Aufenthaltsort des Philipp Daniel von
Friedberg den J. November 1885.
Amtlicher Theil. Ausschreiben.
Sprendlingen, zuletzt Kutscher in Bad-Nauheim, wird ersucht.
Der Großherzogliche Amtsanwalt. Wagner.
Deutsches Reich.
NN 0 + 2
Darmstadt. Das Regierungsblatt Nr. 31 enthält: Bekanntmachung, die Bildung der Orts— gerichte betr.
— Militärdienstnachrichten. v. Grolmann, Pr. ⸗Lt. vom 1. Nass. Inf.⸗Rgt. Nr. 87 wurde unter Stellung à la s. des Rgts., als Adjut. zur 30. Inf.⸗Brig. com⸗ mandirt. Gerheim, Sec. ⸗Lt. von dems. Rgt., zum Pr. Lt. befördert. Schröder, Pr. Lt. vom 3. Gr. Inf. ⸗ Rgt. 7, zum Hauptm. und Comp. Chef, Rudolph, Seec.⸗Lt. von dems. Rgt., zum Pr. ⸗Lt., Ritter v. Breit haupt, Untereff. vom 4. Gr. Inf.⸗Rgt. Nr. 118, zum Port. Fähnr. befördert. Panse, Pr.⸗Lt. vom 1. Nass. Inf. ⸗Agt. Nr. 87, zum Hauptm. und Comp. Chef, Bisgen, See. Lt. von dems. Rgt., zum Pr.⸗Lt. befördert. Weiß, Pr.⸗Lt. a. D., als Pr.⸗Lt. im Hess. Pion.⸗Bat. Nr. 11, wiederangestellt. Angern, Gefr. vom 1. Brandenb. Feld-Art.⸗Rgt. Nr. 3, zum Port. Fähnr. befördert. Braune, See.⸗Lt. vom 1. Brandenb. Feld-Art.⸗Rgt. Nr. 3, à la s. des Rgts. gestellt. Bumke, Gen.-Major und Inspecteur der 3. Ing. Insp. zur Disp. gestellt. Pawlowski, Sek.⸗Lt. vom 1. Brandenb. Feld⸗Art.⸗Rgt. Nr. 3, der Abschied bewilligt. Fihr. v. Starck J., Sec. Lt. vom 2. Gr. Drag.⸗Rgt. Nr. 24 cum Pr. Lt. ernannt. Brentano, Oberstlieutenant und Bez. Comm. des 5. Brandenb. Landw.⸗Rgts. Nr. 48, der Abschied bewilligt und dems. der Kronenorden III. Kl. verliehen.
Berlin, 1. Nov. Der Kaiser traf mit dem Könige von Sachsen, dem Prinzen Georg von Sachsen und dem Herzoge von Anhalt, dem Kronprinzen und der anderen hohen Jagdgesell— schaft gestern mittelst Extrazuges im allerbesten Wohlsein aus der Schorfhaide resp. von Jagd— schloß Hubertusstock wieder in Berlin ein und begab sich direct vom Bahnhofe aus nach dem königlichen Palais.
— 2. Nov. Die Bundesrathsausschüsse, welche am Mittwoch mit den Berathungen des
über den Etat der Zölle und Verbrauchssteuern verhandeln. Nachdem die Gesetzentwürfe, be— treffend den Bau des Nordostsee-Canals und die Unfallversicherung der in den land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Per— sonen die Zustimmung des Reichskanzlers er— halten haben sollen, werden dieselben wohl schon in den nächsten Tagen dem Bundesrath zugehen. Der Meistbegünstigungsvertrag, welcher zwischen dem Deutschen Reich und San-Domingo
Reichs haushaltsetats beginnen, werden zunächst
abgeschlossen ist, gelangt demnächst zur Vorlage an den Bundesrath.
