eine Ministerkrisis bevor, deren Folgen nicht ab zusehen sind. Estrup's Stellung scheint gefährdet.
Norwegen. Christiania. Zur Completir— ung des Ministeriums ist Großhändler Kildal zum Staatsrath ernannt worden, wodurch Re⸗ sortveränderungen bevorstehen. Selbst die Rechte begrüßt denselben als acceptabel.
Holland. Haag. Dem Vernehmen nach genehmigte der Staatsrath den Entwurf des Regentschaftsgesetzes. Wie verlautet, würden die Kammern zur Berathung des Entwurfs am 28. Juli einberufen.
Frankreich. Paris. In der Revisions— Commission des Senats erklärte der Conseils— präsident Ferry: Falls der Revisionsentwurf aus dem Senat in anderer Fassung hervorgehen würde als in der Kammer, würde die Regier— ung die Kammer ersuchen, diese anzunehmen; es sei nöthig, daß die Beschlüsse der Kammer und des Senats identisch seien. Andernfalls wäre der Congreß unmöglich.
— 19. Juli. Die Deputirtenkammer nahm das Ehescheidungsgesetz mit den vom Senate beschlossenen Modificationen ohne erhebliche De— batte an.
— Die Minister, welche in Toulon und Marseille waren, berichteten über ihre gemachten Wahrnehmungen und erklärten, es sei nothwen— dig, Maßregeln zu ergreifen, um die öffentliche Gesundheitspflege zu verbessern. 2,000,000 Fres seien unzureichend, um den von der Cholera Betroffenen zu helfen. Campenon beabsichtigt demnächst den Antrag zu stellen, die großen Ma— növer in diesem Jahre der Cholera wegen fort— fallen zu lassen.
— Die Agence Havas meldet: China habe Frankreich eine erste Genugthuung gewährt durch die in dem Amtsblatt von Peking am 16. d. erfolgte Publikation eines Decrets, welches ent— sprechend den Bestimmungen des Vertrages von Tientsin die Räumung von Laskai, Langson und Caobang anbefehle und die Zurückziehung aller chinesischen Truppen auf das chinesische Gebiet anordne. Die Räumung solle binnen Monats— frist erfolgen. Die Verhandlungen über die Entschädigung nähmen ihren Fortgang. Bis zur Regelung derselben werde das französische Geschwader unter Admiral Courbet in beobach— tender Stellung vor Futschou bleiben.
Großbritannien. London. Das Hampshire— Regiment in Hosport wurde beordert, sich zum Abgang nach Malta bereit zu halten, um ein von dort nach Egypten abgehendes Regiment zu ersetzen.
— Einer Meldung der Agence Havas zu— folge haben die finanziellen Beiräthe der Con— ferenz sich sämmtlich gegen den Antrag Englands auf Reduction der egyptischen Grundsteuer und der Zinsen der egyptischen Schuld ausgesprochen.
— 20. Juli. Die Königin hat sich gestern mit der Prinzessin Beatrix von Windsor nach Claremont zu der Herzogin von Albany begeben, die von einem Sohne entbunden wurde. Die Abreise des Hofes nach Osborne ist bis auf Weiteres verschoben worden.
Spanien. Madrid, 18. Juli. Die De— putirtenkammer genehmigte in ihrer heutigen Sitzung den zwischen Cuba und den Vereinigten Staaten von Nordamerika abgeschlossenen Ver— trag und wurde sodann geschlossen.
Rumänien. Bukarest. Wiener Blättern wird von hier berichtet, daß der deutsche Kron— prinz hierselbst im Herbst zum Besuch des Königs Carl eintreffen wird.
Rußland. Petersburg. Ueber ein geplantes Attentat auf den Kaiser, welches während dessen demnächst stattfindender Anwesenheit in Warschau zur Ausführung kommen sollte, bringt die„Re— forma“ einen längeren sensationellen Bericht.
