Kriegsminister kündigte die Zurücknahme der Vor⸗ lage betreffend die Armeereserve an. 0
Frankreich. Paris, 6. Dez. Im Senat bekämpfte Ferry die Amendements Naquet's und des Herzogs von Broglie, wonach die Senats— wahl mittelst allgemeinen Stimmrechts erfolgen soll. Der Minister erklärte, das Hervorgehen beider Kammern aus demselben Entstehungs— modus würde das gegenwärtige System voll⸗ ständig umstürzen und dem parlamentarischen Regime widersprechen. Das Amendement Na— quet's wurde abgelehnt. Ein Amendement Laseinty's, welches für die Senatswahlen das allgemeine Stimmrecht mit zwei Abstufungen angewendet wissen wollte, wird mit 145 gegen 85 Stimmen abgelehnt.
— 6. Dec. Die hiesige Handelskammer
protestirte gegen die Erhöhung der Getreidezölle. — Straßenanschläge forderten vergangene Nacht zu einem morgen in Belleville abzuhaltenden Meeting, welches über eine Massenkundgebung vor dem Elysce berathen sollte, auf. Die Po— lizei entfernte die Plakate. Der chinesische Gesandte in London, Marquis Tseng, übergab dem Minister des Aeußern, Lord Granville, ein Memorandum, enthaltend die Bedingungen, unter welchen China geneigt wäre, Frieden mit Frankreich abzu— schließen. Die englische Vermittelung darf so⸗ nach als offiziell begonnen betrachtet werden. Lord Granville hat bereits mit dem französischen Botschafter Waddington darüber conferirt.
Großbritannien. London, 5. Dec. Das Unterhaus nahm die Bill über die Neueintheil— ung der Wahlbezirke in zweiter Lesung nach siebenstündiger Debatte an und beschloß sodann, sich am Sonnabend bis zum 19. Februar zu vertagen.— Das Oberhaus nahm in dritter Lesung die Reformbill abstimmungslos an.
— 6. Dez. Beide Häuser des Parlaments wurden, nachdem die Reformbill die königliche Sanction erhalten, bis 19. Februar vertagt.
Rumänien. Bukarest, 6. Das Ministerium überreichte dem Könige gestern seine Demission. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird Carp Majorenu in das neue Cabinet eintreten. Die Demission des Cabinets erfolgte, weil beide Kammern auf Grund des neuen Wahlgesetzes gewählt sind und das Mi⸗ nisterium die Bildung eines aus der neuen Par— lamentsmajorität hervorgehenden Cabinets er— möglichen will. Die Demission war schon vor den Wahlen beschlossen. Das Parlament autori— sirte in einer vertraulichen Sitzung die Präsidenten der beiden Häuser, dem Könige Bratiano als denjenigen zu bezeichnen, welcher den Kammern geeignet erscheine, das neue Cabinet zu bilden. Der Beschluß wurde heute dem Könige unter— breitet.
Rußland. Petersburg. In der Nacht
Dec.
Dirigenten, Seminarlehrer Schmidt, leistete Vorzügliches und namentlich die beiden Fugen in„die Himmel er⸗ zählen“ und in dem Schlußchor gingen„wie am Schnürchen.“ Da war kein Schwanken und kein falscher Ton, sondern ein sicheres Einsetzen und eine Durch- führung, der man anmerkte, daß Dirigent und Sänger mit Lust und Liebe an der Arbeit waren. Und wie erst sangen die Solisten! Wem sollen wir hier die Palme zuerkennen? Alle waren gleich vorzüglich! Ueber welch herrlichen Baß gebietet Thomas, wie hat Bautz sich seit seinem letzten Auftreten hier gemacht; das war Wohl⸗ laut bei Beiden in jedem Tone und vollste Hingabe und volles Hineinleben in den übernommenen Part.„Unser“ Geissell, denn so dürfen wir ihn getrost nennen, der in liebenswürdigster Weise stets beceit ist, wenn es gilt hier mitzuwirken, sang seinen Adam, daß es eine Lust war ihm zuzuhören; wie kamen die Töne schön und voll aus seiner Brust!