41— Aus Pokohama werden deutsche Exporteurs zu größerer Bethetligung an den Einfuhren 3 1 Japans von Stahl und Eisen aufgefordert, an
tille denen Deutschland noch nicht nach Wunsch be⸗ Mela · theiligt ist. Sollte die von der japanischen
9 11 Regierung geplante ausländische Anleihe zu paste Stande kommen, dann sind für die nächsten
n een Jahre stärkere Importe von Eisenbahnmaterial en ee zu erwarten; Deutschlands Betheiligung hieran Fb würde durch eine deutsche Dampferlinie nach Ost⸗
1. asien eine ganz wesentliche Unterstützung finden. 170 pe In der Frage der Zulassung katholischer 4 6% Missionen in die deutschen Colonien erklärt die
1.„Nordd. Allg. Ztg.“: Soweit dieselben jesuitisch
und französisch sind, seien sie unmoglich; im Sonstigen seien sie gleichberechtigt mit den Evangelischen im Reich wie in den Colonien. N— Der Etat der Verwaltung der kaiser—
hält an fortdauernden Ausgaben 37,398,928 M., an einmaligen Ausgaben 11,073,900 M., d. h. gegen das Vorjahr mehr an ersteren 4,318,334 M., an letzteren 1,814,500 M. Der Etat des Reichs— invalidenfonds weist eine Gesammtausgabe von 26,961,588 M., d. i. um 763,917 M. weniger als im Vorjahr auf. Die Einnahmen betragen 20,894,000 M., d. i. weniger um 430,167 M. Der Capitalzuschuß beträgt 6,067,588 M. Braunschweig, 2. Nov. Der Prinz und die Prinzessin Albrecht sind heute hier ein— getroffen. Bei der Einfahrt fand die Begrüßung durch die Landesversammlung an der von der Stadt errichteten Ehrenpforte und durch die städtischen Behörden und die Stadtgeistlichkeit statt. Auf dem Perron nahmen die die Städte und Landgemeinden des Herzogthums vertreten— den Deputationen, die eingeladenen herzoglichen Beamten und das Officiercorps Auffstellung. Nach der Ansprache des Oberbürgermeisters an der Ehrenpforte, erfolgte die Ueberreichung eines Blumeustraußes durch Ehren-Jungfrauen der Stadt. Alsdann fand der Einzug durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Residenzschloß statt. Abends war Festvorstellung im Theater und Fackelzug und Serenade von Gesangvereinen. — 3. Nov. Ein heute veröffentlichtes von den Ministern gegengezeichnetes Patent des Prinzen Albrecht besagt, daß er nach Annahme der einstimmig erfolgten Wahl die Regierung des Herzogthums Braunschweig antrete, und daß die Ableistung der allgemeinen Huldigung erfolgen solle, sobald die dieserhalb weiter erforderlichen verfassungsmäßigen Anordnungen getroffen seien. Zugleich versichert der Prinz bei seinem Fürstenwort, daß er die Landes— verfassung in allen ihren Bestimmungen be— obachten, aufrechterhalten und beschützen wolle. München, 2. Nov. Der Gesandte Bayerns am Quirinal, Baron Tautphoeus, ist heute hier gestorben. Ausland.
Frankreich. Paris. Sowohl auf dem hiesigen Auswärtigen Amte als auf der portu— giesischen Gesandtschaft wird versichert, daß die aufs Neue in Umlauf gesetzten Nachrichten über Zerwürfnisse zwischen Frankreich und Portugal wegen gewisser Besitzrechte au der afrikanischen Küste durchaus unbegründet sind. Es hat aller— dings eine Differenz bestanden, welche aber voll— ständig erledigt ist.
Serbien. Belgrad. Der Wiener Bericht— erstatter der„Times“ erfährt, daß König Milan von verschtedenen Seiten den Nath erhalten hat, das Deecret der Conferenz für eine Wieder— herstellung des status quo ante abzuwarten, als— dann die Demobilisirung der serbischen Armee anzubefehlen und den Großmächten die mora— lische Verpflichtung zu überlassen, für die Inkraft— setzung ihres Verdiets Fürsorge zu treffen. Der König ist sehr stark geneigt, diesem Rathe zu folgen, da seine finanziellen Mittel bereits zur Neige gehen. ö
— 3. Nov. Es verlautet, König Milan
lichen Marine für das Etatsjahr 1886/87 ent-!