— Ein kaiserlicher Erlaß ernennt den Staats— secretär Kochanoff zum Präsidenten und die Sena— toren Rennenkampf, Holtheer, Mordwinoff und Gerard zu Mitgliedern der temporären Spezial— session des Reichsraths, welche die Immediat— klagen über die Verfügungen des Senatsdepar—
Amerika. New⸗Pork. Ein Schreiben Blaine's erklärt die Annahme der Ernennung zum repu— blikanischen Präsidentschaftscandidaten.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Lehrer und Schüler unseres Schul⸗
lehrer-Seminars haben am 18. d. M. einen Ausflug nach dem Niederwald gemacht. Geistig erfrischender und von mächtigerem Einfluß auf Erzeugung ächter nationaler Gesinnung kann kaum etwas Anderes gedacht werden. Wie ging den Seminaristen das Herz auf bei der Rhein⸗ fahrt durch den entzückenden Rheingau! waxen doch die meisten noch nicht am Rheine gewesen. Die Freude wurde erhöht durch die Begegnung mit einem Württem berger Lehrer-Seminar, das denselben Reisezweck, wie das Friedberger Seminar, hatte, und mit dessen führen dem Oberlehrer die vom Stuttgarter Seminarlehrertag herrührende Freundschaft mit dem Lehrercollegium des Friedberger Seminars erneuert werden konnte. Am Nationaldenkmal angelangt, wurde den Seminaristen zuerst über das Denkmal, sowie über dessen einzelne Theile und Figuren Aufschluß ertheilt, sodann patrio⸗ tische Lieder mit hoher Begeisterung gesungen, welche durch eine, von ächter Vaterlandsliebe und kernhafter, nationaldeutscher Gesinnung getragene, schwungvolle Rede des Seminardirektors Schäfer bei den zahlreich An— wesenden wahrhaft in Enthusiasmus überging. Wärmer ist unser glorreicher Heldenkaiser noch nie gefeiert, und des Vaterlandes in größerer Innigkeit noch nie gedacht worden, wie gerade in diesem erhebenden Augenblicke; zu Beidem konnte auch ein besseres und ergreifenderes Symbol nicht auffordern, als die Germania vor unseren Augen. Es war in der That eine wahre Weihestunde, in der sich aus den verschtedensten Theilen Deutschlands Deutsche in gehobener, patriotischer Stimmung zu— sammenfanden. Alle zollten Direktor Schäfer dankbare Anerkennung für seine Rede und den schönen Gesang der Seminaristen. Auch der Oberlehrer des Württem— berger Seminars hielt eine gute, schöne Rede, welche ebenfalls den deutschen Kalser verherrlichte. Beim heiteren Mittagsmahl der Mitglieder des Friedberger Seminars wurde dem geliebten Landesfürsten in gerechter Würdigung seiner ruhmvollen Antheilnahme an der großen nationaldeutschen Sache, wie der Förderung aller guten Institutionen und Veranstaltungen im eigenen Lande, insbesondere auch des Schulwesens, in überkommener Hessentreue ein begeistertes Hoch gebracht. Allen Theil⸗ nehmern dieser schönen Parthie entschlüpften bei der Heimfahrt die Worte:„Das war ein schöner Tag, der uns unvergeßlich bleiben wird.“ I. Friedberg. Gestern Nacht 3 Uhr wurden von einer Gesellschaft junger aus dem Wirthshaus heimkehrender Leute die Marquisen an den Läden durchgeschnitten. Da man die Helden erkannt hat, so wird die Belohnung für diese riesige Heldenthat an dem nächsten Schöffen gericht erfolgen.