„Und wo das Starke mit dem Zarten sich paart, da gibt es einen schönen Klang,“ wo uns die„Nachtigallen“ im Winter so schlagen, da geht einem das Herz auf. Wie großartig schön hat die Stimme des Fräulein Nachtigall sich entwickelt! Das ist eine Stimme von Gottes Gnaden,„goldig“ warm die Töne und„goldig“ die ganze Erscheinung. Dabei keine Spur von Prätension, wie sie sonst Sängerinnen so oft eigen; einfach, bescheiden und doch sicher und bewußt war ihr Auftreten und ihr Gesang. Noch tönt uns im Ohr das „Girren der Tauben“ und„der Nachtigallen reizender Gesang.“ Weiterhin aber müssen wir noch der Begleitung erwähnen. Schon wissen wir nicht anders, als daß, wenn der Musikverein öffentlich auftritt, Seminarlehrer Link nicht fehlen darf. Wir haben das Orchester kaum vermißt, in so vortrefflicher Weise wußte Link die Schön⸗ heiten und Feinheiten des unsterblichen Meisterwerkes der„Schöpfung“ wiederzugeben. Er hat den vollsten Antheil an dem Gelingen des schönen Werkes. Und daß unser Publikum kunstverständiger geworden und recht wohl zu würdigen weiß, was ihm geboten wird, das hat es durch seine Theilnahme bewiesen. Das überfüllte Haus geizte nicht mit seinem Beifall. Vorstand und Dirigent des Musikvereins dürfen mit gerechtem Stolze auf das Concert zurückblicken. Nach demselben ver⸗ einigte ein durch Toaste und Vorträge gewürztes im— provisirtes Bankett den größten Theil der Anwesenden und vis in die späte Nacht hinein herrschte eine gehobene Stimmung. Möge der Musikverein auf der betretenen Bahn weiter fortschreiten!
6. Friedberg. Vor etwa zehn Jahren erregte in den Concertsälen ein Knabe, Maurice Dengremont, 9 Brasilianer, durch sein virtuoses Geigenspiel großes Auf⸗ sehen. Er wurde damals einige Jahre lang als Wunder⸗ kind durch die Welt geführt und überall angestaunt, worauf er plötzlich vom Schlauplatz verschwand. Jetzt erscheint er wieder auf dem Concertpodium und die Be⸗ fürchtung ernster Musiker, der junge Dengremont werde, gleich so vielen Wunderkindern, zu Grunde gehen, ist glücklicher Weise nicht eingetroffen. Nach den Berichten aus Berlin, Dresden und anderen großen Städten ist aus dem Wunderkind ein Künstler geworden, den man zu den Ersten in seinem Fache zählen kann. Dengremont, die Sängerin Johanna Wegner und der Klaviervirtuose Hof— pianist Paul Eckhof befinden sich eben auf einer größeren Concertreise, auf welcher sie auch unsere Stadt berühren und hier am 9. Dezember, wie in unserem Inseratentheile angezeigt, ein Concert geben werden. Auch über die beiden anderen Mitglieder des Künstlertrios liegen die besten Berichte vor. Von Frau Wegner heißt es, sie sei auf eine Linie mit Fräulein Spieß zu stellen und von Eckhoff einem Schüler von Scharwenka, Reinecke und Liszt, wird gesagt, er sei einer der würdigsten Schüler seiner Meister. Hoffen wir, daß das Concert trotz der sehr un⸗ günstigen Zeit, gut besucht werde.
v. Friedberg. Am 30. November wurde die Kranken⸗ Unterstützungkasse zu Friedberg, eingeschriebene Hilfskasse, geschlossen. Dieselbe wurde nach Erlaß des Hlülfskassen—
vom 27. zum 28. v. Mts. wurden bier 17 Anarchisten, darunter ein Frauenzimmer, ver— 0 U 8 5 9„ aftet. Im Besitz der Verhafteten wurden Pro—
— J—— 2 2 klamationen revolutionärer Aufrufe und andere Documente verbrecherischen Inhalts vorgefunden. A gef — Aus Dorpat(Livland) werden neue Agrar— verbrechen und Brandstiftungen gemeldet.
Aus Stadt und Land.