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habe anläßlich der Erklaͤrungen des Grafen
Kalnoky im Ausschusse der ungarischen Delega— tion in Wien demselben den wärmsten Dank aus— sprechen lassen für die Serbien betreffenden sympathischen Auslassungen, besonders für die Betonung der Thatsache, daß Serbien die Wiederherstellung des status quo ante als die befriedigendste Lösung der Schwierigkeiten be— trachten würde.
Bulgarien. Sofia, 3. Nov. Eine offi⸗ zielle Mittheilung des Ministers des Aeußern besagt, die bulgarische Regierung könnte mit gutem Grund das Einrücken der Serben in bulgarisches Gebiet als vollendete Thatsache be— trachten, denn die Serben besetzten in der Nacht vom 24. October einen Theil des bulgarischen Dorfes Klissura und zogen sich erst wieder am 25. October Morgens auf serbisches Gebiet zurück.
Griechenland. Athen, 1. Nov. Bei der Berathung der in Beantwortung der Bot— schaft von der Kammer an den König zu richten— den Adresse erklärte der Minister-Präsident Delyannis, es sei die Pflicht der Regierung, die nöthigen Vorbereitungen möglichst zu be— schleunigen. Griechenland werde vor einem Kriege zur Wahrung der hellenischen Interessen nicht zurückschrecken, und sei überzeugt, daß es mit Ehren aus dem Kampf hervorgehen werde. Ueber die Absichten der Regierung habe sich die Botschaft des Königs zur Genüge aus— gesprochen.— Die Creditforderunz für die Marine beträgt zwölf Million.— Die Türkei zieht Truppen in Epirus zusammen und läßt Kriegsbedarf dahin abgehen.
— Griechenland beantwortete die Mittheilung der Mächte ähnlich wie Serbien, mit dem Hinzu— fügen, es könue die Dinge nicht als geordnet und gesichert betrachten, so lange nicht wenigstens Griechenland die durch den Berliner Vertrag zugesicherte Grenzlinie im Epirus besitze.
Aus Stadt und Land. Friedberg. Das Scheusal der Tournüre wird in Kürze verschwinden, wenn eine Pariser Meldung begründet ist. Man schreibt nämlich von dort:„Die Stunde des„Sattelkissens“, dieser Ausgeburt einer verrückten Modeentwickelung, hat geschlagen. Die Ab— werfung des Auswuchses geht wiederum von Paris aus. Bei der jetzt in Eu stattgehabten Hochzeit des Prinzen Waldemar von Dänemark mit der Prinzessin Marte von Orleans erschienen die Braut wie alle anderen Damen ohne das unnatürliche Anhängsel. Die vornehme Welt wird sich jetzt beeilen, das Sattelkissen abzuwerfen, welches nunmehr nur noch von Dienstmädchen, Scheuer— frauen und außerdem natürlich auch von gewissen Nacht— wandlerinnen getragen werden wird. Mit der von einigen Speeulanten genährten Hoffnung, das Sattelkissen werde sich wiederum zum Gehkorb entwickeln, ist es nun⸗ mehr vorbei.“ Wir wollen hoffen, daß die— um einen gelinden Ausdruck zu gebrauchen— widerliche Narr— heit wirklich ihr baldiges Ende erreicht. Interessant wird es aber für alle Ehemänner und Väter sein, zu erfahren, wie es der theuren Gattin und Tochter jetzt auf einmal möglich sein wird, ohne das Scheusal ausgehen zu können, die seither eonsequent behauptet hat,„es gehe nicht, es sei schön, es diene zur Verbesserung der Fagon.“ Wenn jetzt Frau Wenzel, Frau Müller, Frau Berg ze. ze. sagen:„Man trägt dies jetzt nicht mehr, es ist nicht mehr Mode“, dann„verbesserts die Fagon nicht mehr“ und es geschieht auf einmal, was alle Bitten und alle guten und boͤsen Worte des Gemahls oder Vaters
und aller Spott seither nicht fertig brachten.
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