Groß-Gerau. Ueber den bereits von Darmstadt aus gemeldeten furchtbaren Gewittersturm, welcher am 17. Juli Nachmittags hauste, werden aus dem Ried von verschiedenen Seiten sehr bedenkliche Mittheilungen ge
macht. Seit Menschengedenken wurde das Ried von einem solch fürchterlichen Naturereigniß nicht heim gesucht. Die ganze Natur war in Aufregung und so
heftig folgten die Blitze, daß man in einem Feuermeer zu sein glaubte. Reisende, welche das Ried durchfuhren, bemerkten 4 Stellen, an welchen der Blitz eingeschagen hatte und Gebäude entzündet worden waren; in Biebesheim wurden durch den Blitz zwei Gebäulichkeiten in Brand gesteckt; durch die Gewalt des Sturmes wurden sehr viele Bäume entwurzelt, während die große Mehrzahl der Bäume ihrer Aeste beraubt wurde; überall waren die Landleute mit dem Schneiden der Frucht beschäftigt und zählte einer der Reisenden über 30 große Frucht— wagen, welche von dem Sturme umgeworfen waren, während die Frucht in alle Winde zerstreut wurde. Das Dampfboot„Moltke“ der Köln-Düsseldorfer Gesell— schaft, welches auf der Tour von Worms nach Mainz begriffen war, hatte ebenfalls von dem Sturm viel zu leiden. Die Plan des Schiffes wurde in Fetzen gerissen und die eisernen Stangen auf dem Schiff wie Rohr gebogen. Auch in Bingen wüthete um Mittag ein hef— tiges Gewitter und hatten die Badeanstalten auf dem Rhein viel zu leiden.
i. Darmstadt. Die in dem Landesverband der hessischen landw. Creditgenossenschaften(einem Bestand— theil des südwestdeutschen Verbands) eingeführte obli— gatorische Revision durch einen Verbands beamten hat nunmehr bei allen dem Verband seit längerer Zeit an— gehörigen Vereinen stattgefunden und steht aus dem Kreis Friedberg nur noch die Revision eines vor Kurzem beigetretenen Vereins aus. Der Vorschuß- und Credit— verein zu Assenheim, sowie die Spar- und Leihkasse zu Holzhausen v. d. H. haben in jüngster Zeit nun auch ihren Beitritt zum Verband angezeigt, während noch einige solcher ländlichen Vereine aus diesem Kreis, welche den Werth der Revisionen zu gering schätzen, zum Ein tritt in den genannten Verband und zur Unterstellung unter die Verbandsrevision sich nicht entschließen können.
Allerlei.
Leipzig, 20. Juli. Der anläßlich des 8. deutschen Schützenfestes veranstaltete Festzug, an welchem gegen 6000 Personen theilnahmen, verlief heute äußerst glän— zend. Vor dem Palais des Königs wurde eine Huldig— ung dargebracht. Während des Festzuges stürzte leider
tements zu prüfen hat.
das Gerüst des neuen Börsengebäudes ein, auf welchem sich viele Personen befanden, um von dort aus den
gestzug in Augenschein zu nehmen, 2 Personen wurden schwer, 6 leicht verletzt.
Paris, 17. Juli. Seit heute Vormittag 10 Uhr sind in Marseille 15 und in Toulon 24 Personen an der Cholera gestorben.— 18. Juli. Von heute früh bis heute Abend sind in Marseille 24 und in Toulon 16 Cholera Todesfälle vorgekommen.— 19. Juli. Von gestern Abend bis heute Abend sind in Marseille 49 und in Toulon 38 Personen an der Cholera gestorben. Aus Arles wurden heute vier, aus Sisteron zwei, aus Nimes ein Cholera-Todesfall gemeldet.— 20. Juli. In Toulon starben von gestern Abend bis heute Vormittag 10 Uhr 31 Personen, in Marseille 32 Personen an der Cholera.
London, 18. Juli. In Liverpool traf heute der Dampfer„Saint Dunstan“ aus Marseille ein. Auf der Reise sind an Bord zwei Cholera-Todesfälle vorgekommen. Das Schiff wurde auf Anordnung der Sanitätsbehörden vollständig isolirt.
London. Ueber das fürchterliche Eisenbahnunglück, welches sich bei dem Schnellzug Manchester-London am 16. d. M. zutrug, wird weiter berichtet, daß die Ent⸗ gleisung des aus 7 Doppelwaggons bestehenden und mit Passagiren von Manchester, Newark, Liverpool, Grimsby und London ziemlich gefüllten Zuges in Folge des Bruches einer Achse der Locomotive erfolgte. Der Zug stürzte einen steilen Damm hinunter, wo die Waggons durch den jähen Fall in Trümmerhaufen verwandelt wurdeu. Der Locomotivführer und der Heizer blieben unversehrt, aber 20 Personen wurden getödtet und über 40 verwundet, einige darunter so erheblich, daß ihr Aufkommen bezweifelt wird. Unter den Getödteten be— finden sich 9 Frauen und 4 kleine Kinder. Inmitten der zerschmetterten Waggons spielten sich herzzerreißende Scenen ab.