, Friedberg. Wenn je ein hier gegebenes Concert Anspruch darauf machen darf, in diesen der Lokalchronik gewidmeten Blättern erwähnt und besprochen zu werden, so ist es das am 30. November stattgehabte des hiesigen Musikvereins und wenn diese Besprechung erst heute er folgt, so hat dies in besonderen, bier nicht zu erörtern— den Umständen seinen Grund. Unserem Musikverein sind wirklich„die Flügel gewachsen“ und er bat gezeigt, was Eifer, Fleiß und stetes im Auge Behalten eines idealen Zweckes vermögen. Es war trotz Dengromont, Wegner und Eckhof ein Eliteconcert. Wir sind mit unserem Beifall sehr karg und wo wir Nichts zu loben haben, schweigen wir lieber, als daß wir uns dazu bergäben zu schmeicheln, aber hier haben wir nur zu loben und wir thun dies mit voller Freude. Hier ist Schweigen Silver, Reden aber Gold. Tagelang gingen uns die Melodien nicht aus dem Kopfe und während wir dies schreiben, schwelgen wir noch in dem Genusse, hoͤren wir noch einmal das Getzörte. Das war eine ganze und fertige Sache don dem ersten Tone der Einleitung an bis zu dem Amen des dritten Theiles. Der Chor
gesetzes im Jahre 1877 gegründet und war lange Zeit die Einzige, die auf Grund dieses Gesetzes im Groß— herzogthum Hessen bestand. Bei den geringen Beiträgen, die sie erhoben hat, war es ihr nicht leicht gewesen, ibren Verpflichtungen nachzukommen, und sie hätte sich längst auflösen müssen, wenn sie nicht manche sehr dankens— werthe Unterstützung von verschiedenen Seiten erhalten hätte. Durch das neue Krankenkassengesetz ist ihr Be— stehen überflüssig geworden, da den Gesellen, Gebülfen und Fabeikarbeitern in der biesigen Ortskrankenkasse die nothwendige Gelegenheit geboten ist, in Erkrankungs⸗ fällen die gesetzlich angeordnete Versicherung zu finden. Der Vorstand der seitherigen Hilfskasse hat nur noch die Verpflichtung, nachdem die rückständigen Beiträge eingegangen, die noch zu tilgenden Schulden gezahlt sind, die letzte Rechnung stellen zu lasser, welche zur Prufung der Großh. Bürgermeisterei mit dem etwa verbleibenden Baarvorrath, über dessen Verwendung diese Behörde gemäß§. 41 der Skatuten vom 22. Januar 1881 zu entscheiden bat, eingesandt werden wird. Zugleich ist aber mit dem 1. Dezember d. J. eine neue, freie Kranken⸗ kasse in das Leben getreten, welche aus 95 Familien⸗ vätern besteht, die als freiwillige Mitglieder der früheren eingegangenen Hilfskasse angehört haben. Die neue Kasse
O den Familien⸗
Ueber ihre Zulassung zur Kasse hat der Vorstand in der nächsten Sitzung, welche im Monat Januar des nächsten Jahres abgehalten wird, zu entscheiden. Wenn es auch schwer war, die alte Kasse zahlungsfähig zu er— halten, so war sie doch für sehr viele Arbeiter und Familienväter eine große Wohlthat gewesen. Möchte auch die neue Kasse sich als eine wohlthätige erweisen und die Mitglieder in Frieden an derselben festhalten. Friedberg. Die hiesige Zuckerfabrik„Wetterau“, welche mit der diesjährigen Campagne am 15. September begonnen, hat im Monat September aus 60,170 Ctr. Rüben 5,328 Ctr. Zucker Oktober„ 130,310„„ 9 November„ 135,420„ 5 12818 8 zusammen aus 325,900 Ctr. Nüden 30,680 Ctr. Zucker (erstes Produkt) erzielt. Die Steuer für die in den obigen Monaten verarbeiteten Rüben beträgt 260,720 M. Das Rübenquantum, welches muthmaßlich in dieser Cam⸗ pagne hier noch zu verarbeiten ist, kann zu 274,000 Ctr. angenommen werden. h. Darmstadt. Die XXIII. Delegirten Versamm⸗ lung des Verbandes der hessischen landwirthschaftlichen Consumvereine findet Mittwoch den 17. Dez., Vormittags 10 Uhr, dahier im Saale des Darmstädter Hofes statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1) Jahresbericht des Ver⸗ bandspräsidenten 1884. 2) Revision des Verbandsstatuts. 3) Neuwahl des Verbandausschusses und der Rechnungs- prüfungs⸗Commission und eventuell: Wahl des Präsi⸗ denten und des Vicepräsidenten. 4) Welche Vortheile bietet die Lebens versicherung den Landwirthen und in welcher Weise kann dieselbe durch unsere genossenschaftlichen Or⸗ ganisationen gefördert werden? Referent: Bankdireetor Frhr. v. Wedekind in Darmstadt. 5) Welche Aufgaben sind dem Verbande im Interesse der Förderung des Molkereiwesens gestellt und in welcher Weise können unsere Genossenschaften, sowie der Verband die Verwerthung der Molkereiproducte fördern? Referent: Oberverwalter Dettweiler in Darmstadt. 6) Anfragen und Mittheilungen aus den Vereinen. In Verbindung mit der Versammlung wird in den Stunden von 8— 10 Uhr Vormittags in demselben Locale eine allgemeine Probe von Feinkäsen, insbesondere in Deutschland bereits fabrizirten Feinkäsen (Camenbert, Fromage de brie, Neufchäteler etc.), ferner von sonstigen französischen, ebenso englischen, holländischen, italienischen Käsen, im Interesse der Förderung der Fein⸗ käsefabrikation in unserer engeren Hesmath, auf Beschluß des Verbandsausschusses veranstaltet werden und hoffen wir auf eine starke Betheiligung aus den Kreisen unserer Verbandsgenossen. Zur Versammlung und zur Probe sind endlich auch alle Freunde der genossenschaftlichen Sache herzlich eingeladen. Nach Schluß der Versamm— lung findet ein gemeinschaftliches Mittagessen statt.
Allerlei.
Frankfurt, 6. Dez. Der vorgestern Nachmittag von Köln hierher abgegangene Schnellzug wurde bei der Ausfahrt aus dem Kölner Bahnhof von einem Güter— zuge angefahren, Zuges zertrümmerte, digt wurde.
Koburg, 2. Dez. In Folge falscher Weichenstellung fuhr auf dem hiesigen Bahnhof beim Rangiren eine Locomotive seitwärts auf einen mit Güterwagen und bohrte sich tief in diesen ein. Güterwagen wurde stark beschädigt und die Ladung zum Theil ruinirt; auch die Maschine erlitt Beschädigungen. Locomotivführer davon.
Crefeld, 5. Dez.
gehenden Personenzuge nach Köln deim Ausfahren aus dem Bahnhofe in die Flanke. zertrümmert und 3 Personenwagen beschädigt. wurden nicht verletzt. Der Locomotioführer der leeren Maschine wurde leicht verwundet.
Aachen, 5. Dez. Siebzehn bei Rochefort gescheiterte deutsche Seeleute trafen heute von Paris hier ein und werden nach ihrem Stationsorte Danzig weiter befördert.
Bremen, 5. Dez. Das Rettungsboot„Köln“, Station Cuxhafen, rettete heute von der auf dem Kratzsand gestraandeten Oldenburger Brigg„Catharine“, Capitän Brumund, 11 Personen. Das Schiff ist verloren.
Hamburg, 6. Dez. Weststurm und Eisgang haben gestern Nacht im Hafen arg gewüthet. Zwei Schwimm⸗ docks mit in ihrem Innern aufgedockten Schiffen wurden losgerissen und eine Anzahl Dampfer und Segler stecken im Eise inmitten des Fahrwassers und haben den Fähr verkehr unterbrochen; die Marktschiffe sind ausgeblieben.
Repertoir⸗Entwurs der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus. 5 Dienstag den 9.: Afrikanerin.. Mittwoch den 10.: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: 9
Czaar und Zimmermann. Außer Abonn. Donnerstag den 11.: Trompeter von Säkkingen. Freitag den 12. Geschlossen. Samstag den 13.: Neu einstudirt: Sonntag den 14.: Undine.
Die Favoritin.
gewährt nicht blos, wie die Ortskasse, vätern, sendern auch den Frauen und Kindern freien
Arzt und Arznei und bildet demnach eine wünschens— werthe Ergänzung zu der Ortskrankenkasse. Der Ein⸗
tritt in diese Kasse kann auch den verheiratbeten Gesellen und Gewerbegehälfen gestattet werden. Wenn sie der früheren Hilfskasse angehört haben, so haben sie sich bei dem Beigeordneten Reuß anzumelden und zu einem
unter der sicheren und schwungvollen Leitung seines
monatlichen Beitrag von 1 M. 50 Pf. zu verpflichten.
Schauspielhaus. Gastspiel des Herrn Aengsten. Sohn
W. Knaack: Hof⸗
Dienstag den 9.: auf Reisen,
meister in tausend Schneider Fips.
Mittwoch den 10.: Gastspiel des Herrn W. Knaack. Taub muß er sein. Hierauf: Mean sucht einen Er zleher. Monsicur Hereules. Damoiseau, Meier, Cäsar: Herr Knaack.
welcher den Schlußwagen des Kölner wobei ein Schaffner leicht beschä⸗
und Heizer kamen mit dem Schrecken
Die„Crefelder Zeitung“ meldet; a Eine leere Maschine fuhr um 7 Uhr Morgens dem ab⸗
Ein Gepäckwagen wurde Passagiere
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Mehlsäcken gefüllten Der
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