Gerichtssaal.
Butzbach. In der am 11. Juli stattgehabten Schöffengerichts-Sitzung kamen folgende Sachen zur Aburtheilung: 1) Karl Hartmann, Taglöhner von Butzbach, angeklagt wegen Diebstahls, erhielt eine Ge— fängnißstrafe von 14 Tagen und die Kosten; 2) der Landwirth Karl Jung von der Oes, angeklagt wegen Körperverletzung, erhielt eine Geldstrafe don 10 Mark ev. 3 Tage Gefängniß und die Kosten des Verfahrens; 3) Bettchen Meier von Holzheim, erhielt wegen Haus— friedensbruchs eine Geldstrafe von 6 Mark ev. 2 Tage Gefängniß und wegen Körperverletzung eine Geldstrafe von 10 Mark ev. 3 Tage Gefängniß, sowie die Kosten des Verfahrens; 4) die Privatklagesache des Nicolaus Wissig und des Konrad Wissig II., beide von Langenhaln, gegen Reinhard Lemp daselbst, fand durch Vergleich ihre Erledigung; 5) der Landwirth Philipp Reineck IV. von Münster hatte gegen den Peter Jung, Sohn des Bei⸗ geordneten Jacob Jung von da, die Anklage wegen Be⸗ leidigung durch die Presse erhoben und wurde der An⸗ geklagte in eine Gefängnißstrafe von 3 Wochen und in die Kosten des Verfahrens, sowie zur Erstattung der dem Privatkläger erwachsenen nothwendigen Auslagen verurtheilt, dem Ankläger auch das Recht zuerkannt, den entscheidenen Theil des Urtheils einmal auf Kosten des Angeklagten binnen 14 Tagen nach erlangter Rechtskraft in den„Wetterauer Boten“ einrücken lassen zu dürfen.
Ueber die Cholera
entnehmen wir der Berliner klinischen Wochen— schrift: Die Angaben über die Erkrankungen und Todesfälle an der Cholera lassen ein ge— ringes Wachsen derselben erkennen. Leider dürfen wir uns auf die Zuverlässigkeit dieser Daten, wie überhaupt auf die französischerseits über die Epidemie gemachten Angaben nicht verlassen. Während es erst hieß, daß das Expeditiousschiff „Sarthe“ durchaus frei von dem Verdacht der Einschleppung sein sollte und die ersten Todes⸗ fälle auf dem„Montebello“ vorgekommen wären, sagt die Gazette médicale, daß nach Privatbe— richten aus Toulon Niemand daran zweifele, daß die Cholera durch die„Sarthe“ eingeschleppt sei. Man habe Effecten von der„Sarthe“ auf den„Montebello“ gebracht, auf dem die Cholera einige Tage später ausbrach und durch die Ueber⸗ führung der Kranken an Land schnell propagirte. Ob auf diesem oder einem anderen Wege, daran ist nicht zu zweifeln, daß die Quelle der Epi— demie auf das französische Kriegsschiff zurückzu⸗ führen ist. Die auf den Bahnstationen u. a.
vorgenommenen Desinfectionsmaßregeln bezeichnet Dr. Rochard als Kindereien und mit vollem Recht. Er hatte den Auftrag, Koch zu empfangen, vom Handelsminister erhalten und ist demselben mit voller Courtoisie, indem er unserem Forscher alles Nöthige und Gewünschte zur Verfügung stellte, nachgekommen. Auf die überall auf⸗ tauchenden Gerüchte von Cholerafällen ist selbst⸗ verständlich Nichts zu geben. Bekanntlich wird zu Cholerazeiten jede Brechruhr von ängstlichen Gemüthern als Cholera denuncirt. Nicht so
leicht dürfen wir es nehmen, daß 3 Todesfälle
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